Karl der Große - Beiname?

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Novemberkind, 30. Oktober 2009.

  1. Novemberkind

    Novemberkind Neues Mitglied

    Hallo,
    ich bin ganz neu hier und habe in wenigen Tagen meine letzte Examensprüfung im Fach Geschichte - unter anderem über Karl den Großen und die Sachsenkriege. Über das Thema habe ich schon sehr viel gelernt, aber ein paar allgemeine Fragen werden sicher kommen, wie beispielsweise: Warum hat Karl den Beinamen "der Große" überhaupt erhalten? Ich habe schon versucht, das herauszufinden, bin aber bislang zu keiner schlüssigen Antwort gekommen, weiß das hier vielleicht jemand?

    Und kann mit jemand vielleicht hilfreiche Tips geben, was ich besonders im Bezug auf Karl, die Sachsen und Christianisierung wissen muss? Ich glaube, der Prof legt darauf großen Wert. Also beispielsweise die Rolle Alkuins, die Ansicht, Glaube könne nur durch Gott und nicht durch Menschenhand gegeben werden, er muss durch Predigten und nicht mit dem Schwert verbreitet werden etc. Hat vielleicht hierzu jemand noch einen Geistesblitz? Vielen Dank schonmal für jede Hilfe!
     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

    Wie heißt denn dein Professor?
     
  3. Novemberkind

    Novemberkind Neues Mitglied

    Ist das wichtig? ;) Ich mache mein Examen in Münster, und mein Prof ist bezeichnenderweise kein Historiker, sondern Theologe. Ich kenne ihn selbst nicht, er ist mir als Zweitprüfer zugeteilt worden (ich kann mir nur den Erstprüfer -Antike- aussuchen). Aber er macht einen sehr netten und fairen Eindruck. Durch die Tatsache, dass er Theologe ist, legt er beim Thema Karl der Große und die Sachsenkriege seinen Schwepunkt natürlich auf die Christianisierung. Das ist auch völlig ok - dafür kann ich besser lernen, als wenn ich stumpf nennen müsste, wann wo welche Schlacht war. Zumal das bei den Sachsenkriegen einige waren! :pfeif:
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Er wurde bereits zu Lebzeiten "groß" genannt. Belegt ist das seit den 80er Jahren des 8. Jhdts. Von den Päpsten Hadrian I. und Leo III. wurde er als "großer König" angesprochen. Ab seiner Kaiserkrönung wurde er sogar in offiziellen Urkunden "groß" genannt, davor schon in privaten Urkunden. Ludwig der Fromme nannte ihn dann generell den "Großen".
     
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  5. Novemberkind

    Novemberkind Neues Mitglied

    Achso! Vielen Dank! Ich war mir so unsicher, weil nur wenige Herrscher tatsächlich den Titel "der Große" bekommen haben - mir fallen spontan nur Friedrich der Große und Katharina die Große ein. Das hat mir echt weitergeholfen, danke! :winke:
     
  6. Panzerreiter

    Panzerreiter Neues Mitglied

    Wobei man bedenken sollte, dass das Attribut "groß" zweierlei Bedeutung haben kann.
    Zum Einen natürlich in Bezug auf große Taten oder große Bedeutung.
    Zum Anderen aber auch schlicht als körperliches Merkmal.

    Letzteres ist gar nicht so abwegig, denn - nicht nur - im Frühmittelalter wurden viele namhafte Persönlichkeiten mit Beinamen versehen, die auf charakteristische körperliche Eigenheiten abzielten. Zwar wird bei einigen (wie etwa Pippin der Kurze/Kleine) die Berechtigung des Beinamens angezweiflelt, bei vielen anderen (Karl der Kahle, Karl der Dicke, Harald Schönhaar oder auch Friedrich Barbarossa) jedoch war sie wohl tatsächlich angemessen.

    Da Karl der Große - nicht nur von Einhard - als außergewöhnlich groß und kräftig bechrieben wird, liegt die Vermutung nahe, mit diesem Beinamen könnte er schon zu Lebzeiten aufgrund dieses körperlichen Merkmals bedacht worden sein.

    Der offizielle, vollständige, zu Lebzeiten verwendete Titel Karls war übrigens

    Carolus serenissimus augustus, a Deo coronatus magnus pacificus imperator, Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam Dei rex Francorum et Langobardorum.

