Gusseisenbrücken

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von pelzer, 10. Oktober 2010.

  1. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi zäme

    Neulich „entdeckte“ ich zufällig die Gusseisenbrücke in Staufen. Die Brücke gilt als die einzige Gusseisenbrücke Deutschlands. Ich meine mich aber zu erinnern, anderswo auch schon ein gesehen zu haben; bloss weiss ich nicht mehr wo?

    Kennt jemand noch andere Gusseisenbrücken?

    Die Brücke über die Neumagen in Staufen wurde um 1845 als Eisenbahnbrücke über die Elz bei Kenzlingen-Hecklingen gebaut. Konstruiert und gebaut vom Ingenieur Philipp Anton Fauler in Freiburg i.Br. Er betrieb damals eine Eisengiesserei unterhalb vom Schlossberg. Es war eine grosse Leistung, so gewaltige Gusstile anzufertigen, zumal in dieser Präzision.

    Die Brücke war ursprünglich grösser; ein gemauerter Mittelpfeiler trug zwei Bogebrücken mit je drei Gusseisenträgern nebeneinander, dazwischen verliefen die beiden Geleise. Spannweite 2-mal 12,5 Meter.
    Das Tragwerk ist sehr interessant: Ein gusseisernes (Grauguss!) Bogenfeld besteht aus drei miteinender verschraubten Gussteilen. Daran hängen an freibeweglichen Schmiedeisen-Stangen die (Grauguss)Querträger, auf denen die Fahrbahn aufliegt.
    Die Konstruktion hat den Vorteil, dass die Brückenbögen fast ausschliesslich vertikale Lasten abtragen. Allerdings beginnt dafür die Fahrbahn bei dynamischen Lasten zu pendeln, was die Brückenlager zerstört. Zudem ist Grauguss für solche Lasten überhaupt nicht geeignet.

    Die Eisenbahn-Brücke wurde bereits 1871 ersetzt und zwei Bogenträger fanden bei der Strassenbrücke in Staufen eine zweite Verwendung. Irgendwann wurde sie renoviert – überrenoviert, wie so oft in Deutschland. Die Querträger sind nun aus genietetem Stahl und auch die Bolzen scheinen nicht mehr original zu sein...


    Gruss Pelzer

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  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Mit den verschiedenen Eisenqualitäten kenne ich mich nicht aus, habe aber diese Eisenbrücken bisher für typisch für das Eisenbahnzeitalter gehalten, die man noch öfter sieht und die zum Teil unter Denkmalschutz stehen.
    Die schönste und berühmteste Eisenbrücke ist für mich das Blaues Wunder ? Wikipedia in Dresden.
    Solche Brücken meinst du wohl nicht, sondern du suchst speziell nach Gußeisenbrücken? Ist das eine anderes Herstellungs- und Konstruktionsverfahren?
     
  3. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Ich bin auch kein Bautechniker. Aber den entscheidenden Unterschied zum "Blauen Wunder" sehe ich darin, dass es eine Hängebrücke ist, während bei der Brücke in Staufen die Last direkt auf die Brückenbögen geht. Einen wichtigen Nachteil von Gusseisen hat Pelzer schon angedeutet - es ist ziemlich spröd. Die Hängeseile, die die Last bei Hängebrücken auf die Pfeiler übertragen, sind deshalb aus Stahldrähten, weil diese in gewissem Umfang plastisch bzw. nachgiebig sind.
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Es gab und gibt noch einige andere:

    aus dieser Quelle
     
  5. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Ja genau. Bei meiner Gusseisenbrücke siehst du gut den Unterschied: Ein Brückenbogen besteht aus bloss drei untereinander verschraubten Teilen. Diese für die damalige Zeit riesengrossen Teile wurden am Stück aus Eisen gegossen.

    Modernere Brücken bestehen aus Stahl; gewalzten Profilen, die zu grösseren Bauteilen vernietet (oder verschweisst) wurde. So wie beim „Blauen Wunder“ oder dem Eifelturm.


    Gruss Pelzer


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  6. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

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