Investiturstreit als Krise der Gesamtkirche

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Gregorius28, 16. März 2012.

  1. Gregorius28

    Gregorius28 Neues Mitglied

    Inwieweit kann man sagen bzw. an welchen Punkten festmachen, dass die Kirchengemeinschaft aufgrund des Investiturstreites in eine Krise geraten ist ?
    Gab es dadurch gravierende Abspaltungen innerhalb der Kirche oder wurde die Abschaffung der Simonie und Laieninvestitur von allen Seiten der Kirche gebilligt ?
    Kennt sich hier irgendjemand mit diesem Thema aus ??? Wäre sehr hilfreich wenn ja;)
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es war auch eine Frage, mit wem man es zu tun hatte. Dieselben Reformpäpste, die dem Kaiser das Recht der Investitur streitig machten, ließen die genauso agierenden Normannen in Süditalien gewähren, weil diese zumindest offiziell Vasallen der Päpste waren. Mag sein, dass das auch den Grund hatte, sich die eigene militärische Hausmacht nicht zu vergrätzen und dass man hier die Durchsetzung des alleinigen Investiturrechts für einen späteren Zeitpunkt vorbehielt, aber zumindest als inkonsequent kann man das bezeichnen. Von Abspaltungen aufgrund des Investiturstreits wüsste ich nichts, das Morgenländische Schisma - also die endgültige Abspaltung der orthodoxen und der katholischen Kirche voneinander - hatte etwa 2 Jahrzehnte zuvor stattgefunden.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Die "Kirchengemeinschaft" ist durch den Investiturstreit insofern in eine Krise geraten, als sich für viele Bischöfe durch sie Loyalitätsprobleme ergaben: Die Bischöfe des HRR mussten sich zwischen der kaiserlichen und der päpstlichen Seite entscheiden, obwohl sie grundsätzlich Kaiser und Papst verpflichtet waren. Eine Krise der Kirchengemeinschaft stellte aber natürlich auch die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste (sowie Gegenbischöfe) in den Jahren des Investiturstreits dar. Das Problem beschränkte sich schließlich nicht darauf, dass die katholische Kirche plötzlich zwei Oberhäupter hatte. Da die Kirche als Mittlerin zwischen Gott und den Menschen angesehen wurde und der Papst als Stellvertreter Gottes auf Erden, war es für das Seelenheil von eminenter Bedeutung, dass man dem "richtigen" Papst mitsamt seinen Bischöfen etc. folgte, da nur die Sakramente seiner Priester wirksam wären.
     

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