Kaiser

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Nergal, 14. Juli 2011.

  1. Nergal

    Nergal Aktives Mitglied

    Habe mir die Deffinitionen von Kaiser im www angesehen, also die nach dem römischen Reich, dort heißt es dies sei ein eher spiritueller Titel gewesen der dann übder den Königen stand und als Beschützer des Glaubens tätig wurde.

    Ich habe zumindest früher mal gelesen das jemand Kaiser war so er über ein vereintes Gebiet aus mehreren kleineren Reichen/Fürstentümern herrschte.

    Liege ich damit ganz falsch?

    Auch die Bezeichnung für aussereuropäische Herrscher wird anders erklärt, ich zumindest dachte dies geschah auf der von mir genannten Grundlage, wenn wir zB den Saudiarabischen Herrscher als König bezeichnen und den chinesischen Herrscher als Kaiser, oder auch den Aztekenherrscher.
     
  2. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Diese Definition ist zumindest nicht ausreichend; sie kann auch auf Könige zutreffen, Bsp. Grossbritanien

    2. Es wære zu untersuchen, ob man nicht auch "nur" Kaiser sein konnte:
    War der Kaiser von China, der russische Zar, der Kaiser von Æthopien, Napoleon III. als Kaiser der Franzosen auch zeitgleich Herrscher von mehreren kleineren Reichen/Fürstentuemern?

    Der russische Zar war auch ohne Finnland (Ghzm.) und Polen (Kgr.) schon Zar.

    Noch skurriler wird's dann bei Napoleon I.: Der hatte zwar abgedankt, durfte aber seinen Kaiser-Titel behalten. (Elba wird deswegen aber kein Kaiserreich geworden sein)
    Josephine behielt ihren Titel auch nach der Scheidung.

    Ich denke, es gibt einfach keine feste Regel. Man ist Kaiser, wenn man Kaiser ist: Es hængt davon ab, ob und inwiefern er vom eigenen Volk und international anerkannt wird. Manchmal war's umstritten.

    Gruss, muheijo
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Man sehe sich auch an, dass sogar zwei Herrscher Haitis den Kaisertitel führten sowie Bokassa im Zentralafrikanischen Kaiserreich.

    Außereuropäische Herrscher, die sich eigentlich nicht selbst Kaiser/Emperor/Zar oder ähnliches nannten, wurden von den Europäern oft als "Kaiser" bezeichnet, wenn sie über ein entsprechend mächtiges Reich herrschten, siehe die Moguln in Indien, Persien, China oder Japan. Umgekehrt aber nannten sich die Herrscher Bulgariens 913-1018, 1186-1393 und 1908-1946 Zaren, wurden aber vor allem für die Zeit 1908-1946 im Ausland trotzdem vom "Rang" her nur als einem König entsprechend anerkannt.
     
  4. MacX

    MacX Neues Mitglied

    Der römisch-deutsche Kaiser des Mittelalters betrachtete sich klar als Amtsnachfolger der antiken, römischen Kaiser, wie auch der Byzantinische. Dass er sich zeitgleich als höchster, weltlicher Beschützer der Christenheit sah, mag sein, trifft aber meines Wissens genauso auf andere christliche Könige zu, wenn sie mächtig genug waren. In dem Fall gibt es eben einen ganz klaren Bezug auf das alte Rom, und keine Regel nach dem Motto "wenn man genug Königreiche beherrscht, ist man Kaiser".

    Die Verwendung des Kaisertitels im spätereren, und außereuropäischen Raum, finde ich willkürlich. Da glaube ich auch an keine Regel.
     
  5. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Haiti, Mexiko und Brasilien hatten sich auch eher an das Vorbild Napoleon I. orientiert und nicht an das römisch(-deutsche) Kaisertum des Mittelalters.
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ja, er war nicht nur Beschützer der Christenheit, sondern verstand sich auch als oberster Priester. Dieser sakrale Aspekt des Kaisertums ging allerdings durch den Investiturstreit weit gehend verloren.
     
