Juden in Preußen...

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Dörte, 23. Januar 2006.

  1. Dörte

    Dörte Gast

    Hallo ihr Lieben:winke:

    ich bin etwas verwirrt und zwar mache ich gerade ein Referat über "Das Verhältnis der Religionen im 18. Jahrhundert"... gerade bin ich bei Friedrich dem Großen, der ja die Glaubensfreiheit verkündet hat...so, nun kommt mein Problem: Warum unterlagen dann die Juden in Preußen trotzdem noch so vielen Sondergesetzen, Abgabenforderungen und Einschränkungen in ihren beruflichen Möglichkeiten?
    Meine Theorie ist, dass er (aus wirtschaflichen Gründen?) dann eben doch nicht so weit ging, auch die Juden mit allen gleich zusetzen...kann mir jemand helfen? :(

    LG, Dörte
     
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  2. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied

    Du kannst auch weiter gehen. Katholiken unterlagen ebenfalls Sonderregelungen, denn diesen waren Staatsämter verwehrt. Man durfte als Jude oder Katholik seine Religion frei ausüben, aber gänzliche juristische Gleichstelllung bedeutet Glaubensfreiheit eben nicht.

    Übrigens geht die preussische Glaubensfreiheit nicht auf F. II. zurück, sondern auf das Toleranzedikt des Großen Kurfürsten von 1685.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Edikt_von_Potsdam

    :winke:
     
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  3. Mercy

    Mercy unvergessen

  4. Renard

    Renard Mitglied

    Mit den Juden in Brandenburg-Preußen hat es nur indirekt etwas zu tun - es beleuchtet eine häufig vergessene Seite der religiösen Verhältnisse und des Toleranzkurses in Bbg.-Pr.:

    Eine Besonderheit Brandenburg-Preußens stellt die Tatsache dar, daß die Hohenzollern im Jahre 1613 zu Weihnachten vom evangelisch-lutherischen zum reformierten (calvinistischen) Bekenntnis konvertierten und somit im Gegensatz zu ihrer überwiegend evangelisch-lutherischen Bevölkerung geriet, die dies lange Zeit argwöhnisch verfolgte. Insbesondere die Kreise am Hofe und die Teile der Beamtenschaft bekannten sich zum reformierten Bekenntnis.

    Allerdings wurde der Toleranzkurs nicht überall mit Freuden aufgenommen. So wurde Paul Gerhardt, der als wichtigster protestantischer Kirchenliederdichter nach Luther, einer der schärfsten Gegner der Reformierten aufgrund eines Konfliktes mit dem Kurfürst im Jahr 1666 faktisch entlassen. Am Ende wurde eine Sonderregelung für ihn beschlossen, der er aber aus Gewissensgründen nicht zu stimmen wollte. Der stark von der traditionellen lutherischen Orthodoxie geprägte Paul Gerhardt dem preußischen Toleranzedikt nicht zustimmen wollte, das auch den Protestanten reformierter Prägung eine Heimat in der Kirche bieten sollte.

    Mehr dazu unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Gerhardt
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2006
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  5. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Meines Wissen nach, war Bismarcks Bankier ein Jude und wurde sogar, da er so erfolgreich, war in den Adelsstand erhoben.:)
     
  6. Mark Mallokent

    Mark Mallokent Neues Mitglied

    Du meinst sicher Gerson von Bleichröder, den großen Bankier. Der lebte und wirkte aber im späten 19. Jahrhundert, als die Gleichberechtigung - zumindest in der Theorie - durchgeführt war.
     
  7. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Mark,
    genau den habe ich gemeint.:)
     
  8. Gast

    Gast Gast

    Lage der Juden in Preußen im 18. Jhd.

    hallo leutz, ich hoffe, dass ihr mir helfen könnt. anfang mai muss ich ein referat zum thema "Lage der Juden in Preußen im 18. Jhd." halten. leider hab ich gar keinen plan und find auch relativ wenig über das thema, das einzige, was ich bisher herausgefunden habe, ist, dass die juden nicht so angesehehn waren und eher das untere fußvolk waren und nicht mehr als ein kind haben durften.bitte helft mir, bin euch auch sehr dankbar!!!!

    schon ma danke fürs helfen, man sieht sich!!!!!
     
