Kolonialismus in Schulbüchern: Die Geschichte der Sieger

El Quijote

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In manchem afrikanischen Schulbuch versteckt sich noch immer kolonialistisches Gedankengut. Viele Afrikaner sagen: Es ist Zeit, Afrikas Geschichte aus Afrikas Perspektive zu erzählen.

Der drittlängste Fluss in Afrika ist der Niger. Doch wer hat den eigentlich entdeckt? Schlägt man ein nigerianisches Geschichtsbuch auf, so ist die Antwort schnell klar: der schottische Endecker Mungo Park im Jahr 1796.

Auch Faith Odele hat das in ihrer Schulzeit so gelernt. "Doch ich habe angefangen, mich zu wundern", sagt die Historikerin, die Geschichten aus Nigerias Vergangenheit für Kinder sammelt. "Gab es den Fluss nicht schon, bevor Mungo Park hierher kam? Gab es keine Menschen, die im Fluss fischten? Warum bringen Nigerianer ihren Kindern bei, dass Mungo Park den Niger entdeckt hat?"

Es gibt noch weitere Beispiele. In einem sozialwissenschaftlichen Lehrbuch aus Ghana werden Schüler gefragt: "Was sind positive Auswirkungen des Kolonialismus?" Die Antwortmöglichkeiten: "A. Einrichtung von Schulen, B. Einführung der englischen Sprache, C. Interesse an ausländischen Waren, D. Wachstum der Städte".

60 Jahre nach dem offiziellen Ende der Kolonialherrschaft in Afrika scheint es, als ob die Vergangenheit den Geschichtsunterricht vieler afrikanischer Länder immer noch prägt.
Weiterlesen bei der Deutschen Welle...
 
Es versteckt sich kolonialistisches Gedankengut weiß Gott nicht nur in afrikanischen Geschichtsbüchern. Bis vor ganz wenigen Jahren wurde die Kolonialisierung des Kongo in belgischen (und kongolesischen Geschichtsbüchern) glorifiziert, und Leopold II. als Philanthrop und Menschenfreund dargestellt, der dem Kongo das Christentum und die Segnungen der Zivilisation gebracht habe. Mit keinem Wort wurde der Kongogräuel gedacht, wurde die Ermordung von Patrice Lumumba und die Verstrickung des belgischen Königshauses thematisiert.

Ein belgischer Historiker, der ein Buch über Leopolds Privatkolonie veröffentlicht hat und in Ostende Stadtführungen veranstaltet, erzählte mir, dass er bei den Recherchen für sein Buch extrem behindert wurde, dass Dokumente plötzlich verschollen waren, Seiten fehlten und er und seine Familie anonyme Morddrohungen erhielt. Er machte keineswegs den Eindruck eines ängstlichen Menschen, gab aber offen zu, dass er bei seinen Führungen das Thema "Kongogräuel" nur oberflächlich angehen würde, wenn er merkte, dass fanatische Monarchisten und Nationalisten unter seinem Publikum waren, da er im Laufe der Zeit zu viel Ärger bekam (Farbschmierereien, zerstochene Reifen, Bedrohungen).

Das war im Jahr 2004. 2012 schloss das Museum für Zentralafrika in Tervuren bei Brüssel, das von Leopold II. gegründet wurde, seine Pforten und nahm eine komplette Überarbeitung der musealen Präsentation vor. Die Leitung sagte in einer öffentlichen Erklärung, dass sie inzwischen die Einschätzung von Adam Hochschild teile, der die Kongogräuel als Massen- und Völkermord bezeichnete.

In Belgien oder auch in Belgisch Kongo wurde jedem Schulkind, das in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren eingetrichtert, dass Leopold II. ein Philanthrop war, der den Sklavenhandel bekämpfte und den Kongolesen die Segnungen der Zivilisation und des Christentums brachte.
 
In der deutschen Nachrichtenlandschaft ist gestern der 12. Oktober ein wenig untergegangen: traditionell als Columbus-Tag in den Americas (Nord- wie auch Südamerika) begangen erinnerte er an die Entdeckung Amerikas am 12. Oktober 1492,, als Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent, also eigentlich eine Karibikinsel, betrat.

Mittlerweile hat dieser Tag zumindest in den USA einen neuen Namen enthalten: Indigenous People Day, also das Benennungsmotiv ist nicht mehr der Entdecker, sondern die Entdeckten. Die Entdeckten ihrerseits dürften schon vor ihrer Entdeckten bemerkt haben, dass sie da sind:D.

Und auch im Rahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung ist in den USA eine Statue von Kolumbus gestürzt worden. Wie weit Kolumbus selber Kolonialist war oder solche Ansichten vertrat, ist eine andere Frage, aber eigentlich wollte er nicht neue Welten entdecken, sondern nur eine Abkürzung zum Gewürzkauf finden:),

Letztendlich haben sich viele Kulturen bzw. Staaten über gewaltsame Expansion ausgebreitet. Die Römer haben ihr Imperium nicht allzu friedlich errichtet. Hier muß ich auch an die berühmte Szene aus dem Leben des Brian denken: "Was haben die Römer je für uns getan?"

