Hat Napoleon die Revolution wirklich beendet

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von grashalm, 24. März 2004.

  1. grashalm

    grashalm Gast

    Hat Napoleon die Revolution wirklich beendet er hat zwar 1799 gesagt er hätte das aber hat er oder hat er sie doch weiter fortgeführt???
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Klar hat er sie weitergeführt. Das Europa nach dem Wiener Kongress trug seine Handschrift und war mit 1789 nicht mehr vergleichbar.
     
    1 Person gefällt das.
  3. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Hi Mercy,
    du meinst wohl das Europa vor dem Wiener Kongress, danach gings ja eher um Restauration, also der Wiederherstellung der Zustände vor der Revolution (es wurde ja sogar wieder ein Bourbone auf den frz. Thron gesetzt).

    Manchmal muss ich einfach die Oberlehrerin raushängen lassen, nix für ungut...
     
  4. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ich denke,vorallem wirkt der "Code Napoleon" weiter ,nicht nur im Jurastudium weltweit, sondern das ihm zugrundeliegende laizistische Staatsverständnis . Der Kopftuchstreit und die offiziellen Reaktionen in Frankreich und in deutschsprachigen Gebieten zeigt bereits dieses "wehret den Anfängen". Auf der Höhe des milit.Erfolgs 1805 in Austerlitz gab Napoleon traditionsbewußt zu verstehen :"ich bin die Revolution".
    Ein netter Vergleich mit den Revolutionen "von oben" in Frankreich und Bismarck-Deutschland wäre hinsichtlich der Religionsfrage sicher eine reizvolle Auseinandersetzung wert. :D
     
  5. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Hallo Lili,
    es ging zwar beim Wiener Kongreß um die Wiederherstellung des Europas vor 1789, doch wollen wir das Ganze mal objektiv sehen: das Europa nach 1815 war weder dasselbe noch die genaue Fortsetzung des Europas vor 1789. Und zwar aus folgenden Gründen, deren Ursachen alle in der Französischen Revolution bzw. in der Herrschaft Napoleons zu suchen sind:

    - es entwickelte sich in vielen Ländern ein Nationalismus bzw. ein Patriotismus wie z. B. in Deutschland oder Italien.
    - es gab kein HRR mehr, stattdessen gab es den Deutschen Bund (für die italienischen Staaten wurde übrigens auch ein Italienischer Bund geplant).
    - es entstand in Frankreich eine Bewegung und zwar der Bonapartismus, der die Herrschaft eines Mitglieds der Familie Bonaparte forderte. Vor 1789 gab es so etwas nicht und wenn es zu keiner Französischen Revolution gekommen wäre, wäre sicherlich auch kein Bonapartismus entstanden. Und dann wäre kein Napoleon III. Kaiser geworden, der Europa noch weiter veränderte.
     
  6. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Hi Imperator,

    patt, gewonnen.... du hast recht, aber es handelt sich um keine Veränderungen, die von Napoleon iniziiert wurden, sondern um Änderungen, die aus der napoleonischen Herrschaft resuliert sind.
     
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich finde es auch ziemlich erstaunlich dass so gut wie jede Epoche durch ganz besonders charismatische (in positiver und negativer Hinsicht) Menschen geprägt wurden. Aber der Mensch an sich ist ein Rudeltier und braucht deshalb vielleicht auch jemanden, dem er "folgen" kann. Heute ist es vielleicht nicht mehr so krass, weil sich die Informationslage zum einen verbessert und zum anderen verschoben hat weg von Information hin zu Entertainment. Wie wäre sonst ein solcher Star-Rummel möglich?
    Was Napoleon betrifft, muss ich mich jetzt wohl als Napoleon-Fan outen. Eine historische Persönlichkeit, die mich echt fasziniert. Wobei ich auch nicht alles gut finde, was er so gemacht hat.
     
