Heinrich IX., dirigierender Minister Preußens unter der Regentschaft Friedrich II.

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten in der Neuzeit" wurde erstellt von geschichtsfan07, 20. Januar 2008.

  1. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Jeder absolutistische Herrscher hatte Minister und Ratgeber, obwohl er (oder sie) die Regierung in der Hand hatte und Entscheidungen traf. Wieviel Anteil daran die leitenden Minister oder Befehlshaber hatten, ist ersteinmal dahin gestellt.
    Erinnert man sich an Ludwig XIV. ist der Name seines fleißigen Finanzministers, Jean-Baptist Colbert, nicht weit. Einige Ratgeber seines Urenkels, Ludwig XV.: André-Hercule de Fleury, René de Maupeou, Madame de Pompadour. Findet man die sächsische Geschichte interessant so stolpert man zu erst über den starken August, danach über seinen engsten Berater Jacob Heinrich Graf von Flemming. Beschäftigt man sich mit den österreichischen Habsburgern kommt man an Maria Theresia nicht vorbei. Ein guter Ratgeber, wenn auch mit nicht ganz einfachen Charakterzügen, war ihr Wenzel Anton Graf von Kaunitz-Rietberg. Schaut man weiter Richtung Osten trifft man auf das russische Zarenreich. Unter der Herrschaft Peter des Großen hatte Alexander Menschikow "etwas zu melden". Während der Regierungszeit Katharina II. stand ihr Grigori Potemkin mit Rat und Tat zur Seite. (*zwinker*)
    Schauen wir nun nach Preußen, der neuen Großmacht Europas. Das bekannteste Gesicht der Familie der Hohenzollern: Friedrich der Große. Durch zahlreiche Reformen und siegreiche Kriegsführung hat er sich einen Namen gemacht. Doch wer stand ratgebend an seiner Seite? Im militärischen "Bereich" wäre der Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin zu nennen. Aber im zevilen "Gebiet"???

    Graf Heinrich IX. j.L. von Reuß-Köstritz
    (geb.: 15.9.1711, gest.: 16.9.1780)

    Heinrich IX. war der zweitälteste, den Vater überlebende Sohn Heinrich XXIV., dem Begründer der Köstritzer Linie und seiner Gemahlin Eleonore von Promnitz. Im Kindesalter wurde er mit anderen jungen Adligen am Hof seines Vaters erzogen, absolvierte ein Studium der Rechts- und Staatswirtschaften. Nachdem er seine Kavaliersreisen hinter sich hatte, ging er nach Schleßien. Gut für ihn war, dass seine Mutter dort einige Besitztümer hatte. Am Anfang seiner Karriere hatte er ein juristisches Amt in Schleßien inne. Aber die vielzahlige Präsenz seiner und angeheirateter Familien machten ihn am brandenburg-preußischen Hof bekannt. Im Jahr des Amtsantrittes Friedrich II. war der Köstritzer Graf Kammergerichtsrat. Im Jahr seiner Heirat (1743 - mit Amalie geb. Gräfin von Wartensleben-Flodroff (1715-1787)) war er Vicepräsident des königl. preußischen Oberappellationsgerichtes, 1748 Vicepräsident des königl. preußischen Obertribunals, ...
    Um die wichtigsten Ämter zu nennen, die Heinrich IX. begleitete, möchte ich eine Textpassage aus dem Buch " Spuren im Land - Aus der Geschichte des apanagierten thüringisch-vogtländischen Adelshauses Reuß-Köstritz" zitieren:" Man findet im "Adress-Calender der Königlich Preußischen Haupt- und Residenzstadt Berlin über die in Berlin wohnhaften Hofbeamten mit Approbation der kgl. Akademie der Wissenschaften" vom Jahr 1773, der streng nach Rang und Namen geordnet wurde, den reußischen Grafen unter No. 1:" Seine Excellenz Hofmarschall und Obermarschall Sr. Majestät des Königs von Preußen und Wirklicher und Geheimer Etats- und Kriegsrat und - Minister, wie Präsident und dirigierender Minister des General-, Oberfinanz-, Kriegs- und Domänen - Directorii, Präsident des königlich preußischen Oberappellationsgerichts, Chef der kgl. preuß. Hauptbanque und Banco - Präsident, Direktor der kurmärkischen Landschaft (die brandenburgische Ständevertretung, Vorläufer eines Parlaments), Vorsitzender des königlich preußischen Collegium Medico Chirurgium und Chef des Obercollegiums Medicum.""
    Von 1762-1769 war Heinrich IX. auch königlich preußischer Generalpostmeister und Chef des Postwesens. Somit war der Reuße ranghöchster Hofbeamte, persönlicher Berater des Preußenkönigs.
    Als er im Jahre 1780 starb, wurde er mit aller Pracht in der Garnisonskirche in Berlin beigesetzt. Ihm zu Ehren lies man ihm ein Denkmal errichten. Leider steht dieses wie das reußische Winterpalais nicht mehr.
    4 seiner 9 Kinder überlebten ihn, seine Frau verstarb sieben Jahre nach seinem Tod.


