Homosexualität in der Antike Wahrheit und Mythos

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Griffel, 4. Juli 2021.

  1. Griffel

    Griffel Mitglied

    ;) Einen schönen Sonntag! Nach längerem Überlegen, habe ich mich entschlossen, ein Thema einzubringen, dass sowohl historisch wie sozial interessant ist und auch aktuelle Bezüge hat. Es geht mir nicht darum etwas zu verurteilen, sondern, darum aktuelle Fakten zu sammeln und zu besprechen. Ich möchte einfach mal ein paar Mythen ausräumen.

    Und es wäre wie immer schön wenn, sich möglichst viele daran beteiligen und praktische Beiträge liefern.
    Wie die Überschrift schon sagt, möchte ich mal zu klären versuchen, wie das wahre Verhältnis der Gesellschaften zur Homosexualität in der Antike war. :cool: Dabei gilt es natürlich zu beachten, dass jede Gesellschaft bzw. jedes Volk seine eigenen Vorstellungen hatte. Diese wiederum, habe sich im Laufe der Jahrhunderte mitunter geändert.

    Ich gebe offen zu, dass seit ich das Thema zuletzt bearbeitet habe, mehr als 20 Jahre vergangen sind! Damals noch im Geschichtsunterricht in der Schule. Aber dort auch nur am Rande. Seit dem, ist Wasser die Flüsse hinuntergeflossen und Faktenlage hat sich geändert. Deshalb wäre ich durchaus dankbar, über aktuelle Erkenntnisse zu dem Thema.

    Was mich betrifft so weiß ich nur noch, dass sowohl Griechen als auch Römer ein gespaltenes Verhältnis zu dem Thema hatten.:rolleyes: In späteren Zeiten, zusammen mit dem Aufkommen des Christentums, war Homosexualität wie alles, was von der heterosexuellen Norm abwich, verpönt oder verboten. Was dazu geführt hat, dass Homosexuelle im Mittelalter im besten Falle geächtet und im schlechtesten Fall getötet wurden.
    Ich erwarte eure Antworten und freue mich darauf meine Wissenslücken wieder etwas kleiner werden zu lassen.
     
  2. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Kompliziertes Thema:
    Vorher solltest du klären, was du unter Homosexualität verstehen willst.
    Der Begriff und das Konzept der Homosexualität entstand erst im 19. Jahrhundert.
    Heute versteht man unter Homosexualität üblicherweise eine sexuelle Orientierung bzw. auch eine Identität, die von der "Norm" einer heteronormativen Gesellschaft abweicht. Bis in die jüngste Gegenwart hat sich kaum jemand die Mühe gemacht auch noch zwischen Homosexualität, Päderasterie, Bisexualtität, Transsexualität usw. genau zu unterscheiden. Diese Unterscheidungen tun aber not, wenn man irgendwelche angeblichen oder tätsächlichen Sexualpraktiken der Antike einordnen möchte.
     
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  3. Griffel

    Griffel Mitglied

    Das macht es natürlich nicht einfacher.:confused: Ich versuche es mal auf das "herunterzubrechen" was ich weiß. Allgemein versteht man heute unter Homosexualität die Orientierung auf das eigene Geschlecht. Also Männer oder Frauen. Wobei letztere als Lesben bezeichnet werden.

    Im Geschichtsunterricht habe ich gehört bzw. gelernt, dass Homosexualität in der Antike bekannt und weitestgehend akzeptiert war. Wobei man hier unterscheiden muss. Im alten Griechenland etwa war die Beziehung zwischen einem älteren Mann und einem jüngeren Mann bzw. Knaben eher so eine Art Lehrer Schüler Ding. Soweit mir bekannt ist, war es verboten Geschlechtsverkehr ohne Erlaubnis zu haben. Dazu muss man wissen, dass darunter nicht das Eindringen in den After gemein war, sondern, laut Gesetz dürfte der Akt nur zwischen den Schenkeln ausgeführt werden. Klingt komisch, war aber so. Vielleicht kann irgendjemand eine Quelle auftreiben - außer Wikipedia.
    Aber selbstverständlich gab es auch hier Unterschiede! Die Spartaner zum Beispiel verachteten die Athener dafür, dass sie Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Männern zuließen. Die Thebaner wiederum, hatten ja sogar eine Thebanische Garde. Eine Militäreinheit, die ausschließlich aus männlichen Liebespaaren bestand.

