Johannes Gensfleisch zu laden, genannt Gutenberg

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von florian17160, 15. Juli 2004.

  1. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Johannes Gensfleisch zur Laden, genannt Gutenberg


    ...ist der Geburtsname eines Mainzers, der als Gutenberg weltberühmt wurde. Er gilt - zu Recht - als Erfinder des Buchdrucks, genauer des Mobil-Lettern-Drucks. Eine Erfindung die, die Welt verändern sollte.
    Aurea Maguncia, als Goldenes Mainz, so prosaisch wurde die Geburtsstadt des großen Erfinders bezeichnet und mit weiteren Attributen wie 'Metropole der Städte', 'Haupt Galliens und Germaniens', 'Herrin der Völker', oder 'Diadem des Reiches' geschmückt. Mit über zwanzigtausend Einwohnern gehörte Mainz damals zu den einwohnerreichsten Städten Deutschlands, allerdings zählte die Bevölkerung zu den Zeiten des Johannes Gutenberg nur noch einige Tausend; Schuld war die Pest, aber auch der wirtschaftliche Niedergang der Stadt.
    Das Bild Gutenbergs in der Öffentlichkeit wird beherrscht durch einen konstruierten Mythos: Gutenberg sei ein genialer Künstler gewesen, allerdings wirtschaftlich unbedarft, ein Bankrotteur, der durch böse Absicht einiger Mitmenschen mittellos verstarb. Die moderne Geschichtswissenschaft hat dieses Bild gründlich revidiert. So begibt sich dieser Beitrag auf die Suche nach dem wahren Gutenberg.

    Seine Eltern waren Friele Gensfleisch 'zur Laden' und Else Weirich 'zum steineren Krame'. Das Geburtshaus des Erfinders, nach dem er dann benannt wurde, hieß 'Hof zum Gutenberg'. Eine der ältesten Erwähnungen Gutenbergs in den Akten des Magistrats geht auf das Jahr 1428 zurück. In September 1428 zog nämlich Gutenberg mit anderen Patriziern 'aus der Stadt aus'. Grund war ein Streit um Geld, genauer um Pfründe, die den Patriziern von der Stadt vorenthalten wurden. 1430 erfolgte die 'Rachtung', die Aussöhnung der Patrizier mit der Stadt und die Rückkehr derselben nach Mainz. Der Handel mit Tüchern begründete den Wohlstand und den hohen sozialen Stand der Gutenbergschen Patrizierfamilie. Sie sicherten sich das Hof-, Lehns- und Schwertrecht zu; übten sich an der Waffe, in der Literatur und in der Minne.

    Es ist nicht mehr sicher zu klären, warum der aus Mainz ausgefahrene Gutenberg, der spätere Erfinder des 'künstlichen Schreibens', nach Straßburg ging. Mainz und Straßburg waren allerdings zur damaligen Zeit wirtschaftlich eng miteinander verbunden. Wahrscheinlich hoffte der Patriziersohn auf Aufnahme als ehrenhafte Persönlichkeit. Am 14.März 1434 bezeugte Gutenberg in Straßburg urkundlich, daß ihm die Stadt Mainz Zinsen schuldig geblieben sei, die aus Rentenansprüchen datierten. Daraufhin nahm Gutenberg den Mainzer Stadtschreiber Nicolaus von Werstad eigenhändig in Haft, der sich in Straßburg aufhielt. Der Stadtschreiber schwor daraufhin, dreihundertzehn Rheinische Gulden bringen zu lassen und der Straßburger Rat zwang Gutenberg, den Stadtschreiber wieder in die Freiheit zu entlassen.
    Am 30.Mai 1434 wurde Gutenberg die jährliche Leibrente seines Bruders Friele zugeschrieben, reduziert von vierzehn auf zwölf Gulden. 1436 erscheint ein Eintrag im Mainzer Rechnungsbuch, wonach Gutenberg eine Summe von fünfunddreißig Gulden erhielt. Wahrscheinlich ein pauschaler Abschlag für die noch offen stehenden Forderungen gegen die Stadt Mainz. Zudem ist in dem Rechnungsbuch eine Erbschaft einer Leibrente in Höhe von zehn Goldgulden verzeichnet, vom Richter Johannes Vitzthum, ein Verwandter Gutenbergs.

