Kalter Krieg

Dieses Thema im Forum "Blockbildung und Kalter Krieg" wurde erstellt von Nickname, 15. März 2011.

Schlagworte:
  1. Nickname

    Nickname Neues Mitglied

    Hallo alle zusammen :)

    Befinde mich in der intensiven Vorbereitung für das mündliche Abitur und habe ein paar Verständnisfragen :)

    - Die Sowjetunion hat die Amerikaner ja immer beschuldigt, imperialistische bestrebungen zu verfolgen. Inwiefern traf das denn zu? Immerhin hat die Sowjetuinion doch selbst in Form der Breschnew-Doktrin versucht, ihren Kommunismus zu erhalten und zu verbereiten.

    - Wo lagen genau die Probleme der Entspannungspolitik?
    Nach meinen Überlegungen waren beide Parteien zu zwaghaft: Bei den SALT I z.B. ging es ja nur darum, eine Obergrenze für die strategischen waffen festzulegen, statt sie vollständig zu beseitigen. Außerdem marschierte die Sowjetuinion 1979 in Afghanistan ein und behinderte somit erheblich die Freidenspolitik. Aber wer trägt die meiste Schuld? warum sind die Vereinbarungen vorher (1956) fehlgeschlagen?


    Darf man hier denn auch mehrere verschiedene Themen eröffnen? Ich würde mich sehr freuen, denn hier bekommt man tolle Hilfe und Anregungen!

    Vielen dank im Voraus!!!:winke:

    Liebe Grüße
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Während des WW2 bestimmte FDR die Politik der Westalliierten, teilweise auch in direkter Konfrontation zu Churchill (z.B. Konferenz in Teheran) und in direkter Unterstützung von Stalin.

    Dieses auch vor dem Hintergrund, da er bewußt durch ein partnerschaftliches Verhalten der SU gegenüber, die fast als neurotisch zu bezeichnende Distanz von Stalin und großer Teile der Nomenklatura zu ihren westlichen Partnern abbauen wollte.

    Franklin D. Roosevelt ? Wikipedia

    Die Post-WW2-Ära sollte durch 4 Weltpolizisten, USA, UdSSR, GB und China dominiert und kontrolliert werden. Ergänzt durch die UNO, die weitgehend ein Lieblingsprojekt von C. Hull (US-Außenminister) war.

    Als Kenner der Mitteleuropäischen und Osteuropäischen Szene vertrat Kennan eine Haltung, die FDR kritisierte und ihm explizit Realistätsverlust vorwarf.

    George F. Kennan ? Wikipedia

    Durch den Tod von FDR kam Truman als Präsident an die Macht. Er wurde im Prinzip durch die gleichen Personen "gebrieft", die bereits vorher FDR unterstützt haben. Gleichzeitig war es in diesem Kreis nach 1945 zu einem leichten Umdenken in der Politik der UdSSR gegenüber gekommen.

    Ausgangspunkt für die Reformulierung der US-Außenpolitk war das "long-telegram", dass Kennan aus Moskau an das State-Department geschickt hat. Und für ihn völlig unerwartet zum zukünftigen Rahmen für die neue US-Außenpolitik unter Truman wurde.

    Aus diesem Telegramm und einer anschließenden Tätigkeit in den USA entwicklete Kennan, unter anderem, die Grundlage für die "Truman-Doktrin", die zumindest auf amerikanischer Seite die ideologische Voraussetzung für den Einstieg in den "Kalten Krieg" geboten hat.

    Im Kern war es auf eine härtere Haltung gegenüber den Sowjets ausgerichtet, da Kennan beispielsweise zu der Überzeugung gekommen war, dass Partnerschaft aus der Sicht der SU als Schwäche der USA identifiziert wurde.

    Truman-Doktrin ? Wikipedia

    Kalter Krieg ? Wikipedia

    Soviel zur Genese dieses Konflikts.

    Solltest Du billig an die Memoiren von Kennan herankommen, für mich waren sie sehr spannend zu lesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. März 2011
  3. Nickname

    Nickname Neues Mitglied

    Erstmal vielen Dank für deine Antwort! :)

    Ich fürchte allerdings, du hast mich missverstanden. Mir ist schon klar, dass die Amerikaner bestrebt waren, die Ausbreitung des Kommunismus zu unterbinden. Die Gründe für den Ausbruch des Kalten Krieges sind mir auch bewusst.
    Die erste Frage bezog sich auf den Vorwurf der Kommunisten, die Amerikaner hätten Expansionsabsichten gehabt. Ich habe nachgesehen: Truman wollte niemals angreifen. Das ist nun klar.

    Die zweite Frage bezieht sich auf das Ende des Kalten Krieges. Wer hatte die meiste Schuld, dass es lange zu keinen vernünftigen Einigungen kam? Meine Überlegung: Es gab ja diverse Versuche, den Konflikt zu lösen oder zumindest etwas zu mildern. Dies sollte ja in den SALT I und II geklärt werden. Anstatt allerdings in diesen Versammlungen die strategischen Waffen ganz abzuschaffen, wurden lediglich Obergrenzen festgelegt. Das ist meiner Ansicht nach ein Fehler von beiden Seiten, weil sie eigentlich nicht wirklich abrüsten wollten. Dann trägt natürlich die Sowjetuinion große Schuld, weil sie 1979 in Afghanistan einmarschierte und somit die Entspannungspolitik beendete.
    Aber hat nun auch Amerika Fehler gemacht?
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Internationale Politik wird von Dir noch stark unter dem Aspekt der "Alltags-Rationalität" interpretiert und unter dem Gesichtspunkt einer "vernünftigen" Lösung fragst Du nach der "Schuld". Das ist sicherlich legitim, hat aber wenig mit der - unterschiedlichen - Sichtweise der beiden beteiligten Supermächte zu tun.