  7. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Besteht im Falle von Haiti wirklich ein Zusammenhang? Der erste Kaiser von Haiti, Jean-Jacques Dessalines, rief sich schon am 22.9.1804 zum Kaiser aus und krönte sich am 6.10.1804. Napoleon krönte sich erst am 2.12.1804 zum Kaiser. Wenn schon, dann kann Dessalines also lediglich von Napoleons Plänen und Vorbereitungen im fernen Frankreich gewusst und sich daran orientiert haben.
     
  8. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Zitat:
    "Nach französischem Muster ließ er [Jakob Dessalines] sich Kaiser nennen, um die Gleichstellung von Haiti und Frankreich zu betonen."
    Marie Biloa Onana: Der Sklavenaufstand von Haiti (2010), S. 166

    Dessalines muss also von den Kaiser-Plänen Napoleons gewusst haben, sicherlich hatten die schon das ganze Jahr 1804 in Europa und in den französischen Kolonien der Karibik die Runde gemacht.
     
  9. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Nein, der Kaiser ist im Mittelalter stets als ranghöchster Monarch angesehen worden (dazu muss man sich nur den Briefverkehr zwischen König und Kaiser anschauen), von jedem König, auch wenn ein Philipp der Schöne von Frankreich mal gemeint haben soll: "Der König ist Kaiser in seinem eigenen Land." Aber eigentlich bestätigt dieses Zitat diese Sichtweise nur. In allem anderen stimme ich dir allerdings zu.
     
  10. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    Ich denke auch das sich der Titel Kaiser mit der Zeit immer mehr entwertete.
    Denn wenn man sich die Bedeutung des Titels im römischen Reich anschaut und dann im Lauf der Geschichte immer mehr mehr oder weniger wichtige Kaiser dazukommen ist man vom römischen Kaisertitel doch sehr weit entfernt.
    Ich kann mir auch denken, dass ein Kaisertitel auch eine Art westlicher Hut sein sollte, der in etwa aussagen sollte: "Schaut her wir haben einen Kaiser, das heißt wir sind westlich und wichtig!"
     
  11. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Diese Tendenz kann ich so ganz und gar nicht erkennen. Wie stark ein Kaiser war, hing nicht von einer "Titelentwertung", sondern von anderen Faktoren wie zeitgenössische Umstände und Persönlichkeitsstruktur ab.

    Im Übrigen kann ich auch dem Rest Deiner Argumentation nicht folgen, dass es einen Bedeutungsverlust gab. Soll das heißen, dass etwa Domitian bedeutender war als Karl der Große oder Zar Peter der Große, nur, weil er zeitlich näher an Caesar dran war?

    ...und bei dem westlichen Hut stehe ich auf dem Schlauch. Vielleicht könntest Du das noch ein wenig konkretisieren? :winke:
     
  12. Cromwell

    Cromwell Neues Mitglied

    Das Römisch-Deutsche Kaisertum

    Eine kurze Zusammenfassung zum Werdegang des Kaisertitels im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation):

