Kelten = Vorfahren der Wikinger?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von mad wurst, 2. Januar 2005.

  1. mad wurst

    mad wurst Neues Mitglied

    hi leute
    sind die kelten eigentlich die vorfahren der wikinger oder gibt es dort keinen zusammenhang zwischen diesen beiden kulturen?
     
  2. Lungos

    Lungos Neues Mitglied

    Wikinger sind z.B. Dänen und Norweger, also Germanen. Sie haben mit den Kelten nichts zu tun.

    Zwischen den Kulturen der Germanen und Kelten gab es sicher Austausch und Beeinflussung. Wie weit diese jedoch ging und wer was von wem übernommen hat kann ich jedoch nicht sagen.
     
  3. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Als die Wikinger im 8. Jahrhundert mit dem Überfall auf Lindisfarne in die Geschichte eintraten, gab es Kelten nur noch in Irland und Schottland. Auf dem Kontinent waren sie romanisiert oder von den Germanen verdrängt worden. :thx:
     
  4. Wikinger

    Wikinger Neues Mitglied

    ich glaube ebenfalls nicht, dass die kelten und germanen was miteinander zu tun hatten, da die germanen eher hier in unserer gegend lebten und die kelten ursprünglich aus gallien (gallia) und spanien (hispania) kamen. allerdings habe ich mich auch immer geirrt, was kelten und germanen betrifft, da sie in filmen beide immer mit bärten und helmen mit hörnern gezeigt werden.
     
  5. hyokkose

    hyokkose Gast

    Entschuldige, aber Du hast vergessen zu schreiben, in welcher Gegend Du lebst; daher wissen wir nicht, welche Gegend Du meinst.
    Aus Deinem Nicknamen könnte man allenfalls schließen, daß Du in Dänemark oder Norwegen lebst.
     
  6. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Das heutige Dänemark lag zumindest am Randbereich der keltischen Kultur, wie insbesondere der Fund des Kessels von Gundestrup (Nordjütland) beweist. Er ist eines der eindrucksvollsten Fundstücke der keltischen Kultur.

    Archäologisch lassen sich vor dem Beginn der Zeitrechnung links- und rechtsrheinische Kulturen praktisch nicht unterscheiden. Vom archäologischen Standpunkt aus leben in ganz West- und Mitteleuropa Kelten. Erst Cäsar bezeichnet alle rechtsrheinischen Stämme als Germanen. Die zuvor "keltischen" Stämme Jütlands werden dadurch automatisch zu "germanischen" Stämmen, ohne dass sich kulturell oder ethnisch irgendetwas getan hätte. In diesem Sinne sind die Kelten durchaus Vorfahren der dänischen Wikinger. Aber natürlich liegen zwischen beiden Epochen ca. 800 Jahre.

    Zu dieser Problematik gehört im übrigen auch die Diskussion, ob Kimbern (deren Heimat Jütland war) und Teutonen nun Kelten oder Germanen waren.
     
  7. Wikinger

    Wikinger Neues Mitglied

    auch wenn ich wikinger heisse, wohne ich in deutschland.

    entschuldige bitte, dass ich mich so undeutlich ausgedrückt habe.
     
  8. Cherusker

    Cherusker Gast

    Das kann man so nicht stehen lassen. Es gab schon Unterschiede zwischen keltischen und germanischen Stämmen (z.B. die Sprache, Kultur, Kriegswesen,...).

    Und der im Norden gefundene Kessel von Gundestrup sagt nichts darüber aus, ob dort auch Kelten lebten. Eine These lautet, daß dieser Kessel entweder importiert (Handel) oder durch einen Raubzug in den Norden gelangte.

    Z.Zt. gehen die mit den Ausgrabungen (z.B. in der Nähe von Osnabrück) befaßten Archäologen davon aus, daß die Kelten bzw. keltisch beeinflußten Stämme nicht weiter als das heutige Osnabrück gen Norden gekommen sind. Die Fundstücke lassen im Norden teilweise nur keltischen Einfluß zu. Wirkliche von Kelten produzierte Fundstücke sind doch sehr rar. Daher können die Kelten nicht im heutigen Norddeutschland gesiedelt haben.

