Kegelbetontürme - Winkeltürme

Dieses Thema im Forum "Technikgeschichte" wurde erstellt von Köbis17, 4. April 2011.

  1. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ja, als Winkel seine Türme entwickelte war Luftschutz in erster Linie unterirdisch, verbunden mit den üblichen Problemen, wie lange Bauzeit, Hohe Kosten, Bauverzügerungen aufgrund diverser Unwägbarkeiten (bspw. der jeweilige Grundwasserspiegel). Das Aussehen von oben macht die Hochbunker zum einen zu einem schwer zu treffenden Ziel, hinzu kommt, dass man weniger Baumaterial für die gleiche Schutzwirkung wie bei unterirdischen Bunkern hat (weil eine oberirdisch explodierende Bombe weniger schaden anrichtet, als eine die unterirdisch detoniert).

    Die Winkeltürme sind auch nicht die klassischen Standard-Zivilluftschutzbunker, vielleicht fallen sie einem deshalb auch nicht so auf, insbesondere nicht als Bunker. Standardmäßig dürfte man bei "Bunker" erstmal an die klassischen Tiefbunker denken, wer sich etwas mehr mit der Materie auseinander setzt, dem sind ggf. noch die Hochbunker geläufig, die aber größtenteils so gebaut wurden, dass sie sich "in das Stadtbild einfügen", sprich, von Piloten nicht als Luftschutzraum zu erkennen sind. Der Hochbunker München Blumenstraße bspw. gehört dazu, der auch heute nicht sofort als Bunker zu erkennen ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Hochbunker_Blumenstra%C3%9Fe_(M%C3%BCnchen)

    Intensive "Bunkerforschung" im Sinne eines zivilen Luftschutzraumes gab es beriets seit dem 1. Weltkrieg, einen entsprechenden Schub in der Forschung, gerade finanzieller Natur gab es ab der Machtergreifung 33.

    Auch im 1. Weltkrieg gab es bereits Luftkrieg, wenn auch nicht in dem Ausmaß wie im 2. Weltkrieg. Auch etliche kriegerische Auseinandersetzungen in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen (exemplarisch sei hier der Luftangriff auf Gernika genannt) zeigen eigentlich, wie dringend erforderlich entsprechende Bunkeranlagen für ein Land sind, das sich auf einen Krieg vorbereitet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. April 2011
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das kann ich aus der Praxis bestätigen. Ich habe beruflich mit vielen Gebäuden aus den 30.er Jahren zu tun gehabt. Bei industriellen Bauten erscheinen ab Mitte der 30.er Luftschutzräume. Bei privaten Wohngebäuden setzt dieser Trend später ein aber trotzdem noch vor dem Beginn des Luftkrieges und teilweise überhaupt vor Kriegsbeginn. Es gab in der Industrie auch schon eine ganze Reihe passender Produkte wie Gasdichte Türen von zahlreichen Herstellern, Belüftungsgeräte, Gasfilter etc. Die Marke Dräger läuft einem dabei häufig über den Weg. Die Patente all dieser Gerätschaften müssen also noch vor dem Krieg angemeldet worden sein.

    Anbei ein Foto von etwas von dem ich annehme, dass es Teil eines Belüftunggeräts/Gasfilters ist. Es war im Luftschutzraum eines industriellen Gebäudes zwischen dem eigentlichen Schutzraum und der Gasschleuse montiert. Leider ist das Teil während der Umbauarbeiten verschwunden bevor ich es sichern konnte. Der historische Wert solcher Teile wird allgemein leider nicht erkannt.
     

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  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Interessantes Objekt, Pelzer. Im Gegensatz zu dem rein defensiven Winkelturm scheint er aber laut Zeichnung zur Verteidigung ausgelegt sein (so würde ich den knienden Schützen zu interpretieren).
    Falls du die Legende dieser Zeichnung zur Hand hast. Was ist der Tank im ebenerdigen Raum? Druckluft?
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Pah, die ollsche Dräger war in Lübeck Stadtmutter. Ich hatte mal Einlass in ihre Villa und bin darauf stolz wie Bolle. Gediegen hanseatisch.
     
  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das Vorantreiben der Kriegsbereitschaft in Deutschland war mehr als deutlich. Hier mal eine Verhaltensanweisung aus dem Jahr 1938 (sic!): "Luftschutz, Gasschutz, Volksschutz - Gemeinverständliche Darstellung des Luftschutzes und der Bekämpfung der Gasgefahren":
    1938 Luftschutz, Gasschutz, Volksschutz.jpg

    Stimmt, Dräger war auch eine der wenigen Firmen, die die Lizenz zum Bau der Winkeltürme hatte.

    Schaut in der Tat nach Luftfilteranlage aus. Hier mal eine in ganz (mit bekanntem Firmennamen ;)):
    Bunker Filteranlage.jpg

    Oder eben doch, weswegen es auch verschwunden sein kann (es gibt Leute, die sammeln sowas). Allerdings stehen etliche Bunker doch auch unter Denkmalschutz, insbesondere doch dann, wenn sie heute nicht mehr als ziviler Luftschutzraum in Gebrauch sind.

    Nicht alle Winkeltürme waren rein defensiv, je nach "Träger" (hier insb. die Winkeltürme der Wehrmacht) waren Sie auch offensiv durch entsprechende Flakgeschütze ausgerüstet.
     
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  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Dazu ist mir kein Beispiel untergekommen. Hast du dafür ein Bild oder sonstiges? Bei der Verteidigung von Berlin wurde beklagt dass bei den Hochbunkern (Jeden Typs) keine Nahverteidigungsmöglichkeiten bestünden. Gemeint sind Schiessscharten die den Eingang decken. Insofern war mein vorheriger Kommentar falsch formuliert. Alle Bunker sind defensiv. Passiv hätte es heissen sollen.