    Passt eigentlich nicht zum Thema, aber geheimhalten will ich es auch nicht:

    Schon 1691 lies Graf Heinrich I. j.L. von Reuß-Schleiz riesige Biehöhler für die Brauerei in Köszritz unter der örtlichen Kirche anlegen. Ab 1696 hieß diese besagte Brauerei offiziel Reußische Hofbrauerei Köstritz. Unter der Regierung Fürst Heinrich XLIII. j.L. von Reuß-Köstritz (Neffe von Heinrich IX.) wurde der Grundstein für die heute bekannte Schwarzbierbrauerei gelegt. 1789 wurde ein größzügiges Brauhaus errichtet und zwischen 1800 und 1810 wurden in zahlreichen Städten wie Hamburg oder Berlin Köstritzer Niederlassungen eingerichtet. So wurde das Köstritzer Bier weiter bekannt. 1811 wurde es in 68 Orte versant (auch nach London und Liverpool). Noch heute sieht man das Reußen-Wappen, wenn auch in einfacher Form, auf der Köstritzer Bierflasche. Prost!
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das ist ja ein, für mich, höchst spannendes Thema. Ein sehr berühmter Minister (Staatsminister) war ja auch Heinrich Graf von Podewils, der von Karl Wilhelm Finck Graf von Finckenstein in seiner Position des Vertrauens beim König abgelöst wurde.

    Was mich beim Grafen Reuß interessieren würde, ist wie es ihm möglich war als regierender Graf die Interessen seines (Klein-)Staates wahrzunehmen und dennoch in den Diensten des Königs in Preußen zu sein? Ich meine die Staatsinteressen seines souveränen Staates werden doch auch manchmal z.B. in Regensburg denen Preußens entgegen gestanden haben. Zum anderen dürfte es schwierig gewesen sein, wenn der regierende Graf dauerhaft außerhalb seines Staates weilte.
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Meines Wissens war es in jener Zeit gar nicht so selten, dass Diplomaten, Minister und hohe Beamte gleich bei mehreren Potentaten auf der Gehaltsliste standen. Sogar Fritz als Kronprinz war in der Beziehung nicht ganz koscher, hatte er doch ziemlich hohe Schulden.
    Was eigentlich Hochverrat war, wurde anscheinend stillschweigend hingenommen, nur bei extremen Auswüchsen landete der Betreffende schon mal in Festungshaft.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Januar 2008
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hm, lecker, Gutes setzt sich halt durch. :D:yes:

    Mal im Ernst, am Wochenende habe ich mal wieder "Kunst und Krempel" geschaut und da kam der Schmuckexperte auf ein ähnliches Thema. So hatte der Reichsgraf Franz I. von Erbach den zündenden Gedanken in seiner wirtschaftlich nicht sehr gut entwickelten Region die Elfenbeinschnitzerei als ein wirtschaftliches Standbein zu installieren, welche er als Handwerk, was damals gebräuchlich war, erlernt hatte. Also die bewusste Förderung eines Wirtschaftszweiges in einem kleinen Staat war im Zeitalter des Absolutismus scheinbar sehr üblich.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    In Erbach ist heute noch das Deutsche Elfenbeinmuseum untergebracht. Wegen des Washingtoner Artenschutzabkommens wird dort Mammutelfenbein aus Sibirien verarbeitet.


    Von Kellern, in denen hochwertiges Exportbier gelagert wurde, habe ich auch schon gehört. Das "Lagerbier" soll daher seinen Namen haben.
     