    Bei den alten Römern hingegen galt Homosexualität als eine Variante. Hier sollte aber bedacht werden, dass wenn man nicht entsprechend konditioniert war, keine Sexualität stattfinden konnte. Da sexuelle Erregung ja nicht nur ein geistiger, sondern auch ein körperlicher Zustand war. Somit kann es eigentlich gar nicht so oft vorgekommen sein. Es sei denn, dass nach einer neueren Theorie die Mehrheit der Menschen an sich nicht Hetero, sondern Bisexuell ist.
    Allerdings kenne ich die Faktenlage hierzu natürlich nicht.

    Sklaven wurden allgemein als Sexobjekt benutzt, egal ob Männlein oder Weiblein. Dabei hatte das "Vergnügen" des Herrn natürlich Vorrang. Dies soll unter Männern häufiger üblich gewesen sein als unter Frauen. Aber das wäre sicherlich ein eigenes Sachgebiet, welches zu untersuchen wäre. Und wie bereits gesagt, jedes antike Volk, hatte seine eigenen Ansichten dazu. Die Quellenlage ist allerdings sehr dürftig.

    Fest steht nur, dass ab dem Mittelalter Homosexualität verfolgt wurde.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ja? Erzähl mal!
     
  5. schaf

    schaf Mitglied

  6. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

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  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Homosexualität wurde höchst unterschiedlich in verschiedenen antiken Kulturen bewertet. Im Judentum galten homosexuelle Beziehungen jeglicher Art als schwere Sünde, Geschlechtsverkehr zwischen Männern als todeswürdiges Vergehen. Dass Homosexualität als eine mögliche sexuelle Orientierung gesehen und als solche gleichberechtigt mit einer heterosexuellen anerkannt wurde, war eigentlich in keiner antiken Kultur der Fall. In mykenischer und vorklassischer Zeit erfährt man aus literarischen Quellen wenig bis nichts darüber.

    In späterer Zeit wurde die Beziehung von Achilleus und Patroklos von einigen Autoren homoerotisch gedeutet. Bei Homer finden sich darauf keinerlei Indizien. Achilleus und Patroklos verkehren mit namentlich genannten Kriegsgefangenen. In Briseis hat sich freilich Achilleus sterblich verliebt und möchte sie als Braut mit nach Thessalien nehmen. Mit einer Sklavin Sex zu haben, empfiehlt Thetis ihrem Sohn als ein Mittel gegen Kummer. Von homosexuellen Beziehungen berichtet Homer nichts. In klassischer Zeit war Homosexualität im hellenischen Kulturraum weit verbreitet und in bestimmten Formen akzeptiert, teilweise sogar bewusst gefördert. Das galt zumindest für gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Männern. Idealerweise zwischen einem älteren, reifen Mann zu einem Heranwachsenden. Der beschriebene Verkehr in Form eines Art Petting, war das Höchste der Gefühle was noch akzeptiert wurde. Natürlich gab es eine Menge die darüber hinaus gingen, das wurde aber mit Doppelmoral übergangen.



    Das Homosexualität im Antiken Rom als eine mögliche sexuelle Orientierung akzeptiert gewesen wäre, kann man nun wirklich nicht behaupten. Nach den "Mos Maiorem" den Sitten der Altvorderen galt Homosexualität als widernatürliche Unzucht. Durch die Ausdehnung Roms zum Weltreichs nach den Punischen Kriegen und Roms Öffnung für den Hellenismus wurde die römische Gesellschaft weitaus liberaler. Homosexualität oder Bisexualität war weit verbreitet und wurde anscheinend auch bis zum gewissen Grade toleriert.

