Hethiter - Aufstieg und Fall

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von shingen, 29. Juli 2008.

  1. shingen

    shingen Neues Mitglied

    ich habe eine frage zu den hethiter wo ist ihr ursprunggebiet und durch wen ging dieses volk unter ?
    waren es die seevölker die sie vernichteten oder die kaschäer oder wie die genannt wurden ?
    stimmt es das die hauptstadt hattusa aufgegeben wurde ? oder wurde sie erobert ?
    warum sind sie spurlos verschwunden außer den hethiter die in der bibel genannt werden ? lösten sie sich einfach auf ? oder wohin zogen sie hin ?
    hat jemand dazu fakten oder bücher über das thema ??
    würde mich über antworten freuen ehrenwerte leser .
     
    1 Person gefällt das.
  2. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  3. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Nicht mehr neu, aber ganz brauchbar: Friedrich Cornelius, Geschichte der Hethiter, Darmstadt 1973
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Ihr ursprüngliches Kerngebiet war um Neša im zentralen Anatolien. Von dort stießen sie nach Norden vor, eroberten Hattuša, das sie zu ihrer Hauptstadt machten und von dessen bisherigen Besitzern, den Hatti, auch der Name "Hethiter" abgeleitet ist, obwohl es sich um ein Volk mit ganz anderer Sprache handelt. Die Hethiter nannten ihre eigene Sprache stets "nesili" oder "nesumnili", was soviel bedeutet wie "Sprache von Neša".

    Ob bzw. wann irgendwelche Vorfahren der Hethiter irgendwann - Jahrhunderte oder Jahrtausende zuvor - einmal dorthin eingewandert sind, weiß man nicht. Es gibt nicht den geringsten historischen oder archäologischen Beleg für eine Einwanderung. Die Hethiter als Volk sind jedenfalls erst in Anatolien entstanden.

    Allem Anschein nach ging das Hethiter-Reich an innerem Chaos (Bürgerkriege, Hungersnöte) zugrunde (siehe Lynxxx' Link ZDF.de - Theorien über den Untergang). Ob die Seevölker dabei eine ursächliche Rolle spielten, ist ungewiß. Ich halte es sogar für möglich, daß es sich bei einem Teil der "Seevölker" um entwurzelte Bewohner des untergehenden Hethiterreichs handelte, die sich zu großen Scharen zusammenrotteten, um sich plündernd bis nach Ägypten durchzuschlagen.

    Es sieht so aus, als ob sie leergeräumt und später erst in Brand gesteckt wurde. Nach einer Eroberung sieht das nicht aus.

    Das Reich der Hethiter löste sich auf (die Hethiter selber wahrscheinlich eher nicht). Es gab einige Nachfolgereiche, darunter scheint Tarhuntašša am ehesten die hethitische Kultur bewahrt zu haben:
    Die hethitischen Schriftzeugnisse hören mit dem Untergang des Hethiter-Reichs auf. Die vom Volk meistgesprochene Sprache war aber damals nicht (mehr) das Hethitische, sondern das mit dem Hethitischen verwandte Luwische:
    Luwische Sprache ? Wikipedia


    Hethiter ? Wikipedia
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Woher weißt du sowas???:S
     
  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich würde mal stark vermuten: aus Büchern! Kann man nämlich alles nachlesen...
     
  7. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Oder aus der tollen Hethiter-Ausstellung vor einigen Jahren in Bonn. Die war sehr lehrreich. :winke:
     
  8. hyokkose

    hyokkose Gast

    Da war ich leider nicht, aber den Ausstellungskatalog konnte ich vor einiger Zeit ausleihen.
     
  9. shingen

    shingen Neues Mitglied

    welche allgemeinen bücher wären den zu empfehlen ?
    und gibt es den den nachfolgestaaten im südwesten keine aufzeichnungen
    über den niedergang ihren großen imperiums ??
    und was ich nicht verstehe das dieses volk erst wieder neuendeckt werden mußte und von seinen nachbarn so vergessen werden konnte?
     
