Gründung der EU, Idealismus, Pragmatismus oder Angst

Dieses Thema im Forum "Westeuropa" wurde erstellt von Thore, 15. März 2009.

  1. Thore

    Thore Neues Mitglied

    hallo

    ich habe eine Frage zur Europäischen Union

    was meint ihr, wurde die eu aus ideaismus, aus pragmatismus oder einfach nur aus angst gegründet.

    falls ihr zitate oder büchertipps habt wäre ich natürlich sehr dankbar:winke:

    vielen dank soweit
     
  2. Treibsand

    Treibsand Neues Mitglied

    Da ist keine einfache Antwort möglich.

    Die paneuropäische Idee ist wesentlich älter , als die EU - sieh dir zB.
    das SPD- Parteiprogramm aus den 1920ern an - hier ist dies als
    politisches Ziel wohl auf den Internationalismusgedanken primär aufgesattelt.

    Die realpolitischen Anfänge mit der Montanunion waren nun wiederum
    überwiegend wirtschaftlich begründet - dh. man wollte sich nicht in der
    Konkurrenz bei Kohle und Stahl aufreiben - wo diese Güter gerade zu
    Wiederaufbau und wirtschaftlicher Erholung dringendst benötigt wurden.

    Die EWG als Fortführung und Erweiterung wurde auch erst nach und nach
    durch politische Bestandteile aufgewertet.

    Ängste spielen immer mit - allerdings ist mir ausser einigen Äusserungen ,
    welche das Gegengewicht zum Warschauer Pakt/RGW ansprachen
    nichts prägnantes in Erinnerung.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Robert Schuman germanophiler französischer Außenminister unter Präsident Auriol gilt ja als einer der Väter der Montanunion/EWG/EG/EU. Er schrieb:
    "Die Völker und Kontinente hängen mehr als jemals voneinander ab, sowohl für die Gütererzeugung als auch für ihren Verbrauch, sowohl für den Austausch der Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung wie für denjenigen der unentbehrlichen Arbeitskräfte und der Prdoduktionsmittel. Diese gegenseitige Abhängigkeit hat zur Folge, dass das Glück oder Unglück eines Volkes die anderen Völker nicht teilnahmslos lassen kann. Für einen denkenden Menschen ist es nicht mehr möglich, sich mit macciavellistischer Schadenfreude über das Unglück eines Nachbarn zu freuen; mit seinem Nachbarn steht er auf Gedeih und Verderb unter dem gleichen Stern."

    Und am 9.Mai 1950 forderte Schuman im Salon del'Horloge "zur Überwindung des alten Gegensatzes zwischen Deutschland und Frankreich die Schaffung konkreter Tatsachen als Voraussetzung einer Solidarität der Tat."
     
  4. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Es ging eben darum, eine Wiedergeburt des alten Gegensatz zwischen Deutschland und Westeuropa im Keime zu ersticken.
    Die wirtschaftlichen Erfolge der Bundesrepublik waren den westlichen Nachbarn ebenso unheimlich wie die Wiederbewaffnung.
    Da ist es natürlich, dass die europäische Integraton im Bereich der Schwerindustrie (Kohle und Stahl, Schwerindustrie) und der Atomenergie (Euratom) begann. Diese (als gefährlich weil kriegswichtig verstandenen) Schlüsselindustrien wurden also fortan in den Mitgliedsstaaten auf europäischer Ebene beaufsichtigt.
    Versuche ein militärisches Bündnis der Westeuropäer scheiterten hingegen, wohl wegen der Konkurrenz zur Nato: Europäische Verteidung-Gemeinschaft (EVG), Westeuropäische Union (WEU)
    Um nun ein friedliches Miteinander der westeuropäischen Staaten ein idealistisches oder pragmatisches Ziel ist, liegt im Auge des Betrachters.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Naja... Die Montanunion wurde 1951 vertraglich vereinbart, das Wirtschaftswunder - sicherlich durch die Währungsreform 1948 mit eingeleitet - wird auf die Jahre 1955 - 1963 datiert und die Wiederbewaffnungsdebatte findet etwa zeitgleich mit der Unierung Westeuropas statt,
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Stimmt schon irgendwie, an den konkreten Begriff "Wirtschaftswunder" habe ich auch nicht gedacht.
    Auffällig ist aber, dass nach der Gründung der Montan-Union 1951 die durch das Ruhrstatut festgeschriebene Kontrolle der deutschen Schwerindustrie durch die West-Allierten abgelöst wurde. Die Kontrolle der Bundesrepublik durch die Besatzungsmächte wich also der Kontrolle Deutschlands durch europäischen Organisationen, denen die BRD allerdings gleichberechtigt angehörte.
    Die Frage ist dann, wäre eine unkontrollierte Kohl-, Stahl und Atom-Industrie in der Bundesrepublik für die Nachbarn überhaupt hinnehmbar? Führte nicht jeder Schritt der Adenauer-Republik in Richtung Souveränität in zwischenstaatlichen Bündnisse?
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2009
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  7. Gast

    Gast Gast

    Unionisten-Föderalisten

    Hallo,

    mich würde einmal interessieren was so die konkreten Unterschiede zwischen den beiden sind. Klar ist, beide wollten sie, dass die europäischen Staaten zusammenarbeiten.aber die Konzepte waren jeweils ganz andere,oder?

    Viele Grüße
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Die Konzepte waren in der Tat ganz andere. Die Föderalisten verfolgten die Idee eines staatlich vereinigten Europas. Die Unionisten waren gegen diesen Verlust der Souveränität der einzelnen Nationalstaaten, verfolgten aber das Ziel einer engen wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit.
     
  9. Gast

    Gast Gast

    Ahh super danke!
     
  10. Robert Craven

    Robert Craven Neues Mitglied

    ..äh, nicht eher umgekehrt? Union heist doch soviel wie Einheit; Vereinigung, wogegen Föderalismus einen Bund von Gliedern / Ländern mit gewisser Eigenständigkeit meint. ;)
     
  11. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Die Vereinigten Staaten von Europa - das war die Forderung der Föderalisten. Sie stellten sich das zukünftig geeinte Europa als einen Bundesstaat mit einer europäischen Verfassung, einer Regierung, einem Parlament und einem Gerichtshof vor. Diesen Vorstellungen standen denen der Unionisten entgegen. Sie lehnten den europäischen Bundesstaat und den damit verbundenen Souveränitätsverlust des einzelnen Nationalstaates, bei gleichzeitiger Befürwortung enger wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit der europäischen Staaten, ab. Diese Debatte zwischen Föderalisten und Unionisten bestimmte die erste, von den Europäern selbst ausgehende, Zusammenarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Gründung des Europarates. Der Europarat entwickelte sich nicht, wie von den Föderalisten gefordert, zu einer supranationalen Organisation. Obwohl er vom intergouvernementalen Kompromiss bis heute geprägt ist, konnte er Erfolge v.a. in den Bereichen Menschenrechte (Europäische Menschenrechtskonvention), Demokratie, Kultur und Gesellschaft erzielen.

    Geschichte der politischen Integration in Europa Teil 1 (bis 1970)
     
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