"Grab von Hitlers Eltern aufgelassen" - der schwierige Umgang mit dem NS-Erbe

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Rovere, 29. März 2012.

  1. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    Eine aktuelle Meldung aus Oberösterreich:
    Grab von Hitlers Eltern aufgelassen

    Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Zum einen muss gegen eine Pilgerstätte von Rechtsextremen und Ewiggestrigen vorgegangen werden. Zum anderen verschwindet doch auch ein authentisches Stück Geschichte (wenn auch mit dem Verbrecher Hitler verbunden). Eine Intervention die dieses Grab in einen erklärenden Kontext stellt wäre mir irgendwie sympathischer - mich würden einige Meinungen dazu interessieren.
     
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  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Warum sollten die Eltern zum NS-Erbe gehören? Sie haben keinen Bezug zur NS-Bewegung und sind somit auch nicht in den Kontext zu stellen.

    Zudem gehörte der Reichskanzler und selbsternannte "Führer" zu keiner "Dynastie", die aufgrund einer gewissen Traditionslinie ihre Ahnen "pflegt.

    Das ist m.E. kein besonders positiver noch negativer Vorgang, sondern ein - im positiven Sinne - alltäglicher Vorgang.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. März 2012
  3. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    hmm - also das ist mir etwas zu einfach thanepower. Auch wenn Hitlers Eltern "keinen Bezug zur NS-Bewegung" haben ist der Kontext natürlich da, allein die Tatsache dass dieses Grab als abstruse Pilgerstätte von Rechtsradikalen besucht wird.
     
  4. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Dass Gräber aufgegeben werden ist gängige Praxis. Einen "erklärenden Kontext" als Rechtfertigung, das Grab nicht aufzugeben hinzuzufügen würde bedeuten, die Familie Hitlers nachträglich aufzuwerten und damit erst recht zu einer Pilgerstätte zu machen.

    Nun könnte man einwenden, dass das Ganze doch sicher pädagogisch begleitet werden würde. Nur wie? Das Grab zu erhalten würde bedeuten, die Idee abstammungsbedingter Genialität (andere würden das "Führerschaft" nennen) indirekt zu bestätigen: Wir erhalten das Grab der Eltern Hitlers, weil sich aus diesem genealogischen Kontext Wichtiges über die NS-Zeit lernen lässt.

    Dem ist aber nicht so! Die NS-Herrschaft muss als komplexes Zusammenspiel aller möglichen gesellschaftlich Gruppen interpretiert werden, als eine Angelegenheit mithin, die sich nicht auf ihren Führer oder gar dessen Eltern zurückführen lassen.

    Das Grab ist aufzugeben.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Du hast nach einer Meinung gefragt. Und ich glaube nicht, dass die Auseinandersetzung mit dem NS-System am Grab seiner Eltern geführt werden sollte.

    Ob irgendwelche Nazis da hin pilgern ist mir eigentlich egal, die wirklichen Konflikte mit Neo-Nazis finden an anderen Orten statt.
     
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  6. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Die Eltern Adolf Hitlers sind 1903 beziehungsweise 1907 gestorben. Zumindest auf den Friedhöfen, die ich kenne, ist eine solch lange Liegezeit völlig unüblich. Lediglich architektonisch/künstlerisch wertvolle Grabstätten oder Gräber bedeutsamer Menschen werden über die eigentliche Liegezeiten erhalten.

    Wenn ich mir jetzt den Grabstein anschaue
    http://www.geschichteinchronologie....ckelgruber-u-Klara-Poelzl-Leonding02-zoom.jpg
    dann mag er historisch interessant, aber sicherlich nicht künstlerisch wertvoll sein. Auch waren die Eltern Hitlers keine historisch bedeutsamen Menschen. Wer kennt schon die Eltern Stalins oder von die von Pol Pot.

    Meines Erachtens war das Aufheben der Grabstätte richtig. Könnte es sein, dass hier über Jahrzehnte jemand seine schützende Hand über das Grab gehalten hat? Oder werden in Österreich alle Grabstätten so lange beibehalten? Den Grabstein sollte man im Depot eines geeigneten Museums in Österreich verwahren. Und gut ist.
     
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  7. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Ganz meine Meinung, thanepower.

    Das Grab zu erhalten und noch dazu Erklärungen abzugeben würde bedeuten, den dort beerdigten Menschen mehr Bedeutung beizumessen, als sie wirklich haben/hatten.

    Ihr einziger (zweifelhafter) "Verdienst" ist es, die Eltern Hitlers zu sein. Und, seien wir ehrlich, es wird kaum politisch neutral gerichtete Besucher geben ;) die sich dann tatsächlich auch dafür interessieren. Ein großangelegtes Informationsangebot würde also viel mehr Geld kosten, als es Gutes tut.

    Und den Herrschaften der "braunen" Gesinnung muss man nun wirklich nicht einen weiteren Wallfahrtsort bieten.

    Obwohl ich ja persönlich leise lachen muss bei dem Gedanken, dass diese Personen sich schon an so eigentlich bedeutungslose Orte klammern.
     