    Brauchbarer als moralische Kategorien für die Bewertung der Handlugsoptionen der Supermächte sind Konzepte aus dem Umfeld der "Spieltheorie". Typischerweise das "Gefangenendilemma", das die Handlungsmöglichkeiten von zwei Betroffenen darstellt und die Gefahr aufweist, dass der eine sich auf Kosten des anderen bereichert.

    Gefangenendilemma ? Wikipedia

    Diese Situation ist im Prinzip der Ausgangspunkt für die Analyse von Kennan und bis zum Niedergang der SU im Rahmen der Perestroika das immer wiederkehrende Problem für die Beziehung der beiden Supermächte und auch einer der Gründe für das gegenseitige Mißtrauen.

    Seine erste Ausformung erhielt diese Neuorientierung der US-Außenpolitik im Rahmen der bereits erwähnten Truman-Doktrin und ist der übergeordneten Strategie des Containments zuzuordnen.

    Containment-Politik ? Wikipedia

    Eine Radikalisierung erfuhr diese Strategie unter Eisenhower, der sie durch eine aktive Nutzung militärischer Instrument anreicherte. Eine Entwicklung, die beispielsweise der geistige Vater des Containments, Kennan, scharf kritisierte und von einer Militarisierung der US-Außenpolitik sprach.

    Eisenhower-Doktrin ? Wikipedia

    Eine Weiterentwicklung erfuhr die Strategie im Rahmen des Rollbacks. Und hier greift bereits ein Konzept, dass durch Kennedy

    Aufstieg und Fall der großen Mächte ... - Google Bücher

    im Rahmen seiner "Strategischen Überdehnung" ausformuliert hat.

    Rollback-Politik ? Wikipedia

    Die Auseinandersetzung im Rahmen des Kalten Krieges führte dazu, dass man eine "Ersatzkriegsführung" gegen den WP konzipiert, das die Stärken des Westens und die Schwächen des Osten aktiv einbezog.

    Vor diesem Hintergrund wurde vor allem durch die republikansichen Präsidenten die wirtschaftlichen Kosten des Wettrüstens für die SU auf ein Niveau erhöht, dass nur durch eine gravierende Entnahme aus dem BSP zu finanzieren war und den wirtschaftlichen Niedergang der SU bzw. des WP zur Folge hatte.

    In diesem Sinne war der Begriff des "Totrüstens" durchaus als Programm zu interpretieren, den Ostblock zu destabilisieren. In diesen Kontext gehört auch die Überlegung von Reagan zu "Star Wars". Auch der "Kalte krieg" war ein Krieg und zielte darauf ab, von einer Seite gewonnen zu werden. Allerdings mit der Einschränkung, die USA verfügten über ein Arsenal von Wirtschafts-Waffen für den Kalten Krieg, die die UdSSR nicht aufweisen konnte und somit von Beginn eigentlich schon verloren hatte.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Strategic_Defense_Initiative

    Diese Haltung der USA fand einen dankbaren Gegenspieler in der SU, der aus einer Reihe von Gründen, auch um dem Anspruch einer Supermacht gerecht zu werden, aktiv in diese Rüstungsspirale involviert war.

    Leonid Iljitsch Breschnew ? Wikipedia

    Neben spezifisch innenpolitischen Gründen, die die Ausweitung des "Militärisch Bürokratischer Komplexes" und der Strategischen Streitkräft begünstigt hatten, war es auch die Vorstellung, dass man die Investitionen in die Rüstung nutzen könne, um sie als politisches Kapital einzusetzen und auch ökonomisch zu provitieren. Eine Idee, die primär auch unter Breschnew aktiv verfolgt wurde. Und zumidnest teilweise erklärt, warum eine Einigung bei den SALT-Verhandlungen so schwierig war.

    Aus der Perspektive ihrer damaligen Sichtweise hatten beide Parteien keinen wirklichen Grund, Salt erfolgreich zu machen. Eine Selsttäuschung, zumindest in einem Fall.

    Nebenbei ist anzumerken, so Mastny, dass auch die SU, totz einer aggressiven Militärdoktrin mit der Betonung einer präventiven Option der Kriegsführung, zu keinem Zeitpunkt in einen heißen Krieg einsteigen wollte, weder unter Stalin, Chrustschow oder Breschnew und auch nicht unter den Nachfolgern. Wenngleich auch mit unterschiedlicher Motivation.

    http://www.google.de/search?hl=de&s...astny"&ei=JviBTbH9LITNswbcz-iZAw&ved=0CC8Q9Ag

    Vielleicht helfen Dir diese Überlegungen Deine ursprünglichen Fragen selber zu beantworten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. März 2011
  5. nichtwichtig

    nichtwichtig Neues Mitglied

    Truman-Doktrin

    Wieso fing der kalte krieg an?
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Überschrift und Frage stehen in einem seltsamen Missverhältnis zueinander.
     
  7. marek25

    marek25 Neues Mitglied

    Naja in seiner Rede spricht Truman ja an, das die USA Staaten helfen muss, die unterdrückt werden, wobei er wohl speziell die Sowjetunion meinte.
    Das ist m. E. schon ein Schritt in Richtung Kalter Krieg.
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Naja, dass die Truman-Doktrin, mit der Unterscheidung Freiheit-Totalitarismus den Beginn des Kalten Krieges in Form der Containment-Politik der USA markiert ist ja jetzt nicht gerade bahnbrechend Neues. Dein "Wieso?" gibt vielmehr keinen Sinn.
     

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