Hypothetische Rekonstruktion der Schlacht von Idistaviso und Bezug zu Kalkriese.

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Germanicusaron, 31. Mai 2019.

  1. Es geht um den Feldzug 16 nach Christus. Ich habe jetzt etwas herausgefunden was vielleicht interessant sein könnte! Nämlich welche Örtlichkeiten hier in welchem Bezug zueinander standen! Demnach muss Kalkriese mit dem Ort identisch sein an welchem die Schlacht am Angrivarierwall stattgefunden hat. Das Schlachtfeld zieht sich über mehrere Kilometer östlich und ich habe auch mehrere möglich Lagerstandorte auf recht einfache Weise so markieren können. Alles zusammen ergibt jetzt so viel Sinn dass ich darüber gerne mit einer größeren Menge an Fachleuten und Geschichtsinteressierten diskutieren würde.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Liegt Kalkriese an der Weser? Die Angrivarierwallschlacht hat ausweislich der einzigen Quelle in unmittelbarem Umfeld zur Weser stattgefunden.
     
  3. Was bedeutet "unmittelbares Umfeld" und wo steht das genau?
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Tac. ann. II, 19:

    Haut perinde Germanos vulnera, luctus, excidia quam ea species dolore et ira adfecit. qui modo abire sedibus, trans Albim concedere parabant, pugnam volunt, arma rapiunt; plebes primores, inventus senes agmen Romanum repente incursant, turbant. postremo deligunt locum flumine et silvis clausum, arta intus planitie et umida: silvas quoque profunda palus ambibat nisi quod latus unum Angrivarii lato aggere extulerant quo a Cheruscis dirimerentur. hic pedes adstitit: equitem propinquis lucis texere ut ingressis silvam legionibus a tergo foret.

    Sie wählten sich als Kampfplatz "einen Ort eingeschlossen zwischen Strom und Wälder, in der Enge eine sumpfige Ebene". Dort hatten die Angrivarier einen Wall aufgeworfen, der sie von den Cheruskern abschied. ​
     
  5. Ja. Und wo ist jetzt die Rede von der Weser? Hier steht nur, dass sie auf dem Rückweg zur Ems an einen von Fluss und Wald umschlossenen Ort gelangten, wo es zu einer Entscheidungsschlacht kam.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Tacitus' Schilderung:

    - Germanicus landet an der linken/westlichen Emsmündung
    - die Ems wird umständlich überquert, der Tidenhub verursacht Probleme
    - Marsch Richtung Weser
    - die Angrivarier, emendiert die Am(p)sivarier,* proben a tergo den Aufstand der niedergeschlagen wird
    - man gelangt zur Weser, wo man auf die Cherusker trifft
    - von Tacitus ausgestaltetes Streitgespräch zwischen den Brüdern Flavus und Arminius
    - Überquerung der Weser im Raum Minden-Rinteln (aufgrund der geographischen Beschreibung müssen wir uns dort befinden, wo Mittelgebirge das Relieph bestimmt, bei Minden tritt die Weser aus dem Mittelgebirge aus, weiter nördlich können wir also ausschließen)
    - Idistaviso-Schlacht am östlichen Weserufer
    - die sich bereits in Richtung Elbe zurückziehenden Germanen, erbost über die ostentativen, für Sie umso schmachvolleren Siegesfeiern der Römer, kehren um und bieten eine zweite Schlacht, eben die am Angrivarierwall. Unklar ist in Tacitus' Schilderung, ob diese westlich oder östlich der Weser stattfand, auf jeden Fall aber irgendwo dort, das Schlachtfeld auf einer Seite durch die Weser begrenzt.





    *ich bin für die Emendation, weil die weniger Probleme verursacht, als Angrivarier stehen zu lassen, wie unser mittelalterlicher Textzeuge bietet.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Tac. ann. II, 9
    Tac. ann. II, 11
    Tac. ann. II, 12
    Tac. ann. II, 16
    Tac. ann. II, 17
    Hier, in Tac. ann. II, 19 wird als Bezugsgröße die Elbe genannt, die Krieger, die in Richtung Elbe ausweichen (ja nach Tacitus sich sogar vorbereiteten, die Elbe zu überqueren), kehren zurück.
     
