HHRD Dogs: Knochenspürhunde in der Archäologie

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Alfirin, 28. November 2018.

  1. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Hat schon mal jemand hier von "HHRD Dogs" gehört, von speziell trainierten Hunden zum Aufspüren jahrzehnte- und jahrhundertealter menschlicher Überreste (HHRD = "Historic Human Remains Detection")? Vor ein paar Tagen gab es in der hiesigen Lokalzeitung einen eher oberflächlichen Artikel zum Thema und zum scheinbar ersten "HHRD Dog" in Deutschland. Mir war das gänzlich unbekannt, deshalb hab' ich mal grob recherchiert und bin nun doch überrascht, wie diese Geschichte bisher an mir vorüber gehen konnte.

    Spürhunde zur Suche nach Verschütteten kannte ich. Auch über Einsätze von Leichenspürhunden im Rahmen polizeilicher Ermittlungen hatte ich schon gelesen. Aber kann das funktionieren, wenn das Gewebe schon vollständig verwest ist, nur noch Knochen erhalten sind? Und: Ist Knochen nicht gleich Knochen für eine Hundenase, so daß der Spürhund auch bei Skeletten von Wild-, Haus- und Nutztieren anschlagen müßte? Offenbar unterschätze ich "nasen-tauber" Mensch hier den Hund wirklich, er kriegt das ziemlich gut hin, behaupten zumindest Carey L. Baxter und Michael L. Hargrave, Guidance on the Use of Historic Human Remains Detection Dogs for Locating Unmarked Cemeteries, US Army Engineer Research and Development Center (ERDC), 2015 (hier online):
    Baxter und Hargrave sehen "HHRD Dogs" im Vorteil gegenüber z.B. geophysikalischen Prospektionsmethoden, wenn etwa dichte Vegetation den Einsatz technischen Geräts erschweren würde. Oder wenn das Gelände sehr groß, die geophysikalische Prospektion deshalb sehr zeitaufwendig und teuer wäre. Andererseits schlagen die Hunde nicht punktgenau an, je nach Bodenbeschaffenheit sickern die Duftstoffe offenbar erst ein paar Meter entfernt aus dem Boden. Außerdem sind Hundenasen ziemlich witterungsabhängig, mögen's weder zu kalt noch zu heiß und auch nicht zu feucht - aber Magnetometer & Co. zicken auch gern, wenn sie das heimelige Klima eines Labors verlassen müssen. Schließlich: Die Prospektion per Hund produziert im Gegensatz zur technischen solchen keine sauberen, transparenten Datensätze, die später nach Belieben auch von Dritten analysiert werden können.

    Klingt alles in allem recht spannend und erweitert die Möglichkeiten zur Prospektion um eine zusätzliche Facette, gerade z.B. in der Schlachtfeldarchäologie.
     
  2. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Tiere sind unglaublich beeindruckend was ihre Sinnesleistungen angeht: Eisbären können mit ihrer Nase paarungsbereite Weibchen oder Aas über viele Kilometer "wittern" - Vorteil in der Arktis, wenig Ablenkung durch andere Gerüche. Hunden reicht 1 Molekül eines Stoffes in mm³ Luft (Bei Menschen liegt die Geruchsschwelle je nach Substanz bei 10hoch7 bis 10hoch 17 Molekülen pro cm³ Luft ). Genaue Zahlen habe ich jetzt nicht gefunden (100.00 mal feiner als unser Geruchssinn bei Bären, so einige Internetseiten), es wäre natürlich die Frage, ob Knochen einen Geruchsstoff absondern. Geruchsschwelle – Wikipedia
     
  3. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Nana! ;)

    Die Angaben bei Tante Wiki für den Menschen sind pro Liter (also Faktor 1000 geringer als Du geschrieben hast) und die Angabe für Hunde ist pro Mikroliter. Also wird der Hund hier bei einem Zehntel des Menschen für die jeweils empfindlichsten Stoffe (die nicht identisch sein müssen!) angegeben. Wobei die Schwellwerte auch unterschiedliches auslösen, also nicht richtig vergleichbar sind.
     
  4. Alfirin

    Alfirin Aktives Mitglied

    Wie genau das funktioniert bzw. funktionieren soll, überlasse ich gern Biologen und Biochemikern zu erforschen. Baxter und Hargrave liefern in ihrem Paper einen Erklärungsansatz, insbesondere auch zur Unterscheidung menschlicher zu nicht-menschlichen Knochen - aber eben nur einen Ansatz, wie sie selber sagen.

    In Kroatien gibt es offenbar ebenfalls laufende Versuche mit HHDR-Hunden in der Archäologie. Konkret wurden die Hunde auf einer Nekropole aus dem 1. Jahrtausend BC bei Drvišica/ Karlobag getestet. Erfolgreich, wenn ich das richtig interpretiere. Leider scheint die Kommunikation dazu in mir verständlichen Sprachen sich auf Twitter, Facebook, YouTube & Co. zu beschränken. Es gibt in Christine Schüler / Peter Kaul (Hrsg.), Faszinosum Spürhunde: Gefahren sichtbar machen – Gefahren abwenden, Tagungsergebnisse des 3. Symposiums für Odorologie im Diensthundewesen an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Schriften der Arbeitsgemeinschaft Odorologie e.V., Band 1, 2017 einen Beitrag von Andrea Pintar und Vedrana Glavaš zu diesem kroatischen Projekt, der allerdings nur aus ein paar Powerpoint-Folien mit großen Bildern und wenigen Worten besteht.
     

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