Hussiten

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von matze67, 15. April 2008.

  1. matze67

    matze67 Neues Mitglied

    Wie behandelten die Hussiten während den Hussitenkriege ihre, falls sie welche gemacht haben, adligen Gefangenen? Wurden Sie auch, wie die Mönche, auf dem Scheiterhaufen verbrannt? Die gegnerischen Ritter waren ja für die Hussiten Antichristen (sprich Teufel). Oder wurden diese Ritter kurzerhand, mit Flegel usw., erschlagen?

    MfG Matze67
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Sehr unterschiedlich - es gab ja auch nicht "die Hussiten", sondern verschiedene Gruppen, die sich in ihrer religiösen Radikalität sehr unterschieden.
    Und wir reden über einen längeren Zeitraum mit verschiedenen Konstellationen und unterschiedlichem Grad an Feindseligkeit.
    Z. B. gingen die Hussiten mit den "Kreuzrittern", die nach Böhmen eindrangen, deutlich härter um als mit Gefangenen auf ihren diversen Kriegszügen in die Nachbargebiete.

    Es kamen sowohl die Freigabe gegen Lösegeld vor wie die direkte Tötung auf dem Schlachtfeld.
    Von formal organisierten Hinrichtungen, insbesondere Scheiterhaufen, ist mir nichts in Erinnerung.
     
  3. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Übrigens hat der Papst mit einer Bulle den Kreuzzug 1420 gegen die Hussiten eingeleitet. Alle militärischen Gegner der Hussiten waren somit Kreuzritter.
     
  4. matze67

    matze67 Neues Mitglied

    Vielen Dank für die ersten Antworten.

    Ich habe noch eine Zusatzfrage: Welche Arten von Hinrichtungen führten die Hussiten, neben den Tod auf dem Scheiterhaufen, noch durch?


    MfG Matze67
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Sicher bin ich mir nicht. Aber der Galgen war neben Folter damals die billigste Variante von Hinrichtungen/Tötungen.
     
  6. matze67

    matze67 Neues Mitglied

    Heißt das gefangene, ausländische, "Kreuzritter" wurden im Prinzip immer sofort hingerichtet/getötet?

    Folgendes interessiert mich auch noch: Aus welchen Ländern/Landstriche kamen die ausländischen "Kreuzritter"?

    MfG Matze67
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. April 2008
  7. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Ein paar Auszüge aus Quellen, die grad bei mir rumliegen:

    Chronik des Laurentius von Brezová:

    Im selben Jahr des Herrn (1419) am Sonntag nach Jakobi oder am 30. Tag des Monates Juli sind der Bürgermeister und einige Ratsherren der Neustadt zusammen mit dem Unterrichter, Gegner der Kelchkommunion, durch das gemeine Volk und Jan Zizka, einen Gesindemann des vorgenannten Königs von Böhmen, deswegen weil sie eine Prozession mit dem verehrungswürdigen Sakrament der Eucharistie verspottet haben, die auf dem Rückweg von Sankt Stephan am Teich zum Kloster der seligen Jungfrau auf dem Sande dort am Rathaus vorbeizog, vom Neustädter Rathaus frevlerisch hinabgestoßen und grausam abgeschlachtet und ermordet worden.

    Hier ist also geschildert, wie sich spontan der Zorn der Hussiten entlud und alle zusammenhalfen, die sieben katholischen Ratsherren "abzuschlachten".

    Ich versteh das "ausländisch" so undefiniert nicht so ganz, das scheint mir etwas anachronistisch, aber gut...
    In der Chronik des Eberhard Windecke findest du einige Fürsten aufgelistet, die sich am Kreuzzug beteiligten. Am besten, du schaust selbst mal rein. Auf die Schnelle kann ich dir den Markgrafen von Meißen, Albrecht von Österreich, die Ungarn,die Fürsten von Schlesien, Hans von Sulzbach, Herzog Wilhelm von München und Heinrich von Landshut nennen. Übersetzt ist die Quelle von H. von Hagen, Das Leben König Sigismunds von Eberhard Windecke, Leipzig 1899.

    Eine schöne Schilderung findest du auch in der Chronik des Martin von Bolkenhain, die ich jetzt nur kurz überflogen haben. Darin ist von der verzweifelten Standhaftigkeit eines katholischen Pfarrers die Rede, von Frauen und Kindern, die in Kellern verbrennen, von der Enttarnung eines Mannes, der sich als Frau verkleidet hatte, um vor den Hussiten zu flüchten und vieles mehr. Diese Quelle findest du aus dem Lateinischen übersetzt in Krämer, Historisches Lesebuch über das deutsche Mittelalter, Leipzig, 1882.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. April 2008
  8. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Um die Liste noch etwas zu erweitern, so haben während der 5 Kreuzzüge gegen die Hussiten neben den bayr. Herzögen auch der Burggraf zu Nürnberg, die Bischöfe von Würzburg, Bamberg, Augsburg, sowei die Städte Nürnberg und Regensburg im Reichsheer der Kreuzzügler mitgetan.
    Diese und weitere wertvolle Infos zum Thema in :
    "Bayern-Böhmen " 1500 Jahre Nachbarschaft
    Katalog zur bayr. Landesausstellung 2007 in Zwiesel
     
  9. Myroke

    Myroke Neues Mitglied

    Obwohl die angrenzenden Fürstentümer wie Österreich (hier das heutige Niederösterreich und Oberösterreich) sogar die Bauern aktiviert hat um gegen die Hussiten zu kämpfen. Dies ist insofern interessant, da man versuchte diese Bauernarmeen gegen die Hussiten auch OFFENSIV einzusetzen, da man mit Ritterheeren nicht gegen die Hussiten ankam.

    Es kam auch zu einigen Belagerungen in der Zeit. Besonders in Südmähren, wo einige Städte als eine Art Bollwerk für Niederösterreich dienten.

    auf bald
     
  10. matze67

    matze67 Neues Mitglied

    Diese Bauernarmeen haben doch keine Chance gegen die Hussiten gehabt, die Bauern wurden doch nur verheizt weil der Adel versagt hatte. Oder irre ich mich?

    Matze
     
  11. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Ich würde sagen: Ja, Du irrst Dich.

    Richtig ist, daß die vom Adel dominierten Heere vorher besiegt wurden.
    Und dann mußten halt die Bauern selber ihre Heimat verteidigen - es wäre ihnen und ihren Familien nicht gut bekommen, wenn die Hussiten nach Österreich gekommen wären.

    Was die Chancen betrifft: Die Hussiten waren doch im Prinzip selber eine Art Bauernarmee.
    Die halt schon etwas vorweg nahmen, was später von Schweizern und Landsknechten gezeigt wurden: Gegen gut formiertes und motiviertes Fußvolk sehen Reiter gar nicht gut aus.
     

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