Gründe für das Scheitern der Revolution 1848/49 in Deutschland

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Gast 1990, 1. September 2006.

  1. Gast 1990

    Gast 1990 Gast

    hey,ich suche ganz dringend genaue informationen zum scheitern der revolution 1848/49 in deutschland.am besten ganz kurz und knapp und nur das wichtigste.
    Das wäre super nett.
    danke schon mal im voraus
    saskia 16 (10.Klasse gymnasium)
     
  2. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Profitiere doch mal hiervon :

    http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/gev/12738.html :fs:
     
  3. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    hallo Saskia,

    Vielleicht hilft dir der folgende Artikelauszug aus dem SPIEGEL weiter:

    „...Anfang April beschlossen die 574 Männer des sogenannten Frankfurter Vorparlaments, Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung auszuschreiben und bis dahin alles Wichtige zu vertagen...
    Statt für den Umsturz und eine echte Republik votierten [stimmten] die Vorparlamentarier für den Marsch durch die Institutionen. Der Antrag des Radikalen Badeners Struve, das Volk zu bewaffnen, Adel und Beamtentum abzuschaffen und die Fürsten abzusetzen, kam gar nicht erst zur Abstimmung; Heckers Vorschlag, das Parlament als dauerhaftes Revolutionsorgan zu konstituieren [einzurichten], wurde mit 368 gegen 148 Stimmen abgewiesen.
    Die Frankfurter Versammlung wolle `keine Republik, aber entschiedene Reform´, berichtete der Mannheimer Unternehmer Bassermann... Der führende Liberale umschrieb damit die Grenzen des bürgerlichen Forderungskatalogs: Ja zu Einheit und Freiheit, aber keinen Umsturz ( und schon gar keine Umverteilung zwischen Arm und Reich ).
    Wieso sich den Zauderern im Vorparlament kaum jemand entgegenstellte und warum die Aufständischen nach ihrem Sieg in der Märzrevolution die Macht nicht an sich rissen - darüber rätseln die Historiker bis heute...
    Zunächst wählten die Volksvertreter [ der Nationalversammlung] eine provisorische Zentralregierung... Dann stritten sie über Grundsatzfragen... Als es darauf ankam, stellten sie Ruhe und Ordnung über alles. Im Sommer 1848 bereiteten ...Preußen und Österreich den großen Gegenschlag vor... Friedrich Wilhelm IV. Weigerte sich einfach, den vaterländischen Krieg gegen Dänemark fortzusetzen, obwohl die Nationalversammlung die Heimholung des von den Dänen besetzten Schleswig zur Reichs-sache erklärt hatten. Das Parlament nahm diesen Affront [Schlag vor den Kopf] schließlich hin. Als daraufhin frustrierte Demonstranten am 18. September die Sitzung in der Paulskirche stürmen wollten, räumten preußische und österreichische Truppen [auf Befehl der Reichsregierung] rüden den Vorplatz der Kirche...
    Auf die Frankfurter Paulskirche konnten die Republikaner also nicht rechnen...Die Nationalversammlung sah im Druck von unten nur eine Bedrohung und machte damit einen schweren Fehler. Die genialen Verfassungsväter erwiesen sich als miserable Machtpolitiker. Sie hatten `mehr Angst vor der geringsten Volksbewegung als vor sämtlichen Komplotten [Verschwörungen] sämtlicher deutscher Regierungen zusammengenommen´, spottete Engels später.
    Österreichs Kaiser Ferdinand I. ließ im Oktober mit Brachialgewalt in Wien für Ordnung sorgen... Friedrich Wilhelm IV. machte es dem Wiener Kollegen nach. `Gegen Demokraten helfen nur Soldaten´, fand der Preußenkönig, gab seinen Truppen Geld und Bier, holte sie... nach Berlin und verhängte den Belagerungszustand...
    Als sei in Wien und Berlin nichts geschehen, debattierten die Frankfurter Abgeordneten den ganzen Winter darüber, ob sie nun den österreichischen Kaiser oder lieber den preußischen König zum Oberhaupt Deutschlands ausrufen sollten...
    Erst nach der Absage Friedrich Wilhelms im April 1849, viel zuspät, wurden die deutschen Paulskirchen-Parlamentarier rebellisch und wandten sich an das Volk...“

    aus: „Es lebe die Republik“, in: Der Spiegel, Nr. 7 vom 9.2.98, S. 44 ff
     
    1 Person gefällt das.
  4. Golli

    Golli Neues Mitglied

    help

    also ich hab da ne frage ist die angst des bürgertums vor einer sozialen revolution grund für das scheitern der revolution in deutschland gewesen?

    wenn ja in wie fern? weil in unserem buch find ich nix dazu....
     