    Die Römer fanden rechts und links des Rheines keltische Stämme vor. Aber das war im Süden des heutigen Deutschlands. Als die Römer gen Norden kamen erkannten sie schon einen Unterschied. Die Kelten sahen in dem Rhein keine Grenze zwischen 2Völkern, sondern ihr Stammgebiet wird von einigen Archäologen auch im heutigen Bayern, Südfrankreich und Tschechien gesehen. Die Kelten breiteten sich auch gen Norden aus, aber das heutige Hessen wurde lange Zeit als der nördlichste Außenposten gesehen. Die Wallburgenkette bestätigte anfangs diese Vermutung. Aber die heutige Archäologie geht davon aus, daß einzelne keltische Stämme es versucht hätten auch nördlicher des heutigen Hessen Fuß zu fassen. Aber die Zuwanderung der Germanen ca. 200-100 v.Chr. verhinderte
    die weitere Ausdehnung. Hier kam es dann zur Vermischung von germanischer und keltischer Bevölkerung (bei uns wurde ein germanisches Schmuckstück gefunden, daß keltische Stilelemente beinhaltete).

    Die Kimbern und Teutonen haben auf ihrem jahrelangen Zug durch Europa auch etliche Stämme auf ihrem Zug mitgenommen. Daher lassen sich hier auch keltische Einflüsse finden.

    Ferner zog es die Kelten auch eher in den sonnigen Süden als in den kalten Norden! :)
    Und definitiv sind die Kelten nicht die Vorfahren der Wikinger! :p Auch wenn sie in manchen bescheuerten "Hammer-Keule-Lendenschurz-Filmen" sogen. "Wikingerhelme" tragen (das haben noch nicht einmal die Wikinger getan....oder hat man schon einmal einen Wikingerhelm mit Hörnern gefunden?)
     
  9. hyokkose

    hyokkose Gast

    Deutschland gehörte aber etwa zur Hälfte zum ursprünglichen "Kerngebiet" der Kelten.

    Im Unterschied zu Spanien: Dort gab es "ursprünglich" wohl keine Kelten.
     
  10. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    So einfach kann es nun doch nicht gewesen sein.

    Ich habe vor geraumer Zeit einen Beitrag im Internet gelesen, der sich auf ein fragmentarisch erhaltenes Schriftstück aus römisch/hellenistischer Zeit bezog.

    In diesem Fragment war von einem armenischen Feldherrn die Rede, der Söldner angeheuert hatte, und zwar "Gallier" und "Grausame Gallier". Die waren äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden, verstanden sich aber gegenseitig nicht.

    Die Führer beider Söldnertruppen mussten auf griechisch miteinander kommunizieren.

    Auch soll der Führer der "Grausamen Gallier" in barbarischem griechisch den Spruch getan haben, er wolle am Abend aus den Schädeln der erschlagenen Feinde trinken und seinen Käse mit der Hand zu Musik machen.

    Na, wenn einem bei "Handkäs mit Musik" nicht sofort klar wird, das diese "Grausamen Gallier" nur Hessen (Chatten) gewesen sein können, dann weiss ich nicht. ;)

    Wie auch immer, die Unterschiede zwischen Kelten und Germanen waren für Aussenstehende vielleicht schwer ersichtlich, aber ein Germane hat einen Kelten schon dadurch erkannt, dass dieser nicht theudisk (theutsch) sprach, sondern valhisk (welsch).
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2005
  11. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Die Kelten des ersten vorchristlichen Jahrtausends sind allerdings keine Sprachgemeinschaft, sondern eine Kulturgemeinschaft. Zur Sprache der jeweiligen Volkschaften in Mitteleuropa kann man heutzutage praktisch gar nichts sagen, weil es keinerlei Aufzeichnungen darüber gibt.
    Ob es tatsächlich so war, dass die süddeutschen Kelten eine keltische Sprache sprachen oder nicht doch eine "germanische" Sprache bleibt Spekulation.
    Anhand der wenigen erhaltenen keltischen Sprachinseln am Westrand Europas lassen sich jedenfalls keine Rückschlüsse auf die Sprache der Kelten in Mittel- und Südosteuropa schließen.