  8. Es ist nur klar dass es auf dem Rückweg zur Ems stattgefunden hat. Klar ist auch dass ein gewissen räumlicher Bezug existierte. Aber was nah und nicht nah ist, kann gerade in der Antike, nicht klar definiert werden! Ich halte aber einen Angriff unmittelbar nach der Idist. Schlacht für unwahrscheinlich, da sich die Germanen auf dem Rückweg befanden und erst später wider umkehrten.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also sind die Germanen zur Elbe geflohen, waren schon dabei diese zu überqueren, haben sich über die Römer geärgert, diese beim Überqueren der Weser überholt und dann in Kalkriese gestellt?
    Wie löst du das Problem, dass das Schlachtfeld vom Angrivarierwall von einem Strom begrenzt wurde, der in K'Riese fehlt?
    Wie löst du das Problem, dass der Wall von Kalkriese nur 400 Meter lang ist und damit nicht zu einem Grenzwall zwischen Angrivariern und Cheruskern taugt? (Ich ignoriere hier bewusst die jüngsten Entwicklungen aus Kalkriese, die darauf deuten könnten, dass der Wall dort doch ein römischer ist und Teil eines Lagers.)
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  11. Nein, laut Tacitus haben sich diese auf den Weg zur Elbe gemacht um diese zu überschreiten. Dies ist zumindest die Interpretation der Römer. Aber sie drehten quasi auf halber Strecke um und gingen aus Frust, Interpretation der Römer, auf die Römer los als sie eine Marschkolonne bildeten und sich nichts böses ahnend auf dem Rückweg befanden. Dass man einen Wall gefunden hat weiß ich da ich selber in Kalkriese war und mir damals schon dachte dass es sich, auf Grund der Lage, um ein Lager handeln könnte. Das mit dem Breiten Damm ist sehr schwammig, es kann gut sein dass man diesen garnicht mehr findet. Oder er befindet sich an einer anderen Stelle!
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was meinst du mit nein?

    Du scheinst zwei Schlachten durcheinanderzubringen: Die Schlacht von den pontes longi, die 15 n. Chr. westlich der Ems stattgefunden hat und die Schlacht am Angrivarierwall, die 16 n. Chr. am (östlichen?) Weserufer stattfand.

    Das mit dem Lager war 1989, als man den Wall in Kalkriese fand, die erste Hypothese. Später meinte man, da der Wall sich nicht fortsetzte, dass er Teil des Hinterhalts sei und von den Germanen errichtet wurde, dies wurde immer bezweifelt und daher hat man vor drei Jahren neue Grabungen gestartet, die überprüfen sollten, ob es sich nicht doch um ein Lager handelt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Mai 2019
  13. Nein, ich spreche hier ganz konkret vom Jahr 16 n. Chr.! Die Pontes Longi sind ein ganz anderes Kapitel und befanden sich deutlich westlich der Ems. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit befanden sich die PL irgendwo im westlichen Münsterland nahe der Strecke Dülmen/Xanten. Ja, ich habe das auch vor Kurzem gelesen dass es schon früher die These gab dass es auch ein Lagerwall gewesen ist. Mittlerweile ist es erwiesen da man dort den Spitzgraben gefunden hat.

    Nein, ich gehe davon aus dass es ein großer Fehler war alleine Geschichtsforscher, Archäologen, Nationalromantiker und co. verstreut ans Werk zu lassen! Denn sie alle arbeiten wie mit Scheuklappen aneinander vorbei und sehen nur das was sie gerade in der Hand halten. Es ist ein enormer Kontent gesammelt worden aber man hat sich wenig mit dem Kontext beschäftigt. Es hat 10 Jahre gedauert bis ich überhaupt ansatzweise zu verstehen begann wie man vorgehen muss. Hier müssen viele Disziplinen eng zusammenarbeiten um zu einem Ergebnis zu kommen. Es reicht nicht wenn ein paar tollkühne Heimatfanatiker meinen sie hätten das Feld vor der Haustür gefunden, oder wenn alle nur auf das Jahr 9 fixiert sind, mit welchem man sich ohnehin kaum beschäftigen kann da uns schlichtweg viele Anhaltspunkte fehlen. Ich habe natürlich großen Respekt vor vielen damaligen Heimatforschern, welche, für damalige Verhältnisse, ohne die Technik und Befunde welche wir heute haben, enormes geleistet haben. Aber ich finde man muss sich auch mal Alternative Gedanken machen. Aus meiner Perspektive drehen sich die Menschen dort alle im Kreis und es ist alles zu viel vom Kommerz gesteuert und zu wenig von richtigen Forschern, davon gibt es einfach zu wenig oder sie werden nicht gehört!