    Ein Eheversprechen will 1437 eine Ennelin zu der Iserin Tür in Straßburg von Gutenberg einklagen, respektive die Umsetzung desselben. Gutenberg und die Iserin hatten wohl zusammen gelebt und Tisch und Bett geteilt.
    Vor dem erzbischöflichen Gericht wurde gegen Gutenberg wegen des nicht eingehaltenen Eheversprechens verhandelt. Dabei fungierte der Schuhmacher Claus Schott, genannt "Schottenlawel", als Zeuge für die Klägerin Ennelin zur Iserin Tür. Gutenberg beschimpfte diesen Claus Schott in der Öffentlichkeit aufs übelste. Dieser wurde Nebenkläger und erstritt 15 Rheinische Gulden für die erlittenen Beleidigungen von Gutenberg.
    Es ist heute nicht mehr zu klären, ob die Iserin ihren Rechtsanspruch durchsetzen konnte. Eine Ennelin Gutenberg in Straßburg wird später dokumentarisch bezeugt, es ist aber sehr zweifelhaft, ob es sich dabei um die Iserin handelte.

    Gutenberg wohnte nicht innerhalb der Stadtmauern, die ja auch einen erheblichen Schutz bedeuteten, sondern in dem kleinen Vorort Sankt Arbogast. Belegt sind umfangreiche Weinlieferungen an Gutenberg, sowie die Existenz eines Dieners namens Lorentz Beldeck, welcher verheiratet war. Dokumente bezeugen die Tätigkeit Gutenbergs als Edelsteinschleifer und Lehrherrn eines Andres Dritzehen. 1436 gab er dem Goldschmied Hans Dünne hundert Gulden für die Erstellung einer Presse oder Prägevorrichtung. Eine neue Presse gab er dann 1438 bei Conrad Saspach in Auftrag. Jetzt konnte das kommerzielle Geschäft beginnen, die Herstellung von 'Spiegeln'. Diese Spiegel waren Devotionalien. Zu bestimmten Zeiten nämlich holte die Kirche damals Reliquien aus ihrer Aufbewahrung um sie öffentlich zu zeigen. Die Wallfahrer kauften dann diese Spiegel, damit sich die Reliquien und ihre angenommenen spirituellen Wirkungen darin spiegelten, respektive transportfähig wurden.
    Die Pressen dienten zur maschinellen Großproduktion dieser etwa handtellergroßen Spiegel für die nächste Fernzeigung in Aachen.
    Der Priester Anthonie Heilman bekam Wind von dem Projekt und bat Gutenberg darum, seinen Bruder Andres Heilmann an dem Geschäft teilhaben zu lassen. Gutenberg bekam von den beiden Andres je 80 Gulden Einsatz. Es wurde vereinbart, daß der Meister die Hälfte des Gewinns einstreichen dürfte.
    Der Vogt Hans Rinne sollte ein Viertel, die beiden Andres je ein Achtel erhalten. Der Zeuge Mudart Stocker beschreibt die geheimen Vorbereitungen. Es kam zur Gründung einer Gesellschaft; die beiden Andres verpflichteten sich zur Zahlung weiterer hundertfünfundzwanzig Gulden. Doch der 'Spiegelmacher', Drucker und Lehrling Andres Dritzehen erkrankt an der Pest, bevor er die letzte Rate von 10 Gulden zahlen kann. Er stirbt im Beisein von Stocker und dem Leutpriester Peter Eckhart, bezeugend, sein ganzes Geld in das gemeinsame Unternehmen gesteckt zu haben. Seine Brüder Claus und Jerge Dritzehen strengten nun einen Prozeß vor dem Straßburger Rat gegen Gutenberg an, der sich weigerte, sie ins Geschäft, anstelle ihres Bruders aufzunehmen.
    Da es damals keinen Urheberschutz gab, unternahm Gutenberg zahlreiche Anstrengungen, seine Presse geheim zu halten. Aus Interessenklüngelei des Richters Claus Böschwiler, der die Zeugen vernahm und der Finanzgröße Fridel von Seckingen, der eine Beteiligung an dem Unternehmen Gutenbergs als Geldverleiher hatte, wurde der Darstellung Gutenbergs stattgegeben. So mußten die zwei Brüder zusätzlich noch fünfzehn Gulden an Gutenberg, als ausstehendes Lehrgeld für Andres Dritzehen zahlen.