    Das kann man doch als Beweis für meine These sehen. Armenier (also auch Griechen und Römer) bezeichneten zwei Völker als Gallier (=Kelten) obwohl sie offenkundig zwei unterschiedliche Volkschaften waren. [Spekulation]Also einmal "echte" Kelten und einmal "kulturelle" Kelten, die aber Vorfahren der Germanen waren.[/Spekulation]

    Bzgl. Hörnerhelme bei den Kelten habe ich mal das Buch "Die Kelten" von Barry Cunliff durchgeblättert.
    -eine römische Bronze aus dem 3. Jhd. v.Chr. stellt einen nackten keltischen Krieger dar - er trägt einen Hörnerhelm
    -Poseidonios merkt an, dass die Helme der Kelten gelegentlich Hörner oder andere vorspringende Elemente trugen
    - es sind gefundene Helme abgebildet, die eine Dreizack und einen bronzenen Vogel tragen
    - diese keltische Statue zeigt ebenso "Hörner" http://home.bawue.de/~wmwerner/hochdorf/holzgerlingen.html
    - auf dem Kessel von Gundestrup sieht man einen Gott (?) mit einem Helm mit Geweih und einen Reiter der offenbar einen mit Schafsbockhörnern geschmückten Helm trägt

    -der germanische Helm, den man in Sutton Hoo gefunden hat zeigt in seinen Gravuren Krieger die Hörnerhelme tragen (siehe das Bild unten links: http://www.armae.com/moyenage/1211suttonhoo.htm )
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Gibt es im süddeutschen Raum keine keltischen Hydronyme oder Toponyme, die sich erhalten haben? Anhand dieser müsste man auch feststellen können, ob die Kelten einen mit ihren 'Verwandten' verwandten Dialekt gesprochen haben - was ich im Übrigen für wahrscheinlich halte.

    Edit: Hier steht immerhin etwas über keltische Toponyme. So ist angeblich der österreichische Landesteil Kärnten eine Ableitung des keltischen karant für 'Fels'.

    El Quijote
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2005
  13. Cherusker

    Cherusker Gast

    Mit den Hörnerhelmen bei den Kelten hast Du Recht. So hatten auch Helme für kultische Handlungen "Hörner". Auf dem Foto von dem Wikingerhelm kann man Hörnerhelme erkennen.

    Die Römer nannten die Kelten "Gallier", während die Griechen die Bezeichnung "Kelten" verwandten. Sie beschrieben somit ein Volk aus dem Norden. Das es aber noch die Germanen gab, die etwas später im Norden (aus Südskandinavien und der norddeutschen Tiefebene) erschienen, daß konnten die Römer und Griechen anfangs nicht unterscheiden. Da die Germanen als wesentlich wilder und kampfeslustiger beschrieben wurden, ging die Vermutung der Römer so gar dahin, daß es noch weiter entfernt Menschen geben müßte, die gar keine mehr seien, sondern die man als Tiere ansehen könnte (Tacitus). Das war einfach übertrieben.

    Die Germanen haben die Kelten immer weiter gen Süden vertrieben. Aber es kam auch zur Assimilation, sodaß bei einigen germanischen Stämmen auch keltische Elemente zu finden sind. Aber grundsätzlich waren es schon 2 verschiedene Völker.
    Der Feldzug der Kimbern und Teutonen bestand aus Germanen und Kelten. Die Kimbern waren Germanen, die wohl aus Jütland stammten. Während die Teutonen neuerdings eher den Kelten zugerechnet werden.

    Seit ca. 100v.Chr. ist der Höhepunkt der keltischen Expansion in Europa überschritten. Von da an befanden sich die Kelten nur noch in der Defensive (gegen Römer und Germanen). Auf dem Balkan gegen die Thraker, im Norden gegen die Germanen, in Kleinasien besiegt und von den Römern aus Italien vertrieben, das war die Situation für die Kelten.

    Die Römer haben erkannt, daß sie durch Disziplin in ihrer Kampftaktik ein keltisches Heer besiegen konnten. Ein Verhängnis der Kelten war es, daß sie ihre Kampftaktik über jahrhundertelang nicht groß veränderten. Sie waren dadurch leicht berechenbar. So kam es zu permanenten Niederlagen gegen die Römer und Germanen.
     