    Angebliche homosexuelle Beziehungen und geradezu surrealistische Perversionen waren etwas, das politischen Gegnern gerne unterstellt wurde oder das von Autoren wie Sueton kolportiert wurde, um "schlechte Kaiser" wie Tiberius, Caligula und Nero zu diskreditieren.
     
  8. Griffel

    Griffel Mitglied

    Wie bereits gesagt, mein Wissen über dieses Thema ist Lückenhaft. DA bin ich ganz ehrlich. Außerdem, haben sich ja auch während der Antike die Zeiten und Sitten geändert.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Das Wissen um dergleichen ist allgemein sehr lückenhaft. Einige wenige literarische Quellen, ein paar Überreste das war´s auch schon was an Material und Quellen aus der Antike erhalten ist.
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Der Begriff der Homosexualität, wie er heute verstanden wird, passt mWn nicht wirklich auf die Antike, da in eigentlich allen Kulturen von männlichen Bürgern erwartet wurde, zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. Selbst wenn es akzeptiert war, daneben auch mit hübschen Jünglingen rumzumachen oä...
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Normen der säkularisierten Industriekulturen akzeptieren Homosexualität in der Form einer einvernehmlichen Bindung zwischen mündigen Erwachsenen oder Jugendlichen die ein gewisses Alter erreicht haben. Sexuelle Bindungen zwischen altersmäßig und vom sozialen Status weit auseinander liegenden Partnern sind legal, sofern der/die Jüngere volljährig ist, haben aber in der gesellschaftlichen Akzeptanz ein Geschmäckle.

    Päderastie, die Form, in der in der Antike Homosexualität akzeptiert wurde, gilt innerhalb unserer Kultur als eine schwere Sünde, ein Tabubruch, ein Vergehen.
     
  12. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Jein! Nach christlicher Interpretation waren homosexuelle Handlungen nicht toleriert, und Analverkehr zwischen Männern galt als eine schwere Sünde. Soweit ich informiert bin, war es aber kein Vergehen wie Raub, Mord, Brandstiftung oder Vergewaltigung. Außerdem musste man Homosexuellen auch erst mal auf die Schliche kommen, Tatzeugen waren rar. Eigentlich konnte es nur durch die Beichte herauskommen, und Bewahrung des Beichtgeheimnisses war schon etwas, auf das großer Wert gelegt wurde.

    Homosexualität wurde jahrhundertelang eher mit Kirchenbußen als mit Strafjustiz geahndet. So sehr kompetent bin ich nicht, allerdings wurde "Sodomie" und widernatürliche Unzucht im Prozess gegen die Templer diesen vorgeworfen. Sodomie ist eigentlich Verkehr mit Tieren, aber seit dem Spätmittelalter wurde der Begriff Sodomie auch im Zusammenhang mit Homosexualität verwendet und homosexuelle Handlungen mit der Todesstrafe bedroht.

    Tabus und Moralvorstellungen setzten der gezielten Verfolgung von Homosexuellen aber Grenzen. Justinian soll ein Gesetz erlassen haben, das "widernatürliche Unzucht und Sodomie" mit Todesstrafe bedrohte. Prokopios von Caesarea wirft Kaiser Justinian und Theodora vor, sie hätten gerne Sodomiten verfolgt, um Feinde loszuwerden und ihr Vermögen einzuziehen. Es gibt aber keine Indizien, dass die Kirche Justinian darin unterstützte, die einzigen, die auf Grund dieses Gesetzes angeklagt und kastriert wurden, waren Isaiah von Rhodos und Alexander von Diospolis.

    Bis ins hohe Mittelalter war Homosexualität nur durch Kirchenbußen, nicht durch Kriminaljustiz sanktioniert. Das änderte sich im Zuge der Kreuzzugspropaganda, und das sodomitische Laster wurde gerne Muslimen und Mohammed unterstellt. Es lag nahe, das auch Häretikern und den Anhängern der Ketzerbewegungen unterstellte.