    Interessanterweise war Gutenberg während seiner Straßburger Zeit gleichzeitig als Patrizier und Zünftler, also zweier konkurrierender Klassen eingereiht.
    Unter der Bürgschaft von Martin Brechter eines Straßburger Bürgers lieh er sich am 17.November.1442 eine Summe von achtzig Denaren, verzinslich zu fünf Prozent jährlich. Als Sicherheit verpfändete er die ererbte Leibrente seines Stiefonkels Johannes Leheymer. Gutenbergs neues Unterfangen, der Buchdruck, muß für damalige Verhältnisse die Unsumme mehrerer hunderttausend Mark verschlungen haben.
    Im Frühjahr 1444 verläßt er Straßburg, wahrscheinlich unter dem Druck kriegerische Ereignisse. Bis zum Oktober 1448 muß er dann nach Mainz zurückgekehrt sein, denn am 16. Oktober nahm er eine Anleihe von hundertfünfzig Gulden auf. Als Schuldner für Gutenberg zeichnet Arnolt Gelthus, der den Kredit bei Reynhart Brumszer und Henchin Rodenstein aufnahm. Zur Zeit Gutenbergs hatte die Nachfrage, also der Bedarf, an Büchern vor allem aus dem Bürgertum stark zugenommen. Bis zum 'künstlichen Schreiben', also der maschinellen Bucherstellung, wurden alle Bücher handschriftlich in mühsamer Arbeit von Kopisten von den Originalen abgeschrieben. Gutenberg wußte, daß er eine Schlüsseltechnologie in den Händen hielt.
    Am 22.Oktober 1454 wird der erste Druck mittels dem neuen, von Gutenberg erfundenen, Mobilletterndruckverfahren, der sogenannte einunddreißigzeilige Ablaßbrief, erstellt.

    Der Mainzer Bürger Johannes Fust wird neuer Partner und Bürge, respektive Kreditgeber für Gutenbergs Bibeldruck-Unternehmen. Der 14.August 1457 wird zum Erscheinungsdatum des ersten gedruckten Buchs, des 'Mainzer Psalter'.

    Fust mußte sich hinsichtlich ihres gemeinsamen Unterfangens irgendwann von Gutenberg hintergangen gefühlt haben, so daß es darüber zum Streit kam, der schließlich vor Gericht endete. Gutenberg hatte seinen inzwischen gut funktionierenden Druckereibetrieb teilweise für die eigene Kasse arbeiten lassen. Die eigentliche Vereinbarung lief auf den Druck der zweiundvierzigzeiligen Gutenberg-Bibel. Gutenberg hatte aber auch andere Drucksachen in der gemeinsamen Druckwerkstatt angefertigt, die er auf eigene Rechnung vertrieb.
    Am 6. November 1455 im Barfüßerkloster in Mainz kam es zu dem Prozeß mit den anwesenden Zeugen Jakob Fust, Johann Kist, Johann Kumoff, Johann Yseneck, Johannis Bonne, Peter Granß und ein Peter Girnssheim, besser bekannt als Peter Schöffer. Der Ausgang des Mainzer Gerichtsprozesses, welcher als 'Helmaspergersches Notariatsinstrument' aktenkundig wurde, zwang Gutenberg zu einer Zahlung von 1250 Gulden, allerdings behielt er seine Werkstatt und die Druckerzeugnisse. Gutenberg konnte diesen Betrag zahlen, da er bereits gut saturiert war. Der Wert des gesellschaftlichen Eigentums betrug mehr als 6000 Gulden und Gutenbergs Anteil machte reichlich 3000 Gulden aus. Der Geschäftsmann Gutenberg hatte es innerhalb weniger Jahre geschafft, quasi aus dem Nichts eine Anhäufung von Kapital zu erwirtschaften. Eine enorme unternehmerische Leistung.
    Gutenberg hatte durch seine Geschäftsverbindung mit Fust nichts verloren, sondern im Gegenteil Geld und Kapital, nämlich die Druckerei-Einrichtung, erworben. Gutenberg hat in seiner Heimatstadt Mainz, möglicherweise getrieben durch seinen unsicheren adeligen Stand, durch seine Erfindung seine Interessen glänzend vertreten.

    Der Bibeldruck, den ein Piccolomini am 12.März 1455 mit dem Hinweis auf Augenzeugen dokumentierte, die angeblich bereits hundertachtzig fertige Bücher gesehen haben wollten, war vollendet. Dazu gab es fest entschlossene Käufer, bzw. weil alle Bibeln bereits verkauft waren, konnte selbiger Piccolomini keine mehr erwerben.