  10. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Etwas überspitzt gesagt: ALLE "alten Völker" mussten wieder neu entdeckt werden. Über Griechen und Römer hatte man im 18.Jh schon etwas konkretere Vorstellungen, weil ein Haufen Literatur vorlag.
    Die Ägypter wurden praktisch durch Napoleon "entdeckt".
    Die Assyrer 50 Jahre später, dann die Sumerer und Akkader.
    Dann die Minoer, die Kultur von Harappa und Mohenjo Daro. Über Kelten wusste man wenig, über Etrusker und Karthager auch heute noch wenig...
    Über Illyrer, Skythen und Germanen das, was wir hier im Forum spekulieren... :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Juli 2008
    Arses und Carolus gefällt das.
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    Den erwähnten Ausstellungskatalog (in der verlinkten Wikipedia-Literaturliste ganz unten) kann ich auf jeden Fall empfehlen:

    Die Hethiter und ihr Reich - das Volk der 1000 Götter, Stuttgart 2002
     
  12. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Und ich habe das hier mit Interesse studiert (ebenfalls im Wikipedia-Artikel ganannt): Birgit Brandau & Hartmut Schickert, Hethiter. Die unbekannte Weltmacht. München: Piper 2001
     
  13. Paullus

    Paullus Neues Mitglied

    mich würde interessieren warum die hauptstadt von den Hethitern von ihnen leergeräumt und in Brand gesteckt wurde
     
  14. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

  15. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    So ein Verhalten ist eigentlich typisch "magisch": ein Versuch, eine unverstandene Katastrophe - z.B. eine länger andauernde Seuche - zu beenden.
     
  16. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Das ist aber eine Erklärung - wenn übrigens auch eine sehr gute - von dir? Bei Brandau & Schickert hatte ich aber auch gelesen, wenn ich mich recht erinnere, daß nicht die ganze Stadt abgebrannt wurde. Manche Gebäude wurden (nur) besenrein hinterlassen.
     
  17. sozio

    sozio Neues Mitglied

     
  18. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Das weiß man auch nicht.
     
  19. hyokkose

    hyokkose Gast

    Die Hethiter sprachen eine indo-germanische Sprache. Genauer: Eine Sprache des anatolischen Zweigs.

    Die Alemannen sprachen auch eine indo-germanische Sprache, genauer: Eine Sprache des germanischen Zweigs. Ist das ein Indiz dafür, wo die Alemannen enstanden bzw. woher sie eingewandert sind?


    Wie Legat schon sagte: Man weiß es nicht. Es gibt da ein paar Dutzend Theorien, die zwei populärsten der letzten Jahrzehnte waren: a) Aus der russisch-ukrainischen Steppe, b) Aus Anatolien.
    Nichts davon ist beweisbar.
     
  20. sozio

    sozio Neues Mitglied

    Hab jetzt mal versucht, mir einen Überblick zu schaffen. Korrigiert mich bitte, wenn ich was falsch verstanden habe.
    Es gibt also 3 Theorien:
    1. Die Alt-Europa Theorie, die ein sprachliches Kontinuum in Europa postuliert - Indogermanisch hätte sich also in Europa ohne Einfluss von außen entwickelt.
    2. Die bereits von Hyokkose genannte Anatolien-Theorie von Renfrew, die besagt dass Indogermanisch von neolithischen Bauern, die ab 7.000 v. Chr. Europa besiedelten, eingeschleppt wurde. Anscheinend ist diese Theorie auf Grund von genetischen Analysen und dem Vorhandensein von ähnlichen Begriffen wie Pflug, Wagen etc. wiederlegt, da das zum einen Erfindungen sind, die erst später (ab 6.000 v.Chr.) gemacht worden sind, und zum anderen die Genanalysen zeigen, dass ein Großteil der Europäer von der präindogermaniischen Zeit abstammen. Wie ich es verstanden habe, gab es die Besiedlung durch anatolische Bauern zwar, aber diese sprachen andere Sprachen als indo-germanisch.
    3. Die heute wohl am gängigste Theorie: Die Kargan-Theorie von Maria Gimbutas.
    Hier besiedelten eine Reiter- und Hirtenvolk aus ebenjener russisch-ukrainischen Steppe in mehreren Wellen fast ganz Europa (außer dem finnisch-ugurischen, dem etruskischen und dem Baskischen Raum) sowie Kleinasien (Arier, Hethitier, Meder, Pashtunen etc.) und Teile Indiens (Sanskrit und Hindi)

    Wa ich noch nicht ganz verstanden habe, ist die prä-indogermanische Zeit in Europa. Gab es außer den eingewanderten Anatolen noch eine ursprünglicher, autochthone Bevölkerung?

    mfg
     

Diese Seite empfehlen