    Bis zum 13. Jahrhundert wandelte sich die Bewertung von Homosexualität. Fast überall in Europa waren homosexuelle Handlungen bis dahin als zwar schwere Sünde betrachtet worden, grundsätzlich aber legal. Das änderte sich zwischen 1250 und 1300, und Analverkehr zwischen Männern wurde in ganz Europa als todeswürdiges Verbrechen kriminalisiert.

    Trotzdem dürften es relativ wenige Zeitgenossen gewesen sein, die dann tatsächlich deswegen exekutiert wurden. Eigentlich konnte man Homosexuelle nur zuverlässig outen, wenn man sie in flagranti beim Verkehr erwischte, wenn ein Beteiligter aussagte, wenn ein Beichtvater nicht dicht hielt. Viel, viel häufiger hatten Gerichte sich mit Ehebruch und Seitensprüngen zu beschäftigen. Beim homosexuellen Verkehr konnten keine illegitimen Nachkommen entstehen, die Anlass zu langjährigen Erbschaftsstreitigkeiten bieten konnten.

    Eine Art Sittenpolizei, die gezielt nach Homosexuellen fahndete, entstand sehr selten. Eine Ausnahme bildete die Stadt Florenz, wo 1432 eine Kammer der Nacht" gegründet wurde, die Homosexuelle verfolgte. Mehrere Pestepidemien hatten die Bevölkerung Florenz von mehr als 100.000 auf ca. 40.000 dezimiert. Die Kammer unterhielt ein Netz von Spitzeln und "V-Leuten". Fast jeder männliche Bewohner über 30 Jahren geriet einmal in den Fokus von Ermittlungen dieser Behörde. Selbst Analverkehr wurde aber nur mit Geldbußen geahndet. Die Kontakte fanden anscheinend nicht in Szenelokalen statt, sondern waren Teil der üblichen Sozialbeziehungen. Nach 70 Jahren endete die Tätigkeit der Behörde. Es hatte sich gezeigt, dass Homosexualität von weiten Kreisen akzeptiert und weitgehend als normal gesehen wurde. Nachdem es die Behörde nicht geschafft hatte, das "widernatürliche Laster" einzudämmen, und man ging wider zu der Linie über, die sich europaweit nicht bewährt hatte: Prinzipielle Androhung der Todesstrafe bei gleichzeitiger Duldung dessen, was sich ohnehin kaum kontrollieren ließ.

    Auf dem Territorium des Heiligen Römischen Reichs war 1277 der vermutlich erste Fall von Sodomie, als Rudolf I. von Habsburg einen gewissen von Habisperch zum Scheiterhaufen verurteilte. Der Schwabenspiegel bedrohte Sodomie 1270 mit dem Tod, und in den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Exekutionen, gegen Männer, die sich gemeinglich miteinander vergangen: 1381 in Augsburg, 1431 in Zürich, 1456 in Regensburg. Im Artikel 116 der 1532 von Karl V. erlassenen "Peinlichen Halsgerichtsordnung", der Constitutio Criminalis Carolina wurde Sodomie (Verkehr mit Tieren) und "Unzucht" von schwulen oder lesbischen Paaren mit der Todesstrafe bedrohte.

    Während es aber im 18. Jahrhundert in London und Amsterdam zu mehreren Prozessen und großangelegten Verfolgungen kam, waren es im Heiligen Römischen Reich bis zu seinem Ende nur sehr wenige Fälle die tatsächlich verfolgt wurden.

    Im Zuge der Aufklärung wurde auch der Ruf und die Forderung nach Abschaffung von "Unzuchtparagraphen", die Ehebruch und Homosexualität mit empfindlichen Strafen bedrohten.

    Nicht jeder ging freilich soweit wie Donatien Alphonse Marquis de Sade, der in seinem Werk "Die Philosophie im Boudoir, die Abschaffung der Todesstrafe und die Legalisierung von Homosexualität, aber auch von Pädophilie forderte.