    Das Mainzer Domkapitel wählte nach dem Tod Dietrich I. am 18.Juni 1459 den Grafen Diether von Isenburg zum neuen Erzbischof, einen Papstgegner. Es kommt zum Krieg mit dem Kurfürsten Friedrich von der Pfalz.
    In der Dunkelheit des frühen Morgens am 27.Oktober 1462 erkletterte ein geschickter 'Steiger' die Stadtmauer im Bereich der Gaupforte und bahnte so den Weg für weitere Soldaten des Adolf von Nassau. Nach schlimmen Kämpfen konnten die Truppen des Nassauers die Stadt erobern. Es kommt zur Bestallung Gutenbergs zum Hofmann nach dem Mainzer Stiftsstreit.

    Der siegreiche Adolf von Nassau erklärt öffentlich, daß Gutenberg zu seinem Diener bestimmt und in sein Hofgesinde aufgenommen werde; er solle einmal im Jahr die Kleidung für Edelleute erhalten, außerdem zwanzig Malter Getreide und zwei Fuder Wein, die ihm steuerfrei nach Mainz geliefert würden und die er nicht weiterverkaufen dürfe; auch sei er von jeglichen Hofdiensten befreit.
    Der Junker Johannes Gutenberg, der bereits über sechzig Jahre alt war, konnte sich nun in der Bestallung als Hofmann ausruhen, die ihm einen ausgezeichneten Unterhalt, gesellschaftliches Ansehen und einen geruhsamen Lebensabend garantierte. In jedem Fall traf Gutenberg am Ende seines Lebens Sorge, fromm und lauter vor seinen Herrgott zu treten, wie dies seine Aufnahme in die Bruderschaft des Sankt-Viktor-Stifts zeigt.

    In einem Buch aus der Offizin Peter Schöffers findet sich die handschriftliche Notiz des Todestages Gutenbergs, es ist der 3.Februar 1468. Es ist eine Urkunde überliefert, die bestimmte Teile seiner Hinterlassenschaft aufführt.
    Der Doctor Conrat Humery wurde mit diesem Schriftstück Eigentümer des Druckwerkzeugs Gutenbergs. Wahrscheinlich hatte Gutenberg nochmals seine Werkstatt bei dem Doctor Humery beliehen.
    Gutenberg wurde in der Franziskanerkirche in Mainz beigesetzt.

    Man kann Gutenberg mit Fug und Recht als einen geschäftstüchtigen Unternehmer, als einen frühen Kapitalisten
    bezeichnen. Die Aufnahme eines Kredits hat häufig einen schlechten Beigeschmack, der Kreditaufnehmer wird schließlich Schuldner. Andererseits bürgt ein Kredit für die Glaubwürdigkeit des Schuldners, für sein Versprechen, das geliehene Geld mit Zins zurückzuzahlen und für die Erfolgsaussichten des zugrundeliegenden Projekts. Denn der normale Gläubiger geht wohl doch davon aus, das geliehene Geld vom Schuldner zurückzubekommen. Der Beginn eines Unternehmens vom Umfange Gutenbergs hatte seine persönlichen Mittel überschritten. Gutenberg brachte sein Vermögen, die Gerätschaften und die Fähigkeit des Buchdrucks in das Geschäft ein.

    Gutenberg-Vita:
    Die gesicherten Lebensstationen

    1399-1405(1408) Gutenberg wird als Mainzer geboren
    -1430 Hält sich auf jeden Fall 1420 und 1427/28 in Mainz auf
    1430 Ist aus Mainz "ausgefahren"
    1434-1444 Lebt in (der Nähe von) Straßburg und leitet verschiedene Geschäftgemeinschaften, die auch
    mit dem "Drucken" zu tun haben.
    1448-1457 Lebt in Mainz, hat eine Geschäftsgemeinschaft gegründet und druckt die Bibel
    1465 Der Mainzer Erzbischof sichert sein Auskommen
    1468 Gutenberg wird in der Franziskanerkirche beigesetzt.

    von meinem freund, doctor angelis im www.deutsche-demokratie.de
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Der Buchdruck mit mobilen Lettern wurde von den Chinesen erfunden und von den Koreanern zur Serienreife entwickelt.
     
  3. Philipp August

    Philipp August Gesperrt

    Ja, aber er meinte doch in Europa, oder? ;)
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Das Wort "Europa" finde ich in diesem Beitrag nirgends, das Wort "Welt" sehr wohl.
     
  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    na gut, dann hat ers eben wiedererfunden. alfred nobel wurde auch nachgesagt, das er das dynamit erfunden hat. china war doch lichtjahre von europa entfernt
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juli 2004

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