Hansemann und seine neun Ursachen / Gefahr Demokratie

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von luniquiera, 9. November 2010.

  1. luniquiera

    luniquiera Neues Mitglied

    Kann mir jemand erklären,
    warum Hansemanns Katalog der "Elemente", die "unabweisbar" zur Ausbildung demokratischer Gesinnung führen, die Krise der ständischen Gesellschaft treffend kennzeichnet?
    Und ganz wichtig: Warum solche Erscheinungen die Forderung nach demokratischen Ordnungen nach sich zogen?

    Ich habe jetzt die neun Ursachen nochmal ausführlich aufgeschrieben, aber kann sie irgendwie nicht in Zusammenhang bringen und würde mich über etwas Hilfe dazu freuen.

    Der Text von Hansemann ist hier nachzulesen:

    http://www.floerken.de/quellen/1840 hansemann.pdf
     
  2. luniquiera

    luniquiera Neues Mitglied

    *push* Kann mir denn niemand helfen?
     
  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @luniquiera

    Sorry, offensichtlich haben meine geneigten Mitdiskutanten Deine Anfrage einfach übersehen.

    Ich gehe auf die neun Punkte ein, bestimmt kann ein Kollege hier zutreffendere Meinungsäußerungen beitragen.

    Die Biographie von Hansemann wirst Du kennen und auch seine politischen Ansichten.

    ad 1)

    "Maschinenwesen". Die Inustriealisierung bedeutete auch einen sozialen Modernisierungs- und Mobilisierungsschub. Die Herausbildung des Proletariates. Damit wird die ständische Gesellschaft unterminiert. Nicht mehr der "Stand" ist wichtig, sondern der Besitz von Kapital.

    Entscheide: ständisch oder prädemokratisch?

    ad 2)

    Vergleiche hier einmal die Aussage von Hansemann und Malthus.

    Thomas Robert Malthus - Wikipedia, the free encyclopedia

    Die "agrarische Revolution" machte die Urbanisierung, als Folge der Industriealisierung erst möglich.

    Entscheide bei den Folgen: ständisch oder prädemokratisch?

    ad 3)

    "Wohlfeile Transportmittel" damit meint er wohl die Eisenbahn, überlege welchen "Mobilisierungsschub" die Eisenbahn im soziologischen Kontext dieser Zeit hatte.

    Ist Mobilität eher ein Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft oder einer ständischen?

    ad 4)

    "Preußische Heeresverfassung". Bedingt die allgemeine Wehrpflicht nicht auch das Recht auf eine Teilhabe an der politischen Verfasstheit eines Staates. Ein seinerzeit sehr starkes Argument.

    ad 5)

    Religion ist so eine Sache, dazu schreibe ich sehr ungern etwas. Schau aber mal unter den Stchworten "Aufklärung" und deren Rezeption im frühen 19. Jh. nach. Vllt. bei Hegel, Marx etc.

    ad 6)

    Das ist immer lustig, das Klagen der älteren Generation über die jüngere. Findest Du bei antiken Philosophen bis heute. Hinsichtlich bürgerlicher Sittlichkeit hätte L. XV. über Friedrich Wilhelm III. wohl nur Spott übrig gehabt.

    Bedenke hierbei, daß die preußische Rheinprovinz erst 1815/1822 an das weitgehende protestantische Preußen gekommen ist; es also durchaus nicht zu unterschätzende religiöse Differenzen gab.

    ad 7)

    Entscheide, ist allgemeiner Unterricht für die Kids aller Klassen und Schichten, eher demokratisch oder ständisch?

    ad 8)

    Siehe ad 6.

    ad 9)

    Hochkomplex. Hier ist er aus der Zeit heraus interpretiert sehr modern. Die ständische Absicherung, in Preußen durch die Stein-Hardenbergischen Reformen bereits gelockert bzw. aufgehoben (Gewerbereform, Aufhebung der Erbuntertänigkeit etc.) war die Voraussetzung für die Durchsetzung von Lohnarbeit. Das kannst Du in Deinem Vortrag/Arbeit durchaus zuspitzen; politische Freiheit vs. wirtschaftlicher Freiheit.

    Das in aller Kürze.


    M.


    P.S.: Vergiß bitte nicht, daß das "Demokratieverständnis" eines Hansemann ungleich unserem heutigen ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. November 2010
  4. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Das kann man unterstreichen, eingedenk des Satzes (Hervorhebung von mir):
    Die "Medizin", gegen "zu viel" Demokratisierung das Besitzbürgertum mit "ins Boot" der Herrschenden zu nehmen gegen die Besitzlosen, war nach 1848/49 recht wirksam.
    Punkt 4 aber auch ganz wörtlich zu nehmen: Das bewaffnete Volk könnte die Waffen gegen seine Herren/Unterdrücker wenden.

    Da muss ich dir allerdings widersprechen. In diesem Punkt geht es um das, was heute "soziale Hängematte" heißt.
     

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