  6. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Auf die Gefahr, als Klugscheißer zu gelten. Es heißt Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Soviel Zeit muss sein.
     
  7. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    regierender Graf und Preußens Minister in Einem

    Die Grafschaft Reuß j.L. (jüngere Linie), genauer gesagt Heinrich I. von Reuß-Schleiz, hatte sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts etwas einfallen lassen, damit bei ihnen die Promogenitur etwas "abgeschwächt wurde". Das Köstritzer Haus war eine Nebenlinie des Schleizer Hauses. Heinrich I. lies für seinen Zweiten ihn überlebenden männlichen Nachkommen eine Apanage einrichten - eine Art Abfindung. Heinrich I. Erstgeborener (Heinrich XI.) erhielt wegen der Promogenitur die Herrschaft Schleiz. Der Zweitgeborene, Heinrich XXIV., erhielt die Apanage, in diesem Fall die Herrschaft Köstritz. Dem Begründer der Köstritzer Linie (Heinrich XXIV.) wurden viele Kinder geboren (12) und dadurch wurde die apanagierte Linie in 3 Äste aufgeteilt. Den Älteren Ast, den Mittleren Ast und den Jüngeren Ast. Heinrich IX. war der Begründer des Mittleren Astes von Reuß-Köstritz und somit nicht der Herr über Köstritz. Das war sein älterer Bruder Heinrich VI., Begründer des Älteren Astes. Heinrich IX. wurde der Herr über einige schleßische Ländereien, die seine Mutter mit in die Ehe gebracht hatte. Es waren kleine und wenige Ortschaften, weil es ja auch noch den Jüngeren Ast gab. Als Herrscher hatte er da übersichtliche Aufgaben. Die meisten Vertreter seines Hauses schlugen eine Karriere als Minister (Heinrich IX. zum Beispiel) oder als Militär ein.

    Die jüngere Linie war sehr für die Preußen und hatte deshalb nicht viel an ihnen zu kritisieren. Wobei die österreichtreuen Grafen der älteren Linie schon wieder einen ganz anderen Ton anschlugen.

    Auch sind die Grafschaften und späteren Fürstentümer ein Paradebeispiel für die Kleinstaaterei.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Januar 2008
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Vielen Dank für die ausführlichen Auskünfte. Mich hatte eben die Nummerierung als das 'IX.' etwas irritiert, was ja nahelegte, dass er ein regierender Graf war.
    1. Das erklärt einiges. Schwierig ist die Lage bei zwei verschieden politisch ausgerichteten Linien schon. Ich denke da an den Kriegsfall. Die Grafen von Reuß stellten, wenn ich mich richtig erinnere, zusammen mit ihren Nachbarn von Schwarzburg-Rudolstadt eine Infanterieeinheit auf (Bataillon oder Regiment (?)) und mussten diese sicherlich im Rahmen der Reichsarmee einsetzen. So muss die Lage für die preußentreuen Reußen 1756 prekär gewesen sein, als man in Regensburg über die Reaktion auf den Einfall der Preußen in Sachsen entschied.

    2. Stimmt schon, ich habe mal ein bisschen auf Wikipedia geschaut. Fürstenhaus Reuß - Wikipedia Das ist eine ziemlich komplexe Geschichte mit diesen Familienverhältnissen und entsprechenden Besitzungen.
     
  9. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Ja, es gab immer Krach.

    Aber noch schlimmer als die Aufteilung der Linien (die Übersicht in wikipedia macht aber alles auch ein wenig schlimmer, als es ist), ist die "Nummerierung" der Namen. Ich persönlich bin erst vor kurzem dahinter gestiegen.
    ( wieder mal wikipedia: Stammliste von Reuß - Wikipedia) -hab selbst einiges geschrieben, das was der Urheber nicht wusste-

    Heinrich hießen alle Reußen und ihre Ahnen zu Ehren Kaiser Heinrich VI.. Der Onkel (angeheiratet) Kaiser Heinrich VI. war Heinrich der Reiche, der Vorfahre der Reußen, Vogt von Plauen, Weida und Gera. Ihm, Heinrich dem Reichen, gehörte das gesamte Gebiet der späteren Reußen und der vogtländische Kreis des Kurfürstentums Wettin. Ich glaube sogar noch mehr.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Immerhin steht in Wikipedia überhaupt so ausführlich was dazu.

