Gute Filme/Serien die in der Antike spielen

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Lesezeichen, 13. Mai 2012.

  1. Conzaliss

    Conzaliss Mitglied

    Es ist auch mein Lieblingsfilm.

    Wagenrennen gab es zu der Zeit. Lediglich der Ablauf des Wagenrennens ist arg konstruiert. Bei dem Verhaken der Räder hätte der Wagen von Ben Hur das Rad verlieren müssen, da die Speichen bereits beschädigt waren.
    Auch der Sprung über den liegengebliebenen Wagen wäre so nicht möglich gewesen.

    Aber der Film ist spannend und unterhält...
     
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Das Modell war falsch gewählt, die haben sich am Currus triumphalis, nicht an Rennwagen orientiert. Diese Staatskarossen wurden aber im Schritttempo über die Via sacra gefahren. Dazu wurden für die Stunts noch technische Gimmicks wie hydraulische Bremsen installiert. Die Wagen wurden so viel zu schwer, und auch der Belag war so dick gewählt, dass man das Gelände neu planieren musste.

    Das Wagenrennen musste in mehreren Etappen gedreht werden, weil die Pferde sonst einfach schlapp machten, und solche Verluste wie bei der Verfilmung von 1929 konnte man sich aus Publicitygründen mit Rücksicht auf Tierschutzorganisationen nicht leisten, denn damals waren etliche Pferde krepiert.
     
  3. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied


    Historisch falsch sind z.B die Galerensklaven die es nicht gab. Die römische Oberschicht hat auch nicht an Wagenrennen teilgenohmen, was sowohl Judas und Masala aber tun.

    Nähere Infos in Marco Junkelmanns "Hollywoods Bild von Rom", auch wenn ich sagen muss in Spielfilmen ist es mir egal wie genau und historisch korrekt sowas ist.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In Ausschnitten ist wohl "Alexander" von Stone empfehlenswert. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich noch nicht viel an neueren Verfilmungen (nach 1995) gesehen habe. Vor allem ist die Antike nicht so mein Spezialgebiet, auch wenn ich die Bücher von Junkelmann ("Die Reiter Roms" und "Die Legionen des Augustus") schonmal in der Hand hatte und auch Delbrücks Werk zur militärischen Facette gelesen habe.

    Als Film hatte mir "Masada" (1981) gefallen, was aber wahrscheinlich primär an der recht unverschnörkelten Handlung und den schauspielerischen Leistungen von Peter O'Toole (als Silva) und Timothy West (als Vespasian) lag. Man hatte außerdem schon den Eindruck wirklich eine Legion vor sich zu sehen, wenngleich Massenszenen in dem Film nicht unbedingt überwiegen.

    Von der Serie "Rome" (2005-2007) habe ich nur einzelne Folgen gesehen. Das hatte mir auch recht gut gefallen, vor allem weil Ciarán Hinds einen charismatischen Caesar spielt und ihm auch Raum zur Verwirklichung der Rolle eingeräumt wurde. Max Pirkis (bekannt seit "Master and Commander") brachte für mich auch ganz gut den jungen Augustus rüber. Überhaupt fand ich die Charakterzeichnung dieser beiden Hauptrollen mit am spannendsten an der Serie und über die manchmal für mich zu belanglose Haupthandlung um Pullo und Vorenus sah ich hinweg, zumal mir sowas bei einer so langen Serie ohnehin nicht so wichtig ist. Historische Fehler kann man ja genügend auf Wikipedia und an anderer Stelle nachlesen. Im Verhältnis zu anderen Filmen über antike Themen, scheinen sie mir aber nicht so arg.
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dass es überhaupt keine Rudersklaven gab kann man nicht mit Sicherheit sagen. Weshalb sollten die Römer ausgerechnet bei einer derart schweren Schufterei keine Sklaven einsetzen, wo sie sonst bei allen körperlich schweren Aufgaben Verwendung fanden. Bei kleinen Ruderschiffen mussten die Legionäre selbst zum Riemen greifen weil einfach kein Platz für Rudersklaven vorhanden war. In Ben Hur sind aber ziemlich große Schiffe ,mit einem Deck für Soldaten über den Ruderbänken dargestellt, sodass hier der Einsatz von Sklaven denkbar ist. Es gab aber in der römischen Rechtsprechung keine Galeerenstrafe. Die gehört in viel spätere Epochen.
    Dass die Oberschicht generell keine Wagenrennen fuhr kann man auch so nicht sagen. Selbst einige Kaiser frönten dieser Leidenschaft, weshalb sollten einige verwöhnte Söhne der Nobilität das nicht auch getan haben ?
    Vitellius soll durch einen Unfall den er beim Wagenrennen mit Caligula erlitten hatte, lebenslang ein Bein nachgezogen haben.
     
