Kakao 1.500 Jahre älter als gedacht?

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Apvar, 2. November 2018.

  1. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Riothamus gefällt das.
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wenn die Belege korrekt datiert sind, ist es natürlich schwer dagegen zu argumentieren. Aber ich will es dennoch versuchen!
    Unser Wort für Kakao stammt ja vom spanischen cacao und dieses wiederum vom Nahuatl (Zentralmexikanisch) Cacahuatl. Leider kann ich ad hoc nur rausfinden, wie Kakao im Quechua heißt, dort Kakaw und der zugehörige Wikipediaartikel führt es wiederum aufs Nahuatl zurück: " nawa simimanta: Cacahuacuahuitl" (Kakaw - Wikipidiya ). Andere präkolumbische Sprachen, die im Amazonasbereich Ecuadors und Perus gesprochen wurden, wären nun als weitere Probe sehr interessant.
    Es ist häufig so im Spanien-Spanischen, dass der Amerikanismus, der den Erstkontakt darstellt, auch derjenige ist, der ins Spanien-Spanische eingegangen ist. Beim Amerika-Spanischen ist das häufig anders, da ist dann der Regionalismus wichtiger. Wobei man da vorsichtig sein muss, da die Spanier die Worte ja auch mit sich führten. So heißt die Süßkartoffel in Spanien batata, in Peru aber camote. Nun ist aber camote kein Wort aus der andinen Region, sondern aus dem Nahutl: camotl.
    Beispiele:
    Avocado - span./mex. aguacate - andin. palpa
    Chili - span. guindilla - mex. chile - venez./andin. ají (wohl kein andines Wort, sondern ursprünglich aus dem Taíno)
    Mais - span./karib. maíz - quech. sara, nahua. cintli, ayamará tunqu, aus Perú kenne ich choclo, aber das scheint mehr eine Art Mais zu sein als das Wort für Mais.
     
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Die einschlägigen Wissenschaftler sind in diesem Fall die Linguisten.

    Teotihuacan - schon gelesen?
     
  4. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Die Kakao-Bohne entstammt einer Baumfrucht aus tropischen mittelamerikanischen (und südamerikanischen) Wäldern. Sie ist also aus dem Maya-Gebiet in das Sprachgebiet der Uto-Azteken im zentralen Hochland bis zu den Trockensteppen und Halbwüsten nördlich davon exportiert worden, nicht umgekehrt.
    Die Nutzung der Frucht dürfte sogar schon auf die Olmeken zurück gehen und erfolgte mit Sicherheit auch schon in Teotihuacan.
    Da Kakao eine aus dem Maya-Bereich stammende und im gesamten Mesoamerikanischen Raum - auch im zentralen Hochland - sehr geschätzte Pflanze war, verwundert es nicht, wenn sowohl die Glyphe (Bildschrift) für Kakao wie auch das Wort selbst in anderen Sprachen wie der Uto-Aztekischen Sprachgruppe eingeflossen ist.
    Auch wir verwenden den Begriff "Kakao", ohne dass wir behaupten würden, der Begriff wäre aus dem Deutschen in das Maya-Gebiet nach Yucatan entlehnt worden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  5. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Aua

    Die einschlägigen Wissenschaftler im Bezug auf die Herkunft der Kakao-Bohnen sind die Biologen. Danach ist die Frucht (und mit ihr die Bezeichnung sowie die bezeichnende Glyphe) aus den tropischen Wäldern in das zentrale Hochland transportiert worden, nicht umgekehrt
    Kakaobäume – Wikipedia
    Über die Kakao-Pflanze und Schokoladen-Herstellung
    Und das wissen schon Kinder
    Kakao in Biologie | Schülerlexikon | Lernhelfer

    Hast Du meine Entgegnung dort in #14 schon gelesen? Auch wir verwenden das "Lehnwort" Kakao. Das sagt über die Verbreitung der Uto-Aztekischen Sprachgruppe nichts aus.

    Der Ethnologe Terrence Kaufmann
    , der die Zuwandung von Nahuatl-sprechenden Volksgruppen bereits um 500 ansetzt, aber ebenso die Zuwanderung grundsätzlich unstreitig bestätigt, ist im Übrigen nicht von mir in die Diskussion eingeführt worden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Bei Lehnworten musst du grundsätzlich unterscheiden, wann, wie und warum sie entlehnt wurden.

