John Ralws: Gerechtigkeit als Fairness

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Achillas_2042, 2. Februar 2020.

  1. Achillas_2042

    Achillas_2042 Neues Mitglied

    Guten Tag. Ich habe mal ne Frage und zwar wollte ich wissen, ob mir jemand den gerechtigkeitsheoretischen Ansatz von John Ralws und den dafür verwendeten "Schleier des Nichtwissens" kurz erklären könnte. Ich verstehe den Ansatz nicht so wirklich und der kommt bald in unseren Test dran.

    Vielen Dank für Eure Hilfe.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Solltest Du eine Möglichkeit haben, in Joas & Knöbl ist es ab S. 666 gut erklärt. Im Prinzip geht es Rawls um die Frage, welche allgemeinen Normen in einer Gesellschaft als "gerecht" zu akzeptieren wären.

    Mit Hilfe des "Gedankenexperiments" versucht er methodisch, sich aus der Positio der Befangenheit zu lösen und universelle Werte zu definieren, die für eine Gesellschaft sinnvoll sind und in der Praxis hilfreich, den Reichtum der Gesellschaft zu mehren.

    Und er stellt sich im Rahmen des "Gedankenexperiments" die Frage, welche Werten Individuen zustimmen würden und welche sie ablehnen würden, wenn sie befürchten müßten zu denen zu gehören, die von negativen Effekten der gesamten Gesellschaftsstrukturen betroffen sind.

    In diesem Sinne unterscheidet sich jedoch Rawls von anderen Gerechtigkeitstheoretikern, da er soziale Ungleichheit aufgrund des Meritokratieprinzips als wahrscheinlich annimmt. Er akzeptiert sie allerdings nur dann, wenn die Effekte der Meritokratie ebenfalls positive Wirkungen auf die unteren Schichten zeigen.

    Im Prinzip gibt es Ähnlichkeiten zum Kategorischen Imperativ von Kant und zur Theorie von Kohlberg zur Entwicklung unterschiedlicher moralischer Niveaus.

    Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang (2004): Sozialtheorie. Zwanzig einführende Vorlesungen. Frankfurt am Main: Suhrkamp, bes. S. 666 ff
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Februar 2020
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Noch als Ergänzung der Hinweis auf eine Publikation von Ebert der bpb. Er diskutiert (S. 291 ff) die zentralen Aspekte der Idee von Rawls.

    Interessant ist seine Darstellung, weil er die Sichten anderer Theoretiker ebenfalls beleuchtet wie u.a. die von Dworkin (S. 316ff).

    Für ein Verständnis der für den Wohlfahrtsstaat zentralen Idee der "sozialen Gerechtigkeit" in Verbindung mit der Idee von "Chancengleichheit" sicherlich ein interessantes Buch.

    Zumal das Thema im Rahmen des politischen Liberalismus eine Anknüpfung bei Lisa Herzog: Freiheit gehört nicht nur den Reichen, gefunden hat.

    Ebert, Thomas (2012): Soziale Gerechtigkeit in der Krise. Bonn: Bpb Bundeszentrale für Politische Bildung (Schriftenreihe 1291).
     

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