    • Mittelalterliche Vorstellung, dass das Römische Reich das einzige Weltreich vor dem Jüngsten Gericht war (Buch Daniel). Es durfte also nicht vor der Wiederkehr des Heilands untergehen. Das Frankenreich war auf dem Gebiet des ehemaligen weströmischen Reiches errichtet worden und kam als Nachfolger für das ehemalige Imperium Romanum in Frage, da es riesige Länder umfasste. Karl der Große erklärte sich zum Schutzherren des Vatikan und wurde im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt.
      Aufgabe des Kaisers: Am Tag des Jüngsten Gerichts sollte er die gesamte Christenheit vor dem Thron Gottes versammeln.
      Folgen: Machtkämpfe zwischen Papst und Kaiser; Konflikt mit dem "rechtmäßigen" oströmischen Kaiser (-> Einigung, dass sich die Autorität der karolingischen Krone nur auf das Abendland beschränkt).
    • Das Ausmaß der politischen Macht: Der westliche Kaiser war nie der politische Herrscher aller andere Königreiche, wenngleich er ihnen übergeordnet war. Er hatte gewissermaßen einen Ehrenvorsitz, der primär aus einer religiösen Vorstellung/Bedeutung entsprang.
    • Auf dem Höhepunkt seiner Macht: Nach dem Zerfall des Karolingerreiches ging die Kaiserkrone an Otto I. weiter. Um 1000 war der Kaiser der mächtigste Monarch Europas; aber nicht (nur) wegen seines Titels, nein, deshalb weil sich die Ottonen die deutsche, italienische und burgundische Königskrone sicherten.
    • Der Machtkampf zwischen Kaiser und Papst: Später kam es dann zum erbitterten Ringen um den weltlichen und geistigen Führungsanspruch, zunächst ging es um die Investitur. Diese ideologische Auseinandersetzung wurde mit mit Konkordat von Worms nicht wirklich beendet. Erst mit den Aktionen der willensstarken Stauferkaiser (Gegenpäpste; Reaktion: Gegenkönige, Aufruf zum Kreuzzug gegen "Natterngezücht") erlitt das Kaisertum einen (womöglich) unumkehrbaren Schaden.
    • Die Reichsfürsten übernehmen das Ruder: Im Interregnum ging jede überterritoriale Autorität verloren. So einigten sich die tonangebenden Reichsfürsten in Rhense darauf, dass ein von ihnen gewählter König zur Ausübung seines Amtes keine Bestätigung von Seiten des Papstes benötigte. Die Goldene Bulle wurde schließlich von Kaiser Karl IV. anerkannt. Das deutsche Königtum blieb eine Wahlmonarchie.
    • Welche Rolle spielte der Kaiser? Die politische Stellung hing in erster Linie davon ab, wie viel "Hausmacht" er als Fürst angehäuft hatte oder welche Territorialforderungen er als Kaiser geltend machen konnte. In diesem Machtwettbewerb triumphierten die Habsburger (ab 1438 stellten sie mit nur einer Ausnahme den Kaiser). Der Einfluss in Italien und Burgund war gegen Ende des 15. Jahrhunderts bereits geschwunden, so wurde der Zusatz "Deutscher Nation" gängig. Ab 1530 setzte man die Königskrönung in Aachen mit der Kaiserkrönung gleich.
    • Der zunehmend hohle Titel: Er allein konnte fürstliche Herrschaftsrechte, Standeserhöhungen und Selbstständigkeiten billigen, deshalb waren es die Fürsten und Reichsstände, die das Amt des Kaisers erhalten wollten. Ebenfalls galt der Kaiser als Grant der staatsrechtlichen Verhältnisse im Reich. Im Westfälischen Frieden wurden Frankreich und Schweden zu "Garantiemächten" der Reichsverfassung (ursprünglich nur der Kaiser). Der rasante Aufstieg Preußens schmälerte zunehmend die Macht der Kaiserkrone. Die Niederlagen in den Koalitionskriegen und in den Kriegen gegen Napoleon (Fürsten fordern Gebietsentschädigungen) brachten das Römisch-Deutsche Kaisertum schließlich zu Fall.
     
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  13. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Man sollte aber nicht die Kaiser der Zeit zwischen/neben dem Karolinger Arnulf und Otto vergessen:
    Wido von Spoleto 891-894, Herzog von Spoleto und König von Italien
    Lambert 892-898, König von Italien
    Ludwig III. der Blinde 901-928, König von Italien und Niederburgund
    Berengar von Friaul 915-924, Markgraf von Friaul und König von Italien
     
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  14. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    @Lukrezia Borgia: Ich dachte bei meinem Beitrag weniger daran mit welcher Macht es bestimmte Persönlichkeiten geschafft haben ihr Amt auszufüllen, sondern wie viel Machtfülle dieser Titel ihnen allein gab, also was die Grunvoraussetzungen mit diesem Titel waren.
    Und ich denke schon das wir dort im Laufe der Geschichte einen (nicht immer durchgehenden) Abwärtstrend haben bezüglich der Machtfülle des Titels Kaiser, allein deshalb schon weil immer mehr Träger dieses Titels dazugekommen sind.