  5. amicus

    amicus Gast

  6. Golli

    Golli Neues Mitglied

    thx

    danke aber kann mir einer vielleicht noch sagenon die unpolitische grundhaltung der mehrhet der bevölkerung als ursache für das scheitern dr revolution verantwortlich ist?

    denn in dem rtext hab ich nix dazu gefunden -.-
     
  7. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Da das Bürgertum der Träger dieser Revolution war, werden sie imho am wenigsten Angst gezeigt haben.

    Mein Geschichtshefter spuckt folgendes heraus:
    Vielstaaterei: Viel zu viele Städte und Staaten in denen eine eigene Revolution hätte passieren müssen, da es kein Machtzentrum zum Stürzen gab.
    Grenzen: Es war keine Einigung in Bezug auf kleindeutsch-großdeutsch-großösterreichisch möglich
    zu wenig gemeinsame Interessen
    Beamten und Militär war loyal zu alter Ordnung. --> Revolutionäre konnten Forderungen nicht durchsetzen.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich würde eine andere Antwort geben: die bürgerliche Revolution ist keine Revolution von Habenichtsen, wie die soziale Revolution. Bei der bürgerlichen Revolution geht es um Partizipation, nicht um Umverteilung. Bei der sozialen Revolution geht es aber primär um Umverteilung. Da das Bürgertum - zumindest in der Theorei - einen gewissen Besitzstand erreicht hat (der es überhaupt erst auf die Idee kommen lässt, dass es vielleicht genausoviel zu sagen hat, wie der veramte Adel), ist ihm natürlich eine auf Umverteilung bestrebte soziale Revolution, die ans Eingemachte will, eher unangenehm, weil es hier selber zum Ziel der Revolution wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. April 2007
  9. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Zugegeben. Dann müsste es isch doch auf die Uneinigkeit der Abgeordneten untereinander beziehen, von denen einige Angst vor einer sozialen Revolution hatten, welche andere herbeiwünschten, so dass gemeinsame Interessen in den Hintergrund gedrängt wurden.
     
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    In Baden hat ja tatsächlich 1849 das Militär gemeutert, was allerdings weniger politische Gründe hatte. Aber entscheidend für den Umfang dieser speziellen badischen Revolution wurde.
    Wenn ich mich recht erinnere, hat die badenserische Regierung schlicht einen Großteil der Soldaten "beschissen". Was diese allen revolutionären Verlockungen sehr empfänglich machte.
     
  11. PhilippaBoa

    PhilippaBoa Neues Mitglied

    Das Scheitern der Revolution 1848/49

    Problem: Referat im Grundkurs Geschichte (Klasse 13) um 5 Notenpunkte zu erreichen
    (Es geht dabei um das Bestehen meines Abiturs – doch meine Kenntnisse in diesem Fach halten sich in Grenzen …)

    Aufgabe: Auf Grundlage eines Arbeitsblattes eine Kontroverse vorstellen und mit historischem Hintergrund untermauern. Des Weiteren Alternativen vorstellen und in der Klasse eine Diskussion einleiten.

    Es geht um das Scheitern der Revolution von 1948/ 49.


    Eine Beurteilung des Scheiterns der Revolution von 1948/ 49 fällt nicht leicht. Einerseits erschweren das komplexe geschehen und seine historischen Hintergründe eine angemessene Gewichtung oder gar eine eindeutige Schuldzuweisung. Andererseits haben nach Meinung vieler Forscher der Ereignisse und Ergebnisse von 1948/ 49 das politische Schicksal Deutschlands so nachhaltig negativ beeinflusst, dass das später unter geänderten Vorzeichen gegründete Reich eine verhängnisvolle Entwicklung bis in den Weltkrieg oder gar darüber hinaus genommen hat. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einem deutschen „Sonderweg“.

    Im Folgenden gibt es eine ausführliche Stellungnahme der Historiker Thomas Nipperdey und Reinhard Rürup.


    -> Falls mir jemand helfen könnte/ möchte, wäre ich sehr dankbar.
     
  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Bist du dir mit den Jahreszahl sicher.

    Meinst du nicht die Revolution 1848?

