Hitlers Telefon! Echt oder Falsch?

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Drahtwurm1, 18. Februar 2017.

Schlagworte:
  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Da hast Du natürlich recht.

    "Auf einen Haufen schmeißen, benzin drüber und abfackeln" ist allerdings keine gute Maxime, auch nicht in der heutigen Zeit.
     
  2. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Finde ich in Bezug auf das "Telefon" und das "Buch" schon. Ansonsten hab ich nix von Maxime gesagt. Weg mit dem Zeug. Vergessen gehört zur Geschichte genauso wie erinnern.
     
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    "Vergessen", indem man Dokumente vernichtet, die unliebsame Erinnerungen wecken?

    :grübel:
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Vergessen geschieht automatisch. Da muss man nicht nachhelfen. Nachhelfen muss man bei den Dingen, die nicht vergessen werden sollen.

    Die Deutsche Geschichte auf die 12 Jahre des Dritten Reichs zu reduzieren ist so falsch, wie alles Unliebsame zu vernichten.

    Und da gibt es dann noch den Unterschied zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft.

    EDIT: Ich kann nicht glauben, das hier sagen zu müssen: Das Dritte Reich darf nicht vergessen werden. Es ist bestimmt nicht mein Thema, aber gerade in der heutigen Zeit ist doch offensichtlich, wie wichtig es als Mahnung vor neuer Diktatur ist. In Bayern wird darüber diskutiert potentielle Verdächtige unbegrenzt wegzusperren. Schau in die Türkei, schau auf die Populisten.

    Wer das Buch verbrennt, fördert langfristig diejenigen, die die Bewegung wieder errichten wollen. Stapelt meinetwegen alle Exemplare, die ihr in die Finger kriegt in Archiven. Aber vernichtet nicht die Beweise.

    Natürlich ist das Thema seit Jahren zu präsent. Natürlich ist es unnatürlich, sich andauernd damit zu quälen. Aber das ist kein Grund, die Beschäftigung mit dem Thema generell abzulehnen. Erkenntnis geht eben oft auch mit Qual einher. Der Professor, der behauptet, dass sich Studenten daher betrinken müssen, um das Studium geistig gesund zu überleben, ist schon Klischee.

    Und wo landen wir, wenn das, was gesagt werden darf, von dem Wohlbefinden der Zuhörer abhängig gemacht wird?
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2017
  5. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Also, ich für meinen Teil finde Wohlbefinden besser als moralisierendes Suhlen in der Vergangenheit mit erhobenem Zeigefinger. Was Du hier praktizierst, hat mit Geschichte nichts zu tun. :still:
     
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Das sehe ich anders. Kujaus gefälschte Tagebücher sind Zeitgeschichte der 80er. Der Mann hat seine Strafe als Fälscher abgesessen und bereits aus dem Knast heraus satirische Zeichnungen für den Eulenspiegel verfasst - und davon lebte er auch noch bis zu seinem Tod nach der Entlassung, so weit ich weiß. Das Telefon spielt jedoch in einer anderen Liga, denke ich.

    Generell halte ich jedoch nicht so viel davon, Sachen zu vernichten, auch wenn sie wahrscheinlich historisch nicht relevant sind. Wenn es Sammler dafür gibt, warum auch immer, solange es legal ist, lass sie machen....
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. März 2017
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  7. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Auch die Geschichte hat sich der Ethik unterzuordnen. Auch der Historiker trägt politische Verantwortung. Er darf nicht im Elfenbeinturm sitzen bleiben. Und das bedeutet auch, dass er sich jenseits des normalen Tätigkeitsbereichs äußern muss. Und das hat dann nur sekundär mit Geschichte zu tun.

    Für die Geschichte der Fälschungen mag auch das Telefon bedeutend sein. Das kann ich nicht einschätzen, bei Fälschungen kenne ich mich so gut nicht aus. Aber die Hitler-Tagebücher sind ein Teil der Zeitgeschichte. Das kann ich noch beurteilen. Wie bedeutend sie als Fälschungen sind, kann ich ebenfalls nicht einschätzen. Allenfalls relativ zum weniger bedeutenden Telefon.

    Aber wenn es darum geht, 'Mein Kampf' zu verbrennen, ist das ethisch, politisch und wissenschaftlich keine gute Idee.

    Ich suhle mich auch nicht moralisierend in der Vergangenheit. In aller Regel vermeide ich es. Aber gegen Bilderstürmer und die Vernichtung von Quellen einzutreten ist definitiv Bestandteil historischer Verantwortung, wenn auch ganz sicher kein Betreiben von Geschichte.
     
  8. Gangflow

    Gangflow Aktives Mitglied

    Wenn das nur nicht wieder eine Eulenspiegelei ist. - Aus dem Westknast arbeitete Kujau für eine Zeitschrift der DDR? Er saß von 1985 bis 1988.

    Im Netz findet man:
    Kujau kam 1938 im sächsischen Löbau zur Welt. Schon in jungen Jahren fällt er nicht nur durch seine Zeichentalent auf - seine Karikaturen erschienen in der „Sächsischen Zeitung“, dem „Eulenspiegel“ oder in der Zeitschrift „Fröhlichsein und Singen“ -, sondern auch durch seine Begabung Handschriften nachzuahmen.
     