  9. Klaus P.

    Klaus P. Aktives Mitglied

    Schau doch mal in folgende Seiten
    http://www.goethe.de/ges/phi/de159531.htm
    http://www.vfh-saarlouis.de/juden.htm
    http://www.preussen-chronik.de/_/thema_jsp/key=thema_preu%25dfen+-+eine+multikulturelle+gesellschaft%253f.html
    usw. unter der Suchwortkombination "Juden in Preußen+18.Jahrhundert" bei Google.

    Vielleicht hilft dir auch folgendes Buch:
    Erika Herzfeld, Juden in Brandenburg-Preussen. Beiträge zu ihrer Geschichte im 17. und 18. Jahrhundert, hrsg. von Irene Diekmann und Hermann Simon. Festschrift anläßlich des 80. Geburtstages von Erika Herzfeld, Berlin 2001
     
  10. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied


    Brandenburg-Preußen blieb in Deutschland Vorreiter in Sachen Gleichstellung
    seiner Bürger, denn „der preußische Staat des 18. Jahrhunderts war
    konfessionell gleichgültig, national gleichgültig und sozial gleichgültig. Seine
    Untertanen durften katholisch oder protestantisch, lutherisch oder kalvinistisch,
    mosaisch oder, wenn sie wollten, auch mohammedanisch sein, das war
    ihm alles gleich recht, wenn sie nur ihre Staatspflichten pünktlich erfüllten.“ (8)
    Es ist deshalb kein Zufall, daß in Berlin einer der bedeutendsten Kämpfer für
    die jüdische Emanzipation und Aufklärung (Haskala) wirkte, Moses Mendels-sohn.

    Wie relativ die Freiheiten im preußischen Staat noch waren, zeigen zwei Fakten:
    Am 17. April 1750 schränkte das „Revidierte Generalprivilegium“ die Rechte der
    Juden Berlins ein. Nur 203 von ihnen blieben als „ordentliche Schutzjuden“
    aufenthaltsberechtigt, 500 ärmere Gemeindemitglieder haben die Stadt um-gehend
    zu verlassen. Und 1768 ließ Friedrich II. den jährlichen Schutzgeldsatz
    von 15.000 auf 25.000 Taler erhöhen.
    Die entscheidende Wende zum Besseren brachte erst die Französische
    Revolution.


    Dies und weitere Infos hier unter :
    jüd. Geschichte B/ Aufklärung +Emanzipation . ( im Bild rechts alles zum runterloaden) :)

    http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/juedische_kultur_und_geschichte.htm
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2006
  11. hyokkose

    hyokkose Gast

    http://de.wikipedia.org/wiki/Taler

    Muß man die 25.000 Taler durch 203 teilen? Das wären immer noch horrende Summen pro Person.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 11. April 2006
  12. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    ...:grübel: scheint mir, daß dies die Summe fürs ganze Königreich sein könnte, incl. "Nichtschutz-Juden " Mal sehen,
    vielleicht kommt auch hier noch die "Aufklärung". Die Zahl 203 bezieht sich möglicherweise nur auf Berlin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. April 2006
  13. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Korrekt. Bleichröder wurde zum Baron geadelt. Er hatte schon vorher diverse Orden erhalten, auf die er sehr viel Wert legte.
     
  14. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Gerson von Bleichröder war Bismarcks getreuer Freund und Gefolgsmann. Als aber die Kreuzzeitung u.a. gegen Bleichröder übel von Leder zog und er Hilfe bei den Bismarcks suchte, blieb ihm diese versagt. Ihm wurde lediglich der Rat gegeben öffentlich Stellung zu ziehen, ohne „die hohen Herren“ zu verletzten, um die unzutreffenden Aussagen, von wegen „Deutschlands Wirtschaftspolitik sei Judenpolitik“ klar zu stellen. Bleichröder sollte nebenbei auch noch seinen Einfluss leugnen. Ein „Freund“ hätte sich doch etwas anders verhalten.
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  16. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Das sehe ich so. Allein als das deutsche Hauptquartier noch nicht in Versailles war sondern im Schloss Ferrièrs von James de Rothschild, wurden reichlich antisemitische Äußerungen ventiliert. Das hinderte aber Bismarck nicht daran, Bleichröder dorthin zu holen, um ihn mit einem Auftrag nach Paris zu schicken.
     