    Die Karte die du oben gepostet hast ist mir bestens bekannt und ich habe sie auch zusammen mit anderen Theorien studiert. Ich bin zum Schluss gekommen dass das alles kaum Sinn macht. Vielmehr hatte ich vor wenigen Wochen einen Geistesblitz, eine neue Idee! Man muss versuchen sich in die Lage der Menschen hinein zu versetzen. Man muss versuchen die Geographie, Kriegs-Strategie, die Begrenzten Möglichkeiten und die Schriften alle irgendwie zusammenbringen!
    Es macht keinen Sinn dass sich die Römer extra nach Norden bewegt haben sollen als sie von Idistaviso, in diesem Falle bei Hessisch Oldendorf, zurückgingen da sie ja einfach die Weser bei Bad Oeynhausen hätten überqueren können und die Germanen dort schon vermutlich leicht besiegt haben würden. Aber es erscheint sowieso von vornherein völlig absurd dass die Römer, nach allem was sie erlebt haben, so ein Risiko eingegangen wären und sich durch das unwegsame und für sie in jeder Hinsicht ungünstige Gelände zwischen der Weser und ihrem Gebirge, hindurch zwängten um dann in einem für die Germanen günstigen Gelände angegriffen und eingekesselt zu werden, ohne Fluchtmöglichkeit. Vielmehr geht ja schon aus dem Text von Tacitus hervor wie bedacht der Caesar Germanicus war und er eine möglichst sichere und ökonomische Kriegsführung plante. Er hätte sich nicht von Arminius in ein solches Gelände bewusst locken lassen da er auch selber den Verlauf jeder Schlacht steuern konnte und musste. Man darf auch nicht vergessen dass die Römer damals zu Fuß waren und das mit einem riesigen logistischen Aufwand welchen wir uns kaum vorstellen können! Da wird er mit absoluter Sicherheit nicht mit der Kirche ums Kreuz, oder mit dem Legionsadler um den Legaten, plus Spaßausflug, marschiert sein. Ich habe eine Karte angefertigt welche den Verlauf und die Örtlichkeiten zeigt wie ich sie mir vorstelle und ich denke wenn ich diese möglichst gut leserlich bearbeitet habe wird es einfacher sein sich das alles vorzustellen.
     
  14. So hier nun die Bilder. Ich hoffe sie sind einigermaßen verständlich.
    Auf dem ersten erkennt man die von mir annähernd vermuteten Marschlagerstandorte in chronologischer Reihenfolge.
     

    Anhänge:

  15. Auf dem Zweiten sieht man den Hinweg des Germanicus. Es ist äußerst unwahrscheinlich dass er den selben Rückweg nahm.
     

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  16. Auf dem Dritten Sieht man noch einmal die Marschroute der Römer und der Germanen. Meiner Ansicht nach handelte es sich bei der gesamten Idistavisoschlacht, Idistaviso befindet sich bei 1, um eine Inszenierung des Arminius ganz ähnlich wie Julius Caesar, dessen Täuschungstaktiken und co. damals Arminius bekannt gewesen sein dürften. Ich vermute dass er diese Situation schon sehr gut vorbereitet hat und Kalkriese gezielt als "As" im Ärmel eingeplant war. Arminius wusste dass die Römer vorsichtiger sein würden und sich nicht mehr in sumpfiges und morastiges Gelände wagen würden. Das Jahr 15 hatte ihnen da denke ich eine Lehre gegeben! Er musste ihnen Anlass dazu geben den Fehler wieder zu machen und das tat er indem er eine Niederlage vortäuschte welche die Römer als Sieg feierten und dann, Sorg und Arglos, ungeschützt ihre Rückreise über eine vermeintliche Abkürzung wählten, da ja für die Römer von den Germanen keine Gefahr mehr ausging.Vermeintlich. Die Germanen waren sicher deutlich schneller unterwegs als die Römer und die schwereren Abteilungen waren sicherlich schon vor der Anreise des germanischen Idistaviso-Abteils dort eingetroffen. Über Abkürzungswege durch das große Moor könnten sie mit recht großer Geschwindigkeit, vermutlich bis zu 80 km/Tag, den Römern, mit ihren 20-30 km/Tag, zuvorkommen! Das erste Marschlager Nummer Zwei wurde schon 2007 entdeckt und kann laut Datierung gut in diese Zeit passen. Die Lagerstandorte habe ich nach folgenden Kriterien ausgewählt: exponiert und auf einer Anhöhe, so dass man in alle Richtungen und weit sehen kann und eine Lagerdrainage erreicht.

