Inuit die Erfinder der Schraube?

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Repo, 2. Juni 2010.

  1. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das Prinzip der Schraube ist seit dem Altertum bekannt.
    Verwendet damals bei der Weinkelter und als Pumpe.
    Als Erfinder der Schraube zur wieder lösbaren Befestigung gelten jedoch die Germanen der Spätantike/Völkerwanderungszeit. (Goten)

    Aber: Man hat wohl Anfang des 20. Jahrhunderts Funde gemacht, die anscheinend belegen, dass die Inuit seit "ewigen" Zeiten ihre Pfeile und Harpunen verschrauben.
    Auch sollen die Inuit die Schusswunden erlegter Robben mit Holzschrauben "abdichten".

    Darüber hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts ein Historiker-Streit entwickelt.
    Wie ist da heute der Stand der Dinge?
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010
  2. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wenn das kein Gag sein soll, wäre hilfreich zu wissen, woher du das hast.
     
  3. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Naja, manche meiner Steißtrommler in den höheren Klassen hatten ganz schön was drauf.
    Und das hat mal ein Physikpauker erzählt, der nebenbei Hobby-Historiker war.
    Und dann ist es in Repos Gehirnwindungen ein paar Jahrzehnte verschütt gewesen, um heute wieder hervorzu"drängen"

    Ich hab natürlich schon mal gegoogelt, aber nix gefunden.
    Soeben ist mir aber eingefallen, dass man in früheren Zeiten fälschlicherweise "Eskimo" zu den Inuit sagte.
    Da fand ich dies:
    Der unumstößliche Beweis: Repo will BB nicht verschaukeln:rofl:
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Nochmals ergoogelt:

    von da

    weiß keiner näheres?
     
  5. jschmidt

    jschmidt Aktives Mitglied

    Die These, dass die Eskimos die Schraube (eskimoisch: kepsalloak oder kepjalloak) erfunden hätten, findet auch heute noch Unterstützer. Landis [1] hält für denkbar, dass es parallel zu den Griechen geschehen sein könnte; Ägypter und Chinesen als Erfinder schließt er aus.

    Wenn die Eskimo-Annahme zuträfe, sagt das noch nichts darüber aus, dass das zugrundeliegende Prinzip der schiefen Ebene erkannt worden ist - aber möglich ist alles.


    [1] The workbench book - Google Bücher - Shakespeare (The taming of the screw, ca. 1594) geht auf diese Frage leider nicht weiter ein. :cool:
     
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Griechen haben die Schraube benutzt, Weinkelter, Presse, aber zur "wiederlösbaren Befestigung" erst die Goten. Da hat man Funde wo solche bei Silber-Fibeln verwendet wurden.

    Und dann die Eskimos, die Pfeile und Harpunen verschraubt haben.
    (Man muss die Pfeile nicht abbrechen, zum Transport der Beute.)
     
  7. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Aber wie genau haben die das dann hinbekommen?
    Ich meine von der Gleichartigkeit und Kompabilität, sie hatten ja, soweit mir bekannt, nur einfache Werkzeuge und keine Maßskalen, Winkel etc.

    Oder ist hier nicht eine Schraube mit einem gleichmäßigen Gewinde gemeint sondern so eine wie unsere Holzschrauben, also spitz zulaufende Treibschrauben.
     
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  8. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Die haben vermutlich nur ein Narwalhorn abgeschaut.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    aus einem der von mir verlinkten Berichte
    Demnach nicht wie eine Holz- oder Blechschraube sondern wie eine heutige Maschinenschraube.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Juli 2010
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Du hast sehr recht.
    Daran habe ich noch gar nicht gedacht, die Eskimos scheinen zwei Arten verwendet zu haben.
    einmal die Schraube in weicheres Material "Robbe abdichten von Schusslöchern"

    und zum zweiten das Schraube - Mutter Prinzip "Verschraubung Pfeil - Pfeilspitze" was durch die beiden ineinander passenden Gewinde einiges mehr voraussetzt.
    Das Rätsel wird größer.
     
  11. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Das mit den Robben habe ich nicht wirklich verstanden.
    Ist mit dem Abdichten gemeint dass die Eskimos den Pfeil aus dem Einschussloch in der Robbe entfernten, und dann eine gleichgroße Schraube in das Loch drehten (also eine Art Stöpsel), oder dass sie Schrauben + Muttern nutzten um zwei Teile einer aufgeschnittenen Robbe zu verbinden damit weniger ausläuft?
    Wenn ich mir das so vorstelle dann meine ich dass die Eskimos so etwas wie Flügelschrauben und Flügelmuttern verwendet haben müßen, ansonst wäre es ja ziemlich unpraktisch.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Die Eskimos drehen zum Abdichten des Schussloches eine Schraube in das erlegte Tier.

    Andererseits, und dazu gibt es eine gesicherte Fundlage, (und einen Historikerstreit) haben die Eskimos seit langer Zeit schon Pfeil und Pfeilspitze miteinander verschraubt.
    Der Pfeil musste zum Transport des erlegten Tieres nicht abgebrochen werden, sondern wurde abgeschraubt, und bleibt damit wiederverwendbar.
    In Gegenden mit geringen Ressourcen ein wichtiger Punkt..
     