    Und kurz noch zum westlichen Hut.(Ich muss zugeben, es gibt intelligentere Möglichkeiten als einen Hut zu nehmen :) )
    Ich dachte da an das angesprochene Haiti, das nur am entferntesten etwas benötigt wie einen Kaisertitel, sich einen gibt um zu zeigen das es ein westliches Land ist.
     
  15. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Es stimmt schon, dass der Kaisertitel im Laufe der Geschichte manchmal etwas inflationär gebraucht wurde.
    Aber Deinen Ausführungen zur Machtfülle kann ich nicht zustimmen. Kaiser wie Napoleon I. oder die russischen Zaren, aber sogar die österreichischen Kaiser, waren defintiv viel mächtiger als z. B. die Kaiser des Lateinischen Kaiserreiches oder von Thessalonike. (Ich verstehe jetzt einmal "Machtfülle" im Sinne von beherrschtem Gebiet, Bevölkerung, militärischer Macht etc. Oder meinst Du, wie viel politische Macht sie in ihrem Reich hatten, also wie absolut sie regierten?) Aber schon im Römischen Reich gab es so manchen Soldatenkaiser, der nicht einmal eine Provinz regierte. (Johannes, ein Gegenkaiser unter Justinian I., schaffte es z. B. nicht einmal, die Provinzstadt, in der er sich zum Kaiser proklamiert hatte, komplett zu kontrollieren.)

    Ich glaube, das hatte eher mit dem Ego der Herrscher zu tun, ihrem Wunsch, zu den ganz "Großen" zu gehören. "Kaiser" klingt halt toller als "König" oder gar nur "Fürst".

    Noch ein Wort zur Titelvermehrung: Auch die war kein konstantes Phänomen. Angefangen hat bekanntlich alles mit dem römischen Kaisertum, das aber über viele Jahrhunderte lang das einzige Kaisertum blieb. Auch wenn es mehrere konkurrierende Titelträger gab oder das Reich faktisch geteilt war, es war trotzdem immer nur das römische Kaisertum. Auch die byzantinischen Kaiser und die Kaiser des HRR waren römische Kaiser, ebenso die Kaiser von Thessalonike und Nikaia sowie des Lateinischen Kaiserreiches, die sich alle drei als legitime Fortführung des oströmischen Kaisertums betrachteten. Die erste echte Vermehrung des Kaisertitels gab es im 10. Jhdt., als die bulgarischen Herrscher den Zarentitel annahmen, aber auch da wurde dann eine offizielle Sprachregelung gefunden, wonach nur der Kaiser in Konstantinopel der original echte Kaiser ist. Später kamen dann noch die serbischen Zaren sowie die Kaiser von Trapezunt dazu. Durch die osmanische Expansion fielen das Zarentum der Bulgaren und Serben sowie Trapezunt wieder weg. Erst in der Neuzeit kam es dann wieder zur Titelvermehrung: Russland, Frankreich, Österreich, Brasilien, Mexiko, Deutsches Reich etc. Abgesehen von Haiti und Zentralafrika verfügten diese neuen Kaiser aber sehr wohl über ein "Imperium".
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2011
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  16. Imperator

    Imperator Premiummitglied

    Die Personalunion mit Burgund wurde erst 1033 gebildet; da waren bereits die Salier an der Macht.

    zu Ravenik: Haben sich die Kaiser von Trapezunt nicht auch als legitime byzantinische bzw. römische Kaiser betrachtet? Trapezunt war ja letztlich ebenso wie Nikäa oder Thessaliniki ein Exilreich, das im Verlauf des 4. Kreuzzuges entstanden ist.
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Jein. Die Kaiser von Trapezunt betrachteten sich nur in den ersten Jahrzehnten ihres Reiches als "römische" Kaiser. 1282 arrangierten sie sich mit dem wiedererrichteten Byzantinischen Reich der Palaiologendynastie und verzichteten darauf, "römische" Kaiser zu sein.
     
  18. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Es geht bei den Kaisern von Byzanz und denen des Heiligen Römischen Reichs nicht so sehr darum, dass sie "definitiv mächtiger" waren. Kernpunkt der mittelalterlichen Kaiser ist ihre heilsgeschichtliche Bedeutung und der sakrale Charakter ihrer Herrschaft, der sich erst am Ausgang des Mittelalters allmählich - aber nicht gänzlich - verlor.

