Kinderbetreuung und Erziehung in der DDR

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von balticbirdy, 13. September 2008.

Schlagworte:
  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Quoten kann ich nicht sagen, es war aber die große Mehrheit. Lediglich bei der Nachmittagsbetreuung im Hort war es etwa 50:50. Die meisten Mütter gaben die Kinder allerdings erst nach 1 Jahr in die Krippe, da ihnen nach der Geburt ein bezahltes Mutterjahr zustand.
    http://doku.iab.de/mittab/1991/1991_4_MittAB_Engelbrech.pdf
    Das Museum
    Ab 1945 :: Kinderportal Der Branchen Bär
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  2. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    danke für die Links, fassen recht gut halbgewusstes zusammen.
    Wenn man die Ideologie, die in der DDR zweifelslos dahinterstand, wegließe, wie kann man dann die Kinderbetreuung und -erziehung in der DDR im Vergleich mit der BRD betrachten?

    Das Schulsystem erinnert mich von der Einteilung in 10 gemeinsame Primär-Klassen für alle und zwei Sekundarklassen bis zum Abitur für einen Teil, an das englische System, was aber viele andere Länder inzwischen ähnlich praktizieren.
    Ich darf und will hier keine tagespolitische Debatte über unser Bildungssystem lostreten, deshalb nochmal die Frage an die DDR-Zeitzeugen:
    Wie empfandet ihr die Kinderbetreuung/-erziehung zusammen mit dem Schulsystem? Und wie hättet ihr sie ohne Ideologie empfunden?
     
  3. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Ist gar nicht so leicht zu beantworten, da doch schon eine Weile her.
    Ich war nur 1 1/2 Jahre im Kindergarten.
    Die Einrichtung gibt es zum Glück für uns auch heute noch und sie ist voll ausgelastet.
    Meine Schwester (4 Jahre jünger) hat aber von Krippe ab 1. Lebensjahr bis Kindergarten 6. Lebensjahr alles mitgemacht. Für uns Kinder war es eine sehr feine Sache. Der Tagesablauf entsprach in etwa dem in dem einen Link von balticbirdy. An ideologische Sachen in dieser Zeit habe ich keine Erinnerung.
    1973 wurde ich eingeschult und auch gleich Jungpionier und 3 Jahre später Thälmannpionier. Der Unterschied bestand in der Farbe des Halstuches.
    Ich habe mir gerade mal die Statuten rausgesucht und muß sagen das einiges (aus heutiger Sicht) ganz schön befremdlich klingt. Anderes aber auch heute problemlos vermittelt werden könnte. Wenn mich aber damals jemand gefragt hätte was ich von dieser Ideologie halte, hätte ich überhaupt nicht gewußt was man von mir will. Es gehörte halt dazu.
    Bis von 7-13 Uhr hatten wir Schule, danach Mittagessen und danach konnte wer wollte bis 17 Uhr im Hort bleiben. Dort wurden dann Hausaufgaben gemacht und gespielt. Aber nur bis zum Ende der 4.Klasse.

    Ab der 7. Klasse hatten wir dann Staatsbürgerkunde als Unterrichtsfach, wo dann auch gelegentlich gefragt wurde was am Abend vorher in der Aktuellen Kamera für Themen waren. Das konnte dann auch schon mal ins Auge gehen, da wir zu Hause auch die Heute-Sendung vom ZDF sahen.
    Ab diesem Zeitpunkt beginnt die für mich fassbare Ideologische Erziehung.
    Fassbar auch deshalb, weil ich durch das Westfernsehen auch eine andere Sicht der Dinge sah. Auch wenn das nicht meine eigene war.
    1 Jahr später wurde ich dann in die FDJ aufgenommen. Das war insofern nervig, weil wir bei allen möglichen Anlässen mit dem FDJ-Hemd rumlaufen mußten.
    Wie ich meine Schulzeit empfinde und wie ich sie mir ohne Ideologie vorstelle ist jetzt schwer zu beantworten. Die Schulbildung als solche empfand und empfinde ich als gut. Als Manko empfand ich nur, das der Geschichtsunterricht zu einseitig auf die Geschichte der "Unterdrückten und der Arbeiterklasse" beschränkt. Staatsbürgerkunde emfand ich als nervig.
    Allerdings empfindet meine Tochter Religion oder Ethik heute auch als nervig.
     