  6. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Galetto alles was ich geschrieben habe, ist nicht auf meinen Mist gewachsen sondern stammt von Junckelmann der Recht schlüssig erklärt das Ruderer auf Kriegsgaleren gut bezahlte und ausgebildete Soldaten waren und keine Sklaven.
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das wird auch in der republikanischen Zeit der Fall gewesen sein. Da aber seit der Kaiserzeit keinerlei große Seeschlachten zu schlagen waren, denn Gegner mit eigenen Flotten gab es nicht mehr, dienten die großen Ruderschiffe fast ausschließlich als Truppentransporter. Seesoldaten wurden dafür nicht gebraucht also konnte man auch Sklaven für die Riemen verwenden. Anders wird es sich bei den kleineren Liburnen und Biremen verhalten haben, die Polizeidienst gegen Piraten versahen. Hier waren sicher alle an Bord auch gleichzeitig Kämpfer. Bei den Flußschiffen, wie den Rekonstruktionen im mainzer Museum natürlich auch, da sie über kein Deck über den Ruderern verfügten und kaum Platz für zusätzliche Soldaten vorhanden war.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  9. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Nebenbei: Weiß jemand, was aus dem (einst) angekündigten Film über Hadrian (nach Yourcenars "Ich zähmte die Wölfin") geworden ist?
     
  10. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

    Nix (weil Boorman sein Vorhaben nicht finanzieren konnte).
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich schaue derzeit "Spartacus". Es gab mal einen älteren Mehrteiler in den 2000ern, der dann rasch abgesetzt wurde. Ich meine die Serie mit Lucy Lawless und John Hannah.
    Ich hab mal das Prequel "Gods of the Arena" angefangen. Der erste Teil war stimmungsvoll (z.B. tatsächlich mal nackte Sklaven auf der Straße und ein römisches Klo). Aber der 2. wirkte irgendwie, als sei das Geld ausgegangen. Die Paarungen der Gladiatorentypen scheinen in der Serie wahllos (Hauptsache was auf die Nuss), dass die Gladiatoren wie Rockstars oder Boxer gefeiert werden, finde ich hingegen inspirierter als beim Klassiker von Kubrick.
    Zum Glück kenne ich mich mit der Epoche nicht so aus. Vielleicht mag Scorpio was zu der Serie sagen. :)
     
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Wenn sie schon die Kostüme für die Sklaven gespart haben, konnte doch das Geld nicht ausgehen, es sei den die Benutzungsgebühr für das römische Klo war zu hoch.:)
     
  13. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Auf die Schnelle ein paar Takte zur Spartacus-Serie:

    Künstlerisch hochwertig gemacht, exzellente Darsteller (vor allem die von Brissotin schon erwähnten John Hannah, den ich vorher nur als Komiker in den Mumien-Filmen kannte, und Lucy Lawless).

    Ein Charakteristikum der Serie ist eine Offenheit in der Darstellung des männlichen Genitals, wie es sie weder vorher noch nachher jemals im TV und im (nicht-pornographischen) Film gab. Die Serie präsentiert die Gewalt, Sexualität und Nacktheit in Römischen Reich in hohem Maße authentisch. Der Umgang mit Sklaven wird realistisch dargestellt, sie dienten sowohl als Lustbefriedigungsobjekte (z.B. Hannahs öffentlicher Analkoitus mit einer Sklavin) oder als Objekte für die Befriedigung sadistischer Gelüste (z.B. der gefesselte und von Gästen traktierte Sklave auf einer römischen Party). Auch die nach heutigen Maßstäben exhibitionistischen Toilettensitten (siehe ganz unten) werden realistisch gezeigt.

    Unrealistisch erscheint dagegen die hohe physische Belastbarkeit der TV-Gladiatoren, die in der Realität zwecks Regeneration weit seltener zu kämpfen hatten als in der Serie.

    Um weiter ins Detail zu gehen, fehlt mir die Zeit und die genaue Erinnerung an die vor Jahren gesehenen Folgen, daher reiche auch ich den Stab vertrauensvoll an Scorpio weiter.

