Joachim Peiper

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Goldkrone, 23. Mai 2016.

  1. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Hallo, :winke:

    in letzter Zeit habe ich mich mit den frühen Vorgängern der Waffen-SS auseinandergesetzt und da kommt man um die Leibstandarte und ihre "markantesten" Köpfe Sepp Dietrich und Jochen Peiper nicht rum.

    Über letzteren hatte ich schon im Zusammenhang mit dem Massaker von Malmédy gelesen und ich muss gestehen, irgendwie hat der Mann eine gewisse Faszination auf mich ausgeübt, vor allem weil ihn nach wie vor die einen -wohl zurecht- verdammen, die anderen (natürlich eher revisionistisch angehauchten) ihn verehren wie kaum einen zweiten NS-Prominenten, außer vielleicht Rudolf Heß.

    Dann habe ich mir die Prozessmitschnitte angesehen, wollte wissen, wie er sich da gegeben hat und wie er persönlich wirkte.

    Aber irgendwie war das auch nicht aufschlussreich.

    Deswegen würde ich euch darum bitten, mir Literaturtipps bzw vielleicht noch besser eigenes Wissen über Peipers Person zu geben, also Peiper abseits von seiner SS-Funktion. Was war er für eine Persönlichkeit?
    Ich weiß, dass das relativ speziell ist, aber hier gibt's ja Spezialisten für alles... :D

    Gruß
    Goldkrone
     
  2. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Westemeiers Bio von Peiper (die neue Ausgabe, nicht die ältere Publikation) ist Stand der Dinge und zu empfehlen.

    Parkers neuere Bio ist mit Vorsicht zu genießen, in Teilen häufig anzutreffende verklärende US-Perspektive, wie an reichlich Unsinn abzulesen ist, der die Zeit 1939/45 militärisch betrifft. Parker hatte aber wohl Zugang zur Familie, was persönliche Details anreichert, und auch wohl mit Westemeier Kontakt (was nun nicht das schlechteste Zeichen ist), zitiert andererseits übleste Peiper-Literatur.

    Was genau interessiert an Peipers Person, der frühen NS-Karriere des 18jährigen Pferdenarrs, den frühen Kontakten mit Hauser, Dietrich&Co in Berlin, mit Eicke in Dachau, dem SS-Junkerschüler oder strammen SS-"Bodyguard" für deutsche Olympiateilnehmerinnen, Adjudanten Himmlers, seiner militärischen Laufbahn mit der Waffen-SS-typischen krassen Diskrepanz zwischen ordinären Ereignissen und Überhäufungen mit Orden und Beförderungen, den Kriegsverbrechen, der Nachkriegskarriere bzw. an generell dem Mythos Peiper?
     
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  3. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Hallo silesia,

    erstmal Danke für deine Rückmeldung und den Buchtipp. :yes: Hab' ich auch mal 'nen Grünen für gegeben. ;)

    Ich bin eben ein Laie und habe deshalb auch nur begrenzte Kenntnisse über Peipers Lebenslauf (was eben auf Wikipedia steht und in Dokumentationen so erzählt wird) und das ist doch recht dürftig. Das Peiper mit Theodor Eicke Kontakt hatte, war mir zum Beispiel gar nicht bekannt. :red:

    Also habe ich das von dir vorgeschlagene Buch mal durchs Google gejagt und ich muss gestehen, bei 99 (in Worten neunundneunzig) Euro für ein Buch bin ich erstmal vom Hocker gefallen. :S

    Es hätte mir wahrscheinlich klar sein müssen, dass bei guter Fachliteratur der Preis proportional zur Ausgefallenheit des Themas steigt, aber 99 Euro sind mir echt ein bisschen viel. Außerdem hat das Buch sehr widersprüchliche Rezensionen, die einen halten es für super genial und die anderen schreiben davon, dass es tendenziös geschrieben sei und an Fakten gegenüber der Ausgabe von 1998 nicht nachlegen konnte.:grübel:

    Deshalb wie gesagt - wohl leider zunächst nichts für mich.

    Trotzdem Danke!

    Gruß
    Goldkrone
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Über Fernleihe mit der örtlichen Biblioek kommst Du da einfach und günstig dran.

    Substantielle Kritik sehe ich da bei Westemeier nicht. Der junge Peiper ist für das Verständnis des dann 28-jährigen Kommandeurs des PzR der LSSAH als Kontext unabdingbar. Für die Person und ihre Beschreibung ist es auch nebensächlich, ob Peiper im Dez. 1943 das Regiment verheizt hat oder nicht. Natürlich wird von den Peiper-Fans im Netz* jede Faktenangabe aufgegriffen. Für die Beurteilung des Person Peipers ist das alles irrelevant, aber Westemeier hat sich mit solchen einzelnen Erörterungen natürlich keinen Gefallen getan und wird für solche einzelnen "Stellen" in der Bio angegriffen.**


    *Unbegreifbar, was es da neben Literatur alles gibt, von 1:16 Peiper-Bausatzfiguren bis hin zu Peiper-"Kampagnen" in PC-Spielen. Daneben basiert die militärische "Bewunderung" gerade in der US-Szene wesentlich auf der Normandie und dem Mythos Ardennen (inkl. Kriegsverbrechen). Der Peiper 1940/42 ist wenig aufregend, ein gewöhnlicher Zug- und Kompanieführer wie tausende andere. Völlig blank, über die Massaker der LSSAH in Tangarog iVm der Einsatzgruppe D) wird bspw. nichts berichtet. Richtig los ging es erst nach nach der Neuformierung mit Charkow 1943. Was bei Peiper dazu führte, "für nichts" zB neben Rommel als Schwerterträger geführt zu werden.