    Kennst du dieses Heft schon?

    http://www.bpb.de/publikationen/01541471548432576123093477837078,0,Revolution_von_1848.html
     
    1 Person gefällt das.
  13. PhilippaBoa

    PhilippaBoa Neues Mitglied

    Ja, natürlich meinte ich die Revolution von 1848/ 49.

    Nein, das Heft kenne ich nicht, wäre wahrscheinlich auch zu kurzfristig es zu bestellen, da ich bis zum nächsten Dienstag fertig werden muss.
     
  14. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Kannst es online lesen und die Seiten ausdrucken.
     
  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    für das verständnis ist es sicherlich wichtig, auf napoleon zurück zu gehen und sein wirken zu betrachten bei der zerstörung des "heiligen römischen reiches deutcher nation". relevant ist dieser aspekt, weil, von napoleon die reformation des antiquierten reiches und seiner verfassung ausging. sodass die staatenbildung in deutschland durch externe eingeleitet wurde und nicht durch die bürger aktiv erkämpft wurden.

    mit diesem prozess geht auch eine spaltung der bevölkerung einher, die sich in befürworter und gegner napoleons und somit auch den ideen der fränzösischen revolution, einteilen lassen.

    im rahmen der befreiungskriege ab 1800 und auch als deren folge kam es zu einer restaurierung, um die auswirkungen der französichen revolution einzudämmen. auch sehr schön unter anderem am misserfolg von gneisenau, york etc. in preußen abzulesen.

    diese unterschiedlichen parallelen entwicklungen führten dazu, dass in frankfurt die ideen der französischen revolution am stärksten weiter lebten und von teilen des bürgertums getragen wurden, während die restauration, ausgehend von österreiche via preußen nach deutschland zurück kam. und dann auch im scheitern von 1848/49 sich niederschlägt.

    ein schneller ritt durch die zusammenhänge, der sehr oberflächlich ist, aber versucht den zusammenhang herzustellen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. April 2009
  16. PhilippaBoa

    PhilippaBoa Neues Mitglied

    Ich bin mir nicht sicher, ob das den Zeitrahmen nicht allzu sehr sprengen würde. Ich kann "Thanepower's" Posting auch nicht ganz nachvollziehen, da mir einfach das nötige Grundwissen fehlt. Mit Napoelon kenne ich mich weniger aus.

    Ich hab mich heute den ganzen Tag lang durch zahlreiche Bücher und Internetseiten gequält ...
    Mit den zwei Positionen (Nepperdey und Rürüp) auf dem mir vorliegenden Blatt kann ich leider recht wenig anfangen. Hab sie ein Dutzend mal durchgelesen, aber ich verstehe es einfach nicht ...

    Poste einfach mal das, was ich bisher erarbeitet habe. Sagt mir ruhig eure Meinung - wahrscheinlich ist es falsch oder verfehlt. (Ich war mir nicht sicher, wie viel an historischen Hintergrund nötig ist etc.)
    Mit den Wirklichen Ursachen des Scheiterns bin ich auch nicht so weit, da es mir unglaublich schwer fällt, alles zu verstehen.

    Werde dann wahrscheinlich noch auf Alternativen und Auswirkungen eigehen müssen und mir fehlt noch ein konkreter Plan, wie man eine Diskussion einleiten könnte?! Vllt. nach alternativen Vorschlägen fragen?


    Wär lieb, wenn jemand sich die Zeit nehmen könnte ... kann aber auch verstehen, wenn nicht, da es VIEL ist.





    1. Einleitung
    Die deutsche Revolution von 1848/49 ist ohne Frage die Basis für die weitere demokratische Entwicklung Deutschlands. Durch sie wurde der nationalstaatliche und freiheitliche Gedanke so tief im Bewusstsein der Bevölkerung verankert, sodass diese fortschrittliche Entwicklung nicht mehr aufzuhalten oder gar umzukehren war. Durch die Revolution war nichts mehr so wie vorher.
    Im Folgenden möchte ich mich mit der Kontroverse um das Scheitern der Revolution befassen und die Meinungen zwei bekannter Historiker vorstellen - wobei man aber gleich sagen muss, dass eine Beurteilung des Scheiterns nicht wirklich leicht fällt.
    Auf der einen Seite erschweren das komplexe Geschehen und seine historischen Hintergründe eine eindeutige Schuldzuweisung.
    Auf der anderen Seite haben die Ereignisse und Ergebnisse von 48/ 49 das politische Schicksal Deutschlands so nachhaltig negativ beeinflusst, dass das später unter geänderten Vorzeichen gegründete Reich eine verhängnisvolle Entwicklung bis in den Weltkrieg oder gar darüber hinaus genommen hat. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einem deutschen „Sonderweg“.
    Um der Antwort der anfangs gestellten Frage näher zu kommen, möchte ich zunächst kurz den groben historischen Verlauf der Revolution darstellen.

