Klärung der "deutschen Frage" in der Paulskirche

Dieses Thema im Forum "Das Deutsche Kaiserreich" wurde erstellt von a3rosol, 6. April 2008.

  1. a3rosol

    a3rosol Gast

    hallo erstmal, bin neu hier...
    ist natürlich blöd gleich mit einer frage zu starten, aberwas sein muss muss sein

    wir haben im unterricht (11 klasse) die aufgabe bekommen, zu erörtern welche pro und kontra argumente die verschiedenen lösungsansätze der deutschen frage mit sich ziehen (kleindeutsch, großdeutsch, großösterreichisch)
    dummerweise weiß google nicht alles und unser lehrbuch ist nicht grade der burner... :( es gibt also nicht viele möglichkeiten argumente zu finden, um nicht zu sagen keine

    könnt ihr mir helfen? evt auch mit links? ich nicht zu faul zum arbeiten...
    danke!

    ps: das steht in unserem lehrbuch:
    kleindeutsche lösung
    ausschluss der österreichischen deutschen aus dem nationalstaat
    führungsrolle preußens


    großöst
    nationalgedanke wäre futsch weil österreich vielvölkerstaat
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 6. April 2008
  2. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Bei Wikipedia solltest du einiges darüber finden.

    Pro und Contra ist in meinen Augen sehr schwierig zu beurteilen, weil man es aus den verschiedensten Blickwinkeln betrachten sollte.
    Wie würden es die Österreicher sehen, wie die Preußen, wie anderen Länder (zB Frankreich)?
    Ich glaube man sollte anders an das Thema rangehen: Wieso hat man sich für die klein-deutsche Variante entschieden.

    Grüße
     
  3. MacX

    MacX Neues Mitglied

    Ich glaube nicht, dass man von einer "Entscheidung" sprechen kann. Diese Lösung wurde doch durch den Ausgang des deutschen Bruderkriegs zementiert.
     
  4. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Stimmt hast Recht, vielleicht ein wenig falsch formuliert.
    Jedenfalls sollte die Gründe finden, die dazu geführt haben, dass die kleindeutsche Variante durchgesetzt wurde.

    Grüße

    Ricco
     
  5. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Hat da nicht Preußen nachgeholfen, bei der Durchsetzung.....:grübel:
     
  6. Tekker

    Tekker Gast

    Es geht hier um 1848, da gab's noch keinen deutschen Krieg, sondern die o.g. Frage wurde in der Paulskirche kontrovers diskutiert. :fs:
     
  7. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Mir ging es jetzt um die Beantwortung der Fragen, ledeglich draum was für Gedanken man sich zu dem Thema machen könnte.

    Inwiefern meinst du das Nachhelfen?
    Ferdinand I. war damals nicht bereit Österreich zu teilen, deshalb blieb nur noch die kleindeutsche Variante über. In meinen AUgen hat hat Preußen eher von der (übetriebenen?) Forderung Österreich zu teilen profitiert.

    Grüße

    Ricco
     
  8. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Mit Nachhelfen meinte ich, dass Preußen die kleindeutsche Lösung favorisierte und versuchte Einfluß zu nehmen - aber wie genau, kann ich jetzt nicht sagen - diese Zeit liegt mir nicht so und ich müßte zuerst mal genauer nachschauen und in alten Aufschrieben kramen.

    Gruß....
     
  9. Tekker

    Tekker Gast

    1848 versuchte Preußen m.W. nichts dergleichen. Das darf man nicht mit späteren Jahren durcheinanderwürfeln.
     
  10. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Hallo Tekker,

    ich bringe nichts durcheinander, ich meine schon 1848.

    Ein wichtiger Grund war auf jeden Fall der Gegensatz zwischen Österreich und Preußen.
    Beide Staaten trugen doch zum Scheitern der Nationalversammlung bei, indem sie ihre Abgeordneten zurückriefen.

    Friedrich Wilhelm IV. hat die angebotene Krone abgelehnt.

    Dann gab es doch noch den Schleswig-Holstein-Konflikt.

    PS: Und irgendwie fällt mir in diesem Zusammenhang das Wort Dualismus ein.

    Gruß...
     