    Als die Europäer den Hurrican (Orkan), Das BBQ (barbacoa), Süßkartoffel, Tomate, Kakao, Schokolade, Mais, das Kanu etc. kennenlernten, drangenn sie in eine neue Lebenswelt ein mit Dingen, die sie nicht kannten. Tomaten, Süßkartoffeln, Kakao, Schokolade und Mais waren vor 1492 in Europa unbekannt. Natürlich übernahmen die Europäer diese Worte. Canoa > Kanu und hurracán > hurrican, Orkan dagegen sind Luxusentlehnungen, da es Begriffe dafür gab.

    Die Maya und die Azteken jedoch lebten grundsätzlich in derselben Lebenswelt. D.h. Nawa-Worte in Maya-Inschriften sind zunächst einmal nicht so logisch, wie indianische Worte (ob nun Nawa, Maya, Caribe oder Taíno) in europäischen Sprachen. Es kann sich um "normale" Entlehnungn handeln, aber auch um Luxusentlehnungen. Aber eines ist klar: Damit es zu einer Entlehung kommen konnte, MUSSTE es einen Kontakt gegeben haben. Das müsste man dann mal bei Macri einzeln nachverfolgen.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kakao und Schokolade sind Nawa-Worte (Cacaotl und Xocolatl ("Schokolatl")). Das ist von der Morphologie ziemlich eindeutig. (Was natürlich nicht heißt, dass diese nicht wiederum ein anderes Etymon haben.)
    Unser Wort für Kartoffel stammt im Übrigen vom italienischen Wort tartufo und ist daher etymologisch sogar mit Trüffel verwandt. ;) Trotzdem stammt die Frucht aus den Anden und der spanische Name (außer in Ecuador, Bolivien und Perú) aus der Karibik: Die Spanier lernten in der Karibik die Sükartoffel als batata kennen und nannten die Kartoffel dann patata, so heißt oder so öhnlich heißt sie dann auch in etlichen Sprachen.
     
  8. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    nein, die Steppen und Halbwüsten mit ihren Kakteen aus dem Uto-Aztekischen Sprachraum vom Südwesten der USA bis hin zum Zentralen Hochland Mexikos sind eine völlig andere Lebenswelt als die tropischen Urwälder der Maya und Olmeken.
    Niemand bestreitet, dass die Kakao-Frucht und ihre Verarbeitungsweise aus der tropischen Heimat der Maya und Olmeken in das zentrale Hochland (und auch weiter) exportiert wurden.
    Bei dem hier unterstellten gegenteiligen Verbreitungsweg sträuben sich jedem Biologen die Haare.

    Chi vuku zik Ah xel roxa ru camay zak yuhuh.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Jetzt legst du meine Worte auf die Goldwaage. Und das weißt du auch.

    ????
    Es hat niemand etwas über den Verbreitungsweg des Kakaos geschrieben. Es wurde lediglich darauf hingewiesen, dass in Maya-Inschriften, die auf die Mitte des 5. Jhtds. zu datieren sind, Nawa-Worte aus dem Kakao-Bereich zu finden sind.
    Das ist erst mal ein linguistischer Befund. Mit dem muss man umgehen. Um 450 war also das Kakao-Wort in den Nawa-Sprachen verbreitet und konnte ins Maya entlehnt werden. Das besagt nichts darüber, dass die Maya eigene Kakao-Worte hatten (Stichwort Luxus-Entlehnung: Man entlehnt ein Wort, OBWOHL man ein eigenes hat) oder wie der Kakao verbreitet wurde.

    Wann kommt es zu Luxus-Entlehnungen?
    1.) die Geber-Sprache hat bei den Sprechern der Nehmer-Sprache ein hohes Prestige
    2.) das einheimische Wort ist schwieriger auszusprechen, als das fremde

    Es mag noch mehr Gründe geben, aber das dürften die beiden wichtigsten Gründe für Luxusentlehnungen sein.

    Bedingung für eine Entlehnung ist, dass sie bei den Sprechern der Nehmer-Sprache akzeptiert wird. Das ist bei Kakao im Europäischen kein Problem: Cortés lernt bei den Azteken das Wort cacaotl, macht daraus cacao, das ist einfacher auszusprechen und hat eine mit dem Spanischen vereinbare Endung (-o, grammtisches Morphem Substantiv maskulin) und präsentiert das in Spanien bei Hofe: "Hallo, das ist Kakao."
    Alle: "Ah, Kakao. N' bisschen bitter, kann man das evtl. süßen?"

    Jetzt haben wir eine Unterhaltung in einer Maya-Siedlung:
    "Ich gebe dir 3 xdxdxdxddx-Bohnen für deinen Nackthund."
    "Ich will aber 4 Cakaotl-Bohnen!"
    "Was willst du??"
    "4 Cacaotl-Bohnen."
    "Was ist Cacaotl?"
    "Das habe ich beim Schüleraustausch in Teotihuacán gelernt, das ist xdxdxdxddx."
    "¡Háblame en cristiano!"

    Die Akzeptanz dafür, ein Nawa-Wort für Kakao zu übernehmen, obwohl man ein eigenes hatte, um es - bereits um 450 - in einen Maya-Text einfließen zu lassen, setzt also voraus, dass es um diese Zeit intensive Kontakte mit Sprechern des Nawa gab und diese wahrscheinlich auch ein gewisses Prestige besaßen.
     
  10. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Stop: wieso sollen die Maya das Nawa-Wort für Kakao übernommen haben?

    Es ist völlig unlogisch, die Bezeichnung (für ein in der Naturheilkunde stammendes Getränk, dessen Bohnen auch als Zahlungsmittel genutzt wurden) aus einer im ersten Jahrtausend auftauchenden Sprachfamilie (Nawa) für etwas zu verwenden, das man selbst schon viel länger unter einem ähnlichen Wort kennt. Da ist die sprachliche Entlehnung mit Sicherheit anders herum gelaufen.

    Im Detail:
    Ob das Wort letztendlich aus dem Olmekischen oder aus dem südlichen Verbreitungsgebiet der Kakao-Bäume stammt ist nicht klar.
    (Quelle: Richard Loewe in "Über einige europäische Wörter exotischer Herkunft", Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung auf dem Gebiete der Indogermanischen Sprachen 61. Bd., 1./2. H. (1933), pp. 37-136 (100 pages)

    Dagegen steht die "Olmekische Linie". „Kakawa“ = cacao hieß das Zeug wohl schon "bei dem Volk der Olmeken im feuchten Tiefland der mexikanischen Golfküste." Die Maya bezeichn(et)en den Kakao als "Ka-Ka-We". Daraus hat sich auch unser Kakao entwickelt.
    Ich zitiere zur wohl präferierbaren "Olmekischen Linie" zu den Bezeichnungen mal die Internet-Seite des "Schokoladenformenmuseums" mit aller gebotenen Vorsicht:
    Quelle 1, ebenso Quelle 2 und weiter:
    Also folgende linguistische Entwicklung:
    - KaKaWa = Olmeken (Quelle)
    - KaKaWe bzw. KaKaW = ursprüngliche Maya (Quelle)
    [​IMG]
    - Cacahu-atl = aus Cacahu und Atl "Kakaowasser" (Nahuatl - Quelle bzw. Quelle 2 und Quelle 3) bzw. (abgewandelt, vgl. Kakao und Schokolade )
    - Xocol-atl (nach anderen Quellen 1), 2)) bei den Azteken, dazu die FAZ:
    - Chocol haa = "heißes Wasser" ("neue" Maya, Yucatan, von Tolteken beeinflusst)
    - Chocolatl = aus Maya "Chocol" (heiß) und Nahuatl "atl" (Wasser)

    Die Ähnlichkeit zwischen dem aztekischen "xocotl" = Frucht und dem Maya "Chocol = Heiß" darf nicht dazu verleiten, ein Lehnwort zu unterstellen. Das ist wie Wolf und Wolke … ;-D

    Am Wahrscheinlichsten dürfte also sein, dass bereits das ältere olmekische Wort "KaKaWa" in das zentrale Hochland gelangt ist.
    Wir haben nun - was Kakao und Schokolade betrifft - zwei unterschiedliche Dinge, deren unterschiedliche Bezeichnung also zuerst im Nahuatl-Bereich parallel aufscheint.
    Vorher gab es nur den Kakao als Getränk (schon bei den Olmeken und alten Maya mit einem nahezu identischen Wort, auch sprachlich entlehnt in das zentrale Hochland) - danach kam bei den Nahuatl eine Variante dazu, die mit einem anderen Wort bezeichnet wurde.
    Das könnte darauf hindeuten, dass die Nahuatl-Sprecher die ersten waren, die aus dem Getränk Cacahu-atl (Kakao - durch Zumischung anderer Substanzen) eine Art "Fruchtbrei" unter der Bezeichnung "Xocolatl" gemacht haben.
    Und dann ist es völlig normal, dass die Bezeichnung dieses "Fruchtbreis" an die Maya zurück gespiegelt wurde und in der heutigen Schokolade weiter geführt wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  11. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    nach anderer Quelle auch "kakawatl" bzw. "cacauatl", was die Verwandtschaft zum Olmekischen oder Maya-Wort noch deutlicher macht.

    Weiter zu Schriftanalyse, die schon die alte Maya-Bezeichnung als Lehnwort zu belegen scheint:
    Dazu berichtete der Deutschlandfunk

    Und nun kommen wir ergänzend zur archäologisch belegten biologischen Verbreitung der Pflanze:
    Ergänzend zu o.a. Schriftanalyse berichtet der DF:
    Die Pflanze ist also schon vor Jahrtausenden über die mittelamerikanische Landbrücke von Ecuador aus bis an die Golfküste (Olmeken und Maya) verbreitet worden. Das ist die Region, die zur Zeit der Entdeckung durch die Spanier von Chibcha-Stämmen bewohnt war.

    Die vorher ältesten bekannten Kakaofunde stammen
    - aus den Jahren 460 bis 480 n.Chr. in Rio Azul (alte Maya, Guatemala)

    - aus den Jahren 600 v. Chr. in Colha (alte Maya, Belize)

    Ob nun die Bezeichnung von den Chibcha entlehnt und über die Maya an die Olmeken weiter ging, oder aber von den Olmeken an die Maya entlehnt wurde, spielt im Rahmen der Diskussion hier keine Rolle.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  12. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Damit bringst Du wohl zum Ausdruck, dass Du den Artikel gar nicht gelesen hast. Es geht nicht um die Herkunft der Kakao-Bohnen, und es geht noch nicht mal um das einzelne Kakao-Wort (das für sich natürlich wenig belegt).
    Es geht u. a. um Wörter wie WI-TI-K(I) (vgl. Nahuatl witeki 'dreschen, schälen') oder MU-L(U) - (proto-Nahua *mole 'kochen').
    Weitere Wörter werden in diesem Artikel behandelt:
    Maya yóol - Nahua yo:l' Herz'
    Maya pat{a(n)} - Nahua patla 'Tribut'
    Maya ko'haw - Nahua kwaw 'Helm'
    Maya i(yu)wal - Nahua i:wa:n 'und dann'

    Auch für die Geschichte dieser Wörter ist nicht die Biologie zuständig, sondern die Linguistik.

    Wenn Du aber ernsthaft meinst, die Verbreitung von Pflanzen müsse mit der Verbreitung der Wörter einhergehen, müsstest Du auf die Hypothese von Peter Bellwood (Archäologe) und Jane H. Hill (Linguistin) abfahren, die die Ausbreitung der Uto-aztekischen Sprachen mit der Ausbreitung des Maisanbaus erklären. Demnach müssten sich die Uto-aztekischen Sprachen von Süden nach Norden ausgebreitet haben, nicht umgekehrt.
     
  13. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Dafür stammt das slowenische Wort krumpir für die Kartoffel aus dem Deutschen. Das deutsche Wort Gurke ist andererseits slawischer Herkunft.
    Die Verbreitung von Wörtern für Kulturpflanzen geht mitunter andere Wege als die Verbreitung der Kulturpflanzen.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Normalfall hast du Recht, normalerweise ist zu erwarten, dass die Maya ein Wort für Kakao früher kannten, als Nawa-Sprecher und somit eher im Nawa ein Maya-Wort dafür enthalten ist als umgekehrt
    Nur müssen wir uns die Morphologie des Wortes ansehen, und die ist eindeutig Nawa (zumindest das grammatische Morphem -otl).

    [Edit: Ich erinnerte mich, dass ich zum Thema Etymon noch etwas geschrieben hatte, aber das war in dem anderen Thread:

    [/edit]

    Deshalb schrieb ich auch die kleine Szene mit der Luxus-Entlehung und in einem Maya-Dorf mit dem präkolumbischen Austauschschüler, der Cacaotl einführt und auf Ablehnung stößt.

    Was ist eine Luxus-Entlehnung? Das deutsche Wort Rucksack hat es auch ins englische gebracht: rucksack. Dennoch wollte ein Händler vor einigen Jahren das Wort Rucksack, obwohl es im Englischen als rucksack gebraucht wird, anglisieren und bot body bags an. Damit waren Rucksäcke gemeint, aber übersetzt hieße das tatsächlich Leichensäcke.

    Gerade aus dem Englischen entnehmen wir jede Menge an Luxusentlehnungen. Wir haben das deutsche Wort Feier oder Fest. Ende der 1980er Jahre sagte man Fete (ich habe das nicht überprüft, nehme aber an, dass das über FêtX auf das französische und damit mittelbar wiederum auf das Lateinische zurückgeht). Dann kam aber auch das Wort Party (schon früher) oder Meeting (absolutes In-Wort der späten 1980er) auf. Fete, Meeting, Party sind absolut unnötige Entlehnungen, aber sie gehören zum deutschen Wortschatz. Nichts anderes ist es, wenn ein Nawa-Wort für Kakao ins Maya entlehnt wurde.

    Die Luxusentlehnung kann im Übrigen auch eine Rückentlehnung sein, so wie Garderobe und Balkon Rückentlehungen sind.
    Die Garderobe (wardjaroba) war ursprünglich eine verschließbare Kiste, in der der Franke oder Gote seine Habseeligkeiten verstaute (wardjan - sichern, bewachen > Guardian, Wart, Wärter, warden, roba > Kleidung/ Raub). Heute sind das Haken oder Gestänge an Wand, wo man seine Kleidung dranhängt. Der Balkon war ursprünglich ein Balken. Beide Worte sind im Zuge der Völkerwanderung aus dem Germanischen ins regionale Latein gewandert und später dann aus dem Frannzösischen und Italienischen wieder ins Deutsche entlehnt worden.

    Du würdest aber doch jetzt nicht hingehen und sagen, dass Garderobe kein Gallizismus im Deutschen ist, oder?

    Und sie müssten sich von Südostkanada bis Perú erstrecken.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  15. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Warum denn nicht?
    Wir hatten doch unlängst eine Diskussion, wo es um germanisch-romanische Sprachkontakte ging.

    Wörter können als Lehnwörter übernommen werden, obwohl der Begriff längst bekannt ist und einheimische Wörter dafür vorhanden sind. Gurke ist ein slawisches Lehnwort, das erst in der Neuzeit die althergebrachten Gurkenwörter verdrängt hat. (Einigen Dialektsprechern ist die Kukumer noch bekannt).

    Es wäre völlig unlogisch, zu behaupten, die alten Germanen hätten keine Früchte gekannt, nur weil das Wort ja aus dem Lateinischen stammt.

    Weiteres siehe im Teotihuacan-Thread...
     
  16. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Um die Herkunft von Wörtern zu klären, ist die Linguistik zuständig.
    Beim Kakao-Wort sind sich die Fachgelehrten nicht einig.
    Terrence Kaufman und John Justeson plädieren nach wie vor für eine Herkunft aus der Mixe-Zoque-Sprachen;
    Karen Dakin und Søren Wichmann halten dies aus sprachlichen Gründen für problematisch und schlagen eine uto-aztekische Etymologie vor.

    Falls sich jemand mit Details der Streitfrage befassen möchte:
    Cacao and chocolate, A Uto-Aztecan perspective
    Kaufman Justeson-2007-history of the word for cacao in ancient Mesoamerica
    “Comments on Kaufman and Justeson: ‘The History of the Word for Cacao in Ancient Mesoamerica’
     
  17. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    doch,

    zu 1)
    ich bin der von Dir angegebenen Kettverlinkung gefolgt. Ausgangspunkt hier war
    und das verweist auf Sepiola, Gestern um 23:18 Uhr in #13
    Wenn man dem pdf Link folgt kommt man zu einer download-Seite mit dem Titel und der Zusammenfassung:
    Dort wird lange und breit erklärt, wie aus einem in Rio Azul/Peten, NO-Guatemala (also "alte Maya") gefundenen Topf die Glyphe " yu-?-b’(i) ta-wi-ti-k(i) ka-ka-w(a) ta-ko-xo-m(V)mu-l(u)ka-ka-w(a)" entziffert wurde.
     
  18. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Und weiter "ka-ka-w(a) ta yutal ‘for the fruit of cacao’". Nichts anderes habe ich dann in meinem Beitrag auch wiedergegeben:
    Weitere Begriffe werden am Rande erwähnt. Allerdings habe ich der These widersprochen, dass es sich um "Nahua loan words from the Early Classic period" handelt, und mich dabei auf die Hauptaussagen zum Kakao in dem Artikel bezogen.
    Die Frühe Klassik datiert von 200 – 500 n. Chr. und ist damit zeitgleich mit dem Baubeginn der ersten Pyramide in Teotihuacan (100 n. Chr.). Dessen Blütezeit war von ~300 n.Chr. bis 500, und es wird angenommen, dass Teotihuacan um ca. 400 n.Chr. einen Großteil des Gebiets der Maya unterworfen oder zumindest beeinflusst hat, was die Kultur der Maya auf lange Zeit mitbestimmt.

    Damit kommt eine Entlehnung von Maya-Worten aus dem Nahuatl grundsätzlich nicht in Frage. Die Entlehnung eines gemeinsam genutzten Wortes kann nur aus dem Maya-Sprachbereich (bzw. dem bereits der um 500 v. Chr. - Zerstörung von Laventa - Olmekischen Kultur), von mir aus auch über die Teotihuacan-Kultur oder die Zapoteken als Bindeglied, erfolgt sein.
    Und daher habe ich in #62 auch die gemeinsame Bezeichnung bei Olmeken, Maya und Nahua-Sprechern dargestellt.

    Eine umgekehrte Entlehnung der Maya-Worte aus dem Nahuatl ist dagegen ausgeschlossen. Das steht im Übrigen auch in dem Artikel:
    Es mag sein, dass die spätere Schokolade - wie in #62 ebenfalls beschrieben - eine Luxus-Entlehung aus dem Nahuatl ist, aber das Wort für Kakao ist deutlich älter, schon bei den Olmeken und alten Maya in Gebrauch.


    zu 2)
    2a)
    die erstem Wörter sind in dem von Dir zunächst verlinkten Artikel "am Rande" erwähnt. Ich dachte, es reicht, wenn ich mich mit Kakao und Schokolade auseinandersetze, die ja der wesentliche Inhalt dieses Artikels sind.
    Muss ich jetzt wirklich noch prüfen, wie sich Wörter aus dem seit ca. 5.000 v. Chr. erfolgten Garten-/Feldbau (erste Domestikation von Mais als Kulturpflanze) über Mittelamerika verbreitet haben?


    2b)
    Mit diesem Teil bringst du einen neuen Artikel, den ich mir jetzt noch nicht angesehen habe. Aber ja - es ist durchaus möglich, dass Wörter aus Nahuatl in die spätere Maya-Sprache exportiert wurden. So haben die späteren Tolteken (um 1.000 n. Chr.) einen (nicht nur legendär sondern auch archäologisch) belegten Einfluss auf Yucatan (Chichen Itze - "neue Maya-Reiche") ausgeübt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  19. Erich

    Erich Aktives Mitglied

    Nein, wie ich hier dargelegt habe:
    Die von ca. 1200 v. Chr. bis ca. 500 v. Chr. erfasste Olmeken-Kultur war längst untergegangen, als die Nahua-Völker auf der Bildfläche erschienen.
    Ich bin der Meinung, dass die Olmeken, die Gründerväter der mesoamerikanischen Hochkulturen, in den Maya-Völkern aufgegangen sein könnten. Daraus würden sich viele linguistische Einheitlichkeiten erklären.
    Man kann aber sehr gut die These vertreten, dass die Olmeken originär zur Mixe-Zoque Sprachfamilie gehören, zumal der Zweig der Zoque (Karten aus Wikipedia - freie Enzyklopädie)
    [​IMG]
    immer noch im Ursprungsgebiet der Olmeken-Kultur heimisch ist.
    [​IMG]
    Damit könnte ich dann "Kondom gehen".
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020
  20. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Über die Sprache der Olmeken wissen wir doch gar nichts, da gibt es nur Hypothesen.
    Und die Herkunft des Kakao-Worts ist unter Linguisten umstritten.

    EDIT: Den Rest des Beitrags gibt es im Teotihuacan-Faden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 11. September 2020

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