Goldene Bulle - Warum war Deutschland im Bezug zur IndustriellenRevolution Spätzünder

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von Gast, 1. Oktober 2005.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo Leute,
    ich habe da ein Problem, bei dem ich Hilfe benötigen könnte!!!!

    Ich muss einen Vortag in Form einer Problem-Erörterung halten.
    Das Thema ist die Goldene Bulle.
    Hierbei soll ich näher auf die Zentralgewalten und die Partikulargewalten eingehen, doch im Hinterkopf soll ich mir immer die Frage stellen : "Warum war Deutschland Spätzünder?" im Bezug zur Industriellen Revolution.

    Ich bitte um Hilfe!
    DANKESCHÖN
     
  2. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    ???? Goldene Bulle: 1356

    Industrielle Revolution startet in England so Mitte des 18. Jhd. - da sind also 400 Jahre dazwischen. Finde ich etwas gewagt, hier einen solchen Zusammenhang herstellen zu wollen.

    Aber kurz: Dadurch, dass das Reich immer mehr in Territorialstaaten zerfiel (Partikulargewalten), bildeten sich dt. Staaten mit unterschiedlichen Maßen, Gewichten, Gesetzen ... und Zollgrenzen. Das erschwerte den Handel und dann später auch die Industrialisierung. Wohlgemerkt: diese Entwicklungen waren 1356 keineswegs abgeschlossen, manche hatten noch gar nicht richtig angefangen.

    Bei der Frage, warum erst später industrielle Revolution aber auch mit im Kopf haben: Zunftwesen, Leibegenschaft, Rohstoffe ...
     
  3. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Ich finde die Fragestellung nicht sehr glücklich gewählt, aber das wird Dir sicher auch nicht viel nützen.
    Vermutlich - wie "Papa" schon geschrieben hat - sieht der Aufgabensteller die hohe Zersplitterung des neuzeitlichen Deutschlands als Hauptgrund für die verspätete Entwicklung Deutschlands an, wozu auch die Industrialisierung gehört.

    Die Goldene Bulle legte hauptsächlich fest, dass die sieben Kurfürsten den deutschen König wählen durften. Zusätzlich aber wurden die Macht der Kurfürsten gestärkt und die Unteilbarkeit der Kurfürstentümer festgelegt.
    Dies war natürlich eine Stärkung der Partikulargewalten und niemand konnte aufgrund dieses Passus ohne weiteres versuchen, die deutschen Feudalstaaten einfach zu vereinen, weil die Kurfürsten ja eine beträchtliche Macht hatten.

    Inwieweit die "Goldene Bulle" um 1800 überhaupt noch eine Rolle spielte, weiß ich nicht.
     
  4. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Die Rolle der Leibeigenschaft ist mir klar, da die Bauern ziemlich imobil waren (im Vergleich zu englischen Pächtern) aber wie das Zunftwesen hinderlich gewirkt hat, würde mich interessieren.
     
  5. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Das Zunftwesen regelte Handwerk (also Güterproduktion) sehr streng. Es war nicht möglich, einfach so einen (Handwerks)betrieb zu eröffnen, da die Zunft in der Stadt bestimmte, wie viele Bäcker es z.B. geben sollte und auch zu welchen Preisen und wie viel pro Tag verkauft werden konnte. Es gab keine Gewerbefreiheit, dh, auch ein "Fabrikunternehmer" konnte nicht so einfach eine Fabrik eröffnen, sondern musste sich mit den örtlichen Zünften auseinander setzen.
     
  6. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Das allein kann's nicht gewesen sein. Im Umkehrschluss müsste ein Land mit starker Zentralgewalt wie beispielsweise Frankreich mit der Industrialisierung wesentlich früher dran gewesen sein als Deutschland bzw. die deutschen Teilstaaten, war es aber nicht.
    Außerdem setzte die Industrialisierung in Deutschland ein (ab ca. 1830 +) und dauerte ca. ein halbes Jahrhundert an, ohne dass es einen einheitlichen Staat und eine wirtschaftsfördernde zemtralgewalt gab, wenn auch Zollverein u. Ä. den Handel und indirekt die industrielle Produktion erleichtert haben dürften.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Oktober 2005
  7. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Geht ja nicht darum, dass es keine Industriealisierung gegeben hätte, sondern dass sie später kam - und bei weitem nicht in allen dt. Staaten ab 1830, sondern vor allem z.B. in Preußen, wo man recht früh Leibeigenschaft und Zunftwesen abgeschafft hatte und durch den Gewinn der Rheinprovinz auf dem Wiener Kongress einen Verkehrsweg (Rhein) und Rohstoffe dazu bekam.

    Soweit ich mich erinnere, hat die Industrialisierung tatsächlich auch in Frankreich eher eingesetzt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 1. Oktober 2005
  8. ponzelar

    ponzelar Neues Mitglied

    ich sehe keinen zusammenhang zwischen zwischen der goldenen bulle und der industrialisierung und so sehr war deutschland auch gar nicht nachzügler, lediglich großbitanien und belgien hatten einen deutlichen zeitvorsprung.

    edit: nachtrag wg. s.o.

    sie hat dort etwas früher eingesetzt, aber sie hat sich in frankreich deutlich später durchgesetzt. vielleicht weil frankreich aufgrund seines agrarischen reichtums wenigern auf industrie angewiesen war.


    industrialisierung findet halt da statt, wo die verhältnisse dafür hinreichend günstig sind, goldene bulle, zentralstaatlichkeit, territoriale zersplitterung hin oder her.
    die frühesten industriegebiete deutschlands lagen übrigens ziemlich zerstreut.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Oktober 2005
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  9. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    @ Klaus P.: deine Antworten haben was für sich. Wenn allerdings irgendwie ein Bezug von der Goldenen Bulle zu Deutschlands Rolle als "Spätzünder" gezogen werden soll, muss es vor allem um die politische Ordnung des Reiches gehen.
     
  10. Gast

    Gast Gast

    Ich danke euch!
    sag dann mal wie es am freitag lief *angst*

    bis dann
     
  11. Gast

    Gast Gast

    Hallo Leute, heute war mein Zahltag...
    Ich hab den Vortrag ganz gut hinbekommen! (Eventuell wird es sogar eine 1 )
    Sie war auf alle Fälle sehr erstaunt. (und das ist echt nicht einfach!!!)
    Also noch mal, vielen Danke für eure Unterstützung und die netten Ratschläge!

    Bis bald dann!

    DANKE
     

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