Gute Filme/Serien die in der Antike spielen

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Lesezeichen, 13. Mai 2012.

  1. Chan

    Chan Aktives Mitglied

    Ich bin so frei, zur Veranschaulichung des Themas eine Gladiatoren-Szene zu posten, die ich vor Jahren im Rahmen eines Roman-Fragments unter dem Eindruck von "Spartacus" geschrieben habe. Das Fragment ist Fragment geblieben. Ravenik kennt die Szene bereits. Die Kampfausrüstung und das Publikumsverhalten incl. Anfeuerungsrufe sind auf der Basis von Fachliteratur möglichst authentisch beschrieben. Auch die Beschreibung der Kampftechnik basiert zum Teil auf historischer Überlieferung. Der Kampf findet im privaten Festrahmen (hier der Domus des Rufus) statt, was seinerzeit nicht unüblich war. Die Privatveranstalter konnten die Gladiatoren von deren Besitzern mieten (in der Regel ein Ludus-Inhaber, in "Spartacus" der Gladiatorenmeister Batiatus = John Hannah). Im Fall ihres Todes musste der Veranstalter dem Besitzer eine nicht unbeträchtliche Entschädigungssumme zahlen.

    Figuren:

    Lucius Vitellius, zum Zeitpunkt der Handlung (43 CE) Konsul unter Claudius / Gastgeber Rufus, ein fiktiver reicher Kaufmann / Giton = fiktiver griechischer Sklave und eigentlicher Protagonist

    (...)

