Hilfe für Geschichtsklausur! Dringend! Appeasement 1939

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von NickVanBeat, 11. Dezember 2007.

  1. NickVanBeat

    NickVanBeat Neues Mitglied

    Hallo Leute..schreibe übermorgen ne endswichtige Geschichtsklausur 13/1
    Thema ist die Appeasementpolitik und das nicht Eingreifen der Westmächte in die Außenpolitik Hitlers von 1939
    Dazu muss ich in einer Art Intelligenzfrage die Hintergründe aller betreffenden Westmächte (vermutlich gehören dazu auch die USA oder?) aufführen und anschließend ausführlich begründen warum diese nicht eingegriffen haben...´
    hiiiiiiiilfe...wer weiß was ...besonders zu den USA ....
    mfG; Nico
     
  2. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Also, die USA würde ich in dem Fall vorerst ausklammern, denn die Appeasement-Politik bezieht sich im Jahr 1939 auf Großbritannien und Frankreich (Im Zuge des Münchener Abkommens 1938).

    Was die Appeasement-Politik im Speziellen angeht, könnten dir dieses hier (allerdings würde ich mich hüten, einem Lehrer einen Wikipediaartikel als Quelle zu nennen ;) ) und dieses hier evtl. weiterhelfen.

    Zudem könntest du dir in der Bibliothek (sofern du die Bücher nicht schon zuhause stehen hast) den dtv-Atlas der Weltgeschichte und den großen Ploetz mal ansehen - davon möglichst die neueren Auflagen.

    In diesen Werken dürftest du den besten Überblick bekommen und zur Not gibts ja auch immer noch das Geschichtsbuch der Schule wo auch (man höre und staune! :D ) manchmal brauchbare Infos zu den behandelten Themen stehen :D
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Für das Jahr 1939 ist das Ende der Appeasementpolitik festzustellen, man könnte dieses auf den März 1939 nach der Besetzung der Rest-Tschechei/Bruch des Münchener Abkommens datieren. Als Reaktion gab Großbritannien an die vermutlich als nächstes vom Deutschen Reich bedrohten Länder Rumänien und Polen eine Garantieerklärung ab. Im Sommer 1939 wurden außerdem Kontakte zur SU aufgenommen, um ein Sicherheitsbündnis abzuschließen.

    Die Motivation für die Appeasementpolitik ist sicher vielschichtig, einiges läßt sich aufzählen:

    - fehlende Kriegsbereitschaft in materieller Hinsicht: zB rüstete Großbritannien die Luftstreitkräfte auf, um mit der deutschen Luftwaffe gleichzuziehen; fehlende Offensivkraft der französischen Armee, fehlende konkrete militärische Abstimmungen zwischen GB und F, die erst 1939 intensiviert wurden.

    - übersteigerte Bedrohungsanalysen, die zT auch auf Überschätzungen des deutschen Kriegspotentials (durch Propaganda) beruhten; Luftschutzfragen spielten hier eine große Rolle.

    - fehlender politischer Wille und Rückhalt in der Bevölkerung zum Krieg (Großbritannien bzgl. der kontinentalen Fragen, aber auch Frankreich: Sterben für Danzig?)

    - (berechtigtes) Mißtrauen gegenüber der Mitwirkung der Sowjetunion/Stalin, im Fall des Krieges Deutschland also keinen Zweifrontenkrieg aufzwingen zu können. Damit schwinden die militärischen Perspektiven, es verbliebe die langwierige Westblockade: also eine vermutlich schwächere Position der Alliierten als im Ersten Weltkrieg.

    - in Großbritannien ein gewisses Verständnis für deutsche Revisionsansprüche in Bezug auf den Versailler Vertrag

    - positiv die (vergebliche) Hoffnung, Hitler mit einem kontrollierten Entgegenkommen in seinen Ansprüchen zu sättigen.


    Zu allen Punkten findet man hier im Forum einiges an Darstellungen.
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Hallo und danke für die Hilfe! ...
    wär sonst ziemlich aufgeschmissen gewesen! allerdings eine Sache verstehe ich nicht...das hab ich gestern auch schon ma gelesen...

