Hildegard von Bingen (1098- 1179)

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von LiaFil, 20. Februar 2005.

  1. LiaFil

    LiaFil Neues Mitglied

    So gut wie jeder kennt diese Frau, aber wusstet ihr, dass sie eine der ersten war, die das geradezu revolutionäre Gottesbild vertrat, der Schöpfer wäre weiblich und männlich zugleich?
    Abgesehen davon, dass sie eine der frühesten Humanisten war, und den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Werke stellte. Bezüglich Sexualität war sie äußerst tolerant, sogar gegenüber der Homosexualität und die Gute hinterließ die früheste Beschreibung des weiblichen Orgasmus. Unglaublich, oder? =)

    Liebe Grüße
    Lia ;)
     
  2. Schini

    Schini Neues Mitglied

    kann passieren...

    "Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib."
     
  3. Mme Taussaud

    Mme Taussaud Neues Mitglied

    Aber in ihren Klöstern wurden Arme und Reiche getrennt.....
     
  4. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:" früheste Beschreibung des weiblichen Orgasmus"

    Also, ich würde gern mal wissen, wie man in einem Kloster solche Beobachtungen machen konnte! :rotwerd: :grübel: =)
     
  5. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Geht man aufgrund von Zeichnungen von ihr nicht sogar davon aus, dass sie unter schwerer Migräne litt?
     
  6. robert

    robert Neues Mitglied

    Hallo, dein Beitrag hat mich besonders interessiert. Wo schreibt Hildegard positiv über Homosexualität? Nach Schipperges hat sie sie eindeutig missbilligt (u.a. in Scivias). Seine Erläuterungen sind schon etwa 50 Jahre alt, hat er die Fakten verschwiegen? Gruß [FONT=&quot][/FONT]
     
  7. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Manchmal denke ich schon, besonders was jetzt rauskam, dass Klöster ein Zentrum für Homosexualität sind und waren.
    Das waren und sind doch auch nur Menschen.
    Irgendwo muss man sich doch auch mal etwas rauslassen können. Anschliessend geisselt man sich selbst, um eine Entschuldigung zu haben.

    Mal im Ernst, ich verstehe die Auffassung nicht, dass nur Männer oder nur Frauen in einem Kloster leben dürfen, heute noch. Kann mir doch keiner erzählen, dass die nicht auch Träume haben, "ganz schreckliche".
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2010
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  8. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Du siehst das schon ganz richtig. Hildegard von Bingen verurteilt jegliche sexuelle Handlung die gegen die göttliche Schöpfungsordnung verstoßen. Dazu gehören männliche und weibliche Homosexualität, heterosexueller Analverkehr, Selbstbefriedigung und Sex mit Tieren (und Möbelstücken) etc.
    Nach ihrer Meinung sind diese Sexualsünder des Eucharistiesakraments unwürdig und haben durch den Verstoß gegen die von Gott gesetzte Ordnung der Sexualität ihre Teilhabe am Erlösungswerk Christi aufgegeben.

    Was an und für sich kein Problem ist.

    Gegeißelt wird heute eher seltener aber das Ding mit der Beichte ist auch nicht zu verachten. Einmal erzählt was du für Mist gebaut hast und nach ein Paar AveMaria und Vaterunser ist alles wieder in Butter. Da schnallt sich doch keiner mehr den Bußgürtel um.

    Jeder, auch Mönche und Nonnen, kann sich frei entscheiden welchen Weg er gehen will. Das ist das Tolle am freien Willen.
     
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  9. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, ich könnte jetzt sagen, wir leben doch nicht mehr im Mittelalter.
    Was ist eigendlich Mittelalter?
    Für dir damaligen Menschen war das jetzt. Das jetzt, wo sie lebten und arbeiteten.

    Aber da kommt ein gut situierter Mann daher, der denen sagt, ihr macht alles falsch und die Leute hören da drauf, weil sie sich in einer Welt befinden, wo Mythen noch Realität waren.
    Mir kann keiner erzählen, dass es in dieser Welt nicht auch andersdenkende gegeben hat.
    Um das auszurotten, wurde eben das Tribunal geschaffen, dass sich erdreistete im namen Gottes, Menschen zu verbrennen.
    Ich habe nichts gegen Religion, nur etwas dagegen, was Menschen aus ihr machen.
    Die haben sich zu Richter Gottes aufgespielt und dachten an ihr eigenes Wohl.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2010
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  10. robert

    robert Neues Mitglied

    Ist das möglich, dass sie in ihren Visionen eine negative Einstellung zur Homosexualität thematisierte und selbst eine andere Meinung vertrat? Sie gilt doch als eine der frühesten Feministinnen. Ihre Visionen kamen vom Gott her und nicht von ihr selbst, oder?
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dazu müsste man die entsprechenden Stellen untersuchen.