    Diese Schlacht war vermutlich weder ein Großer Sieg für die Römer noch für die Germanen da beide herbe Verluste erlitten. Aber Arminius erreichte dass die Römer "den Igel" nicht mehr anfassen wollten und nicht mehr wieder kamen. Dumm nur dass jetzt für Arminius, welcher sicherlich eine schwere Zeit gehabt haben dürfte, sein Traum von einem Großen Verband platzte. Ich stelle mir ihn nicht so sehr wie einen großen Heerführer vor welcher, voller Pathos und Heldenglanz, da steht und die Germanen anführt sondern mehr wie einen Kosmopoliten welcher durch die Erfahrungen die er als Römer machte, seinen Leuten mit welchen er sicher sehr identifiziert war, geholfen hat. Er muss sicher etwas größenwahnsinnig gewesen sein und sah sich am Ende sicherlich frustriert mit diesem undisziplinierten, kaum formbaren Haufen seiner Landsleute konfrontiert. Ich denke dass sein Weitblick und seine Fähigkeiten den Menschen damals vielleicht zu weit gingen und sie Angst bekommen haben. Er hat eben das gemacht was aus seiner Perspektive richtig erschien. Er hat seine Erfahrung und Intelligenz genutzt um alle Schwachen und Stärken beider Seiten zu erkennen und zu nutzen. Wir müssen bedenken dass wir sonst eigentlich nichts über diese Menschen wissen, sie hatten keine Geschichtsschreibung und co., wie sie gekämpft haben gegen die Römer, welche Taktiken sie anwendeten, mit welchen Waffen usw. Wir wissen nur das sumpfiges Gelände eine Rolle gespielt hat und das ist auch am plausibelsten. Ich glaube dass wir, wenn wir Glück haben und die Pontes Longi und die Sechzehnerschlachten lückenlos geklärt haben, auch die Varusschlacht selbst besser verstehen werden und vielleicht sogar herausfinden wo sie stattgefunden hat. Das entscheidet vermutlich wie so oft Zufall!

    Mich würde interessieren ob es Argumente aus eurer Sicht gegen meine These gibt und wie man die Rekonstruktion verbessern könnte.
     

    Anhänge:

  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Einen Spitzgraben hatte man in Kalkriese auch schon in den Grabungskampagnen 1989/90 nachgewiesen. Im Moment stehen beide Theorien in K'Riese, Germanenwalltheorie und Lagertheorie etwa gleichwertig nebeneinander, wobei sich die Waage in Richtung Lager zu neigen scheint.

    Hm... seltsame Auflistung. So ungefähr wie Pferd, Kuh, Schwein, Banane, Schaf, Ziege. Historiker und Archäologen sind Fachwissenschaftler, Nationalromantiker sind Ideologen.

    Aha?

    Hm....
    Kalkriese hat eigene Archäologen.
    Kalkriese arbeitet mit der Kreisarchäologie des Osnabrücker Landes zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem althistorischen und archäologischen Seminar der Universität Osnabrück zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem geographischen Seminar der Universität Osnabrück zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem archäologischen Seminar der LMU München zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem Bergbaumuseum Bochum und seinen Metallurgen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Anthropologen der Universität Göttingen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Archäozoologen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Numismatikern aus dem Saarland zusammen.

    Betreff "Kommerz": Wenn du denkst, das Museum trage sich selbst, das ist leider falsch.