    Vielleicht ist das ein Thema für Dich: http://www.geschichtsforum.de/f7/literatur-zu-gut-dokumentierten-zwerg-hoefen-im-18-jh-18314/

    Zurück zu Heinrich IX.:
    Ich denke, das war in der Zeit, als das Reich zusehends an Macht einbüßte, eben eine Möglichkeit an einem größeren Hof überhaupt Einfluss auf das politische Geschehen, am preußischen Hof in europäischem oder gar im Weltmaßstab zu bekommen. So machten es die kleineren süddeutschen Reichsritter und Reichsgrafen am Wiener Hof und so hielten es die norddeutschen Fürsten wie die Anhaltiner und eben die Reußen am Berliner Hof. Grundsätzlich gab es aber auch die selbstbewusste Variante von Reichsgrafen und Reichsrittern und kleineren Fürsten, welche ihre Souveränität dadurch verdeutlichen wollten, indem sie zwischen den größeren Höfen lavierten, ohne sich festzulegen, geschweige in das Abhängigkeitsverhältnis einzutreten, welches um so schwerwiegender war, wenn man konkret in die Dienste eines anderen Reichsfürsten trat. Wenn man sich die Karriere z.B. des Grafen von Nassau-Diez anschaut, welche es vom Reichsfürsten bis zum Prinzen von Oranien ab 1713 und dann Statthalter der Niederlande brachten und im 18.Jh. mit ihrem Hof den absolutistischen Höfen Konkurrenz machen konnte, dann ermisst man, dass auch für die kleineren Fürsten etc. einiges an Macht bei günstigen Konstelationen möglich war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2008
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @geschichtsfan07

    Weißt Du wieviel der Heinrich IX. für seinen Posten als Minister bekam?
    Ich habe unlängst gelesen, dass Friedrich II. ihm und zwei weiteren Adeligen am preußischen Hof, den Grafen Eickstädt und Kammerherr Baron von Gender für 36.000 Taler Pacht die Lotterie zubilligte, während ihr Vorgänger Calsabigi aus Livorno zuvor 60.000 im Jahr zahlen musste. Als Grund für seine Großzügigkeit soll der König laut Thiébault angegeben haben, dass die Vermögensverhältnisse der altehrwürdigen Familien dieser Adeligen in Unordnung geraten seien.

    Nun frage ich mich, ob das Gehalt der Minister wohl so gering war, dass es eigentlich den Inhabern der Posten ein viel zu geringes Einkommen für den nötigen Aufwand bescherte. So las ich, dass ein Staatsminister nur 4.000 Taler jährlich ohne Nebeneinkommen erhielt. Der Finanzminister brachte es auf 8.000 bis 10.000 Taler, der Graf Finkenstein für besondere Aufwände, die er für die Fremden machen musste auf um die 15.000 Taler pro Jahr. Wenn man allerdings bedenkt, dass der erste Kammerherr der berühmte Pöllnitz neben seinem üblichen Gehalt zu Weihnachten für gewöhnlich 6.000 Taler zum Geschenk vom König bekam, scheinen die Einkommen der Minister für ihre Arbeit recht gering.
     
  12. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Die politische "Einstellung" der Reußen ist schlecht zu verallgemeinern.
    So war die jüngere Linie zu Meist am preußischen Hof vertreten, doch in der Köstritzer Linie befanden sich viele Prinzen unter den Gefolgsleuten des dänischen Königshauses.
    Die ältere Linie stand zum österreichischen Kaiserhaus. Wobei hier getrennt bzw. Ergänzungen gemacht werden. So zum Beispiel war Heinrich VI. ä.L. von Reuß-Obergreiz neben dem "Gefolgsmann" der Habsburger Generallfeldmarschall unter den sächsischen Kurfürsten.


    Zu diesem Thema und zu einigen weiteren Reußen speziell werde ich demnächst noch etwas im Thread der Fürstentümer Reuß erstellen.