    Verständnis auf englischer Seite aufgrund der Revisionsforderungen des VvV...
    hat ja direkt nix mit dem Münchener Abkommen von 38 und so zu tun...und Frankreich kann sich bei der Bedrohung wohl kaum nur mit Appeasement zufrieden geben oder?
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein Beispiel für die britische Appeasement-Haltung ist - neben der ggü. Polen ausgesprochenen Garantie - der Versuch bis zum 31.8.1939, die deutschen Ansprüche in geordnete diplomatische Verhandlungen zu überweisen. Dabei wurde mehrfach signalisiert, dass man deutsche Forderungen für bedenkenswert hält und das politische Lösungen für den Korridor und Danzig gefunden werden müßten.

    Im Prinzip ist bereits dieses Eingehen auf deutsche Forderungen eine Abkehr von den Regelungen des Versailler Vertrages. GB signalisierte, dass man sich veränderte Regelungen vorstellen könne, sie sollten verhandelt werden. Auch ansonsten und zuvor gab es eine Vielzahl von Hinweisen aus britischer Sicht:

    - die Hinnahme der Remilitarisierung des Rheinlandes
    - die Regelungen zu den Sudetengebieten
    - die dt.-britischen Regelungen zur Flottenrüstung
    - die Aufrüstung über die 100.000-Mann-Reichswehr hinaus
    - den Reparationsregelungen

    Auch Frankreich hatte die Durchbrechungen der Regelungen des VV hingenommen. Die Sicherheit wurde im Schulterschluss mit Großbritannien und im Sommer 1939 in einem Abkommen mit der SU gesucht.
     
  6. TGDarmstadt

    TGDarmstadt Neues Mitglied

    Ein britischer Erklärungsansatz für die Appeasement-Politik:
    Die demokratischen Regierungen der Weimarer Republik haben die Revision des Versailler Vertrages mit friedlichen Mitteln angestrebt. Dies hat besonders den Briten imponiert. Als Hitler 1933 an die Macht kam, dachten viele Briten, Hitler würde diese Politik fortsetzen und waren deshalb bereit, ihn gewähren zu lassen. Die Forderung nach dem Sudetenland 1938 nannte Hitler ja auch "unsere letzte legitime Forderung". Die Briten glaubten einfach, dass Hitler nun keine weiteren Forderungen stellen würde.

    Wie wir wissen, kam es anders...
     
  7. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die britische Appeasement-Politik der Dreißiger Jahre läßt sich in ihren Wurzeln sehr schön anhand des Vansittart-Memorandums zeigen, dass am 1.5.1930 als eine Art Protokoll nach Diskussionen vom Frühjahr 1930 im britischen Außenministerium entstand (V. war Unterstaatssekretär). Die Diskussionen waren Folge und dienten der Einschätzung der zukünftigen Politik des Kabinetts Brüning.

    Das Memo zeigt folgende, im Prinzip unvermeidliche Schritte der Revision des Versailler Vertrages auf:

    1. Abschluß der alliierten Militärkontrollen
    2. Räumung des Rheinlandes
    3. Neue Festsetzung der Reparationen
    4. Aufhebung der Sicherheitspfänder

    sowie - ebenso unvermeidlich - aber erst langfristig

    I. Die Wiederherstellung Deutschlands als Weltmacht, d.h. Erwerb von Kolonien und Mandaten
    II. Der Anschluß von Österreich
    III. Die Wiederbewaffnung Deutschlands bis zur Parität mit Polen
    IV. Eine "starke Abänderung" der deutsch-polnischen Grenze.

    I. bis IV. sollten in Bedeutung und Dringlichkeit in umgekehrter Reihenfolge stehen, sie seien unvermeidlich, doch weniger notwendig und lebenswichtig: "the further objectives might be less pressing and vital, but it would be unwise to assume that they were less inevitable."

    Zwei Probleme fehlten, sind jedoch von britischer Seite als Folgelösungen der Rheinlandräumung betrachtet worden: das Rückgliederung des Saarlandes und die Remilitarisierung des Rheinlandes.
    Quelle: BFP Nr. 317 vom 1.5.1930, abgedruckt bei Lohe, Der Bruch der Großen Koalition und die Anfänge der Regierung Brüning im Urteil englischer Diplomaten.

    Die Außenpolitik des Dritten Reiches traf - wie TGDarmstadt schon erwähnt hat - auf diese britische Grundhaltung und nutzte sie aus.
     

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