    Das entzieht sich unserer Kenntnis, gehört daher in die Kategorie Glauben und damit nicht in ein Geschichtsforum.
     
  12. Mercy

    Mercy unvergessen

    Solche Behauptungen gibt es. Sie sei "ein Beispiel für den Durchbruch des Genies einer Frau, der es gelang, eine völlig neue Frauenrolle zu erschaffen, ohne erkennbar die patriarchalen Grenzen, in deren Rahmen sie wirkte, zu verletzen", meint Gerda Lerner (Die Entstehung des feministischen Bewußtseins, 1995).
     
  13. robert

    robert Neues Mitglied

    An El Quijote und Mercy: Danke euch beiden für die Antwort, ich werde weiter recherchieren.
     
  14. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    Lehnt man sich nicht ein bisschen weit aus dem Fenster mit der Bezeichnung "Feministin" für Hildegard von Bingen? Als Feministin hätte sie eher für die Rechte der Frauen resp. der Ehefrauen eingestanden, aber sie sah als ehemalige "Incluse" nicht in der Ehe "ihr Heil", sondern fand, dass in den Klöstern die wahre Freiheit herrsche, womit sie in Bezug auf die damaligen Rechte der Ehefrauen wahrscheinlich ins Schwarze getroffen hat. Aber sie sah auch in dem jungfräulichen Weib einen gottgefälligeren Menschen als in beispielsweise Ehefrauen, Witwen standen in ihrer Hierarchie noch über den verheirateten Frauen. Also da ist nix mit Feministin! Allerdings fürchtete sie sich auch nicht vor männlicher Macht und schalt und ermahnte Kaiser und Papst. Allerdings war sie auch voller Vorurteile, nicht nur bezügl. der Sexualität sondern auch gegen die, die von der allgemeinen relig. Lehrmeinung abwichen, z. B. die Katharer. Sie war sehr wohl der Meinung, dass diese verbrannt gehörten. Ich persönlich bewundere ihre Musik, ihre Leistungen beim Klosterbau und in der Medizin. Ich wundere mich, woher sie wusste, dass ein - durch falsche Ernährung - bakteriell verseuchter Magen grün aussieht. Hat sie heimlich seziert? Da war es doch sehr klug von ihr, ihr Wissen mit Hilfe göttlicher Visionen zu lehren und weiter zu verbreiten!
    Gruß Ri
     
  15. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Eines vorweg: ich würde auch nicht so weit gehen zu behaupten, Hildegard von Bingen sei eine frühe Feministin gewesen - wiewohl das von Mercy dankenswerterweise vorgebrachte Zitat durchaus interessante Aspekte anspricht.
    Darin zeigt sich übrigens auch der diesbezüglich - wie gesagt: sofern man denn so weit gehen will - entscheidende Punkt: um es endgültig beurteilen zu wollen, muß man Hildegard von Bingen dann natürlich in ihrer Zeit und Welt bzw. dem sie und ihre Zeitgenossen umgebenden Weltbild messen. Und ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber genau das tust Du in Deinem Beitrag eben nicht: Du legst den Kontext moderner Frauenrechte als Maßstab an u. dgl.
    Das funktioniert eben nicht - genausowenig wie übrigens die Verknüpfung damit, was eine Hildegard von Bingen über Häretiker, Ungläubige u.a. gedacht bzw. von diesen gehalten hat. Das ist einerseits bzgl. Feminismus - gleich welcher zeitlichen u.ä. Kategorisierung - eher nebensächlich (zumindest wäre ich vorsichtig auszuschließen, daß auch moderne Feministinnen Vorurteile haben und dabei mitunter bspw. gegenüber anderen Weltanschauungen sehr deutliche Worte u. dgl. wählen), andererseits gilt es aber eben auch zu beachten, daß jede Feministin - wie geschrieben: einmal unabhängig davon, ob man Hildegard von Bingen nun als eine solche sehen will oder nicht sehen will - immer auch Kind ihrer Zeit bzw. eines der in ihrer Zeit vorherrschenden Weltbilder ist.
     