  17. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Als ein weiteres kleines Beispiel kann auch die Beziehung zwischen Martin Heidegger und Hannah Arendt gelten. So war Heidegger der Meinung, dass seine antisemitische Haltung das (generelle) Verhältnis zu Arendt nicht beeinflussen würde. [1]
    Antisemitismus sollte im zeitlichen Kontext auch differenziert gesehen werden. Nicht jeder der sich antisemitisch äußerte sah sich auch selber als Antisemiten. Heinrich von Treitschke - dessen Aufsatz mit dem Titel "Unsere Aussichten" den Berliner Antisemitismusstreit auslösten und Antisemitismus auch in gebildeten Schichten endgültig salonfähig machten - gehörte zu einer eher gemäßigten Fraktion und sah sich selbst nicht als Antisemiten (obwohl er einer war). Sein Antisemitismus äußerte sich in der Ansicht, dass ein "völliges Aufgehen des zahlenmäßig so geringen Judentums im Deutschtum" und die "Preisgabe jedes eigenen jüdischen Lebensstiles" [2] eine Lösung der vermeintlichen Judenfrage. Nur die nicht Intgrations- oder besser gesagt Assimilationswilligen sollten ausgeschlossen werden. [3]
    Diese Art des Antisemitismus unterscheidet sich also in seiner Grundannahme von dem, der die Juden als Feind der gesamten Menschheit sieht und nur eine Ausrottung als Lösung akzeptieren kann. Die Folgen für die Betroffenen sind dementsprechend unterschiedlich (wenn auch beide Arten Folgen nach sich zogen). Im ersten Fall haben die Personen noch eine "Existenzberechtigung" (wenn man das so nennen will) und es wird sogar von ihnen verlangt, dass sie ... wie soll ich es sagen ... deutscher sind als die Deutschen. Im zweiten Fall kommt nur ihre Vernichtung als Lösung infrage.

    [1] Bodersen, Dammann 2006: Zerrissene Herzen - Die Geschichte der Juden in Deutschland, S.: 175.

    [2] Mann Golo 1961: Über Antisemitismus, In: Geschichte und Geschichten, S.: 178.

    [3] Heinrich von Treitschke ? Wikipedia
     
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  18. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Für mich hat das Verhältnis von Bismarck zu Bleichröder Züge des Verhälttnisses der Fürsten früherer Zeiten zu ihren Schutzjuden. Man nutzte gern ihre Fahigkeiten und Verbindungen auf wirtschaftlich-finanziellem Gebiet, trotzdem blieb eine gewisse gesellschaftliche Geringschätzung. Und wenn es hart auf hart ging, wurden sie im Stich gelassen oder durften als Sündenböcke dienen, wie z.B. Joseph Süß Oppenheimer.
     
  19. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Das trifft es m.E. nach bei Bleichröder/Bismarck nicht so ganz, denn Bismarck hat sich gegenüber Bleichröder keinen Antisemitismus geleistet. Er hat ihn vertraut und das sogar in privaten Bereich. So wurde Bleichröder mit der überaus delikaten Mission betraut, die von Herbert geliebte Frau klarzumachen, das er, Bismarck Senior, sie als Schwiegertochter vollkommen unakzeptabel sei. Die Dame hatte zwei Schwestern, die mit Männern verheiratet waren, die Bismarcks Feinde waren. Herbert seinerseits hat von dieser unfeinen Aktion Wind bekommen und sie Bleichröder nie verziehen.
     
  20. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Nicht, um unbedingt recht zu behalten, aber deine Geschichte (wie auch die weiter oben), ließe sich in das von mir skizzierte Muster einordnen.
    Der geschickte/gerissene jüdische Händler/Verhandler wird mit der "unfeinen Aktion" beauftragt, sozusagen als "negativer" Schadchen.
    Und wenn was schiefgeht, ist er der Buhmann:
    Hätte er sie nicht eher seinem Alten nicht verzeihen sollen?
     

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