Internationalisierung Jerusalems im Blick auf die Vergangenheit

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von Miyu, 23. Oktober 2008.

  1. Miyu

    Miyu Neues Mitglied

    Hallo,

    momentan beschäftige ich mich mit dem Nahost-Konflikt.
    Eine immer wiederkehrende Frage ist ja der Vergleich zwischen den zwei Lösungsmöglichkeiten um Jerusalem:
    Internationalisierung Jerusalems oder Teilung der Stadt.

    Was haltet ihr für sinnvoller und warum? Natürlich im Hinblick auf die Vergangenheit des Nahostkonflikts. Welche Ereignisse in der Vergangenheit machen die eine oder andere Lösung hinfällig? Welche damaligen Ereignisse machen die eine oder andere Lösung sinnvoller?

    Bin gespannt auf eure Antworten. Ich selbst äußere mich später dazu, da ich erst einmal eure Meinungen abwarten möchte.

    LG
    Miyu
     
  2. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Ohne in Tagespolitik verfallen zu wollen: Es gibt natürlich mehr Lösungsmöglichkeiten als diese beiden.
    Z. B. die aktuelle, daß Jerusalem zu Israel gehört oder die umgekehrten Vorstellungen der Araber.

    Wenn man über "sinnvoller" reden will, dann geht das nicht ohne Betrachtung von Gegenwart und künftigen Aussichten - das wäre hier im Forum verboten.

    Man kann die Vorgeschichte betrachten, muß sich aber dann klar sein, daß die nur sehr begrenzt wichtig ist für den weiteren Verlauf.

    Mir fällt auf, daß es nur sehr wenige Präzedenzfälle für beide Varianten gibt.

    Für internationale Verwaltung fallen mir ein Shanghai:
    Shanghai ? Wikipedia
    und der Kosovo:
    Kosovo ? Wikipedia

    Bei geteilten Städten gab es Berlin und Nikosia.

    Diese Beispiele sind m. E. nicht so gelaufen, daß sie sich als Vorbild für neue Versuche empfehlen.
     
  3. Miyu

    Miyu Neues Mitglied

    Meinst du die Internationalisierung oder die Teilung?
    Danke schon mal für deine Antwort. Schon allein die Fälle sind sehr interessant.
     
  4. Miyu

    Miyu Neues Mitglied

    Der Punkt ist der, dass beide Völker der Meinung sind, sie hätten den alleinigen Anspruch auf dieses Land. Von daher wäre eine Teilung von dem Standpunkt aus sinnvoller. Allerdings werden die Palästinenser keine Ruhe geben, bis sie ihren eigenen Staat haben und da stellt sich Israel ja andauernd quer. Das sieht man ja, wenn man auf die Geschichte des Konflikts blickt.

    Und ich denke das ist und war das Hauptproblem und deswegen kann man die beiden Lösungen vergessen.

    Meine Meinung...
    Miyu
     
  5. Sheik

    Sheik Neues Mitglied

    Die besondere Brisanz die das Thema "Jerusalem" besitzt, leitet sich doch viel mehr aus der Situation ab, dass diese Stadt das Zentrum bzw. eines der Zentren der großen Religionen ist. Gerade diese Verbindung von Religion und Besitzanspruch machte und macht noch immer Verhandlungen problematisch.

    Vergleichswerte könnte man unter Umständen aus der Zeit der Kreuzfahrerstaaten ziehen. Jedoch dürfte auch dort das Ergebnis wenig positiv ausfallen.
     
  6. Miyu

    Miyu Neues Mitglied

    Das kommt noch erschwerend hinzu. Allerdings hat der Besitzanspruch für das Land die möglichen Lösungen für Jerusalem immer aufgehalten bzw. zunichte gemacht.
     
    1 Person gefällt das.
  7. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Ich kann dir ein sehr gutes Buch dazu Empfehlen:

    Tom Segev
    Es war einmal ein Palästina
    Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels
    Pantheon
    1. Auflage 2006

    Aus dem Klappentext:

    Der blutige Konflikt zwischen Arabern und Juden um die Herrschaft im Heiligen Land ist seit Jahrzehnten ungelöst - und aktueller denn je. (...)

    Aus einer Fülle bislang unerschlossener Quellen rekonstruiert Segev eine dramatische Ära grenzenloser Möglichkeiten und tragischer Fehlentscheidungen: die so genannte Mandatszeit von 1917 bis 1948, als nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs die Briten die Macht in Palästina ausübten und verhängnisvollerweise sowohl Arabern als auch Juden das Land versprachen. (...)
    Segev zeichnet die Entstehung zweier Nationalbewegungen nach, ihren unaufhaltsamen Weg in die gewaltsame Konfrontation und kommt zu einer radikalen Neubewertung der Geschichte Palästinas.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich tu' jetzt mal so, als würde ich den aktuellpolitischen Teil des Beitrags ignorieren. Die oben zitierte Aussage ist so nicht richtig. Sie impliziert, dass beide Gruppen monolithische Blöcke wären, was so weder 1929, als die ersten größeren Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinenser begannen, noch nach dem 6-Tage-Krieg 1967 stimmte. Das Problem in Israel/Palästina war immer, dass beide Seiten nicht gegen die entsprechenden Gruppen im eigenen Lager Politik machen konnten.
    Die Israelis (keine Parteien sondern politische Lager, die z.T. in Splittergruppen zerfallen zum Teil aber auch über die großen Parteien verteilt sind)
    - Sozialisten
    - Pazifisten
    - Konservative
    - Nationalisten
    - Religiöse, die Waffengewalt ablehnen
    - Religiöse, die Israel bis nach Damaskus und darüber hinaus vergößern wollen

    Die Palästinenser haben u.a. diese Gruppen, auch hier sind Überschneidungen möglich. Im Libanon - Ok, das hat weniger mit den Palästinensern selbst zu tun -, gibt es z.B. einen hochrangigen Politiker der Hizbullah, also einer shi'itischen Partei, der bekennender Christ ist.
    - Sozialisten
    - Christen
    - Muslime
    - Islamisten
    - Panarabisten

    Bei den Palästinensern ist die Lage aber noch ein wenig schwieriger. Da gibt es
    - israelische Araber (Palästinenser mit israelischem Pass und Bürgerrecht)
    - exilierten Palästinenser (Libanon, Ägypten, Jordanien, Syrien, Kuweit, Iraq)
    - exilierte Palästinenser in den besetzten Gebieten, Gazza und West-Bank
    - einheimische Palästinenser in den besetzten Gebieten

    Alle diese Gruppen haben vollkommen andere Interessen. Die israelischen Araber wollen traditionell vor allem, dass sie von Israel als Vollbürger wahrgenommen werden (es gibt allerdings in jüngster Zeit Entwicklungen, die ich hier, im Hinblick auf die Regeln, nicht weiter vertiefen werden). Die Palästinenser in den besetzten Gebieten wollen vor allem, dass die Okkupation beendet wird und sie ihren souveränen Staat bekommen.
    Die exilierten Palästinenser, sowohl die in den besetzten Gebieten, als auch im "Ausland" wollen v.a. zurück nach Hause, ein Zuhause was sie zum Teil 1948 verlassen haben. Sie wollen also die Zeit zurückdrehen, was de facto nicht möglich ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Oktober 2008
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