    2. Historischer Verlauf/ Ursachen
    Der Gegensatz zwischen staatlichem Beharren und liberalen bzw. nationalen Forderungen spitzte sich im Jahre 1848 zu. In Paris zwangen Revolutionäre den „Bürgerkönig“ Louis Phillippe zu Abdankung, riefen die Republik aus (Februarrevolution) und lösten damit im März ’48 eine Welle von revolutionären Bewegungen in fast ganz Europa aus.
    Eine der Ursachen für die deutsche Revolution war die wirtschaftliche Rezession von 1847. Arbeitslosigkeit und eine Hungersnot versetzten das Volk in Aufruhr.

    In Dtld. gab es drei Zentren der Revolution. Sie begann in Süddeutschland und griff auf Wien und Berlin über. Dort erzwang sie die Berufung liberaler Regierungen in den Einzelstaaten (die so genannten Märzkabinette) und die Durchführung von Wahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung (Paulskirche/ Frankfurt am Main).
    Diese fand sich im Mai ’48 zusammen, um die Verfassung für einen gesamtdeutschen Staat zu erarbeiten. Es bildeten sich drei große Fragekreise heraus:
    • Staatsform (zur Diskussion standen nationalstaatliche Republik und Monarchie → Wahl- oder Erbmonarchie)
    • Staatsgebiet (Umstritten war, ob ein geeintes Deutsches Reich Österreich, das nicht-deutsche Gebiete umfasste, einschließen sollte (großdeutsche), oder nicht (kleindeutsche Lösung)
    • Staatsorganisation (bundesstaatliche Lsg. mit relativ großem Einfluss der Einzelstaaten konkurrierte mit Vorschlag eines zentralistischen Staates)
    Nach den mit den Märzerrungenschaften relativ rasch erkämpften Erfolgen (z.B Aufhebung der Pressezensur od. Bauernbefreiung), geriet die revolutionäre Bewegung ab Mitte 1848 zunehmend in die Defensive.
    Auch die vor allem im Herbst 1848 und bei der Reichsverfassungskampagne im Mai 1849 neu aufflammenden Höhepunkte der Erhebungen, die regional teilweise bürgerkriegsähnliche Ausmaße annahmen, konnten das letztliche Scheitern der Revolution in Bezug auf ihre wesentliche Kernforderung nicht mehr aufhalten.
    Bis Juli 1849 wurde der erste Versuch, einen demokratisch verfassten, einheitlichen deutschen Nationalstaat zu schaffen, von Gegenrevolutionären Truppen (überwiegend preußischen und österreichischen Truppen) gewaltsam niedergeschlagen.
    Der preußische König lehnte daraufhin (28.04.49) die Kaiserkrone ab. Damit hatte die Revolution ihr Hauptziel verfehlt.


    3. Ziele der Revolutionäre (Wikipedia → muss überarbeitet werden, wenn überhaupt relevant?!)
    Die Revolutionäre in den deutschen Staaten strebten politische Freiheiten im Sinne demokratischer Reformen und die nationale Einigung der Fürstentümer des Deutschen Bundes an. Sie vertraten vor allem die Ideen des Liberalismus. Dieser spaltete sich jedoch im weiteren Revolutionsverlauf und danach zunehmend in verschiedene Richtungen auf.
    Stark an den revolutionären Aktivitäten und Aufständen vor Ort beteiligt waren auch Kreise mit radikaldemokratischen, sozialrevolutionären, frühsozialistischen bis hin zu anarchistischen Zielvorstellungen. Diese wirkten vorwiegend außerparlamentarisch, in den Parlamenten waren sie unterrepräsentiert oder gar nicht vertreten. In den bestimmenden Gremien der Revolution konnten sie sich daher nicht durchsetzen.
    Außerhalb des Deutschen Bundes strebten Länder und Regionen, die dem Habsburgerreich Österreich angegliedert waren, die Unabhängigkeit von dessen Vorherrschaft an. Dazu gehörten Ungarn, die polnischen Provinzen sowie die oberitalienischen Fürstentümer. Zudem setzten sich die Revolutionäre im überwiegend von Polen bewohnten Teil Posens für die Loslösung von der preußischen Herrschaft ein.
    Auf die politischen Hintergründe möchte ich aus Zeitgründen nicht eingehen.