    **im Netz, zB im AHF. Expertise in der Szene heißt dann nachzukramen, ob im Dorf Jaroblonskikrasnowerskschissnodarsk, angepinnt mit GoogleMaps, :D 2 oder 3 Panther =) auf Minen gelaufen oder von T34 gerammt worden sind - nuts-and-nails-Militaria im Wohnzimmer eben.:S
     
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  5. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    @silesia
    Ist zwar schon etwas älter, aber welche Veröffentlichung Westemeiers zum Thema Peiper würdest du präferieren?
    Die Dissertation von 2009; (überarbeitet) 2014 veröffentlicht, oder die 2. durchgesehene und veränderte Auflage der Biographie von 2006?
     
  6. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    Ich möchte die obige Bitte dahingehend einschränken dass ich Peiper wohl mehr Wichtigkeit zugemessen habe als ihm tatsächlich zukommt. Möglicherweise ist aber die Betrachtung seines Werdeganges und die spätere Legendenbildung (nach dem 2. WK) von Interesse hinsichtlich der wirkenden Mechanismen.
    Allerdings bin ich bei der Beschäftigung mit dem Thema auf Werner Best gestoßen.
    Gibt es hier empfehlenswerte Literatur (außer Herbert)?
    Besonders interessiert mich hier seine Zeit beim RSHA; seine Rolle als "Muster-NS-Intellektueller".
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Nein, das Buch von Herbert ist wohl die Referenz zu Best.
    vgl. #22 (Link)

    https://www.geschichtsforum.de/them...rechten-in-der-weimarer-republik.52652/page-2

    Es werden noch ein paar andere "interessante" Protagonisten" vorgestellt, wie "Franz Pfeffer von Salomon"
     
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  8. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    Ich sage an der Stelle schon mal Danke, thanepower.
    Wenn das dann der allgemeine Konsens zu Best ist erübrigen sich wohl weitere Beiträge.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das interessante an Herbert`s Darstellung war ja, dass nachdem die erste Reihe des NS-Personals historisch bereits relativ ausführlich dargestellt wurde, wie letztens Brechtkens "Speer"-Buch, auch die zweite oder dritte Reihe der Generation des "Unbedingten" - vor allem im Umfeld des RSHA - wichtig ist für das Verständnis des NS-Systems.
     
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  10. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    Zu Best habe ich bisher nur den Wiki-Artikel gelesen. Dabei war ich sehr überrascht Textpassagen seiner Arbeiten zu lesen, die mir im Duktus doch sehr bekannt, weil momentan in bestimmten Kreisen anscheinend wieder en vogue, erscheinen.
     
  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Das ist nicht verwunderlich. Zu erinnern sei an Mohler, der nach 1945 ausgesprochen einflussreich war und ein wichtiger Referenzpunkt für die Restrukturierung der "Neuen - alten - Rechte" im Rahmen der an Moeller van den Bruck angelehnten "Konservativen Revolution" für Deutschland ist.

    Ob Best nach 45 direkten Zugang zu ihm - via Stinnes bzw. Siemens Stiftung - hatte, weiss ich nicht.

    In diesem historischen Kontext werden seit dem Erstarken der neuen völkisch-nationalistischen Rechten viele ideologische Versatzstücke aus der NS-Phase reaktiviert, wie bei Weiss - und anderen - beschrieben.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Armin_Mohler#Politik

    https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Friedrich_von_Siemens_Stiftung

    Fuchs, Christian; Middelhoff, Paul (2019): Das Netzwerk der neuen Rechten. Wer sie lenkt, wer sie finanziert und wie sie die Gesellschaft verändern. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch.
    Mohler, Armin; Weissmann, Karlheinz (2005): Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch. 6., völlig überarb. und erw. Aufl. Graz: Ares-Verl.
    Weiss, Volker (2017): Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes. Stuttgart: Klett-Cotta.
     
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  12. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    Auch hier: Danke.
    Je mehr ich lese desto mehr bin ich erschrocken wie weit die Wurzeln Neu-Völkischen, Neu-Rechten Denkens reichen.
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Die umfangreichere Publikation "Himmler's Krieger" von 2014, siehe #2.
    Ich habe allerdings auch die Publikation von 1996. Auch weil hier der Biblio-Verlag engagiert war, wurden Westemeier wohl prima vista Glorifizierungen unterstellt.
     
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  14. Valmy

    Valmy Neues Mitglied

    Danke.
    Den Herbert bekomme ich in den nächsten Tagen nach Hause, den Westemeier bei Bedarf aus der Biblio.
     

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