    In Zossen übrigens, war mindestens einer der Winkeltürme zerstört. Ob durch Bombentreffer oder nachträgliche Demolition ist mir nicht bekannt. Da die anderen aber Intakt waren, nehme ich an es war Kriegsschaden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. April 2011
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Eher "oder sonstiges":
    Winkeltürme | Forschungsgruppe Untertage e.V.

    Allerdings gab es in Berlin auch entsprechende Flaktürme, die zeitgleich als Bunker genutzt wurden, wobei das natürlich kein Argument bzgl. Schießscharten - also Bodenverteidigung - ist. In dem Zusammenhang fällt mir ehrlich gesagt auch kein ziviler und werklicher Bunker ein, der entsprechende Verteidigungsmöglichkeiten gehabt hätte. Bei den Wehrmachtsbunkern kann ich es mir zwar vorstellen, kann es aber ad hoc nicht mit Sicherheit sagen. Dazu müsste ich nochmal blättern. Wobei ich zumindest ad hoc sagen kann, dass bei einigen spät gebauten Bunkern bspw. bereits Panzerschutz - allerdings auch nicht in Form aktiver Verteidigung - angebracht wurde, was bei früheren Bunkern nicht getan wurde. Ggf. hat man hierzu auch einfach die Möglichkeit des Bodenangriffs nicht früh genug in Erwägung gezogen.

    In Zossen standen insgesamt 19 Winkeltürme (alle Wehrmacht), von denen zwölf nach dem Krieg gesprengt wurden (so zumindest eine eher schlampige Eigenaufschreibung - die Quelle muss ich gerade schuldig bleiben, ich schau zu Hause aber gerne nach). Laut eben dieser Eigenaufschreibung gab es Bombenschäden an Winkeltürmen nur in den Focke-Wulf-Werken in Bremen, also ein Winkelturm von geschätzten 200 (wobei Pi mal Daumen nur gut 120 Winkeltürme heute bekannt sind).
     
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  8. pelzer

    pelzer Aktives Mitglied

    Hoi Bdaian

    Der „Tank“ ist die Tür in der Ansicht, kein Tank...
    Diese Schindler-Bunker wurde oft bei Zeughäusern oder vergleichbaren Anlagen eingesetzt. Sie sollten dem Personal als Schutzraum dienen.

    Hier die Patentschriften:
    Kleiner Schindler-Bunker: Schweizer Patentschrift
    Grosser Schindler-Bunker : Reichspatent

    Gruss Pelzer

    .
     

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  9. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Da habt ihr ja wirklich ein eigenwilliges Thema aufgefunden, dass interessant ist! Die Hochbunker der großen Städte sind heute ohne Vorwissen ja kaum sofort als solche zu erkennen.

    Ich kann die Qualität der folgenden Website nicht recht einschätzen, doch scheint man sich hier wohl zu bemühen, alle Winkeltürme zu erfassen. Die Mainsite hat ebenfalls Bunker als Objekt.

    Luftschutzturm Bauart Winkel
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich habe geblättert, es gab in der Tat Wehrmachtsbunker mit Verteidigung (bspw. die bereits erwähnten Flaktürme), allerdings war das nicht die Regel, sondern vielmehr die Ausnahme.

    Ich habe die Quelle: Waffen-Arsenal 175: "Luftschutztürme der Bauart Winkel 1934-1945"

    Ja, so auch mein "Lieblingsbunker": Hochbunker Lazarettstraße Münster ? Wikipedia Wie eine Ritterburg - zumindest von außen, innen ist er wie jeder andere Bunker auch. Zu den Winkeltürmen ist mir noch was eingefallen: in Köln gibt es ein Winkelturm-Museum: Kölner Festungsmuseum - Außenstelle Winkelturm in Köln-Niehl

    Inhaltlich seriös, da 1:1 aus oben genannter Veröffentlichung zu den Winkeltürmen geguttenbergt :still:
     
  11. Vitruv

    Vitruv Gesperrt

    Bewehrung...

    Die Rundform hat wirtschaftliche und statische Gründe. Kubus, Quadrat und Kreisform sind Anlagen mit dem geringsten Umfang (siehe hierzu auch die Vorgaben des RLM und die Entwurfsprinzipien zu Bunkern in der Bauentwurfslehre von Ernst Neufert, Ausgabe 1943/44).

    Dazu ist die Kegelform ein wunderbarer Druckkörper, der kaum direkte Angriffsfläche bietet. Wirtschaftliche Geschoßhöhen liegen hier bei 2,10 m. Einzelobjektentwürfe wurden mit der Zeit durch standardisierte Typenentwürfe (OT-LS-Typenbunker) ersetzt (insbesondere ab 1942/43).

    Grundrißformen sind meist sehr ähnlich: Zugang seitlich bzw. über Eck, dann Gasschleuse Innen, dann ein Rundraum mit rund angeordneten Betten, in der Mitte eine Doppel-T-förmige Stütz- und Trennwand...

    Grüße

    Vitruv
     
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  12. Tiberio-Tertio

    Tiberio-Tertio Neues Mitglied

    Das Thema ist zwar etwas älter, aber es gab nicht nur die Winkeltürme sondern auch die sogenannten "Dieteltürme" so einer steht hier wo ich wohne in der nähe des Hauptbahnhofs, dazu noch ca. vier Winkeltürme.
    Luftschutzturm Bauart Dietel
    [​IMG]
     
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