Häusereinrichtung

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Thore, 24. April 2007.

  1. Thore

    Thore Neues Mitglied

    Hallo

    ich schreibe einen mittelalterlichen roman und bräuchte daher noch einige infos
    ich lese zwar schon länger mit
    habe aber nichts gefunden

    also zum einen was bei einem jäger in seiner hütte/haus alles an einrichtung war
    hatte er bestimmte äxte oder soetwas

    dann die einrichtung von kaufleuten im 12-14jhr.
    gab es schon uhren, wann gab es in europa zum erstenmal mobile kanonen etc

    dann noch im allgemeinen, gab es verschiedene schmiede, die zum einen nur schwerter oder nur rüstungen machten oder gab es einen für alles

    danke an alle:yes:
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Für genauere Aussagen müßte ich nachschlagen; deshalb nur einige Punkte aus dem Handgelenk geschüttelt...

    Die Einrichtung war selbst bei Adligen relativ spartanisch, so daß es außer einem Bett/Strohsack, einer Truhe (die zur Aufbewahrung von Kleidung und Gebrauchsgegenständen, aber ebenso als Sitzgelegenheit diente), einem einfachen Tisch sowie einem Waschbottich/Waschzuber im Wohnhaus eines einfachen Dienstmannes (etwas anderes war ein Jäger nicht) kaum noch etwas gegeben haben dürfte.
    Die Beleuchtung des Innenraums erfolgte mittels Talglichtern und/oder Kienspänen...

    Zu den Äxten: er dürfte nicht mehr als eine größere Handaxt besessen haben - eben genau das, was man als Werkzeug zur Holzverarbeitung brauchte.
    Für andere Äxte hatte er ja auch keine besondere Verwendung - da waren für seine Arbeitstätigkeiten ein Bogen mit Pfeilen (später dann - und unter der Bedingung, daß sein Dienstherr reich begütert war - die Jagdarmbrust) sowie ein Gebrauchsmesser mit breitem Klingenblatt weitaus notwendiger...

    Dies müßte genauer spezifiziert und differenziert werden: erstens gibt es vom Hoch- (12./13. Jh.) zum Spätmittelalter (14. Jh.) relativ deutliche Unterschiede, zweitens ist Kaufmann nicht gleich Kaufmann... :grübel:

    1. Uhren
    Das kommt drauf an, was Du unter "Uhr" verstehst: Räderuhren kommen erst etwa ab 1350 auf (und sind mindestens bis zum Beginn des 15. Jh. städtische Turmuhren, also nichts für Haus und Wohnraum). Bis zum Beginn des 14. Jh. erfolgte die Zeitmessung im weltlichen Bereich mittels Sonnenuhren und im klösterlichen Bereich mittels Stundenkerzen ("wächserne Uhren"). Daneben gab es an exklusiven kaiserlichen Höfen u.ä. vereinzelt sogar Wasseruhren (dann meist aus dem Orient stammend), die aber eher als Schmuckstücke betrachtet wurden, da ihr praktischer Einsatz nördlich der Alpen kaum richtig möglich war, weil sie im Winter Gefahr liefen einzufrieren.

    2. Kanonen
    Die ersten derartigen Feuerwaffen ("Pfeilbüchsen") kamen in Europa ab etwa 1325 auf und saßen noch auf festen Lafetten; beweglich wurden diese Geschütze erst gegen Ende des 14. Jh.

    Schmiede waren spezialisiert: Werkzeugschmiede, Kesselschmiede, Nagelschmiede, Meserschmiede, Hufschmiede, Klingenschmiede/Waffenschmiede (Schwertfeger), Panzerschmiede (Sarwürker, später Plattner), Helmschmiede, Kupferschmiede, Goldschmiede.

    Soweit erst einmal ein grober Überblick dazu...
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2007
  3. hyokkose

    hyokkose Gast


    Jetzt hast Du mich einen Moment ins Grübeln gebracht. In Korea wurde 718 eine königliche Behörde eingerichtet, die für Wasseruhren zuständig war. Da die koreanischen Winter meist strenger sind als die mitteleuropäischen, wie war denn dort ein praktischer Nutzen dieser Uhren möglich?
    Da fiel mir ein, daß die damaligen Koreaner schon das Feuer nutzten, z. B. um ihre Häuser zu heizen.
     
  4. Thore

    Thore Neues Mitglied

    vielen dank für die vielen infos das hilft mir doch schon sehr weiter

    danke thore
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Und jetzt hast Du mich bei einer oberflächlichen Darlegung erwischt...

    Zunächst noch einmal zu dem Punkt, den ich bereits geschrieben hatte: Wasseruhren liefen Gefahr einzufrieren, d.h., ergo mußte man dieser Gefahr begegnen. Genaugenommen ist "einfrieren" auch zu hart ausgedrückt, denn natürlich fror die Uhr als solche nicht ein, sondern es litt "nur" die Genauigkeit der Zeitmessung.
    Das "der Gefahr begegnen" ist bzw. war auf zweierlei Arten möglich: entweder man erwärmt die Umgebung der Uhr (damals bspw. mit aufgestellten Fackeln o.ä.) oder man ersetzt das Wasser durch Quecksilber.
    Natürlich beheizte auch der Adel im mittelalterlichen Europa bereits Wohnräume, allerdings eben nicht alle Räume, sondern nur einen dafür vorgesehenen Raum (Kemenate). Zusätzliches Heizen wurde vermieden - was dann schon einmal ein Grund wäre, der den Wasseruhren nicht zuträglich war. Warum allerdings die Lösung "Quecksilber" ausschied, kann ich nicht sagen - daran, daß Quecksilber giftig ist, kann es allein aber nicht gelegen haben, denn diesbezüglich war man im Mittelalter relativ "sorglos".

    PS (EDIT): Wie ich jedoch bereits anmerkte, sind Wasseruhren eine sehr exklusive Einrichtung an kaiserlichen Höfen des Mittelalters - und selbst da nicht an jedem... :fs:
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2007
  6. M.A. Hau-Schild

    M.A. Hau-Schild Premiummitglied

    Das könnte mehrere Grunde haben warum Quecksilber gemieden wurde. Hat schließlich als was besonderes allerhand Allüren.

    Ich kann mir gut vorstellen das die hohe Oberflächenspannung von Quecksilber da durchaus für Probleme sorgen kann.
    Auch die hohe Masse kann zu Problemen führen.

    Leider habe ich keine Tabelle über die Viskositätsänderung bei Temperaturänderungen von Quecksilber. Könnte aber unter Umstände auch eine Rolle gespielt haben.

    So oder so, Quecksilber war noch nie leicht Handzuhaben.
     

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