    4. Ursachen für das Scheitern der Revolution

    Was die Bewertung der Ursachen für das Scheitern angeht, kristallisierten sich in den Historikerkreisen Kontroversen heraus. Es lassen sich drei Positionen unterscheiden: Marxistisch geprägte Autoren bezichtigen die Liberalen des Verrates an der Revolution; Autoren, die der damaligen demokratischen Bewegung zuneigen sind, betonen das Versagen der liberalen Politik; Autoren, die den historischen Liberalen nahe stehen, machen die Radikalität der Demokraten verantwortlich.

    (…) ???


    Im Folgenden möchte ich noch die Ansichten der Historiker Thomas Nipperdey und Reinhard Rürup vorstellen:

    Für Nipperdey waren weder die Liberalen, die sich aus Sorge vor linksextremer Radikalisierung und Bürgerkrieg nicht deutlich genug von den alten Mächten distanzierten, noch die Radikalen, deren Sorge vor der Gegenrevolution sie zu übereiltem Vorgehen verleitete schuld am Scheitern der Revolution.
    Letztendlich war die Vereinbarungsstrategie der Liberalen nicht erfolgreicher als die Konfrontationsstrategie der radikalen Kräfte. Die Spaltung der bürgerlichen Bewegung in Liberal-Konstitutionelle und radikale Demokraten bewirkte wohl eine Schwächung der Revolution, war aber nicht der entscheidende Grund für das Scheitern. Laut Nipperdey war die eigentliche Ursache des Scheiterns, die Vielzahl der Probleme und ihre Unlösbarkeiten. Man wollte einen Staat gründen und eine Verfassung durchsetzen, beides zugleich, und das angesichts gravierender sozialer Spannungen. Man sollte die Tatsache beachten, dass auch in Frankreich, wo die Probleme einfacher waren, und auch in Italien die Revolution gescheitert ist.
    Nipperdey ist der Auffassung, dass es das großdeutsche - kleindeutsche Problem und das Problem des österreichischen Nationalitätenstaates und seiner nationalen Konflikte waren, die am meisten zum letztendlichen Scheitern beitrugen.
    Sie haben schon eine schnelle im Sommer unmöglich gemacht, haben die ersten großen Siege der Gegenrevolution in Österreich ermöglicht, haben die Einheit der Revolution seit dem Herbst so erschüttert, dass ein gemeinsames Handeln nicht mehr möglich war, haben die Entscheidung dann auf Preußen zugespitzt. Sie letzten Endes haben die Revolution in den Wettlauf mit der Zeit gebracht, den sie nicht gewinnen konnte.
    Wie auch Karl Marx erkennt Nipperdey in der Wirtschaftsrezession von 1847/48 einen entscheidenden Faktor für die Revolutionsstimmung im Volk. Eine Agrarreform und ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung bewirkte das Ausscheiden der Bauern und schwächte den Revolutionswillen der Massen.
    Laut Nipperdey ist das Ergebnis der Revolution ist nicht nur das Scheitern. Die Revolution hat über alle Eliten hinweg eine nationale Öffentlichkeit geschaffen, eine nationaldemokratische Nation.



    Der Historiker Reinhard Rürup ist der Meinung, dass viele aufeinander einwirkende Faktoren sich gegenseitig verstärkten und letztendlich zum Scheitern führten.
    Das sind zum einen die Stärke der konservativen Kräfte die vorübergehend handlungsunfähig waren, die vielen Schauplätze der Revolution mit dem Fehlen einer Hauptstadt bzw. eines Entscheidungszentrums. Zum anderen auch die unterschiedlichen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Interessen innerhalb der Volksbewegung, die fehlende Vorbereitung der Revolution. Und letztendlich trug auch der Mangel an gut durchdachten politischen Konzepten und die Unentschlossenheit und Selbstüberschätzung vieler Beteiligter einen entscheidenden Teil zum Scheitern bei.
    Laut rürup sollte man dennoch nicht den Fehler machen, das Scheitern im Nachhinein als unvermeidlich erscheinen zu lassen.
     
