Karikatur "Deutsche Reichsbremse", Beiblatt zum "Leuchtturm", Leipzig 1849

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Nationalstaaten" wurde erstellt von Jennifer, 9. Januar 2018.

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  1. Jennifer

    Jennifer Neues Mitglied

    Hi,
    ich muss diese Karikatur analysieren und deuten. Jedoch komme ich dabei nicht ganz zurecht. Also das Thema ist offenbar das Scheitern der revolution von 1848. Doch für was stehen die Hüte und wie soll das zu interpretieren sein - Hüte ab! Ich verstehe die Karikatur irgendwie überhaupt nicht.
    Wäre super wenn mir jemand zum mindest grob sagen könnte, wie man diese Kariktur ungefähr deuten könnte.

    Vielen Dank
    Jenni :)

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  2. hacege

    hacege Mitglied

    "vor jemand den Hut ziehen" bedeutet im heutigen Sprachgebrauch "jemand Ehre zu erweisen" bzw. (zumindest in einer Sachfrage) "die Überlegenheit von jemand anzuerkennen".

    Hilft das ?
     
  3. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Es gab da einen Vorfall am 22. März 1848 auf dem Berliner Schloßplatz, dieser und die dabei im Mittelpunkt stehende Person sind links dargestellt. Ein knappes Jahr später waren es andere Leute, die auf Aufforderung von jemand anderem den Hut abzunehmen hatten...
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Karikatur dürfte wohl Friedrich Wilhelm IV. ; König von Preußen darstellen.
    Am 22. März 1848 kam es in Berlin zu Demonstrationen und heftigen Barrikadenkämpfen. Die Unruhen waren so schlimm aus Sicht der Herrschenden, dass Friedrich Wilhelm IV. und andere Regenten sich genötigt sahen, Lockerungen der rigiden Pressezensur, Einführung von bürgerlichen Freiheiten, Einrichtung eines Parlaments und andere Reformen einzuführen. Als man die "Märzgefallenen" der Barrikadenkämpfen an seinem Schloss vorbeitrug, sah sich Friedrich-Wilhelm genötigt, sich pietätvoll vor den Toten zu verneigen.

    In Frankfurt am Main tagte ein Parlament in der Paulskirche. Im Jahr darauf 1849 war die Revolution überall in den deutschen Ländern ausgetreten und niedergeschlagen. dabei tat sich u. a. Friedrich Wilhelms Bruder Wilhelm hervor, der später als Wilhelm I. 1870 deutscher Kaiser wurde. Wilhelm hatte in Baden und Preußen die Aufstände niedergeschlagen und war dabei so rigide vorgegangen, dass er sich den Spitznamen der
    Kartätschenprinz erworben hatte. Eine Kartätsche ist eine Granate, die man mit Kanonen verschoß und die wie eine Schrotpatrone mit kleineren Kugeln gefüllt ist.
    Im Jahr 1849 hatten sich aber die Machtverhältnisse grundlegend geändert. Die Revolution war niedergeschlagen. Die Abgeordneten der Paulskirche wollten Friedrich Wilhelm zum deutschen Kaiser,zum Monarchen eines geeinten Deutschlands machen. Ein einiges Deutschland, ein Deutsches Reich gab es noch nicht, das alte Reich, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war 1804 unter dem Eindruck der napoleonischen Kriege aufgelöst worden, und das Deutsche Kaiserreich (gegründet 1870) gab es noch nicht, nur den Deutschen Bund, ein loser Staatenbund von verschiedenen deutschen Ländern. Friedrich-Wilhelm IV. lehnte die Kaiserkrone ab, er glaubte, das könne er nicht mit seiner Vorstellung, ein Monarch von "Gottes Gnaden" zu sein vereinen. Er wollte keine "Krone aus Dreck und Lehm" tragen, die er auch noch der Volkssouveränität verdankt hätte. Von den demokratischen Errungenschaften der Märzrevolution blieb am Ende nur noch das Recht, auf der Straße rauchen zu dürfen erhalten, alles andere hatten die Monarchen abgelehnt und niedergeschlagen. Das sind die Hintergründe dieser Karikatur. Googel 1848er Revolution, "Märzgefallene" dann weißt du mehr.
     
    hatl, muheijo und Carolus gefällt das.

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