    Das ist legitim und unbedingt zu unterstützen. Allerdings kann eine Alternative nicht darin bestehen, dass man die Fakten der angebotenen Alternative ignoriert.
    Du sagst ja selbst, dass die pontes longi westlich der Ems gelegen haben müssen, worin ich dir unbedingt zustimme. Die Angrivarierwallschlacht, die du als Alternative präsentierst, erfordert aber a) die unmittelbare Nähe der Weser - die Frage, wie du das Problem zu lösen gedenkst, hast du mir leider nicht beantwortet - und b) einen Grenzwall - auch der fehlt in Kalkriese. Den Kalkrieser Wall hast du ja selbst oben als Lagerwall definiert. Wenn diese beiden Kernelemente des Angrivarierwallschlachtfeldes fehlen, kann man schwerlich K'Riese zum Angriervarierwallschlachtfeld erklären.

    Aha? Woher kennst du sie?

    Du musst schon genauer werden: Was genau ergibt warum genau keinen Sinn?

    Die Römer mussten zurück an die Emsmündung und dorthin zogen sie auch, um über die Nordsee zum Rhein zurückzukehren: pluris Caesar classi inpositas per flumen Amisiam Oceano invexit.
    Nach ihrem Sieg bei Idistaviso und dem Massaker, welches sie unter den fliehenden Germanen veranstaltet hatten, dürften sie sich ziemlich sicher gefühlt haben. Der Angriff am Angrivarierwall überraschte die Römer, die Germanen griffen sie ausdrücklich 'plötzlich' (repente, Tac. ann. II, 19) an. Da die Römer a) in Richtung Nordosten mussten und b) zwar noch vom Strom, aber nicht mehr von Bergen die Rede ist, diese keine Rolle mehr in der Schlachtbeschreibung spielen, ganz anders als bei Idistaviso, ist es also ziemlich wahrscheinlich, dass die Schlacht am Angrivarierwall nördlich der Porta Westfalica, in der Weseraue stattgefunden hat. Auf welcher Seite der Weser auch immer.

    Das steht bei Tacitus so, wie du es darstellst, nicht. Nachdem die Germanen die siegestrunkenen Römer überfallen hatten und sich dann am Angrivarierwall in Schlachtposition gegeben hatten, da - sagt Tacitus - habe Germanicus die ganze Situation überblickt. Ob man das Tacitus so glauben kann, ist noch eine andere Geschichte.

    Wofür oder wogegen ist das jetzt genau ein Argument?
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei dir ist Germanicus von Rheine nach Idistaviso marschiert und wieder zurück.
    Tacitus schreibt ausdrücklich, dass Germanicus Flotte an der Mündung der Ems in die Nordsee gelandet ist und von dort aus marschierte. Dorthin musste er auch wieder zurück.
     
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Genau das ist aber beim Angrivarierwall ausdrücklich passiert: silvas quoque profunda palus ambibat nisi quod latus unum Angrivarii lato aggere extulerant quo a Cheruscis dirimerentur.

    Laut Tacitus haben die Römer den ganzen Tag lang (von der 5. Stunde - also etwa 11:00 morgens bis zum Sonnenuntergang) fliehende Germanen abgeschlachtet, deren Kadaver auf zehn Meilen verteilt gelegen haben sollen:
    quinta ab hora diei ad noctem caesi hostes decem milia passuum cadaveribus atque armis opplevere
    Germanen ertranken oder wurden beim Versuch schwimmend zu fliehen beschossen (et plerosque tranare Visurgim conantis iniecta tela aut vis fluminis, postremo moles ruentium et incidentes ripae operuere), andere, die in Baumkronen saßen, sollen mittels Pfeilbeschuss und Umlegen der Bäume aus ihren Verstecken geholt worden sein (quidam turpi fuga in summa arborum nisi ramisque se occultantes admotis sagittariis per ludibrium figebantur, alios prorutae arbores adflixere.).
    Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, Arminius habe eine Niederlage vorgetäuscht, um die Römer in Sicherheit zu wiegen, ist schon ziemlich steil.

    Da wären die Germanen bei einer Geschwindigkeit von sechs km/h (was schnell, aber möglich ist) mehr als 13 Stunden/Tag marschiert. Ohne Pausen!

    Nun, im Jahr 17 sollen die germanischen Heere des Arminius und des Marbod, als sie aufeinandertrafen, sich römischer Kampftechniken bedient haben (Tac. ann. II, 45: deriguntur acies, pari utrimque spe, nec, ut olim apud Germanos, vagis incursibus aut disiectas per catervas: quippe longa adversum nos militia insueverant sequi signa, subsidiis firmari, dicta imperatorum accipere.)