  16. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    Der androgyne Gott ist nicht das Revolutionäre in ihren Ansichten, sondern eigentlich das Logische. Das Revolutionäre in ihrer Lehre ist die Meinung, dass der Heilige Geist weiblich sei, so wie es ausdrückt, "die heilige Geistin" (offenbar eine gutes Stück Übernahme der "Sophia pistis" aus der gnostischen Lehre).

    Gruß Ri :winke:
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. März 2010
  17. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    @ Timotheus: Gerade wenn man Hildegard im Kontext zu ihrer damaligen Welt und der verbreiteten Lehrmeinung sieht, sehe ich keineswegs "frühe" emanzipatorische Ansätze. Da man davon ausgehen muss, dass auch sie die Meinung vertrat, dass die Hierarchie der Klassen in der Gesellschaft und auch dass die Frau "hinter dem Mann" stehe, zur gottgewollten "Ordo" gehöre, die keineswegs gestört werden darf , es als gesichert galt, dass gottgefällige Frauen nur in einem männlichen Leib wieder auferstehen, sehe ich in ihren Machtansprüchen, die sie auch mit "visionären" Drohungen durchsetzte, eher den Versuch, sich die Möglichkeit der Auferstehung - natürlich in einem männlichen Körper - zu sichern. Sie sah sich in der Nachfolge der Propheten (also männlich) und nicht als Prophetin! (Im Übrigen war das Bestreben vieler adeliger Damen in der damaligen Zeit, in ein Kloster zu dürfen, um nicht unter die Herrschaft eines Mannes geraten zu müssen. Es gab Fälle, in denen die Hochzeit der Dame schon beschlossene Sache war und man sie für vom Teufel besessen hielt, weil sie lieber in ein Kloster wollte).

    Gruß Ri
     
  18. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Dumm nur, daß sophia pistis - exakt übrigens pistis sophia - nichts in Richtung Heiliger Geist bedeutet, sondern sich aus den griechischen Wörtern für Glaube (pistis) und Weisheit (sophia) zusammensetzt.
    Heiliger Geist ist stets hagio pneuma; und auch hagia sophia bedeutet heilige Weisheit und nicht etwa heiliger Geist.
    Das hatte Dir übrigens El Quijote schon einmal an anderer Stelle erklärt.

    Was die Gnosis betrifft, so hätte ich für die Übernahme aus deren bekanntlich noch in der Spätantike als Häresie verurteilten Lehren von amtskirchlichen Peronen im europäischen Hochmittelalter gern einen Beleg, einen Beweis oder zumindest eine sehr schlüssige Begründung.
    Anm.: Als Gnostiker während des Mittelalters kenne ich nämlich nur Bogomilen und Katharer, und die waren wiederum beides Häretiker...
     
  19. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Siehst Du: genau das meinte ich mit dem Messen an modernen Maßstäben.
    Du tust es nämlich auch weiterhin, wenn Du unterstellst, daß das "Emanzipatorische" nur gelten gelassen werden kann, wenn die für die damaligen Menschen unantastbare göttliche Weltordnung bzw. gottgewollte Ordnung als solche in Frage gestellt worden wäre. So etwas ist eben ahistorisch, denn für Menschen der damaligen Zeit gefährdete es das eigene Seelenheil, derartige Dinge in Frage zu stellen.

    Ob es das Bestreben vieler adliger Frauen war, durch Eintritt in ein Kloster einer ungewollten Heirat zu entgehen, hat übrigens damit nichts zu tun - und auch nicht der Umstand, ob man sie deswegen für besessen hielt o. dgl. ...
     
  20. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    @ Timotheus: Ich möchte nun nicht die Frage aufwerfen, ob der Heilige Geist nicht gleichbedeutend mit der Weisheit Gottes ist, denn das führt wahrscheinlich - wieder einmal - zu persönlichen Glaubensbekenntnissen, die im Forum nichts verloren haben. Deshalb lass`ich, das, was Du sagst auch so stehen, aber so ganz nebenbei: Man kann auch den leisesten Anflug von "Häresie" wunderbar in Visionen tarnen. (Meine Familie war im Übrigen einmal "der Häresie Luthers" verfallen - würde heute auch keiner mehr dazu sagen, oder?)

    Gruß Ri :S
     

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