  4. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Es gab ein sehr weit entwickeltes Kinderbetreuungssystem:
    Nach dem Babyjahr konnte man sein Kind bereits in die Krippe bringen, wenn man wieder arbeiten wollte - da meine aber Mutter erst wieder arbeitete, als ich drei wurde, ging ich auch nicht in die Krippe. Danach gab es die Möglichkeit sich zu entscheiden:
    Entweder man schickte sein Kind in den Kindergarten (von 3-6 Jahren), oder in die Vorschule (ein Jahr lang, vor der Einschulung) - eins von beiden war Pflicht, hat mir meine Mutter mal erzählt. Ich ging in Kindergarten, weil meine Mutter dann auch arbeitete. Nun - besonders gerne ging ich in den Kindergarten nicht, daran kann ich mich noch erinnern, aber haupsächlich wegen dem frühen Aufstehen und dem Mittagsschlaf, den man machen mußte, ob man nun müde war oder nicht. :(
    Am Nachmittag war dann noch eine Stunde "Beschäftigung", wo wir gebastelt haben oder gemalt - das war ok.
    Wir haben in den drei Jahren auch ein paar Busreisen unternommen, das weiß ich auch noch - einmal zum Fernsehturm in Berlin und einmal auch zu einer NVA-Kaserne und haben dort Soldaten begrüßt und so. Das beste an solchen Tagen war, wir brauchten dann keinen Mittagsschlaf machen. :)
    Insgesamt waren die Tage im Kindergarten ziemlich lang - von 6.00-17.00 Uhr glaube ich.

    Die Schule war für mich dann richtig der Horror - das lag aber auch an meinen Eltern, die viel zu streng waren und ich hab sie übrigens dann auch Maß genommen, als sie mit meinem Sohn genau so anfingen. :hmpf:
    Ich weiß noch (und meine Mutter hat es mir später auch öfter noch erzählt), daß ich schon zwei Wochen nach der Einschulung gefragt habe, wie oft ich da noch hin muß. Das hatte sicher wenig mit der "Rotlichtbestrahlung" zu tun, sondern wahrscheinlich daran, daß der Unterrichtsstoff recht stramm durchgezogen wurde und (heute würde man sagen) nicht gerade locker war. In meinem Jahrgang (1974) war das noch so, daß es ab der 1. Klasse Zensuren gab und man konnte dann auch schon sitzen bleiben.
    Auch die von mir bereits angesprochene "Rotlichtbestrahlung" setzte schon in der 1. Klasse ein: da wurde dann von Ernst Thälmann erzählt und von der Unterdrückung der Arbeiter und (das weiß ich auch noch) vom Kapp-Putsch, aber glaube bloß nicht, daß wir alles verstanden haben. Wichtig war wohl vor allem, daß wir mitbekamen, daß die Arbeiter lange unterdrückt wurden.

    Im Hort, in den man nach der Schule noch gehen konnte, wenn die Eltern arbeiteten, wo dann z. B. auch Hausaufgaben gemacht wurden,, ging ich nicht, weil meine Mutter dann aufgehört hat zu arbeiten. Vielleicht wäre für mich der Hort aber besser gewesen.
    Auch ein Mittagessen wurde in der Schule angeboten, wofür man aber Essensmarken kaufen mußte. Ich hab aber zu Hause gegessen.


    Unsere Schulen nannten sich POS – Polytechnische Oberschule. Sie ging 10 Jahre, welche auch Pflicht waren und in der 10. Klasse hatten wir Abschussprüfungen – gelegentlich wurden sie auch als „Reifeprüfungen“ bezeichnet. Hauptprüfungsfächer waren Mathe, Deutsch, Russisch und ein Naturwissenschaftliches Fach (Physik, Chemie oder Biologie), welches man frei wählen konnte. Darüber hinaus aber auch z. B. Geschichte. Geprüft wurde erst schriftlich und dann auch mündlich. Die mündlichen Fächer konnte man aber wählen – ich glaube mindestens drei, wenn ich mich recht entsinne.

    In diesen 10 Jahren hatten wir ab der 7. Klasse nicht mehr „Werkunterricht“, wo wir dann irgendwelche praktischen Gegenstände hergestellt haben, sondern „ESP“ – „Einführung in die sozialistische Produktion“. Hierzu mussten wir einen Tag in der Woche in einen Betrieb – bei uns war es das Stahlwerk – und da hatten wir abwechselnd vier Stunden Theorie (über die Produktion im Stahlwerk, aber auch z. B. Technisches Zeichnen) und „Praktische Arbeit“, wo wir z. T. auch an Maschinen arbeiteten und Verschiedenes herstellten und auch schon direkt in die Produktion eingebunden waren. Das arbeiten fand ich meistens sogar besser, als die Schule.