  14. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Wikinger,
    in Hessen saßen bis nach Mittelhessen hinein, die Funde auf dem Glauberg sind ein Beweis dafürmit der Abbildung eines Keltenfürsten, die Kelten.Diese wurden von dem von Norden kommenden Germanen verdrängt oder vermischten sich mit ihnen. Von Süden und Westen kamen die Römer und romanisierten die dort ansässigen Kelten.
    Cäsar sah als einzigen Unterschied zwischen den Germanen und den Kelten den, dass die einen besiegt und besetzt waren und die anderen noch nicht.
     
  15. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dem kann ich nicht zustimmen: Caesar unterschied sehr wohl zwischen den unterworfenen "cisrhenanischen Germanen" (wie den Eburonen) und den transrhenanischen, gegen die er am Rhein kämpfte. Zudem - wenn ich mich recht erinnere - beobachtete Cäsar bei den Kelten eine "Stadtkultur", während er bei den Germanen feststellte, dass sie abgelegene Gehöfte bevorzugten und sich nur im Krisenfall zusammentaten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2005
  16. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    "Anhand der wenigen erhaltenen keltischen Sprachinseln am Westrand Europas lassen sich jedenfalls keine Rückschlüsse auf die Sprache der Kelten in Mittel- und Südosteuropa schließen."

    Nicht ganz richtig. Man weiß zwar über das Festlandkeltische viel weniger als über das Inselkeltische. Die bisherigen Informationen reichen aber aus, um eine grobe Sprachgeschichte nachzuzeichnen, die meisten Ortsnamen übersetzen zu können und auch Lautgrenzen etc. unterscheiden zu können. Allerdings ist die Sprache der südosteuropäischen Kelten oder der Galater wirklich nicht besonders gut bekannt.

    " Gibt es im süddeutschen Raum keine keltischen Hydronyme oder Toponyme, die sich erhalten haben?"

    Gibt es! Eines der bekanntesten Beispiele ist dafür der Ort Zarten im Schwarzwald. Dort lag in der Nähe das keltische Oppidum "Tarodunum". Ein weiteres Beispiel ist Ladenburg/Lopodunum, wobei der Zusammenhang deutlicher wird in der Bezeichung Lobdengau, der Gegend um Ladenburg. Allerdings sind die Ortsnamen keltischer Oppida so gut wie nie erhalten - wir wissen zum Beispiel nicht, wie das riesige Oppidum in Manching hieß. Sehr häufig sind Hydronyme. So soll Rhenus - der antike Name des Rheins - ebenfalls auf die Kelten zurückgehen.

    "Das kann man so nicht stehen lassen. Es gab schon Unterschiede zwischen keltischen und germanischen Stämmen (z.B. die Sprache, Kultur, Kriegswesen,...).

    Und der im Norden gefundene Kessel von Gundestrup sagt nichts darüber aus, ob dort auch Kelten lebten. Eine These lautet, daß dieser Kessel entweder importiert (Handel) oder durch einen Raubzug in den Norden gelangte."

    Richtig, ich möchte aber noch eine dritte Möglichkeit anbieten: Kürzlich las ich, dass der Kessel in der Nähe einer Siedlung gefunden wurde, die auffällige Ähnlichkeit zu einem keltischen Oppidum hatte. So könnte in dieser Gegend vielleicht eine keltische Exklave oder Handelsstation gewesen sein. Auch die Forscher, die diese Version vertreten, sind sich aber einig darüber, dass die eigentliche Grenze viel weiter im Süden verlief.

    Die nördlichsten Oppida liegen in Nordhessen, wie Niedenstein unweit von Kassel. Allerdings ist bei manchen dieser Oppida strittig, ob in ihrer Spätphase dort Kelten oder Chatten siedelten (der Name "Chatten" soll sich im übrigen auch von einem keltischen Wort ableiten).
     
  17. Jürgen

    Jürgen Neues Mitglied

    Bedingt-, mit Wohlwollen, -ja. Nur sollte man den Gaul von der anderen Seite aufzäumen.

    Es war eben keineswegs offenkundig, dass es sich dabei um zwei verschiedene Völker gehandelt hat. Darum wurden Kelten und Germanen ja in einen Topf geworfen.

    Die Römer hatten trotz jahrzehntelanger vorangegangener Kämpfe (ca. 100-110 v. Chr.) die Kimbern als Kelten betrachtet, erst als sie beobachteten, wie sich die letzten Kimbern unter Spartakus (ca. 80 v. Chr.) unabhängig von den Anderen im Kampfgeschehen des großen Sklavenaufstandes formierten und ihre Angriffe führten, hat man erkannt: "Das sind keine Kelten!"