  8. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hi Lilli, leider ein bischen optimistisch gesehen mit der "verbesserten "Informationslage. :rolleyes: Die Informationsflut ist so gewaltig wie trüb. Sich ein klares unabhängiges Bild von den aktuellen Vorgängen zu machen ist sehr schwierig,da die Informationen selten weltanschaulich und vorurteilsfrei behandelt werden- siehe Irak, naher Osten etc..ect....Große Teile der Bevölkerung glauben der veröffentlichten Meinung und halten sich daher für gut informiert- werden aber oft nur besser verführt.(Berlusconi+Konsorten) :eek:
    Dem kann jeder ,denke ich, entgegenarbeiten,wenn man sich mit den Hintergründen der jeweils anderen Partei oder Meinung aus historischer Sicht auseinandersetzt. In den öffentlichen Medien wird dies leider zunehmend an den "Standard" der Privaten angepaßt.
    ...jetzt muß ich aber Schluß machen..wegen der Werbung... :rolleyes:
     
  9. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Sorry..Doch mal was zur Sache Napoleon. Mal sehen ob Du noch sein Fan bist, wenn Du alle Einzelheiten seiner Diktaturzeit, begonnen vielleicht mit seinem Auftragsmord am Herzog von Enghien, kennst..viel Vergnügen... :confused:
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich muss dir jetzt mal getrennt antworten in einem passt das irgendwie nicht...

    Klar, stimme ich dir zu. Mit "Verbesserte Informationslage" gings mir allerdings mehr um einen Vergleich vom Empire zu heute. Und, wer sich heute detaillierte Informationen beschaffen möchte hat dazu ziemlich umfassende Möglichkeiten. Inwieweit man sich also "verführen" lässt, kann jeder für sich entscheiden.
    Die Angleichung von ehemals informierende Medien an die Unterhaltenden, ist aber mit Sicherheit ein Armutszeugnis unserer Zeit.
     
  11. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Und jetzt Nr. 2:
    Vielleicht wäre es richtiger gewesen, wenn ich geschrieben hätte, dass mich Napoleon in der Hinsicht fasziniert, dass ich mich sehr intensiv mit ihm beschäftige. Wie bereits gesagt, nur weil ich mich für Napoleon interessiere, heißt das noch lange nicht, dass ich alles gut finde, was er so gemacht hat.
     
  12. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Hi Lili,
    natürlich habe ich ein wenig provozieren wollen mit Napoleons Sündenregister,daß Du sicherlich genau kennst. Ich habe einfach ein schlechtes Gefühl bei Bewunderungs - Adressen
    an Personen ,die sich irgendwann in ihrer Karriere an einem bestimmten Punkt für rücksichtslosen Macchiavellismus entscheiden und die eigenen heren Ziele oft verraten. (ich und Beethoven sind da einer Meinung :D )
     
  13. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich glaube, dass es gerade das ist, was mich bei einigen historischen Persönlichkeiten besonders fesselt, gerade wenn sie es - wie im Falle Napoleons - "zurückgezahlt" kriegen.
     
  14. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ..aha , eine kleine Sadistin.. ;)
     
  15. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Man muss aber, um objektiv über einen Herrscher urteilen zu können, sich in seine Zeit hineinversetzen. Klar sind Kriege oder was auch immer Napoleon damals verbrochen hat scheiße, doch waren sie damals normale politische Mittel.
     
  16. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    nur damals ?... :eek:
     
  17. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Hm, na ja, heute vielleicht auch noch, stimmt. Aber heute wird auch vermehrt versucht, diplomatische Lösungen zu finden. Außerdem versucht heute keiner, die Welt mit allen Mitteln zu erobern. Hier in der westlichen Welt ist das Zeitalter der Eroberungskriege vorbei; hier werden nur noch Verteidigungs- oder Befreiungskriege zugunsten unterdrückter Völker geführt. Das ist ja doch etwas anderes als die Kriege Napoleons
     
  18. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Der unerklärte Krieg heutzutage wird wohl für unterdrückte Glaubensfragen geführt. Den westlichen way of live schmackhaft zu machen geht ja wohl momentan voll in die Hose,
    siehe Irak.. Die "westl. Werte " sehen viele Muslime vorort als Repressalie.. und wehren sich zunehmend. Der Kreuzritter aus dem Land der unbegr. Möglichkeiten sollte mal die Geschichte der Kreuzzüge lesen, vielleicht kann er dann nicht mehr so gut schlafen.. :eek:
     
  19. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    -------------------------------------------------------------
    Um den Thread etwas aufzufrischen : ;)

    Zitat George Bernhard Shaw :

    " Jeder Mensch, der wirklich Bedeutendes im Leben leistet, beginnt als Revolutionär.
    Und doch haben Revolutionen noch niemals das Joch der Tyrannei abgeschüttelt, sie haben es bloß auf eine andere Schulter gewälzt. "
     
  20. Jules

    Jules Neues Mitglied

    So kann man es natürlich auch ausdrücken...! :fs:

    @ Arcimboldo: :hoch:
     
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen