Kalter Krieg: Containment- und Roll-back-Politik

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Madleen92, 14. Mai 2011.

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  1. Madleen92

    Madleen92 Gast

    Hallo!
    Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit dem Kalten Krieg, nur kam hierbei eine Frage auf, die ich mir bisher nicht beantworten konnte. Ich hoffe ihr könnt mir helfen.
    Was ist der Unterschied zwischen der Containment- und der Roll-back-Politik der USA im II. Weltkrieg? Der Kern beider ist ja die Zurückdrängung des Kommunismus.

    Grüße
     
  2. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Wiki sagt:

    "Die Containment-Politik der Ära Truman fand ihre Fortsetzung (und Radikalisierung) in der Ära Eisenhower und der nach diesem benannten Eisenhower-Doktrin. Das eher defensive Prinzip des Containments wurde dabei zu Gunsten der aggressiveren Rollback-Politik modifiziert."



    Containment-Politik ? Wikipedia
     
  3. iamNex

    iamNex Aktives Mitglied

    Aber Roll-Back und Cointainment waren doch nicht im, sondern nach dem Zweiten Weltkrieg...oder?
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Im Prinzip ist "Roll-Back" eine spezifische Variante der von Kennan ursprünglich formulierten "Containment-Politik".

    Der rechtliche Rahmen für diese Strategie (Truman-Doktrin), der parlamentarisch öffentlich diskutiert und verabschiedet wurde, ist im NSC 68 (Paul H. Nitze) verabschiedet worden und bildet den eigentlichen Bezugspunkt der US-Außenpolitik im Rahmen des Kalten Krieges.

    Nationaler Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten ? Wikipedia

    NSC-68 - Wikipedia, the free encyclopedia

    http://us.history.wisc.edu/hist102/pdocs/nsc68.pdf

    Die Roll-Back-Ausformung bzw. Weiterentwicklung der US-Strategie hat nicht die gleiche Verbindlichkeit als gemiensame Strategie in der Nato erhalten wie die bis ursprüngliche Containment-Strategie. Diese gilt für die globale Ausformung der "Theater" im Mittleren und auch im Fernen Osten und noch stärker für den Bereich von Europa.

    Die Europäer (GB und F) lehnten sie unter anderem wegen der erhöhten Militanz ab und befürchteten eine höhere Wahrscheinlichkeit im Übergang vom Kalten Krieg zum heißen Krieg, der automatisch in Europa in einen atomar geführten Angriff auf die SU eingemündet wäre (vgl. US-Trojan-Plan, Jan. 49, auf 70 SU-Städte mit kalkulierten 2,7 Mio Toten Menschen in der SU) (vgl. Mastny, Die Nato im sowjetischen Denken und Handeln 1949 bis 1956, S. 397, in Konfrontationsmuster des Kalten Krieges 1946-1956, Wiggershaus&Krüger (HG), 2003).

    Gleichzeitig verfolgten sie in Bezug auf die SU durchaus eigenständige außenpolitische Positionen, die teilweise in ihrer Rolle als koloniale, imperialistische Großmächte in der post WW2-Welt begründet ist (beispielsweise F in Indochina).

    Den Kerngedanken von Roll-Back hatte Dulles (Republikaner, Außenminister & Falke) als erstrebenswerte Ablösung des ursprünglichen Containment (Truman & Kennan, Demokrat & etwas weniger Falken als Dulles) bereits 1950 in seinem Buch "War or Peace) formuliert (Mastny: The Cold War and Soviet Insecurity, 1996, S. 146). Stärker als zuvor betonte es neben der "Massive Vergeltung" die innere Zersetzung der SU und seiner Satellitenstaaten.

    Die Überlegung griff zwei zentrale Denkfiguren auf. Zum einen hatte Kennan bereits erkannt und darauf weist Gaddis (We now know. Rethinking Cold War History, 1998), in Anlehnung an Gibbons Analyse des Zusammenbruchs des römischen Imperieum, dass Zeit ein Faktor ist und für die West-Mächte arbeitet.

    Gleichzeitig war sich die USA des eigenen "Imperial Overstretches" bewußt und erkannte diese Entwicklung bei der SU.

    In diesem Sinne bedeutete Roll-Back, neben seiner militärischen Komponente, auch eine massive politische Bedrohung. In diesem Kontext spielte auch das US "Office of Policy Coordination" eine wichtige Rolle , das 48 lediglich 302 Mitglieder aufwies, aber bereits 51 über 2812 Mitarbeiter für subversive Tätigkeiten im Ostblock im Rahmen der psychologischen Kriegsführung verfügte.

    Eine Bedrohung, die Stalin durchaus erkannt hat und ein Grund bildet, die SU bis zu seinem Tod in einem semi-Kriegszustand zu belassen. Deutlich beispielsweis an den Vorschlägen von Voznesenskii (zuständig für Planung in der SU), in Anlehnng an die theoretischen Positionen von Stalins Chef-Volkswirt Vara, zur Steigerung der Konsumgüterproduktion und 1949 der weiteren Säuberung zum Opfer file.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2011
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  6. Madleen92

    Madleen92 Gast

    Würdet ihr sagen, dass der Koreakrieg ein Beispiel für die Roll-Back-Politik der USA war?
     
  7. Speaker

    Speaker Aktives Mitglied

    Während dieser Zeit ging im US-Wahlkampf Eisenhower von der Containment zur Roll-Back Politik über. Er erklärte die Eindämmungsstrategie der regierenden Demokraten für gescheitert und forderte nun eine Politik des offensiven Zurückdrängens des Kommunismus.
    Dies fand 1 Jahr später eine Ergänzung in der Doktrin der Massive retaliation.
    Aussenminister Dulles erklärte am 12.Januar 1954 erstmals die Notwendigkeit, Aggressoren abzuschrecken auch mit Gegenmassnahmen wie die nukleare Vergeltung. als Erklärung dazu führte er die Unmöglichkeit an, sich gleichzeitig auf eine Euseinandersetzung in Tropen, Asien, Antarktis, Nahen Osten, Europa, zur See, zu Land , zur Luft vorzubereiten. Für eine konventionelle Hochrüstung in Europa standen auf keinen Fall genügend Haushaltmittel zur Verfügung.
     
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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Als Prämisse muss man die Entscheidung des US-Senats kurz vor der Invasion der nordkoreanischen Armee zur Kenntnis nehmen, die Wirtschaftshilfe für Süd-Korea nicht zu verabschieden.

    Zum einen, weil Süd-Korea nicht zum genuinen asiatischen Sicherheitsbereich erklärt war und zum anderen weil Syng-Man Rhee seinerseits durchaus aggressiv bzw. offensiv gegen den Norden vorgehen wollte.

    Rhee Syng-man ? Wikipedia

    Der Rahmen für den Korea-Krieg ist ganz wesentlich durch eine Reihe von Faktoren beeinflußt worden, ohne die er nie zustandegekommen wäre und somit auch überhaupt keine Reaktion von Seiten der UNO/USA gezeitigt hätte.

    - die relative Erfolglosigkeit von Stalin im europäischen "Theater" seine Politik der Ausweitung seines Einflußbereichs voranzutreiben (Berlin-Blockade etc.)

    - der Sieg von Mao Zedong im Rahmen des chinesischen Bürgerkriegs die Machtbalance in Asien gravierend zugunsten des Russisch-Chinesichen-Blocks verschoben hatte

    - auch Kim, ähnlich wie Rhee, eine gewaltsame Vereinigung der beiden Teile anstrebte und Stalin diesen Vorschlag bereits 1949 unterbreitet hatte, der sich bedeckt gehalten hat und die Stellungnahme von Mao abwarten wollte, da dieser für Asien eine kompetentere Abschätzung der Wahrscheinlichkeit einer amerikanischen Intervention vornehmen solle, aus der Sicht von Stalin.

    Mao Zedong ? Wikipedia

    Das Timing für die nordkoreanische Offensive war durch Kim, zur Überraschung von Stalin, vorgenommen worden, obwohl ein großer Teil der ca. 1000 Eisenbahnladungen, die Stalin gegen die Lieferung von ca. 25.000 t. Zink / Jahr zugesagt hatte, noch unterwegs waren.

    Vor diesem Hintergrund waren die Amerikaner, trotz Warnungen der Geheimdienste zunächst "Off-Balance", reagierten dennoch überraschend schnell militärisch innerhalb der ersten 24 Stunden auf die Intervention.

    Mao war zwar grundsätzlich für die Aktion von Kim und schätzte die Wahrscheinlichkeit der amerikanischen Intervention als gering ein. Nicht zuletzt weil innerhalb eines Monats die nordkoreanische Kampagne beendet sein sollte. Auch weil Mao aus der chinesichen Armee Soldaten samt Ausrüstung im Rahmen von mehreren Divisionen aus der chinesischen Armee entlassen hatte und Kim für den Feldzug zur Verfügung gestellt hatte.

    Konkret durchkreutzte dieser Krieg jedoch seine eigenen Pläne, da er als finalen Akt Taiwan besetzten wollte und so den Bürgerkrieg endgültig beenden wollte. Da die USA die 7. Flotte nach Taiwan beorderte war diesem Unterfangen ein entscheidender Riegel vorgeschoben worden.

    Die Intervention der USA ist somit eher als "Machtprojektion" zu betrachten, die die Handlungsfähigkeit der USA unterstreichen sollte. Dieses auch deswegen, weil man zwar vermutete dass Stalin involviert war, Stalin jedoch den Eindruck einer direkten Beteiligung zu vermeiden suchte.

    Korea war in diesem Sinne kein bewußtes Containment, sondern eher ein den USA aufgezwungenes Verhalten und in diesem Sinne ein Machttest, den Stalin an die "Pheripherie" des Kalten Krieges verlegt hatte.
     
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  9. Speaker

    Speaker Aktives Mitglied

    Is doch garnicht die Frage. Korea konnt ja auch gar kein bewußtes Containment sein, weil der Krieg ja nicht von den USA ausging. Es ging nur darum, dass der Koreakrieg ein Grund für die nun folgende Roll-Back-Politik war.

    meiner Meinung nach war sowohl Containment als auch Roll Back, laut Aussage der Urheber, lediglich Reaktion auf kommunistische Aktionen, egal ob Mao oder Stalin.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Mai 2011
  10. LordNelson

    LordNelson Neues Mitglied

    Zum Korea-Krieg -
    Meines Wissens nach kam der Krieg Mao sehr gelegen, da er ihm erlaubte, sich gegenüber Stalin in eine exellente Verhandlungsposition zu bringen: Chinesische Soldaten in Korea gegen sowjetische Waffen und die Fabriken zu ihrer Herstellung.
    Um immer mehr sowjetische Zugeständnisse zu erreichen soll Mao den Krieg sogar noch künstlich durch die Streitfrage der Zwangsweisen Repatirierung verlängert haben.
    Auch interessierte sich Mao als altgedienter Massenmörder sehr für die Möglichkeit, einige hunderttausend gefangene Kuomintang-Soldaten in Korea an die Front schicken zu können...
    Die Waffen und das Geld der Sowjetunion wiederum brauchte Mao unbedingt, um Taiwan einnehmen zu können und China zur "Supermacht" zu machen, während Stalin die ganze Zeit Angst vor einem Super-Tito in Ostasien hatte...

    Quelle: Jung Chang - Jon Halliday MAO
     
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  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  12. LordNelson

    LordNelson Neues Mitglied

    Klar, wenn man das Buch ließt, dann merkt man es ziemlich schnell.
    Die Autoren mögen Mao nicht und sind daher mehr als nur ein wenig einseitig und übertreiben des öfteren. Andererseits scheint die Recherche ja zumindest recht viele Zeitzeugenberichte zu berücksichtigen.

    Daher nun meine Bitte, ob es jemanden möglich ist, meine obigen Aussagen durch andere Quellen zu stützen oder in der Luft zu zerreißen?
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zum Timing und zur Frage ob Mao der Krieg gelegen kam, hatte ich bereits etwas geschrieben, und dieses kannst Du in den Arbeiten von Gaddis oder Mastny nachlesen.
     

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