    Das Problem Kelten und Germanen auseinanderzuhalten war also tatsächlich nicht einfach; jedenfalls für Aussenstehende.

    Für Insider (Germanen) möchte ich anführen, dass die Bezeichnung "theudisk" übersetzt wird mit "zum Volke gehörig" - oder salopp "Der gehört zu uns!"

    So wird man keinen Welschen bezeichnet haben.

    Ich glaube, dass die Trennung zwischen "uns"-Germanen und "euch"-Kelten schon für einen gewissen Abstand gesorgt hat.

    Tatsache ist aber auch, dass viele Flurnamen keltischen Ursprungs auf uns in Süddeutschland überkommen sind. z.B. Flussnahmen mit der Endung "ach" (kelt. = Wasser) oder Städtenamen mit der Bezeichnung "magus" (kelt. = Feld) z.B. Borbetomagus = Worms.

    Ob dies allerdings direkt, von den Kelten übertragen wurde, oder indirekt durch die Römer ist durchaus fraglich, denn die Kelten haben ihre süddeutschen Oppidae bis ca. 100 v. Chr. aufgegeben und ihre angestammte Heimat verlassen. Die Germanen sind aber nur bis zum Taunus nachgerückt. (Abgesehen von ein paar Neckarsueben.)

    Die Römer sind also bei ihrem Vordringen nach Süddeutschland in den letzten Jahrzehnten v. Chr. in ein menschenleeres, verlassenes Gebiet eingedrungen und konnten dieses nahezu ungehindert besiedeln.

    Flurnamen aus diesen Gebieten könnten also auch von den Römern übernommen worden sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2005
  18. Cherusker

    Cherusker Gast

    Also ganz so einfach war das Vordringen der Römer in den Alpenraum nicht. Die Kelten haben sich schon gewehrt und die Römer mußten gegen die Alpenvölker etliche Kämpfe bestehen. So wurde in der Nähe von Monaco eine Siegesdenkmal errichtet, auf dem steht, daß fast 50 Alpenstämme besiegt wurden.

    Um 15 n.Chr. gelangten dann die Römer auch verstärkt in das heutige Süddeutschland. Tiberius hat von einer Insel im Bodensee ein Seegefecht gegen die Vindeliker gestartet.
    Es ist aber festzustellen, daß der Alpenrand stärker besiedelt war, während das übrige Alpenvorland wohl nur noch schwache Besiedlung vorwies (vielleicht kann doch der mögliche Kometeneinschlag ca. 200v.Chr. eine Ursache dafür sein).

    Ca. 15v.Chr. bis 10v.Chr. hat es eine Schlacht zwischen Römern und Kelten nahe dem heutigen Oberammergau gegeben. Hier kämpfte auch die 19.Legion (Nachweis auf 3Katapultpfeilen). Dieser Kampf scheint, aufgrund des Fundspektrums, siegreich für die Römer geendet.

    Fazit: Alpenrand= Randale; Alpenhinterland=Ruhe! ;)
     
  19. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Ashigaru,
    vielen Dank für diese Information. Da ich gebürtiger Kassläner bin interessiert sie mich natürlich. Kann es sein, dass sich dort Germanen mit Kelten vermischt haben und daraus der Stamm der Chatten entstanden ist? Oder haben sich dort Germanen mit einer vorindogermanischen Bevölkerung vermischt?
     
  20. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Lieber Heinz,

    dass es gerade in einer solchen Durchgangslandschaft wie Hessen um das Jahr 0 herum es noch vorindogermanische Bevölkerungsreste gegeben hat, möchte ich eher ausschließen.
    Die Frage, wie sich in Hessen der Übergang von der keltischen Latenezeit zu den Chatten gestaltet, ist durch die Neufunde der letzten Jahre eher noch schwieriger zu klären. Früher tendierte man eher dazu, Siedlungen als germanisch zu deklarieren - so erklärte Karl Demandt alle Ringwälle nördlich des Limes zu chattischen Verteidigungsburgen. Die Altenburg bei Niedenstein wurde gern als "Mattium", der in den antiken Quellen erwähnte Hauptort der Chatten interpretiert.
    Bisher gibt es jedoch keine Hinweise darauf, dass die Römer so weit nach Norden vordrangen (obwohl es nicht völlig unwahrscheinlich ist).