  11. Arcimboldo

    Arcimboldo Aktives Mitglied

    Du hast da nicht ganz unrecht m.M. nach .
    Stichpunkte sind hier ; Dahlmann und die preuß. Unionspolitik:grübel:

    Spätestens seit der oktroyierten preuß. Verfassung vom Dezember 1848, welches die wiederhergestellte Macht Preußen dokumentiert, (ebenso in Österreich) mußten die beginnenden Verfassungsberatungen in Frankfurt mit den beiden "alten " Machtzentren und den von ihnen ausgehenden polit. Energien rechnen. In Berlin und Wien hatten sich die monarchischen Kräfte durchgesetzt,es verstärkten sich wieder ein preußischer, ein österreichischer, ein württemberg. und ein bayrischer "Staatsgeist ".
    Die Suche nach einer Nationalverfassung in Frankfurt stand ab hier wesentlich schlechter da, als noch im frischen Schwung der Revolutionsmonate , in denen man Vieles an heren Wünschen und demokr. Utopien gefordert hatte ,wovon Vieles aber zeitraubend und lähmend für den revolut. Schwung zerredet wurde
    Die wichtigste Verfassungsfrage war dann die , nach Umfang und Grenzen eines dt. Nationalstaates, den die 48-ger zunächst teils als Staatsnation, incl. der nichtdeutschen Bewohner verstand, -teils als terretoriale Beschränkung auf die Macht und Reichweite Preußens sahen, so z.B. die preuß.-protestant.Vertreter der liberalen Mitte wie; Droysen und Dahlmann.

    zu Dahlmann:
    "In der Frage der Hegemonie war er für die Einigung unter Preußens Führung mit Ausschluss Österreichs, fand aber damit weder beim König von Preußen noch bei der Mehrheit des Parlaments Beifall...."

    zur preuß. Unionspolitik :
    Unionspolitik Preußens – Wikipedia
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. April 2008
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  12. Ricco

    Ricco Neues Mitglied

    Dieser Gegensatz war aber nachvollziehbar. Man hatte ja "nur die" 3 Möglichkeiten. Preußen hätte bestimmt es gerne gesehen, das es mit über Österreich regieren kann, aber Österreich wollte natürlich sich nicht von dem Rest seiner Staaten trennen und ein Vielvölkerstaat wäre nicht im Sinne des gesamtdeutschen Staat gewesen.

    Grüße

    Ricco
     
  13. Josephine

    Josephine Neues Mitglied


    Hallo Ricco,

    soweit ich noch weiß, gab es zwischen Preußen und Österreich natürlich einen latenten Kampf um die Vormachtstellung im Reich. Österreich konnte natürlich einen Machtgewinn Preußens nicht zulassen, deutscher Dualismus.

    Zudem konnte sich Österreich mit Hilfe des Militärs gegen die Revolutionäre durchsetzen und der neue Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg erkannte die Beschlüsse der Nationalversammlung gar nicht an.

    Und Friedrich Wilhelm IV. von Preußen lehnte die ihm angebotene Kaiserkrone ab.

    Siehe auch den Beitrag von Arcimboldo.

    Gruß....
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. April 2008
  14. geschichtsfan07

    geschichtsfan07 Neues Mitglied

    Eine nicht nur schwierige sondern auch komplexe Aufgabenstellung. Zu der Frage nach den Standpunkten der verschiedenen Nationalitäten sollte man auch innerhalb des Gebietes der deutschen Staaten differenzieren. So welche deutsche Lösung einerseits das Bürgertum und andererseits die Obrigkeit bevorzugte.

    Von Seiten der Liberalen war die kleindeutsche Lösung der „Favorit“, da sie beim Hambacher Fest 1832 und bei der Revolution von 1848, nur um einige markante Ereignisse dazu hervorzuheben, ihre Stimmen für einen nationalen Einheitsstaat, politische und wirtschaftliche Freiheit und soziale Gleichberechtigung erhoben. Sie werden sich kaum selbst widersprochen haben und waren für die kleindeutsche Lösung unter der Führung Preußens. Durch die großdeutsche Lösung hätten sie ihre eigenen Forderungen auf wackelige Beine gestellt, hätten sie dadurch ihren Wunsch nach Nationalität und Einheit quasi eingeschüchtert und hätten eine breite Angriffsfläche für Gegenargumente geliefert. (Eine Nation bestehend aus Deutschen, Österreichern, Böhmen, Ungarn, Dänen, Polen,... - was durch die großdeutsche Lösung hätte passieren können, wollten sie bestimmt nicht und hätten diese bestimmt auch nicht als einheitlichen Nationalstaat akzeptiert.)

    Bei der Bewertung der Großmächte möchte ich gerne Österreich und Preußen hervorheben, gegenüber der, an der Pentarchie beteiligten, weiteren drei Großmächte England, Frankreich und Russland.

    Österreich war eindeutig für die großdeutsche Lösung. Diese garantierte die Vorherrschaft im Gebiet des ehemaligen HRR.
    Demzufolge war der König von Preußen für die kleindeutsche Lösung, da diese die „Hegemonie“ Preußen in selbigen Gebiet zusprach.

    Die Entscheidung über die Frage bedeutete welche Großmacht stärker war, Österreich oder Preußen.
    Diese Entscheidung fand niemals! 1848 statt. Ich bekenne mich zu der Meinung, dass diese erst 1871 mit der Reichsgründung gefällt wurde.

    So würde ich die Eingangsfrage beantworten, obwohl es nur in groben Zügen gehalten ist und noch viel mehr ausgebaut werden kann.

    1. Es gibt mehrere Gründe warum das Nationalparlament scheiterte.

    Vordergründig, dass Österreich, Preußen, Hannover, Sachsen und Baden ihre Abgeordneten zurückzogen und der Reichsministerpräsident zurück trat.
    Vielleicht noch eines zum scheitern des Nationalparlamentes, ich will sonst nicht weiter darauf eingehen.
    Es ist klar, dass die Monarchien sich nichts vom Parlament sagen lassen wollten und es nicht in Beschlüssen bestärkten.
    Doch das Parlament erhielt auch keine Unterstützung durch das Groß- und Besitzbürgertum.
    Im Zeitalter der Industrialisierung profitierten die Fabrikanten auch von den geringen Löhnen, die sie zahlen mussten und den wenigen Umständen, die sie ihren Arbeitern angedeihen lassen mussten. Ich meine damit Frauen- und Kinderarbeit, Wohnungsnot und unmenschliche Lebenssituation in den übervölkerten Städten, kümmerten die Arbeitgeber nicht bzw. nicht oft.
    Reiche Fabrikanten wollten keine Durchsetzung von Grund- und Menschenrechten, hätte es einen geringeren Wirtschaftsgewinn mit sich gebracht, wenn sie mehr an ihre Arbeiter hätten zahlen müssen und sich um eine für Menschen gerechte Unterkunft hätten sorgen müssen.

    Falls meine Argumentation anstößig wirken sollte, will ich an dieser Stelle gleich sagen, dass ich nicht gewillt bin die schlechte Situation im Gebiet des ehemaligen HRR, die durch Monarchie und Hegemoniebestreben etc. verursacht wurde, rein zu waschen. Meine Argumentation soll lediglich dazu dienen zu verdeutlichen, dass nicht die absolute Monarchie alleine die Schuld trägt.

    2. Ich bin der Meinung, dass es verständlich ist, dass Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone abgelehnt hat. Hätte er doch eine Krone akzeptiert, die ihm vom Volk gegeben worden wäre. Er hätte in mehreren Punkten den Beschlüssen des Wiener Kongresses widersprochen. Zum einen der Restauration, der Wiederherstellung der absoluten Monarchie, und zum anderen der Unterdrückung jeglichem Aufbegehren und Aufständen gegen die Obrigkeit. Er hätte den Ruf eines Kaisers gehabt, der durch eine Revolution zum Kaiser gekrönt wurden ist, wenn ich den Faden jetzt extrem weit spanne.
    Friedrich Wilhelm IV. hätte die Beschlüsse des Wiener Kongresses gewissermaßen umgangen, welches wahrlich nicht in seinem Interesse als absoluter Herrscher lag.

    3. Beim Punkt „nationale Frage“ (kleindeutsche oder großdeutsche Lösung) gab es außerdem das „Problem Schleswig-Holstein“. Es gehörte zum Deutschen Bund, doch war es politisch vom dänischen Königreich beeinflusst.
    Es lag eigentlich in der Hand des Nationalparlamentes einen Frieden zwischen Dänemark und Preußen, die sich im Kriege wegen Schleswig und Holstein befanden, zu stiften. Doch Preußen handelte eigenständig durch einen eigenen Friedensschluss und zeigte, dass es keineswegs an einem Einheitsstaat interessiert war.

    4. Ich möchte auch noch etwas zu Dualismus loswerden. Zu dieser Zeit bestand nicht nur ein Dualismus!
    Zum einen zwischen Österreich und Preußen, der durch die Gründung des Deutschen Bundes entfacht wurde und um die Vorherrschaft im Gebiet der deutschen Staaten ging.
    Die anderen Großmächte Frankreich, England und Russland kämpften in der Zwischenzeit um die Vorherrschaft auf dem europäischen Festland.
    Während im Gebiet der deutschen, souveränen Staaten sich die Konservativen und die Liberalen die Stirn bieteten.
    Die Obrigkeit konnte sich generell 1848 behaupten. Die Gegenrevolution war erfolgreich, während man im Nationalparlament eindeutig zu lange diskutierte. Was ein weiter Grund war, dass das Parlament scheiterte.

    Mir ist niemand von regierenden Monarchen bekannt, der die Beschlüsse voll anerkannt hat. Fortschrittliche Staaten, wie Baden, hielten sich schon mehr an den entstandenen Grundrechtekatalog, doch ansonsten wüsste ich keine Zustimmung zu den Beschlüssen des Parlamentes.
     

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