Karl von Anjou - Herrscher ohne Skrupel

Dieses Thema im Forum "Persönlichkeiten im Mittelalter" wurde erstellt von Joinville, 7. Juli 2006.

  1. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    1246 - 1285 Graf von Anjou und Maine
    1266 - 1285 König von Sizilien (ab 1282 in Neapel)
    1267 - 1282 Fürst von Achaja
    1277 - 1282 Titularkönig von Jerusalem
    seit 1263 römischer Senator


    Im März des Jahres 1226 gebar Königin Blanche von Kastilien ihrem Mann, König Ludwig VIII. von Frankreich, einen neunten und letzten Sohn Karl.
    Fünf von Blanches Söhnen (Philipp, Peter, Heinrich, Johann Tristan und Philipp Dagobert) starben bereitz als Kleinkinder.
    Ihr blieben noch Ludwig (IX.), der Erbe, Robert, später Graf von Artois, und Alfons, der die Grafschaften Poitou und Toulouse erhalten sollte.
    Karl als jüngster sollte für eine geistliche Berufung bestimmt werden. Doch der frühe Tod des Prinzen Johann Tristan ließ ihn in dessen Erbrechte auf Anjou und Maine nachfolgen.

    Im Alter von zwanzig Jahren heiratete er Beatrix von Provence.
    Sie war von ihrem Vater Raimund Berengar V. als Erbin seiner Besitzungen, der Grafschaften Provence und Forcalquier, ausersehen worden.
    Beatrixs Schwester Margarethe sollte die Gemahlin seines Bruders Ludwig werden.
    Über ihre anderen beiden Schwestern Eleonore und Sancha wurde er Schwager des englischen Königs Heinrich III. und dessen Bruders Richard of Cornwall.

    In den Jahren 1248 - 1250 begleitete Karl seinen Bruder Ludwig IX. auf dessen Kreuzzug nach Ägypten wo beider Bruder Robert de Artois beim Kampf um al - Mansura den Tod finden sollte.

    1252 begann Papst Innocenz IV. sowohl mit Karl als auch Richard of Cornwall Verhandlungen über eine Belehnung mit dem Königreich Sizilien in Gegnerschaft zum Todfeind der Kirche, den Staufern.
    Die Verhandlungen zogen sich jedoch hin und zwischenzeitlich wurde auch Karls Neffe Edmund Crouchback als neuer König Siziliens gehandelt.
    Schließlich nahm Karl, 1262, die Verhandlungen mit Papst Urban IV. wieder auf, die 1265 mit Papst Clemens IV. zu einer Einigung führten.
    Demnach sollte Karl Sizilien als erbliches Königreich erhalten.
    Dafür musste er Ansprüche auf Italien und die Kaiserkrone aufgeben.
    Am 6. Januar 1266 wurde Karl in Rom zum König Siziliens gekrönt.
    Um aber König sein zu können, musste er sich erst gegen den Stauferkönig Manfred durchsetzen.
    Am 26. Februar trafen beider Heere bei Benevent zusammen, wo Manfred in der Schlacht fiel.

    Karls Ehrgeiz, einer der mächtigsten Herrscher des Abendlandes zu werden, war nun erwacht. Denn ein Jahr später unterwarf sich ihm im Vertrag von Viterbo der Fürst von Achaja Wilhelm II. de Villehardouin.
    Verträge mit dem lateinischen Kaiser Balduin II. legten denn Grundstein führ eine imperiale Politik im Mittelmeerraum.
    Noch im selben Jahr vernichtete er das Heer des letzten Staufers Konradin bei Tagliacozzo und ließ diesen am 29. Oktober in Neapel hinrichten.

    1270 beteiligte sich Karl am Kreuzzug seines Bruders gegen Tunis.
    Nach des Bruders Tod zog er mit dem englischen Prinzen Eduard (I.), der sein Neffe war, in das Heilige Land um gegen Sultan Baibars zu kämpfen.
    Bei Tripolis erlitten sie 1271 jedoch eine Niederlage.

    Über Eheverbindungen versuchte Karl in der Folge seinen Einfluß zu stärken.
    Sein Sohn Philipp heiratete die Erbin Achajas Isabella de Villehardouin.
    Die Tochter Beatrix wurde mit dem latainischen Titularkaiser Peter de Courtenay verheiratet.
    1277 versuchte er seinen Einfluß ins heilige Land auszudehnen, indem er die Rechte auf den Thron von Jerusalem, von Maria von Antiochia abkaufte. Jedoch setzte sich im Outremer Hugo III. von Zypern durch.
    Nichtsdestotrotz wurden Titel und Anspruch auf seine Nachkommen weitervererbt.

    1281 griff Karl in die Papstwahl zugunsten Martins IV. ein.
    Auf dem Zenit seiner Macht plante er zusammen mit Venedig einen Angriff auf Kaiser Michael VIII. Palaiologos um die Kaiserwürde Konstantinopels zu erlangen.
    Dieses große Unternehmen wurde durch den Ausbruch der sizilianischen Vesper, 1282, verhindert.
    Dieser Aufstand, gegen seine harte und blutige Herrschaft, führte zum Eingreifen König Peters III. von Aragon der ein Schwiegersohn Manfreds war.
    Karl verlor schließlich Sizilien an Peter. Jedoch konnte er sich in Apulien und Kalabrien halten wo er das Königreich von Neapel begründete.

    Nachdem eine Rückeroberung der Insel misslang, forderte er sogar Peter zu einem entscheidenten Duell in Bordeaux herraus.
    Als er eine erneute Landung auf Sizilien plante starb er am 7. Januar 1285 im Alter von 58 Jahren.

    Er war zweimal verheiratet (Beatrix von Provence, seit 1268 Margarethe von Burgund). Neben acht Kindern aus diesen Ehen hatte er noch mehrere uneheliche.

    Karl de Anjou galt als besonderst brutal und hart. Er wurde als sehr ruhmsüchtig beschrieben und war skrupellos in seinem Handeln.
    Er verfolgte 1252 als Regent seines Bruders in Frankreich die Juden.
    Er liebte den Prunk und galt als Zerstörer der provencalischen Kunst.


    Quellen :

    u.a.

    "Die Kapetinger" ~ Joachim Ehlers
    "Die Geschichte des Byzantinischen Reiches" ~ Karl Roth
    "Byzanz und die Kreuzzüge" ~ Ralph-Johannes Lilie
    "Konradin von Hohenstaufen" ~ Hans Uwe Ullrich
    "Die französischen Könige des Mittelalters"
     

    Anhänge:

  2. LadyAlienor

    LadyAlienor Gesperrt

    War er nicht auch ein Urenkel von Alienor von Aquitanien?
    Ich kann mich erinnern mal sowas gelesen zu haben.
     
  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ja. Seine Mutter war Blanche von Kastilien.
    Diese war über ihre Mutter Aenor Plantagenet (die Ehefrau Alfonsos VIII. von Kastilien) eine Enkelin Eleonores von Aquitanien.
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Ich Narr, hab natürlich vergessen zu schreiben, dass Karl von Anjou seit seiner Ehe mit Beatrix auch Graf von Provence war.

    Die Herrschaft der Anjou´s in der Provence dauerte bis zum Tod von Karls Ur-Urenkelin, Königin Giovanna I., 1382.
    Die ermordete Königin vermachte die Provence und ihre Ansprüche auf den Thron von Neapel ihrem testamentarischen Erben Ludwig de Valois, Graf von Anjou.
     

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