  13. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Gibt es davon im www gute Bilder?
    Auch dabei kann ich mir vorstellen dass es sich um besagte "Treibschrauben" gehandelt haben muß, man kann ja immer irgendetwas wie Rinde etc. hineindrücken dass dann wie ein Dübel wirkt.
    Ich kann mir nicht vorstellen dass die Eskimos mit einfachen Werkzeugen Gewinde in Bohrungen geschnitten haben, wer das schon selbst gemacht hat weiß dass so etwas ein gewisses Maß an Genauigkeit erfordert.
    Bei kurzen Muttern ist das dann doch ein wenig einfacher, oder man nimmt einfach ein weicheres Material für die Mutter.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Nicht dass ich wüsste.
    Wie geschrieben, vor rund 4 Jahrzehnten hat mein damaliger Physiklehrer davon erzählt.
    Ein Rätsel der Technikgeschichte.
    Meine Frage hier resultierte aus der Überlegung, ob die Wissenschaft in dem Punkt weitergekommen ist.
    Nachdem ich zuerst gar nichts, mit "Eskimo" wenig ergoogeln konnte.


    Da hast Du sehr recht.
    Mit Augenmaß und Feile ein Gewinde in ein zuvor gerundetes Werkstück einbringen, dann das Gegenstück in ein zuvor ausgebohrtes Werkstück einbringen, dürfte wohl zum Schwierigsten gehören, was man sich so landläufig vorstellen kann.
    Aber Polarnächte sind lang.......

    Was ich damit sagen möchte, Techniktransfer geht manchmal seltsame Wege
     
  15. Sindri

    Sindri Neues Mitglied

    Ein echt interessantes Thema :O)
    Das Die Schraube auch bei den Inuit schon früh benutzt worden sein soll, war mir bis jetzt gänzlich unbekannt.

    Interessantes Buch für das Thema
    Ausstellungskatalog: Die Schraube zwischen Macht und Pracht, Das Gewinde in der Antike, Sigmaringen 1995.
    bezieht sich wie der Name schon sagt auf die antiken "Kulturvölker"

    dazu aus der Literaturliste: F. M. Feldhaus, Die Technik der Vorzeit, der geschichtlichen Zeit und der Natürvölker (1914, 2. Aufl. München 1965) Zur Schraube S. 981ff.

    keine Ahnung, ob da auch die Inuit mit erwähnt werden...
     
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  16. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wie gesagt, es gab darüber, ob die Eskimos die Schraube jetzt "selbst erfunden" haben, oder zuvor irgendwo sahen, so um 1910 einen "Historikerstreit", aber mehr konnte ich bisher nicht in Erfahrung bringen.

    Allerdings bringst Du mich da auf eine Idee. Danke.
    Ist der 1995er Ausstellungskatalog bei Thorbecke erschienen?
     
  17. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Ich habe ne Enzyklopädie neueren Datums zur aussereuropäischen Geschichte der Naturwissenschaft und Medizin.
    Ich schaue mal nach.
     
  18. lynxxx

    lynxxx Neues Mitglied

    Also ich habe mal nach dem Stichwort "Screw" in diesem Buch gesucht:
    HELAINE SELIN (Hrsg.): Encyclopaedia of the History of Science, Technology, and Medicine in Non-Western Cultures. 2008:

    Einzig Interessantes war dieses hier, aber leider nix zu deinem Thema:
    "The Archimedean screw, invented by Archimedes during the 3rd century BC, uses a helix placed at a 45-degree angle within a tube to raise water when rotated. Despite these developments, as well as the invention of drip and sprinkler irrigation much more recently, floodwater farming continues to be a highly effective method of irrigation where topographic conditions are suitable. It was heavily utilized by the Hohokam of the Sonoran Desert in south Central Arizona, between AD 200 and 1450 to support large communities in an area of low rainfall."


    Vielleicht haste ja noch andere Stichwörter, nach dem man gezielter suchen könnte? Oder eine einzige "Erfindung" wie eine Schraube, ist trotz 2000 Seiten nicht relevant genug? Oder die Inuit werden inzwischen nicht mehr als solche gehalten? Jedenfalls steht schon so einiges zu den Inuit, zur Bekleidungstechnologie z.B. und wenn nix besonderes zu einer Schraube da steht, kann es vielleicht schon ein Indiz sein? Ein Indiz, dass der "Historikerstreit" inzwischen irrelevant ist?
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2010
    1 Person gefällt das.
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Mit "Inuit" kommst Du nicht weit.
    Google unter Eskimo. Dann findste was.:D


    Spässecken?
    Frei nach der Formel: "Ich habe noch nie was davon gehört, gibt es also nicht":devil:

    Ich habe mich mit dem Thema, nicht nur Schrauben, überhaupt Technikhistorie, in letzter Zeit etwas intensiver auseinandergesetzt.
    Da schreibt zB Graf Oxenstierna, verwunderlich wäre nicht, was alles "erfunden wurde", viel verwunderlicher wäre, "was alles nicht erfunden wurde". Und er setzt dann das bekannte Beispiel "Rad im präkolumbischen Amerika" in eine Reihe mit vielen anderem aus anderen Kulturkreisen.
    Gab mir zu denken.


    Edit:
    Es geht hier nicht um die archimedische Schraube, Verwendung des Prinzips Schraube bei Weinkeltern usw.
    sondern um das Prinzip "Schraube-Mutter" als wieder lösbare Befestigung.
    Erste nachgewiesene Verwendung von gotischen Silberschmieden der Völkerwanderungszeit,
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Juli 2010
    1 Person gefällt das.
  20. Sindri

    Sindri Neues Mitglied

    @Repo ja is Thorbeke:winke:
     

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