    Über die „Vormilitärische Ausbildung“ habe ich woanders schon genug geschrieben: http://www.geschichtsforum.de/f144/ein-schwer-belastetes-gewissen-23489/

    Wie ich die Schule ohne „Rotlichtbestrahlung“ empfunden hätte: Ich glaube aus verschiedenen Gründen, die ich auch schon angedeutet habe, nicht viel besser, glaube ich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  5. Guntbot

    Guntbot Gast

    die frühe Kinderbetreuung hatte wohl zwei Hauptgründe
    -zum einen brauchte man die Arbeitskraft der Frauen für die Wirtschaft und zum anderen hatte man durch die durchgehende Betreuung die Möglichkeit die Kinder schon frühzeitig auf die "richtige Linie" zubringen,wobei es ja so ist ,dass je unauffälliger dies geschieht desto wirkungsvoller ist es denn wenn es nicht als Beeinflussung empfunden wird macht man auch keine Anstallten dagegen.
    Bei den Jugendlichen verhinderte die Einbindung in Jugendorganisationen Landeweile und dumme Gedanken
    nichts desto trotz hatte sie auch gute Aspekte die Frauen waren wohl emanzipierter als im Westen,jede Medallie hat zwei Zeiten und man kann wenn man will alles gut oder schlecht reden das Gleiche gilt natürlich auch von den westlichen Systemen
     
  6. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Eine lustige Geschichte fällt mir dazu noch ein:
    Im Anschluß (bzw. Abschluß) der Prüfungen gab es noch eine Art "mündlicher Test", das "Abzeichen für Gutes Wissen" (s. unten). Abgefragt wurde hier das politische Wissen und da - weiß ich noch - sollte ich u. a. beantworten, wer denn die Parteien in der BRD seien, die dort die "Sache der Arbeiterklasse" vertritt und da habe ich doch tatsächlich neben der DKP noch die Grünen genannt. Nach dieser Antwort schaute ich doch in einige erstaunte bis entsetzte Gesichter. Die Grünen als Verbündete der "AK" - das ging nun irgendwie gar nicht.
    :rofl:
    Deshalb bekam ich das Abzeichen auch nur in Bronze.
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  7. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    War das in den 80ern, so falsch war das da doch nicht?:winke:


    Wenn ich das so lese, möchte ich das mit den Verhältnissen in der BRD vergleichen, meine Kinder sind in den 80ern geboren.
    Da gab es noch dieses "Rabenmütter-schlechte Gewissen", das suggerierte, dass sich nur die Kinder gut entwickeln, bei denen die Mütter zu Hause am Herd warten, dass die Kinder von der Schule nach Hause kommen, mit ihnen Hausaufgaben machen und sie anschließend zu diversen Nachmittagsaktivitäten begleiten, wie Musikunterricht oder Sportverein.
    Es gab viel zu wenige Ganztagsschulen mit Mittagessen und Nachmittagsbetreuung.
    Jetzt sind unsere kleinen Prinzen und Prinzessinnen groß und ich erlebe Jugendliche mit den verschiedensten Herkünften im Beruf, manchmal habe ich auch bei Vorstellungsgesprächen von Auszubildenden teilgenommen und dabei ist mir aufgefallen, dass die Jugendlichen, die sich ab Mitte der 90er aus der ehem. DDR bei uns beworben haben, sehr gut mit den westdeutschen mithalten konnten, besonders bei den jungen Männern ist mir das aufgefallen. Diese kamen mir selbstständiger, erwachsener und bodenständiger vor als unsere "verwöhnten, kleinen Prinzen".
    Das ist natürlich auch nicht objektiv und nur eine persönliche Einzelerfahrung, ich wollte den DDR-Zeitzeugen nur etwas über die andere Seite berichten.
     
  8. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Wurde aber als völlig falsch angesehen, denn die Grünen waren ja keine "Marxistisch-Leninistische Partei". Alles andere wurde nicht als Verbündeter akzeptiert.


    So war es bei mir auch, außer der Teil mit "anschließend zu diversen Nachmittagsaktivitäten begleiten", obwohl in einer Art "Sportverein" war auch ich - in der "GST" (Gesellschaft für Sport und Technik) war ich im Sportschießen.
     