    Es tut mir leid, aber genaue Zahlen kann ich dir nicht nennen. Mir ist schon aufgefallen, dass Heinrich IX. immer gern "unter den Teppisch gekehrt" wird und über ihn nicht viel zu lesen ist, zumindest was ich kenne. :S :motz:
    Eher wird Heinrich Posthumus gelobt, nicht zu unrecht, oder Heinrich XXII., was er natürlich auch verdient hat, aber Heinrich IX. in den Hintergrund zu stellen...nunja, das ist ein anderes Thema.

    Geldprobleme, soviel kann ich dazu sagen, waren auch in der Familie der Reußen ein Problem. Was ich persönlich kritisiere ist, dass sie ständig, wirklich extrem, kleine Herrschaften sich gegenseitig abgekauft und verkauft haben. Damit verhindert wurde, dass Gebiete verloren gingen.
    Das Thema ist noch verzwickter als die Nummerierung.

    Ich denke, dass Heinrich IX. gut leben konnte. Er besaß ein Palais in Berlin und konnte ein recht wohlhabendes Leben führen.
    Du hast recht, dass die Gehälter gering im Vergleich der Arbeit waren, aber schau dir oben meine Aufzählung von der Vielzahl von seinen Amtsinhabungen an.
    Da er in jedem Amt ein Gehalt in dieser Größenordnung bekommen haben wird; wird er am Ende eine nicht unansehnliche Summer erhalten haben.

    Ich denke, auch wenn wir uns in der Neuzeit und des aufgeklärten Absolutismus befinden, war das Gehalt und die politische Anteilnahme nicht die einzigen attraktiven Punkte für die Reußen und Andere, z.B. wie derer von Schwarzburg oder Stolberg, sich zu entscheiden eine Karriere an einem Königs- oder Kurfürstenhof, wenn nicht sogar in Wien, zu nehmen.
    Sondern auch den Schutz, den sie durch ihre mächitgen Vorgesetzten bekamen.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Leider hatte es mir heute Vormittag meine Antwort zerschossen, als mal das Forum abstürzte.:cry:
    Also nur soviel: Ich finde die Reußen wegen deren schwieriger und komplizierter Lage auch recht interessant. Sie arrangierten sich, wenn ich mich recht entsinne, zusammen mit Schwarzburg-Rudolstadt, damit sie zumindest eine gewisse militärische Potenz erreichten, die für ihre Zwecke und in dem machtpolitischen Wirkungsraum hinreichte. Als große Nachbarn hatte man ja vor allen Dingen die ernestinischen Herzogtümer, die mit den albertinischen Verwandten in Dresden immer mal wieder Verhandlungen um eine Zusammenarbeit unternahmen. Andererseits suchte man z.B. in Eisenach in der ersten Hälfte des 18.Jh. ein Bündnis nach Berlin und zu Friedrich Wilhelm I., so heiratete Herzog Wilhelm Heinrich von Sachsen-Eisenach (1691-1741) eine Anna Sophie Charlotte von Brandenburg-Schwedt. So lagen die reußischen Besitzungen genau zwischen dem kaisernahen Süddeutschland und dem kaiserfernen Norden, welches vor allen Dingen vom Berliner und Hannoveraner Hof mit entsprechenden zwei Machtblöcken bestimmt wurde. Im Süden des Reiches gab es zwar die frankreichfreundlichen Wittelsbacher in der Kurpfalz, Kurbayern und dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, aber auch viele kleinere Reichsstände, die in Wien Schutz vor Begehrlichkeiten der größeren Nachbarn suchten. Die mächtigen Kirchenfürsten bis auf Kurköln standen zumeist hinter dem Kaiser.

    Von daher ist es interessant wie sich die "kleinen" Reußengrafen verhielten. Die Bündnissyteme der Klein- und Mittelstaaten waren von den Großmächten drumherum und den Kriegen, welche sie direkt garnichts angingen, einem ständigen Wandel unterworfen. Zum anderen sorgte diese Verzahnung kleiner Staaten in größere Allianzen, denen sie indirekt oder direkt angehörten, dass die kleineren Mächte selten von größeren überfallen wurden. So kenne ich eigentlich nur die Begehrlichkeiten Hessen-Kassels gegenüber Schaumburg-Lippe und Hessen-Hanau als Beispiele, in welchen Mittelmächte konkret auf kleinere Reichsstände militärisch zugreifen wollten.
     

Diese Seite empfehlen