    Aus einer Ecke des Atriums ertönte metallisches Klirren. Aahs und Oohs gingen durch das Publikum. Giton reckte den Kopf. Vier bewaffnete Wachen einer Gladiatorenschule, neben den Liktoren für die Sicherheit der Gäste verantwortlich, postierten sich neben dem Wasserbecken. Dann traten die Protagonisten mit schweren Schritten in den Kreidekreis.
    Giton wusste einiges über die Typologie der Gladiatoren. Dass hier ein Provocator auf einen Dimachaerus traf, war eine ausgefallene Paarung, da ein Provocator in der Regel gegen einen Kollegen antrat, ein Dimachaerus aber nur selten überhaupt zum Einsatz kam. Rufus hatte sich diese Variante natürlich ausgedacht, um Vitellius zu beeindrucken.
    Ein Schiedsrichter in weißer Tunika gesellte sich zu den Kämpfern. Er wies mit einem Holzstab auf den Provocator.
    "Irastarax aus Gallia. Fünf Unentschieden, siebzehn Siege."
    Das Publikum johlte. Dann zeigte der Holzstab auf den Dimachaerus:
    "Kytheros aus Achaea. Als Murmillo drei Unentschieden, zwölf Siege. Als Dimachaerus fünf Siege, kein Unentschieden."
    Wieder ein Johlen, etwas lauter als zuvor. Der Provocator trug einen Bronzehelm, der das Gesicht verdeckte und den Blick nur durch vergitterte Sehlöcher gestattete. Er bot zwar perfekten Kopfschutz, wog aber halsverrenkende vier Kilogramm und trieb seinem Träger im Kampf schnell den Schweiß in die Augen und die Luft aus den Lungen. Die Brust von Irastarax war nackt und muskelbepackt; in der Rechten hielt er ein kurzes Schwert, mit der Linken den rechteckigen, mit phantasievollen Farbmustern verzierten Schild. Um die Hüften hing ein Lendenschurz. Den linken Unterschenkel bedeckte bis über das Knie eine bronzene Beinschiene.
    Kytheros, der Dimachaerus, war mit zwei Kurzschwertern ausgestattet, verzichtete also auf einen Schild. Der Helm ließ das Gesicht weitgehend frei, ein Risiko, das den Achäer mit guter Sicht und ausreichender Atemluft belohnte. Dafür trug er einen bronzenen Brustpanzer und rechts einen gepolsterten Armschutz.
    Rund um Giton wurden private Wetten abgeschlossen. Der Dimachaerus galt wegen seiner Doppelbewaffnung für die meisten als Favorit.
    "Sei unbesorgt", sagte Rufus zu Vitellius, "wenn einer von ihnen am Boden liegt. Ich werde keine Gnade gewähren."
    Als Veranstalter stand ihm die Entscheidung über das Schicksal des Unterlegenen zu. Beifällig erwiderte der Konsul:
    "Anders als in der Arena sehen wir hier den Tod aus nächster Nähe. Diesen Genuss wollen wir uns doch nicht versagen."
    "Selbstverständlich nicht." Rufus lächelte im Hochgefühl seiner Gastgeberkunst.
    Dann gab der Schiedsrichter das Zeichen zum Beginn.
    Die Menge verstummte.
    Mit einem Ausfallschritt seines beschienten Beines ging der Provocator in seine Ausgangsstellung. Hinter seinem Schild war er für den Gegner kaum zu sehen. Der Dimachaerus nutzte seine leichtere Ausrüstung, indem er sein Gewicht hin- und herverlagerte und um den Provocator herumtänzelte. Natürlich suchte er eine Lücke, um hineinzustoßen, vorzugsweise in den Oberkörper des Galliers.
    "Mach ihn fertig, Kytheros", schrie jemand.
    Andere fielen ein: "Hau ihm dein Schwert ins Herz! Stich ihn ab!"
    Kytheros, beflügelt von den Sympathien, sprang direkt vor dem Schild hoch und hieb mit der Rechten nach Irastarax´ Hals, traf aber nur den Helm, da sich der Gallier duckte. Kaum war die Klinge vorbeigeschrammt, ließ sich Irastarax mitsamt seinem gegen den Gegner gepressten Schild in die Hocke fallen und die Unterkante des Schilds auf die Zehen des Achäers krachen, der vor Schmerz aufschrie. Giton biss sich auf die Lippen. Sicher waren mehrere Zehen gebrochen. Wieder mit einem Schrei machte Kytheros einen Satz nach hinten und verlor fast das Gleichgewicht. Irastarax setzte sofort nach, doch das hatte der Dimachaerus vorausgesehen, er ließ sich nach links fallen, machte eine Rolle über seine linke Schulter und hieb vom Boden aus sein rechtes Schwert in eine Wade des Provocators. Der brüllte auf wie ein verwundeter Bär, machte eine Drehung und stand dem aufspringenden Dimachaerus gegenüber. Aus der klaffenden Wunde strömte Blut. Die kritischsten Stellen - Achillessehne oder Kniekehle - hatte Kytheros nicht getroffen, doch der Provocator war geschwächt.
    Aber auch der Achäer stand unsicher.
    "Hau ihm den Kopf ab, Irastarax", schrie Piso, ein paar Meter von Giton entfernt.
    "Schneide ihm die Därme aus dem Bauch, Kytheros", konterte ein anderer.
    Kytheros federte auf seinem verletzten Fuß ab und sprang mit dem anderen gegen den Schild. Im Training war das eine leichte Übung, mit gebrochenen Zehen aber eine Tortur. Der Provocator taumelte einen Schritt zurück, zog den Schild zur Seite, als Kytheros zu einem zweiten Sprung ansetzte, und stach geradewegs in die halboffene Deckung des Achäers, um den Hals zu treffen. Kytheros lenkte die Klinge zur Seite, sie streifte aber seinen ungeschützten Oberarm und furchte ihn auf. Seine Waffe mit einem Schmerzensschrei fallenlassend, stieß er mit dem anderen Schwert gegen die ungeschützte Brusthälfte des Galliers. Die Spitze drang fingertief unterhalb der Schulter ins Fleisch. Grunzend stolperte Irastarax zurück, hielt aber seine Waffe fest. Mit wütenden Hieben auf den emporgehaltenen Schild setzte Kytheros nach und trat gleichzeitig nach den Unterschenkeln des Galliers, der immer bedenklicher wankte.
    Die Anfeuerungsrufe aus dem Publikum war ohrenbetäubend. Selbst Vitellius hatte seine Würde vergessen und schrie im Chor mit den anderen:
    "Jetzt hat er ihn! Jetzt hat er ihn!"
    Um das Blatt zu wenden, öffnete Irastarax die Deckung und blockte Kytheros´ Attacken mit dem Schwert. Aufgepeitscht vom Adrenalin schien der Achäer seine Zehenbrüche vergessen zu haben, mit immer heftigeren Hieben drängte er den Gegner zurück, dessen Fechtkunst der von Kytheros nicht gewachsen war. Es dauerte keine Minute, bis Irastarax am Handgelenk getroffen wurde und sein Schwert klirrend zu Boden fiel. Er stand jetzt keinen Fußbreit von der Kreislinie entfernt - noch ein Schritt zurück, und die Niederlage wäre besiegelt.
    "Lass ihn sein Schwert aufnehmen", schrie ein Anhänger des Galliers dem Schiedsrichter zu. Der winkte nur ab. Mit dem Mut der Verzweiflung hob Irastarax seinen Schild und drang wie eine Ein-Mann-Phalanx auf Kytheros ein, in der vagen Hoffnung, ihn zu Fall zu bringen und an sein Schwert zu gelangen. Der Dimachaerus aber war clever genug, seinen Vorsprung nicht zu verspielen. Mit einer Körperdrehung brachte er sich aus der Linie des Provocators und stach ihm von der Seite die Klinge unterhalb des Brustkorbs in den Leib, nicht sehr tief, aber tief genug, um Irastarax schreiend zusammenbrechen zu lassen.
    "Er hat ihn, er hat ihn!", brüllten Kytheros´ Anhänger.
    Irastarax lag aus drei Wunden blutend am Boden und hatte nicht die Kraft, seinen Schild schützend über sich zu halten. Die Klingenspitze des Dimachaerus näherte sich seinem Hals, bereit für den tödlichen Stich.
    Mit einem Wink brachte der Schiedsrichter die Menge zum Schweigen. "Irastarax hat den Kampf verloren."
    Er hob einen Arm. Sein Blick ging zu Rufus.
    An diesem lag es nun, über Leben oder Tod von Irastarax zu entscheiden.
    Das Publikum hielt die Luft an. Alle Blicke waren auf Rufus gerichtet. Erst jetzt fühlte Giton den Schweiß, der ihm am ganzen Körper ausgebrochen war.
    Rufus räusperte sich und sah Vitellius an.


    (...)
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2018
    Biturigos gefällt das.

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