    Im 19. und 20. Jahrhundert ging die Verfolgung von Homosexuellen weiter. GB, die USA und Deutschland verhängten teils empfindliche Strafen. Im Deutschen Kaiserreich war es der § 175, der Homosexualität mit Zuchthaus bedrohte. In der Weimarer Republik kaum entschärft, im Nazireich gewaltig verschärft, wurde er erst im Zuge der Justizreformen Ende der 60er, Anfang der 1970er reformiert. Bis 1994 existierte aber der § 175 noch und bedrohte homosexuellen Verkehr Erwachsener mit Jugendlichen unter 17 Jahren mit Strafe, dann wurde er endgültig gestrichen.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bist du da sicher? Ich weiß, dass Sodomie heute so verwendet wird, aber im Grunde genommen geht doch der Begriff auf das biblische Buch Genesis zurück. Die Sodomiter wollten Lots Gäste vergewaltigen und Lot, der den Schutz des Gastrechtes höher ansetzte als den seiner Töchter, schützte diese:

    Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder und sagte: Bitte, meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein, bleibt über Nacht und wascht euch die Füße! Am Morgen könnt ihr euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen auf dem Platz übernachten.
    Er bedrängte sie so sehr, dass sie bei ihm einkehrten und in sein Haus kamen. Er bereitete ihnen ein Mahl, ließ ungesäuerte Brote backen und sie aßen.
    Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Männer der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, Jung und Alt, alles Volk von weit und breit.
    Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Nacht zu dir gekommen sind? Bring sie zu uns heraus, wir wollen mit ihnen verkehren ( וְנֵדְעָ֖ה ).
    Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tür, schloss sie hinter sich zu und sagte: Meine Brüder, tut doch nicht das Böse! Seht doch, ich habe zwei Töchter, die noch nicht mit einem Mann verkehrt haben. Ich will sie zu euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt. Nur diesen Männern tut nichts; denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten.
    Sie aber sagten: Geh weg! Und sie sagten: Kommt da so einer daher, ein Fremder, und will sich als Richter aufspielen! Nun wollen wir dir Böseres antun, noch mehr als ihnen. Sie setzten dem Mann, nämlich Lot, arg zu und waren schon dabei, die Tür aufzubrechen.​
     
  14. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Eine Begriffsverengung der Sodomie auf die Unzucht mit Tieren entstand erst, nachdem der Begriff der Homosexualität gebräuchlich wurde.
    Im Mittelalter galt Sodomie eben als die widernatürliche Unzucht und die namenlose Sünde - egal ob mit sich selbst (Masturbation), mit Männern, mit Kindern, mit Tieren oder auch mit Frauen. Als einzige erlaubte sexuelle Praxis galt die Missionarsstellung mit der Ehefrau - alles andere könnte Sodomie sein.
    Es war bereits tabuisiert darüber zu schreiben, so bleiben uns heute die Details unbekannt und der ganze Straftatsbestand erscheint als Gummiparagraf. Mit der Verfolgung von Ketzern, Häretikern, Hexen und Juden ist das Thema teilweise auch stark mit der von Sodomiten vermischt. Eine Unterscheidung ist nicht einfach. Es kommt immer darauf an, was der Verdächtige unter Folter gesteht. Am Ende wartete jedenfalls der Scheiterhaufen.
    Was konkret Sodomie sein sollte, wird im Buch Genesis ganz treffend erklärt: das Böse tun

    Gleichzeitig waren im chrstlichen Mittelalter jedoch Liebesbekenntnisse unter Männern oder Bruderküsse noch nicht tabuisiert. Derartige Handlungen, die man heute in Westeuropa und Nordamerika durchaus als eindeutig homosexuell verstehen würden, wurden aber nicht als Sodomie verstanden, schon gar nicht als Homosexualität, denn der Begriff der Homosexualität enstand erst im 19. Jahrhundert.