  9. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Wer ist denn "der Historiker" eigentlich?
     
  10. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    In diesem Fall jeder, der sich mit Geschichte ernsthaft beschäftigt.
     
  11. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Dann will ich nicht Historiker sein, müsste ich mich ja auf Deine Linie bringen , um es zu sein.

    Unter Archivaren gibt es das Kassieren: Aussortieren, Wegschmeißen, Vernichten unnützer Dinge. Die wären dann auch keine Historiker.

    Alles klar :winke:
     
  12. hatl

    hatl Premiummitglied

    Es ist wahrscheinlich aus Bakelit. Dieses wird in eine Form gegossen oder gepresst.
    In beiden Fällen ist das ein Verfahrung für Serienfertigung mit entsprechend großem Aufwand für die Bereitstellung der Form und deren Peripherie.
    Falls die Beschriftung "Adolph Hitler" beim Erzeugnis erhaben sein sollte, und nicht vertieft, anhand der Bilder will ich das nicht entscheiden,
    wurde diese in die Form selber eingebracht und nicht nachträglich durch ein weiteres Werkzeug eingedrückt.

    In jedem Fall aber, so würde ich vermuten, ist das ein Produkt, welches mit Mitteln der Serienfertigung hergestellt wurde.
    Ond damit hätten wir, so oder so, ein technisches Föhrer-Werkzeug (Guss oder Press.. )
    ond, rächt wahrrscheinlich, auch hart wä Kroppstahl.
    =)
     
  13. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Falls die Beschriftung "Adolph Hitler" gewesen sein sollte, wäre ich doch sehr mißtrauisch...:grübel:

    In dem o. g. Artikel aus der FAZ ist auch ein Link zur Seite eines Telefonsammlers (auf Englisch), da wird beschrieben, dass das Gerät nach den Bildern zu schließen ein ganz normaler Apparat ist (abgesehen davon, dass ein englischer Hörer angebaut wurde und das Dingen in Rot angepinselt wurde).
     
  14. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    @ Peterchensmond:

    Aha, dann beschäftigst Du Dich also nicht ernsthaft mit Geschichte?

    Nun, schlechte Nachrichten für Dich: Jeder Staatsbürger trägt politische Verantwortung.

    Du kannst anderen ethischen Grundsätzen folgen als ich. Und auch andere politische Vorstellungen haben. Aber wenn ich meine Meinung zu einem Thema sage, dann schränke ich Dich damit nicht ein. Und ich tue es auch nicht, wenn Du Deine Meinung darlegst und ich darstelle, warum ich das für falsch halte.

    Also unterstelle mir nicht, eine Meinungsdiktatur zu errichten und Dich "auf Linie bringen" zu wollen.

    Und das Vernichten als unnütz erkannter Archivalien, bzw. Akten ist etwas anderes als das Vernichten wichtiger Zeugnisse. Es ist vielleicht die wichtigste Aufgabe des Archivars den Unterschied zwischen Archivgut und bedeutsamer Quelle einerseits sowie Datenmüll und Aktenschrott andererseits immer wieder neu auf das zu Ordnende Material zu beziehen. Lagerung und Ordnung will ich nicht kleinreden, aber der Archivar ist eben nicht einfach ein gut bezahlter Lagerist.

    Eine gewisse Beschäftigung mit der NS-Zeit bleibt uns nicht erspart. Aber ich bin auch dagegen, dass dies übertrieben wird. Und anderes sollte nicht vergessen werden. Es darf auch nicht immer das Negative in den Vordergrund gestellt werden, wie es bestimmte Historiker bei wirklich allen Themen tun. Wenn das Publikum nicht staunen, nicht bewundern, sich nicht identifizieren und nicht gespannt sein darf, ist es nicht zu halten. Wenn ihm immer nur das Negative eingeprügelt wird, wird es geistig gestört werden.

    Und ja, Geschichte hat auch zu unterhalten. Das galt schon bei Herodot. Sein Werk ist erhalten, weil es die Athener so gut unterhielt, dass sie ihn bezahlten, es aufzuschreiben. Daher meine Fragen in den Threads zu Dokumentationen. Denn darüber denke ich zur Zeit oft nach. Wie Du sehe ich den Rückgang der historischen Bildung mit Schrecken.
     
  15. hatl

    hatl Premiummitglied

    :rofl:
    In der Tat.
     
  16. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Richtig. Dem geht allerdings die Analyse voraus, was erhaltenswert ist. Also abgesehen von Besitzverzeichnissen und anderen juristisch relevanten Archivalien haben Archivare dafür zu sorgen, dass die Zukunft sich ein angemessenes Bild von der Vergangenheit machen kann. D.h. der Archivar muss eine gesunde Balance zwischen dem Außergewöhnlichen und dem Alltäglich schaffen. Was relativ schmerzlos kassiert wird, sind Doubletten.
     

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