    2 Person(en) gefällt das.
  17. Sleepy Floyd

    Sleepy Floyd Neues Mitglied

    Also, PhilippaBoa, was du da bisher geschrieben hast ist bestimmt nicht schlecht, besonders für einen Grundkurs in dem es "nur" darum geht, 5 Punkte zu erreichen.

    Allerdings scheint es mir, dass du, zumindest im ersten Teil, ziemlich an der Aufgabenstellung vorbei redest.
    Ich (!!!) würde das so lesen, dass du die Diskussion der modernen Historiker vorstellen sollst, nicht die Revolution an sich. Man nennt sowas dann die Rezeptionsgeschichte eines Ereignisses untersuchen... aber letztendlich musst du wissen, wie die Aufgabe zu interpretieren ist, im Zweifelsfall nochmal mit dem(r) Lehrer(in) reden.

    Wie dem auch sei, ich denke, dass du '48/49 nicht darstellen musst, da man stillschweigend davon ausgehst, dass du darüber eh bescheid weißt.
    Konzentrier dich lieber auf Nipperdey und Rürup. Idealerweise stellst du zuerst beide Positionen vor, zeigst dann, welche Stärken und Schwächen sie haben und leitest das dann in eine Diskussion über.
    Ich kenne die beiden Aufsätze nun nicht, daher kann ich dir so erstmal nicht weiterhelfen, aber nur so als Beispiel:
    Nipperdey argumentiert ja, dass die Probleme der Revolution so groß waren, dass sie niemals hätte erfolgreich sein können. Dem entgegen verweist du auf Rürup mit den Worten, dass "das Scheitern im Nachhinein [nicht] unvermeidlich [war]".

    So, da haben wir eine Kontroverse. Der eine sagt das, der andere das Gegenteil. Jetzt kommst du dran und guckst, welche Argumente sich für Nipperdey, welche sich für Rürup finden lassen. Dazu musst du die Revolution natürlich kennen...

    Auf jeden Fall entsteht so eine interesannte, produktive Diskussion (dein Lehrer wird wahrscheinlich dann gegen dich argumentieren, d.h. wenn du dich für Nipperdey entscheidest, wird er für Rürup sprechen), die viel deutlicher zeigt, dass du sowohl den Stoff rund um '48 als auch die Interpretationen der Historiker verstanden hast.

    Wie dem auch sei, viel Glück mit deinem Referat, das mit den 5.Punkten wird schon werden...
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. April 2009
    1 Person gefällt das.
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    was ich sagen wollte ist, dass es im gegensatz zu frankreich keine einheitliche vorstellung eines einheitlichenn "deutschlands" gab. den weg der modernisierung gingen die deutschen nicht aus eigenem entschluss, sondern die modernisierung kam durch den einmarsch durch napoleon. es war somit eine "importierte revolution" und eine oktroierte staatenbildung.

    ansonsten ist die position von nipperdey sehr plasibel.

    damit unterschied sich die "politische kultur" in dem staatengebilde, dass die nachfolge des heiligen römischen reichs angetreten hat, deutlich von der in frankreich oder auch in england. es gab somit keine eindeutige identität, die man als "deutsch" bezeichnen" hätte können.

    vor diesem hintergrund einer verspäteten nationenbildung (vgl plessner) war es somit auch für die frankfurter nationalversammlung schwierig, eine einheitliche, positive utopie zu erzeugen, der sich die unterschiedlichen politischen strömungen aus preußen, aus den rheinstaaten oder aus bayern anschließen konnten.

    gescheitert ist sie somit an der inneren zerissenheit der unterschiedlichen politischen positionen, an der mangelnden politischen mobilisierung der bevölkerung (träger. unpolitischer deutscher "michel) und an der einheitlichen antifront der monarchien, deren treibende kraft sicherlich metternich war.
     
  19. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Was sleepy Floyd schreibt, ist m. E. richtig. Wenn Du den Vortrag in der jetzt von Dir vorliegenden Form hälst, würde das an der Aufgabe vorbei gehen.
     
  20. Gast

    Gast Gast



    Der Lehrer meinte ja, dass man das Ganze mit historischem Hintergrund untermauern sollte. Meinst du, man sollte den groben Verlauf nicht kurz ansprechen? Die Zuhörer sollten ja ggf. auch vom Referenten profitieren. Ich denke, dass dies leichter fällt, wenn man die "Vorgeschichte" erläutert ...
     

Diese Seite empfehlen