  8. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    ich bin tatsächlich erstaunt, dass das Grab so lange existiert hat. Selbst Hitler hat schon selbst einiges getan (tun lassen), damit seine Familie/Herkunft im Dunkeln bleibt.

    siehe auch den Spiegel-Bericht von 1967:
    DER SPIEGEL*31/1967 - Dichte Inzucht


    aber was im Netz zum Grab der Eltern Hitlers kursiert, ist gruselig!
     
  9. Rovere

    Rovere Premiummitglied

    So lange jemand für ein Grab bezahlt so lange darf es bestehen. Die Idee mit einem Museum für den Grabstein klingt im ersten Moment schlüssig - aber da stellt sich sofort die Frage in welches denn? Es würde diesen Stein durch die museale Präsentation gleichsam aufwerten.

    Das Grab ist ja inzwischen weg, eine Wiederherstellung ohnehin ausgeschlossen - der Stein wird wohl ins Depot des Landesarchivs oder einer ähnlichen Institution wandern. Und das ist gut so - für mich stellt sich die Frage der historischen Bedeutung gar nicht. Es gibt sehr wenige haptische Spuren der Herkunft Hitlers. Dieser kam aus der Mitte der Gesellschaft, aus einer für das kleinbürgerliche Milieu der Jahrhundertwende typischen Familie und nicht etwa aus einer diabolischen Dynastie.

    Ein gutes Beispiel für den Umgang mit dieser schwierigen und hochsensiblen Thematik hat Braunau gefunden. Vor dem Geburtshaus Hitlers wurde ein Mahnstein aus Mauthausner Granit aufgestellt und mit der Inschrift "Nie wieder Faschismus Millionen Tote mahnen" versehen. Sonst nichts - keine Infotafel oder ähnliches. Sehr klar, sehr würdig. Eine ähnliche Lösung hätte ich auch im Falle des Leondinger Grabes befürwortet.

    Datei:Mahnstein.JPG ? Wikipedia
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Damit ist doch das historische Interesse gut umschrieben: null.
    Bedarf für die Erinnerungskultur: null.
    Bedarf für weitere Forschung: null.

    Bleibt der (widerliche) Aspekt des "Wallfahrtsortes" für die extreme Rechte (Ecke), die nach Symbolen sucht. Nach vier Wochen interessiert das sonst keinen mehr.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. März 2012
  11. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Was bitte haben Hitlers Eltern, 1903 und 1907 verstorben , mit seinem Tun ~ 30 -40 Jahre später zu tun?
    Außer vielleicht, das sie für ihn zu früh gestorben sind?
    Ich dachte bisher, Sippenhaft und "Blut und Boden" sei was für Rechtsradikale.
    Außerdem war´s nur das Grab seines wahrscheinlichen Vaters.

    Also lasst die Leute doch in Frieden ruhen
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Warum wahrscheinlichen Vaters. Woher hast du denn diese Theorie?

    Alois Hitler und Klara Pölzl heirateten am 7. Januar 1885. DAs war die dritte Ehe von Alois. Das erste Kind kam 1884 zur Welt, das zweite 1886 und das dritte 1887 und dann kam Adolf 1889 zur Welt. Es gibt da ja auch noch die Geburtsurkunde, wo beide Elternteile eingetragen wurden. Kann man alles in Ian Kershaws Hitlerbiographie nachlesen. Inklusive Quellenangaben.

    Willst du nun behaupten, dass es Quellen gibt, welche bezeugen das Klara einen Liebhaber hatte? Oder willst du auf den Mythos der jüdischen Verwandtschaft hinaus? Wenn ja dann kannst du hier weiterlesen:

    http://www.geschichtsforum.de/f66/hitlers-familie-4447/index2.html
     
  13. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    nein, ich habe was falsch gelesen in Bezug auf "Schickelgruber".
    Aber das ist auch ganz egal, denn die Eltern sind nun nicht auch nur irgendwie verantwortlich für das Tun eines Kindes ~ 30 Jahre nach ihrem Tod.
    Und auch Geschwister,Cousins, Cousinen und Kinder haben mit dem Tun des Einzelnen nichts zu tun.
    Sicher kann das Erbe eines Verbrechers ein schweres sein, aber Schuld an dem Verbrechen hat man nicht.
     
  14. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Zwei Seelen schlagen, ach, in meiner Brust! :D

    Einerseits zählt auch dieses Grab in einem weiteren Sinn zum zum NS-Erbe, was schon die Tatsache zeigt, dass Verirrte und Radikale das Grab als Pilgerstätte benutzen. Insofern sind solche Orte oder Bauwerke schützenswert, sofern sie in den historischen Kontext gestellt werden, sei es durch eine Tafel oder ähnliche Informationen.

    Um allerdings einer Pilgerstätte vorzubeugen, würde ich es wie mit der Reichskanzlei oder dem Berghof machen: Entsorgen!
     
  15. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Sehr richtig!