    Karl, der erlauchte Erhabene, von Gott gekrönt, großer friedebringender Kaiser, der das römische Reich regiert und auch durch Gottes Gnade König der Franken und Langobarden.

    Diesen Titel findet man in 22 Urkunden aus den Jahren 801 bis 813.
     
  7. Novemberkind

    Novemberkind Neues Mitglied

    Danke!
    An den Aspekt der körperlichen Größe habe ich auch schon gedacht, laut Einhard war Karl über 1,80m groß, während die Menschen zu dieser Zeit durchschnittlich nur 1,60m wurden. (Aber Karl hatte auch eine Hakennase und eine Fistelstimme...:cool:)
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich glaube aber absolut nicht, dass Karl der Große sein "groß" ursprünglich wegen seiner Körpergröße bekommen hat. Z. B. wird er auf seiner Grabinschrift "magnus et orthodoxus imperator" genannt, also "großer und rechtgläubiger Kaiser". Auch sein Enkel Nithard schrieb, dass Karl der Große von allen Völkern "großer Kaiser" genannt wurde.
     
  9. Panzerreiter

    Panzerreiter Neues Mitglied

    Das Eine schließt das Andere nicht aus.
    Im offiziellen Titel jedenfalls ist von "groß" nur an nebengeordneter Stelle die Rede, noch dazu im Rahmen einer Standardfloskel, die wohl bei so ziemlich jedem König oder Kaiser so lauten dürfte.
    Möglich wäre es also allemal. Schließlich hätte Karl in dieser Hinsicht, wie erwähnt, durchaus nomenklatorische Gesellschaft. Beweisbar natürlich ist es letztendlich nicht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. November 2009
  10. Clausine

    Clausine Neues Mitglied

    Karl der Große

    Hallo Leute da draußen,

    ich muss am Mittwoch einen Tste nachschriebn und meine Freundin hat gesagt das drankommt warum Karl der Große, Karl der Große heißt. Ich habe schon in meinem Geschichtsbuch nachgesehen, aber da steht nichts darüber. Vieleicht könnt ihr mir helfen?!
    Ich freue mich riesig über eure antworten.
    Bis bald:winke:
    Eure Clausine♥
     
  11. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Wenn das ein Test in der Schule ist, dann wird aber wohl nicht gefragt sein, wann und von wem er den Beinamen erhalten hat, sondern wodurch er ihn "verdient" hat und warum er für Europa bedeutend war. Dazu ein paar Gedanken:
    - Er erneuerte das abendländische Kaisertum, was bis 1806 nachwirkte. (Eigentlich auch darüber hinaus, denn ein Napoleon z. B. wäre wohl nie auf die Idee gekommen, sich zum Kaiser zu machen, wenn die Kaiseridee mit dem Untergang von Byzanz erloschen wäre.)
    - Er brachte das Papsttum unter die politische Kontrolle des Kaisertums und schuf die enge Verquickung Kirche-Staat.
    - Er beendete durch die Unterwerfung der Langobarden die Völkerwanderung endgültig.
    - Die karolingische Renaissance bildete nach Jahrhunderten wieder einen kulturellen Lichtblick.
    - Er vereinigte kurzfristig fast das gesamte katholische Europa (ausgenommen die britischen Inseln und Asturien) in einem Reich.
    - Er schuf das Grafschaftssystem.
    - Er beendete die Bedrohung durch die Awaren.
    - Hätte er z.B. nicht Sachsen und Bayern unterworfen, hätte sich das Ostfränkische/Deutsche Reich nie in seiner späteren Form bilden können. Auch den jahrhundertelangen Konflikt Deutschland-Frankreich hätte es dann in der Form nie gegeben.
     
  12. MacX

    MacX Neues Mitglied

    Kann mir gar nicht vorstellen, dass man in einem Geschichtsbuch nichts zu Karls Errungenschaften findet.

    Im Übrigen hatte Karl auch eine herausragende körperliche Größe von 1,90m, wenn ich mich recht erinnere...
     
  13. Caswallawn

    Caswallawn Neues Mitglied

    Schon, was du alles aus dem guten Einhard entnehmen kannst.
    Zu Panzerreiter:
    Sind die meisten Beinamen nicht erst später den Herrschern gegeben worden, um sie besser voneinander zu unterscheiden? Wer würde als König schon negative Aspekte in seine offizielle Bezeichnung aufnehmen?
     