    Somit war der mittelalterliche Reichsgedanke sowohl religiös als auch politisch bestimmt. Die religiöse Grundlegung ergab sich wesentlich aus dem Auftrag Jesu Christi, den Völkern der Erde das Evangelium zu predigen. Das Reich sollte nach mittelalterlicher Auffassung den Rahmen bilden, in dem sich die Erlösung der Menschheit durch Jesus Christus vollzog. Dem Kaiser fielen mithin als wichtige Aufgaben zu, den Frieden der Christenheit zu sichern und um dieses Friedens die "Heiden", die Feinde der Chrsitenheut, zu bekämpfen.

    Damit hatte der Kaiser im MA eine völlig andere Position, die ihn in den Augen des Volks in eine himmlisch-übermenschliche Sphäre emporhob, egal, ob er nun über die Machtmittel eines späteren Napoleon, eines Wilhelm oder anderer neuzeitlicher Kaiser verfügte. Der Kaiser des Mittelalters war in diesem Sinne das weltliche Haupt der Christenheit. Die Goldene Bulle von 1356 nennt ihn "das weltliche Haupt der Welt und des christlichen Volkes" (c. II, 3).

    Als der höchste Herr der Christenheit nahm der Kaiser in der abendländischen Welt eine Vorrangstellung ein, die zuweilen auch als Weltherrschaft (Oberherrschaft) gedeutet werden konnte. Diese Vorrangstellung bedeutete jedoch nicht eine staatsrechtliche Oberherrschaft über die christlichen Staaten des Abendlandes. Vielmehr hatte der Kaiser nur eine Vorherrschaft in dem Sinne, dass ihm eine höhere Würde (auctoritas imperialis) vor den übrigen Königen zukam, die dadurch aber nicht in ihrer staatlichen Selbstständigkeit beeinträchtigt wurden.

    Aus all dem ergibt sich, dass Funktion und Selbstverständnis der mittelalterlichen Kaiser und ihr heilbringendes Ansehen im Volk überhaupt nicht mit dem neuzeitlicher Kaiser vergleichbar sind. Allerdings: Je näher die Neuzeit rückte, desto stärker schwächten sich diese Elemente des Kaisertums ab.
     
  19. Mittelwalter

    Mittelwalter Mitglied

    Mein Gedankengang ging ,glaube ich, ein wenig in die Richtung von Dieter.
    Zwar waren Machthaber wie Napoleon überaus mächtig und herrschten über ein Imperium, doch hatte ihr Kaisertitel ihnen keine oder wenige historischen Rechte gegeben.
    Sie waren Kaiser und hatten auch die Machtfülle, die man sich darunter vorstellt, aber ihr Kaisertitel wirkte sich nicht aktiv auf ihre Herrschaft aus oder veränderte diese, wo hingegen der Kaisertitel zu Beginn des römischen Kaiserreichs noch seinen Träger von Grund aus mit einer gewissen Machtfülle ausstattete. Zwar gab es auch Verfall dieser Machtausstattung des Kaisertitels (Soldatenkaiser im römischen Reich, Kaisereiche des vierten Kreuzzuges),doch hielt sich die Bedeutung des Titels Kaiser als nicht nur leerer Titel bis in das späte Mittelalter.
     
  20. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Ich finde schon, dass sich mit Napoleons Kaiserwuerde Verænderungen ergaben, deshalb war sie ja auch ganz bewusst so gewæhlt worden:

    - sie setzte einen Schlusspunkt unter die republikanische Episode Frankreichs.
    - die Kaiserwuerde war erblich.
    - sie war -in Ahnlehnung (Fortfuehrung) der rømischen Kaiserwuerde- ein Machtanspruch in sich, der sogar zum Ende des Heiligen Rømischen Reiches fuehrte.
    - sie bedeutete die Gleichstellung mit dem Zaren und dem østerreichischen Kaiser.

    Mit einem "Konsul auf Lebenszeit" oder einem "Kønig Napoleon" wære das alles nicht machbar gewesen.
    Gruss, muheijo
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2011

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