    Naja, dass du ganz wesentliche Details einfach ausblendest und ignorierst.
     
  20. Die Römer mussten ja nach Westen Richtung Rheine marschieren. Einen Umweg nach Norden werden sie nach dem Sieg nicht mehr unternommen haben da dies ein Umweg und somit unnötige Märsche gewesen wären. Auch die Römer konnten sich nicht ohne Vorbereitung x-beliebig in Germanien fortbewegen. Gerade ein so großes Heer wird Germanicus möglichst möglichst sparsam bewegt haben denn man muss diese Menschen auch ernähren und verpflegen! Stelle dir vor du hast 80 000 Mann und musst die zu Fuß durchs Land treiben, gehst du dann ohne Grund Umwege? Nach Norden musste er nicht, er wollte den Germanen auch nicht nachsetzen da er sie ja besiegt und sie sich hinter die Elbe zurückziehen wollten. Warum sollte er dann nach Norden gehen? Absurd! Die Römer sind danach kein Risiko mehr eingegangen! Es steht ausdrücklich geschrieben dass Germanicus, damit der Krieg auf einmal hereinbreche und man ihn, bis er im Feindesgebiet einfiele nicht entgegentreten konnte und um die Belastung für das Heer gering zu halten die Römer über die Ems einfahren ließ. Wenn er darauf so bedacht war seine Soldaten für den Kampf zu schonen und sich nur auf eine Schlacht einzulassen welche Verlustarm enden würde, warum sollte er dann einmal so etwas widersprüchliches machen?
    Der räumliche Kontext den du gibst ist völlig unklar und diffus. Du redest ständig davon dass die Schlacht am Angrivarierwall nahe der Weser stattgefunden haben soll. Es steht aber nirgends explizit etwas von der Weser und vor Allem habe ich dich gefragt was "nah" bedeutet? Was beduetet für dich das Wort "nah", was war für die Römer "nah? Ab wie vielen Meilen ist etwas nicht mehr "nah?

    "Hm....
    Kalkriese hat eigene Archäologen.
    Kalkriese arbeitet mit der Kreisarchäologie des Osnabrücker Landes zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem althistorischen und archäologischen Seminar der Universität Osnabrück zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem geographischen Seminar der Universität Osnabrück zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem archäologischen Seminar der LMU München zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit dem Bergbaumuseum Bochum und seinen Metallurgen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Anthropologen der Universität Göttingen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Archäozoologen zusammen.
    Kalkriese arbeitet mit Numismatikern aus dem Saarland zusammen.

    Betreff "Kommerz": Wenn du denkst, das Museum trage sich selbst, das ist leider falsch."

    Das wusste ich auch dass Kalkriese Archäologen hat. Natürlich müssen diese mit dem Kreisarchäologen zusammenarbeiten da diese das Ganze koordinieren! Aber all diese Zusammenarbeit ist schwach und langsam. Und vor Allem mehr auf dem Papier als auf dem Feld!

    Kein Museum trägt sich selbst ohne Einnahmen! Aber das berechtigt niemanden dazu unbewiesene Tatsachen zu behaupten um den Umsatz zu steigern! Was schätzt du passiert wenn man herausfindet dass es sich bei Kalkriese zweifelsfrei um ein Schlachtfeld von 16 nach Chr. handelt? Schreiben die dann auf die Plakate "Kalkriese :) Leider doch nicht der Ort der Varusschlacht! :(

    Es gibt mehr Hinweise dass es sich nicht um den Ort der Varusschlacht handelt als dafür. Aber davon kommt man nicht mehr weg. Zum einem wegen dem Image und zum anderen wegen dem Geld! Denn uns haben vor einiger Zeit sogenannte Nationalromatiker mit Varus und Arminius kräftig ins Hirn defäkiert so dass wir nur dieses Ereignis sehen und nicht mehr die anderen Ereignisse! Dabei ist doch erst die Schlacht 16 nach chr. die, die zum Ende der Römer-Eroberung in Germanien führte. Also ist diese auch wichtig!
    Das Museum in Haltern ist da z.B. ein ganz anderes Beispiel als das in Kalkriese.
     

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