Italien / Venedig im 18. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Leopard, 3. August 2008.

  1. Leopard

    Leopard Neues Mitglied

    Hallo:winke:
    Ich bin noch neu hier, sozusagen ein "Frischling":) und habe schon eine Frage:
    Lange Zeit habe ich im Internet verbracht um zu diesem Thema etwas Gescheites zu finden, doch nirgendwo sind die gebrauchten und vor allem nützlichen Informationen.
    Ich interessiere mich für das Venedig im 18. Jahrhundert. Genauer gesagt so um das Jahr 1750. Politische Themen stehen überall, doch nirgends kann ich etwas über den Alltag und das Leben der Venezianer/innen finden. Da 1750 zum Rokoko gehört habe ich einige Dinge über den Rokoko herausgesucht, doch dessen Zentrum ist mehr in Frankreich. Jetzt weiss ich nicht, ob es in Italien gleich war wie bei den Franzosen oder nicht.
    Ich hoffe jemand kann mit helfen über diese Themen etwas herauszufinden.

    Merci schon im voraus
    :winke:
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Vielleicht hilft dir dieses Buch (ich kenn es leider nicht) weiter:

    Amazon.de: Venedig. Recht, Kultur und Leben in der Republik 697 - 1797: Kurt Heller: Bücher

     
  3. Leopard

    Leopard Neues Mitglied

    Danke für die schnelle Antwort, ich werde mich mal nach diesem Buch umsehen. :-D
     
  4. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Ein wundervolles Thema! :schlau:

    Da Venedig seine Macht als See- und Handelsmacht seit dem 15. Jahrunhundert immer weiter verlor, sank auch sein Ansehen als politisch starke Macht und war kein Vorbild für andere europäische Mächte mehr.
    Im Gegenteil, man verspottete teilweise die Machtlosigkeit des Dogen.
    Die Einnahmen Venedigs beriefen sich im 18.Jh. vordergründig auf die Produktion von Luxusgütern. Als Beispiele etwa Murano-Glas, Schmuck oder Spiegel.
    Da der Rokoko als Hochphase des Barock eher im kulturellen bis künstlerisch, architektonischen Genre zu finden ist, hatte vorwiegend auch nur der Adel, in Venedig die Nobili, "Zugang" zu einem Leben, wie auf einer riesigen Theaterbühne.
    Die Herrschaften Venedigs nahmen sich Frankreich als Vorbild, um wie sie die Vorzüge des Spätbarocks zu geniessen.
    Antonio Vivaldi hatte alle Mühe die Forderungen seines Publikums zu befriedigen und komponierte eine wundervolle Oper nach der Anderen.
    Sein Dichterkollege Carlo Goldoni schrieb über hundert Komödien.
    Der Karnevall wird immer prunkvoller und selbst zu den feierlichsten Anlässen nimmt man die Masken nicht ab.
    Auch das nicht so gut betuchte Volk konnte sich an aufgeführten Komödien und ebenso an dem Karnevall erfreuen und erhielt einen, wenn auch sehr geringen, Anteil an dieser theatralischen, wie ich finde interessantesten, Epoche.
    Doch man darf nicht vergessen, dass diese auch sehr dunkle Schattenseiten hatte. So mussten vor allem die Armen auf ein gutes Leben verzichten und für die kleine Oberschicht ihr Leben lang schuften.
    Kriminalität ist nicht von der Hand zu weisen, egal in welcher Gesellschaftsschicht man sich befand.

    Venedig war eine weitere glänzende Stätte Europas, wie so viele, doch nur für Adel und Patrizier - bis das Blatt sich wendete; für Venedig 1797 mit der Abdankung des letzten Dogen.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich würde zu einem Einblick in das Leben in Venedig die Reiseberichte von Engländern, die auf ihrer Grand Tour Venedig besuchten empfehlen. Teilweise sind diese Berichte natürlich etwas verzerrend, wenn sich die Durchreisenden von üblen Gerüchten oder dergleichen ihre Meinung beeinflussen ließen, aber da dürfte es zumindest etwas veröffentlichtes geben.
    Die Homepage klingt schonmal interessant: Venice in the Eighteenth Century | Thematic Essay | Timeline of Art History | The Metropolitan Museum of Art
    Eines der berühmtesten Werke, welche einen Einblick in das Leben in Venedig liefert ist freilich Giacomo Casanovas "Histoire de ma vie", welches sein Leben um die Mitte des 18.Jh. in Venedig beschreibt.

    Noch bis in die erste Hälfte des 18.Jh. scheint Venedig noch ein gewisses militärisches Potenzial gehabt zu haben. Im Frieden von Karlowitz von 1699 wurden die venezianischen (Rück-)Eroberungen in der Morea während des vorrangegangenen Krieges bestätigt. Bis zum Frieden von Passarowitz 1718 waren jedoch die Gebiete der Morea wieder an die Osmanen verloren gegangen. Späterhin hielt sich Venedig aus den großen europäischen Konflikten herraus, wie Venedig trotz einiger Neutralitätsverletzungen im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges schon vorher bemüht gewesen war, sich nicht in einen Krieg gegen die größeren Festlandsmächte hinein ziehen zu lassen.
    Ansonsten wurde schon das Wichtigste gesagt. Lange Zeit blieb Venedig ein bedeutender Magnet für Besucher. Das lag natürlich an dem nach wie vor anhaltenden kulturellen Wert der Stadt und ihrer Künstler. Die beiden berühmten Canalettos (Antonio Canal und Bernardo Bellotto), ebenso wie Francesco Guardi waren Kinder der Stadt, nicht zu vergessen die Tiepolos...
    Allerdings litt Venedig unter dem Bedeutungsverlust des Levantehandels wie viele italienische Stadtstaaten (man denke an Genuas Verlust Korsikas 1768).

    Ich denke, das Selbstverständnis des italienischen Adels war ähnlich wie in den anderen Staaten der Mitte des 18.Jh.. Die bedeutensten Familien der Stadt genossen freilich gewisse Privilegien, die eine lange Tradition hatten (zum Vergl. könnte man vielleicht schauen, welche Privilegien der Adel bestimmter Provinzen in Frankreich hatte).
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. August 2008
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Vielen Dank für den Link und den guten Beitrag, ich weiß schon, weshalb ich das Bewertungssystem vermisse!

    Dazu nur eine Anmerkung: Venedig galt Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts immer noch als führend im Bau von Kriegsgaleeren. So wollte Peter I. in Venedig den Galeerenbau erlernen und dort ein Bündnis gegen die Türken zu schließen. Leider wurde daraus nichts, denn auf die Nachricht vom Aufstand der Strelitzen musste Peter heimkehren. Er bewies dann allerdings im Nordischen Krieg, dass galeeren immer noch sehr wirkungsvoll sein konnten, denn mit vielen kleinen Galeeren vertrieb er die Schweden vom Ladogasee, und in späteren Jahren verheerten mit Galeeren an Land gesetzte Soldaten die schwedische Küste.
     

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