  14. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

  15. heinser

    heinser Gast

    Karl der Große

    Hey,
    ich muss demnächst in der Schule an einer Diskussion teilnehmen. Mein Teil zu der netten Runde besteht darin, den Beinamen Karl des Großen in Frage zu stellen. Vielleicht kennt sich jemand gut aus und kann mir unter die Arme greifen

    Bis dahin
    heinser
     
  16. Darius Meder

    Darius Meder Neues Mitglied

    Karlmann I . (Bruder Karls des Großen) verstorben 4. Dezember 771 oder
    wurde er verstorben ?:cry:
    Gerberga und ihre beiden Kinder flüchteten nach Karlmanns Tod in das
    Langobardenreich. Jedoch verschwinden sie nach 772 aus den Quellen,
    nachdem sie der Gefolgschaft Karls in die Hände gefallen waren


    Blutgericht von Verden
    Hinrichtung von 4.500 Sachsen im Jahre 782 während der Sachsenkriege.


    Karls I. Ehe,-, Sexual- und Familienleben stand in eklatantem Widerspruch zu den kirchlichen Moralvorstellungen und dem darauf aufbauenden Kirchenrecht. Bereits die Verstoßung seiner ersten langobardischen Ehefrau und die anschließende Wiederverheiratung mit der Alemannin Hildegard war kirchenrechtlich anstößig, weil sie gegen das Unauflöslichkeitsprinzip der Ehe verstieß. Schlimmer noch war aber aus kirchlicher Sicht, dass er außer mit seinen Ehefrauen auch sexuellen Umgang mit einer Reihe von Konkubinen pflegte, von denen einige den Status regelrechter Nebenfrauen hatten und ihm auch Nachkommen schenkten.

    Ich hoffe das reicht :)

    Gruß
     
  17. Bauernjörg

    Bauernjörg Neues Mitglied

    Das Blutgericht von Verden/Aller mit den Hingerichteten 4500 Sachsen, ist wohl eine Legende!
    Ich zitiere aus dem Handbuch der deutschen Geschichte:Die Zeit des karolingischen Großreichs 714-887;" Karl stürmte noch im Herbst 782 erneut nach Sachsen und erzwang, nachdem Widukind zu den Dänen entkommen war,bei Verden/Aller die Auslieferung sonstiger Rädelsführer,die er sämtlich,wenn auch wohl kaum in der allein von den Reichsannalen angegebenen Anzahl von 4500,hinrichten ließ. Wahrscheinlich damals wurde die strenge Capitulatio de partibus Saxoniae erlassen,die selbst geringfügige Verstöße gegen die neue politische-religiöse Ordnung mit der Todesstrafe bedrohte,in ihrer tatsächlichen Anwendung jedoch nicht zu überprüfen ist."
     
  18. heinser

    heinser Gast

    ja, das hab ich auch gelesen mit der legende. ich bin euch auf jeden fall dankbar. so langsam erscheint licht in der sache. wenn euch noch mehr einfällt wärs klasse, wenn ihrs noch posten würdet.


    cheers up
    heinser
     
  19. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    Legende! Die Historiker streiten, aber nicht um das "Blutgericht von Verden", sonder um die Zahl der "Opfer" bei der Hinrichtung.
     
  20. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    So, dann gebe ich auch noch meine 2 Pfennig dazu ab...


    Natürlich wird die Zahl stark angezweifelt, aber Zahlen sind in der mittelalterlichen Historiographie ohnehin nicht als feste Größen zu sehen. Der kasus knaxus in der Geschichtswissenschaft ist das Verb "decollare". In Einhards Aufzeichnungen heißt es:

    usque ad quattuor milia D traditi et super Alaram fluvium in loco, qui Ferdun vocatur, iussu regis omnes una die decollati sunt.

    Eine Linie der historischen Interpretation geht dahin, dass sie nicht enthauptet wurden, sondern nur umgesiedelt. Also statt decollati sunt - delocati sunt. Ein Schreibfehler also. Hach, wie schön ist die Mediävistik - ebenso bunt wie die Zeit ist die Theorie. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2010
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