    Im Übrigen hätte Adolf in den 1000 Jahren seiner Herrschaft ohne weiteres ein gigantisches Mausoleum für seine Eltern errichten können, sogar eine Pyramide oder sonst was. Das wäre ohne Probleme möglich gewesen, mit der entsprechenden Propaganda hätte da wirklich eine Gedenkstätte entstehen können. Adolf hätte nur den Befehl, ach was: den Wunsch aussprechen müssen.

    Hat er aber nicht. Weil ihm seine Vorfahren (und damit auch seine Eltern) nicht so viel bedeutet haben. Andere Gräber seiner Ahnen hat er ja mitsamt den betreffenden Dörfern niederwalzen und in einen Truppenübungsplatz umwandeln lassen; so weit ist er bei seinem Elterngrab dann doch nicht gegangen.

    Ist schon seltsam, dass Neonazis mehr für das Elterngrab übrig hatten als ihr "Führer"....
     
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  16. lisi1103

    lisi1103 Neues Mitglied

    Ich bin übrigens aus dem Ort wo das Grab seiner Eltern liegt. Und bei uns gibt es einen alten und einen neuen Friedhof, daher wurde das Grab so lange nicht aufgelassen. Meine persönliche Meinung ist die, das es keine Sippenhaftung geben sollte. Was können seine Eltern dafür, was aus ihrem Sohn geworden ist.
    Was aus dem Haus geworden ist, in dem Hitler damals gewohnt hat find ich persönlich jetzt etwas makaber (Bestattung), aber gut...warum auch nicht, die wenigsten wissen wo dieses Haus liegt.
     
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  17. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Verstehe ich das richtig? Im Haus, in dem früher Hitler wohnte, ist jetzt ein Bestattungsunternehmer ansässig?
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig, Sippenhaftung darf es nicht geben. Aber was bedeutet das für die vorliegende Problematik?
    Wenn das österreichische Recht da dem deutschen ähnelt, wovon ich ausgehe, dann wird ein Grab, wenn es sich nicht um eine von größerer Bedeutung handelt, nach einer bestimmten Zeit abgeräumt (ich weiß nicht genau, nach welcher, aber das ist auch unerheblich).
    Hätte z.B. das Grab von Hitlers Eltern eine besondere Architektur, wäre es sicher angezeigt, es als Denkmal zu erhalten.
    Wenn es sich aber nicht von anderen abhebt, dann muss man sich die Frage stellen, ist es besonders geschichtsvergessen, es nicht zu erhalten? Auf der anderen Seite: Welche Botschaft vermittelt die Erhaltung des Grabes an den Rest der Welt? Etwa, dass man vor Ort eine positive Sichtweise auf Hitler habe? Und schon ist man in einem Dilemma.
    Wäre die Erhaltung des Grabes in Hitlers Sinne? Wenn dem so wäre, wäre es erst Recht angezeigt, es nicht über die übliche Erhaltungszeit zu erhalten, aber da steht dann wieder - nicht zu Unrecht - der Vorwurf der Geschichtsvergessenheit im Raum. Auf der anderen Seite: Wollte er vielleicht, dass man es nicht erhält (H. hat ja immer versucht, die Wurzeln seiner Familie etwas im Dunkeln zu halten)? Dann wäre eine Erhaltung des Grabes quasi entgegen dem Führerwillen, beinahe schon wieder angezeigt.
     
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  19. lisi1103

    lisi1103 Neues Mitglied

    Ja das hast du ganz richtig verstanden...und in Braunau ist die Volkshilfe drinnen...

    Und was ich zu dem Thema sagen möchte, dass das Grab so lange bestand hatte. Ich hab leider keine Ahnung wie das Recht aussieht, aber was ich so weiß ist es für jeden Friedhof anders. Und da es in der Ortschaft sowohl einen alten als auch einen neuen Friedhof gibt, denke ich mal sie werden die Gräber gelassen habe...aber das ist jetzt nur mal so eine Vermutung.

    Was es mit dem Ort macht...ich kann versichern man ist gegen den Nationalsozialismus!!! Das möchte ich jetzt nur mal kurz festhalten. Und es ist vielleicht auch relevant, dass Hitler seine Ursprünge eigentlich verschleiern wollte. Weiter ist noch zu sagen, das hab ich zumindest mal in einem Buch gelesen, dass Hitler die meiste Zeit nicht bei seiner Familie war sondern direkt in Linz gewohnt hat...und er ist sehr bald nach Wien gegangen.
    Ich finde seine Eltern konnten so gut wie nichts für sein späteres Verhalten! Und nur weil so ein paar Wahnsinnige (sorry für den Ausdruck) meinen hier eine Anlaufstelle für ihren Kult gefunden zu haben, warum soll dann die Totenruhe gestört werden???
     
  20. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin

    Warum sollte ausgerechnet die Grabstätte von Hitlers Eltern erhaltenswert sein?

    Was wissen wir schon von den Eltern Hindenburgs, Adenauers, Eberts, usw.!
    Da kräht doch auch kein Hahn nach, ob es sie (die Gräber) noch gibt oder nicht.
     

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