    Zu diesem Thema drei Scans aus dem Buch "Ein Tag im Alten Rom" von Alberto Angela:

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    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2018
    Brissotin und Dion gefällt das.
  14. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich habe die komplette Serie (alle 4 Staffeln) gesehen, und mochte sie sehr. Aber natürlich ist sie keine Geschichtsstunde. Die Darstellung der Ereignisse rund um Spartacus, seine Gefährten und seinen Aufstand ist leider sehr frei geraten; man hält sich kaum an das in den Quellen Überlieferte. (Noch wesentlich freier als einst in Kubricks "Spartacus"-Film und der TV-Miniserie aus den 2000er-Jahren.) Außerdem ist notwendigerweise schon mangels Quellen viel fiktiv. Z. B. behandelt die Prequel-Staffel "Gods of the Arena" die Vorgeschichte von Spartacus' Mitstreiter Gannicus, der zwar historisch belegt ist, allerdings nur in Zusammenhang mit einer Schlacht (in der er fiel, was in der Serie auch anders dargestellt wird). Besonders haarsträubend (und unnötig) fand ich, dass bei einem jungen Gladiator behauptet wird, er sei ein karthagischer Kriegsgefangener von der Zerstörung Karthagos - die in Wahrheit bereits über 70 Jahre zurücklag.

    Was Ausstattung und Darstellung des römischen Alltagslebens betrifft, ist die Serie durchwachsen. Manches ist dabei erstaunlich authentisch wiedergegeben (auch im Bereich der Sexualität, z. B. dass das Praktizieren von Oralverkehr für freie Frauen als unwürdig galt und man das daher Sklavinnen überließ), anderes gar nicht.
    Gut gefallen hat mir auch, dass die Serie nicht dem heute teilweise verbreiteten Trend folgte, das Gladiatorendasein zu verharmlosen oder gar zu idealisieren. Die Serie arbeitet gut heraus, dass Gladiatoren zwar wertvoll waren (und entsprechend nicht leichtfertig verschwendet wurden) und "Stars", aber trotzdem "voll im Arsch", insbesondere nie wussten, ob (oder in welchem Zustand) sie ihren nächsten Kampfeinsatz (und wann der eigentlich kam) überleben würden, und natürlich, dass sie als Sklaven - Wert und Popularität hin und her - letztlich rechtlos und der Willkür von Besitzern, Veranstaltern und Publikum preisgegeben waren. Gefallen hat mir ebenfalls, dass die Serie auch thematisierte, dass es auch freie Römer gab, die freiwillig in eine Gladiatorenschule eintraten, sich mit ihrer vertraglichen Verpflichtung aber eines Gutteils ihrer Freiheitsrechte begaben und dann auch nicht viel besser dran waren als ihre unfreiwilligen Kameraden, insbesondere ihren "Besitzern" fast ebenso ausgeliefert.

    Die Kampfszenen sind völlig übersteigert, machen aber in ihrer optisch brillanten Inszenierung einen wesentlichen Teil des Reizes der Serie aus.

    "Spartacus" ist einfach eine Unterhaltungsserie und will auch gar nicht mehr sein. In erster Linie ist sie etwas fürs Auge - mit vielen tollen, optisch ansprechenden Kampfszenen, hübschen Frauen, begabten Darstellern und zwar weitgehend fiktiven, aber trotzdem gut erzählten Geschichten.
     
    Brissotin und Chan gefällt das.
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielen Dank, Chan, für die Einschätzung.

    Ja, die teuren Gladiatoren werden - allein schon in den 3 Folgen, die ich bisher sah, ziemlich verheizt. Allein schon die Lage des Ludus am Abhang soll halt Thrill erzeugen, vielleicht eine Spannung welche, wie von Filmkritikern bereits bemerkt, über die dünne Handlung hinwegtrösten soll.
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Danke auch an Ravenik.

    Wenn man sich die Einschaltquoten anschaut, war der Erfolg der Serie doch auch sehr stark mit den Hauptrollen des Herrn und der Domina des Ludus verbunden bzw. der Kampf in der Arena und das Training dafür spannender als der Sklavenaufstand an sich. Von daher hatte der 2011 verstorbene Hauptdarsteller der ersten Staffel vielleicht unrecht, dass die Geschichte zu erzählen so wichtig für die Zuschauer sei.

    Egal ob beim Pferderennen oder bei den Gladiatoren wurde mit harten Bandagen gekämpft und damit meine ich nicht die Gladiatoren, sondern die Investoren dahinter, diejenigen, welche so eigentlich in Politik und Society von den Spielen profitierten.
    Amüsanterweise hatte schon Ustinov in der Kubrick-Fassung des Stoffes als Herr des Ludus ziemlich Douglas die Show gestohlen, mit dem ich nie irgendwie Mitleid entwickelt hatte. Er war ein Heroe, der ohnehin über allem stand. Tony Curtis hingegen der sensiblere Protagonist mit dem man sich wohl identifizieren sollte.

    Ich hatte die Folgen nur Nachts und im O-Ton geschaut, hatte zwar etwas von Karthagern verstanden, dachte aber, das sei eher legendär oder werbewirksam gemeint gewesen, um den Gladiator wichtiger oder spannender zu machen als er war.
     

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