    Zweitens zeigte sich, dass einige der keltischen Siedlungen definitiv bis zur Zeit der augusteischen Feldzüge oder kurz davor existierten - z.B. die Salzsieder-Siedlung von Bad Nauheim. Ein weiteres Beispiel wäre der Dünsberg. Vor einem der Tore des Ringwalles wurden sehr viele römische Waffen gefunden. Es ist noch strittig, ob dieses Spuren einer Schlacht waren, oder ob die Waffen rituell von den Burgbewohnern niedergelegt wurden. Auf jeden Fall stammen sie aber aus der Zeit der augusteischen Feldzüge.

    Gerade hier zeigt sich jedoch, wie schwierig das Problem Kelten-Chatten zu lösen ist.
    Nur wenige Kilometer vom Dünsberg liegt die bedeutende frührömische Siedlung Waldgirmes, die um 9 aufgegeben wurde. Gleichzeitig scheint dort direkt im Anschluss eine Gruppe weitergesiedelt zu haben, deren Überbleibsel in allen mir bekannten Berichten als "germanisch" bezeichnet werden - wenn man also davon ausgeht, dass auf dem Dünsberg noch Kelten lebten, müssten sich die siedlungspolitischen Verhältnisse innerhalb weniger Jahre geändert haben.

    Die späten Oppida wie eben Niedenstein (vermutl. bis 20 v. Christus besiedelt) oder Dünsberg, ein weiteres Beispiel wäre der Christenberg bei Marburg, möchte ich durchgehend als keltisch deklarieren. Es gibt nämlich bis ins 4. Jahrhundert fortan keine "germanische" Burg in Hessen, und die wenigen germanischen Siedlungen, die wir kennen (wie Fritzlar-Geißmar) waren nur leicht befestigt oder gänzlich unbefestigt.

    Offen bleibt die Frage, was mit den "hessischen" Kelten passiert ist. Es fällt doch deutlich auf, dass keines der vorher zum Teil sehr großen hessischen Oppida (neben Dünsberg z.B. das riesige Heidetränk-Oppidum bei Oberursel) noch in nachchristlicher Zeit bestehen bleibt. Es liegt nahe, dass die Römer die Gegend "demilitarisiert" hätten und die Menschen zwangen, die befestigten Ringwälle zu verlassen und sie vielleicht sogar auf die linke Rheinseite umsiedelten (das ist aber reine Spekulation, dafür gibt es keinerlei Beweise!)

    Bis zu dem Bau des Limes, so scheint es, gaben sie das Rhein-Main-Becken nie ganz auf. Es scheint, als ob die Lager von Friedberg und Höchst noch in tiberischer Zeit existierten. Aus der Zeit des Claudius stammt das Erdkastell von Hofheim. Die Gegend um Wiesbaden blieb bis in die Spätantike durchgängig besiedelt. In der Wetterau wurden um 70 unter den Flaviern die ersten Kastelle nach der augusteischen Expansion gegründet. Gleichzeitig gibt es aber Funde, die darauf hindeuten, dass auch Bad Nauheim (vielleicht wegen der Salzquellen?) vielleicht seit der Zeitenwende durchgängig von Römern aufgesucht wurde. Ein kleineres Kastell im Lahntal stammt wohl aus claudischer Zeit und scheint im Zusammenhang mit dem Bergbau zu stehen.

    Das weißt m.E. alles darauf hin, dass weite Teile Süd- und Mittelhessens durch die Politik
    der Römer frei gehalten wurden von größeren einheimischen Siedlungen, und zwar schon vor dem Bau des Limes! Es erscheint mir völlig unwahrscheinlich, dass das Gebiet, dass der Limes einschloss, erst in den Chattenkriegen des Domitian erobert wurde. Vielmehr scheint er die Gebiete nördlich davon angegriffen zu haben, während das Gebiet im späteren Limesbogen um die Wetterau schon sowieso größtenteils in römischem Besitz war.

    Was die Chatten betrifft: Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sie zunächst im südlichen Niedersachsen lebten und erst kurz vor bzw. vielleicht sogar nach den augusteischen Kriegen nach Nordhessen kamen, gewissermassen in ehemals keltische Gebiete nachstießen.
     

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