    Zurück in die Antike:
    Die Quellenlage ist uneindeutig. Zu den wichtigsten Quellen gehören die komischen Theaterstücke von Aristophanes und Platons Dialog Symposion, die Texte sind bewusst mehrdeutig und haben komödiantischen Charakter.
    Andere Lesarten zur antiken. Demnäch handelt es sich um "platonische Liebe", also innige Liebe zwischen Männern ohne sexuellen Charakter oder um eine pädagogische Beziehung (pädagogischer Eros), die im Ideal Platons auch nicht körperlich gedacht ist.
    Eine Grundproblematik ist, dass nach antiker Vorstellung der Analverkehr als besondere Erniedrigung für den "passiven" Partner galt. Das geht so weit, dass er (zumindest in der Unterhaltungsliteratur) auch als Körperstrafe erwähnt wird. Laut Aristophanes Komödie "Die Wolken" wurden dem Ehebrecher zur Strafe ein Rettich anal eingeführt. Laut dem römischen Dichter Martial war die Pedicatio, wörtlich Knabenschändung, eine Strafe für den Raub von Obst. Dichtung oder Wahrheit?
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Juli 2021
  15. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Zum Begriff der Sodomie: In anderen europäischen Sprachen bezeichnet das weniger sexuellen Verkehr mit Tieren, sondern Analverkehr ua Arten nicht-vaginalen Geschlechtverkehrs.

    Sodomie – Wikipedia

    Sodomy - Wikipedia

    MWn war das ein Grund, warum das Verhältnis zwischen einem erwachsenen Mann und einem Jüngling/jungen Mann akzeptiert war: Hier waren die Rollen klar verteilt, wer aktiv ist (penetriert), wer passiv (penetriert wird). Zumindest in der Vorstellung der Zeitgenossen, was dann da wirklich im Schlafgemach abging ist ja nochmal eine andere Frage.

    Dazu eine Frage: Die thebanische Heilige Schar bestand denn Quellen zufolge mWn aus 150 "Freundespaaren", also Liebhabern. Ist bekannt, ob das entsprechend dieser Vorstellung altersungleiche Paare waren?

    Bei meinem obigen Einwurf ging es mir hingegen gar nicht um die Altersfrage, sondern darum, das wir unter Homosexualität die Beschränkung der sexuellen Aktivitäten auf das eigene Geschlecht verstehen. MWn wurde aber von Männern (bzw Bürgern...) erwartet, auch mit Frauen respektive ihrer Frau zu verkehren, um (standesgemäßen) Nachwuchs zu zeugen. Mit heutigen Begriffen würden wir das wohl eher als Bisexualität bezeichnen.

    Auch hier stellt sich mir die Frage zur Heiligen Schar: Waren die verheiratet? Oder waren die Mitglieder in einem Alter, in dem eine Heirat noch nicht erwartet wurde? Ich befürchte, die Quellen geben darüber keine Auskunft, aber interessant ist die Frage schon.
     
  16. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Plutarch schrieb im 18. Kap. seiner Pelopidas-Biographie darüber, wobei er selbst anmerkte, dass die Überlieferung anscheinend uneinheitlich war:
    ἔνιοι δέ φασιν ἐξ ἐραστῶν καὶ ἐρωμένων γενέσθαι τὸ σύστημα τοῦτο, ("Einige aber sagen, dass diese Schar aus Liebhabern und Geliebten bestand.")
    Als "Liebhaber" habe ich "erastes" übersetzt, als "Geliebter" "eromenes". Also dieser Darstellung zufolge waren das keine auf Gleichheit bzw. Ebenbürtigkeit basierenden Paare, sondern die griechischen Wörter erastes und eromenes (als aktiver und passiver Part) implizieren schon eine ungleiche Rollenverteilung zwischen einem (zumindest etwas) reiferen Part und seinem jungen Gegenüber.
     
    Hannes und Korbi gefällt das.

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