  9. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich will mich gar nicht über das geschriebene aüssern, dass mache ich nicht mehr.
    Ich will nur einen viel zitierten Satz, der mir spontan einfiel, einbringen. Da gibt es auch ein Lied.
    "Hurra, wir leben noch". Milva hat da aus einem Volkslied was gemacht, glaube ich.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  10. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Du sprichst in Rätseln, das kenne ich noch nicht bei dir:confused::confused:
     
  11. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Erfahrungsberichte zu kommentieren (oder gar anzuzweifeln), das tue ich auch nicht, aber du könntest durchaus auch von deiner Schulzeit berichten. Ich will meine eigenen Erfahrungen gar nicht verallgemeinern, jeder hat die Zeit sicher etwas anders erlebt - ist ja auch immer viel Subjektives dabei.
    ;)
     
  12. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Muß ich mir jetzt das Lied bei youtube suchen oder interpretierst du dich selbst?
     
  13. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Wer den ganzen DDR Threat durchliest, kennt meine Meinung.
    Ich habe keine Lust das alle halbe Jahre aufs neue zu kommentieren und mich anfeinden zu lassen.
     
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich meinte nur zur Hälfte das Lied. aber ja, such dir den Text.
     
  15. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Schade @Florian aber 12 Seiten BRD/DDR - Forums- Seiten werde ich nicht durchforsten, bei vielen Themen scheint die DDR jetzt schon zu den Exoten zu gehören.

    Außerdem ging es mir um den Vergleich.
    Und die Gemeinsamkeiten, schließlich gab es ja für beide Staaten dieselbe Vorgeschichte und die Unterschiede und was man daraus lernen könnte.
     
  16. Barbarossa

    Barbarossa Neues Mitglied

    Aber zwei Pfade kann ich dir doch wärmstens empfehlen, sie mal durchzulesen:
    http://www.geschichtsforum.de/f46/erziehung-der-ddr-und-bundesrepublik-19368/
    und
    http://www.geschichtsforum.de/f46/w...n-gab-es-deutschen-schulen-nach-1945-a-15626/
     
  17. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ich habe mal jemandem bemüht, der das suchte für mich.

    Hurra, wir leben noch
    Wie stark ist der Mensch? Wie stark?
    Wie viel Ängste wie viel Druck kann er ertragen?
    Ist er überhaupt so stark wie er oft glaubt?
    Wer kann das sagen?
    Hurra!!! Wir leben noch!
    Was mussten wir nicht alles überstehn?
    Und leben noch!
    Was ließen wir nicht über uns ergehen?
    Der blaue Fleck auf unsrer Seele geht schon wieder weg
    Wir leben noch
    HURRA!!! Wir leben noch!
    Nach jeder Ebbe kommt doch eine Flut
    Wir leben noch
    Gibt uns denn dies Gefühl nicht neuen Mut und Zuversicht
    So selbstverständlich ist das nicht
    Wir leben noch

    Wie stark ist der Mensch? Wie stark?
    In der Not hilft weder Zorn noch Lamentieren
    Wer aus lauter Wut verzagt und nichts mehr tut
    Der wird verlieren
    Hurra!!! Wir leben noch!
    Was mussten wir nicht alles überstehn?
    Wir leben noch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  18. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Vielleicht bin ich heute abend ein bißchen begriffsstutzig oder wir reden aneinander vorbei.

    Aber ist auch egal.........bei Kindererziehung und Betreuung scheint sich hier jeder nur als Kind zu sehen, was das für die BetreuerInnen in beiden deutschen Staaten bedeutet hat, ist wohl weniger von Interesse.
     
  19. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Soweit ich das Thema verstanden habe, geht es hier um das "Leid" der Kinder, nicht über das der Erzieherinnen. Oder bin ich begriffsstutzig? Ist wieder zweideutig.

    Aber und da kommt ein grosses Aber, ein bisschen hast du Recht. Was haben die Erziehrerinnen in der DDR und was die, was weiss ich, wie die hiessen, in der BRD, gesagt, wie sie mit den Kindern umgehen mussten?

    Das Lied hat übrigens nichts mit dem Thema zu tun. Entschuldigung.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. September 2008
  20. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Der Prozentanteil aller Kinder in Kigas war sehr hoch. Die DDR hatte zu keiner Zeit sich in dem Ausmaß Fremdarbeiter ins Land geholt wie die BRD. Deshalb mussten, durften und wollten (wegen Selbstverwirklichung und Gleichberechtigung) Frauen arbeiten gehen und nicht Klotz am Bein vom Manne sein.
     

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