Gleiches gilt später für die Araber, Spanier, Portugiesen etc. Früher haben Phönizier und Griechen ihre Kolonialreiche gegründet. Hier ließen sich viele historische Beispiele finden.

Natürlich muß man auch die negativen Seiten des Kolonialismus benennen.
 
Manches ist aber auch kurios und man kann dem Resultaten der Kolonialzeit in Afrika auch positives abgewinnen wenn man will .

"Als die französischen Kolonialbehörden in Mauretanien Anfang der 1960er Jahre die Strecke von Nouadhibou nach Zouérat bauen wollten, um die Eisenerzreserven in Zouérat zu erschließen, verhandelten die spanischen Behörden, die damals für die Westsahara zuständig waren, den Bau der Eisenbahn durch spanisches Gebiet über relativ ebene Wüsten, setzten jedoch Bedingungen auf, die für die Franzosen unakzeptabel waren. Die französischen Ingenieure bauten daher die Strecke parallel zur Grenze und gruben einen Tunnel durch den Choum-Bergsporn – zwei Kilometer durch massiven Granit, nur um innerhalb des französischen Territoriums zu bleiben. Der Tunnel wurde als "Denkmal europäischer Dummheit in Afrika" bezeichnet. Die Absurdität wurde deutlich, als der südliche Teil des Gebiets der Westsahara nach dem spanischen Rückzug 1975/76 kurzzeitig von Mauretanien verwaltet wurde. Der Tunnel wird nicht mehr genutzt."(wiki)

Standort:
OIP-1652215985.jpg
Choum.png


Südlich von den Monolithen Ben Amera ,Aisha und Haddada verläuft die bevor sie dann wie im Bild nach Norden verläuft dabei kann man von Zeit zu Zeir den längsten Zug Afrikas durch die Gegend fahren sehen.

express.co.uk.jpg

Bild:express.co.uk
 
Der Tunnel wurde als "Denkmal europäischer Dummheit in Afrika" bezeichnet. Die Absurdität wurde deutlich, als der südliche Teil des Gebiets der Westsahara nach dem spanischen Rückzug 1975/76 kurzzeitig von Mauretanien verwaltet wurde.
So dumm/absurd ist es eigentlich nicht, dafür zu sorgen, dass die eigene Infrastruktur im eigenen Einflussbereich liegt, wenn man dem jeweiligen Nachbarn nicht unbedingt besonders vertraut.

Und dass dafür gegebenenfalls Schwierigkeiten inkauf genommen werden, oder aus strategischen Gründen Mammutprojekte angeschoben werden ist durchaus keine europäische Spezialität.
Man denke da z.B. an chinesische Bemühungen zwecks Aufschüttung künstlicher Inseln um bestimmte Territorialansprüche im Pazifik und seinen Randmeeren zu untermauern.

Für sich genommen, eine Absurdität, vor dem Hintergrund des internationalen politischen Systems, seinen Spielregeln und seinen inneren Rivalitäten, strategisch aber durchaus sinnvoll.

Nen anderes Beispiel wäre in Europa z.B. der Rheiseitenkanal/Grand Canal d'Alsace, der von französischer Seite nach dem 1. Weltkrieg weitgehend Parallel zum Verlauf des Oberrheins angelegt wurde.

Isoliert für sich betrachtet ist es natürlich völlig absurd parallel zu einem bereits existierenden Wasserweg in wenigen 100m Entfernung einen Zweiten anzulege. Wenn man die Frage von Schiffahrts- und Hoheitsrechten und ggf. auch Verteidigungsaspekte ausklammert, wäre das als völlig absurde Ressourcenverschwendung zu betrachten.
Wenn man diese Faktoren berücksichtigt, ist es das durchaus nicht mehr.
 
So dumm/absurd ist es eigentlich nicht, dafür zu sorgen, dass die eigene Infrastruktur im eigenen Einflussbereich liegt, wenn man dem jeweiligen Nachbarn nicht unbedingt besonders vertraut.
Völlig d'accord -- freilich können spektakuläre Varianten, wie die von @Mfelix gezeigte, Abseits rationaler Begründungen mit Verblüffung bestaunt werden. Ich hätte sicher nie von diesem Tunnel bzw dieser Bahntrassenführung erfahren.
 
So dumm/absurd ist es eigentlich nicht, dafür zu sorgen, dass die eigene Infrastruktur im eigenen Einflussbereich liegt, wenn man dem jeweiligen Nachbarn nicht unbedingt besonders vertraut.
Nun waren beide Ja Alleirte Siegermächte,im Ifni-Krieg etwas Nördlicher davon also gehe ich davon aus ,dass die Spanier vorschlugen die kürzere Strecke nach Villa Cicneros zu bauen mit einem Anteil bei der Nutzung des Hafens oder eine Strecke quer durch den Rio de Oro, beteilit zu werden.

Absurd war das Unterfangen überhaupt nicht ,der Staat profitiert ja bis Heute davon"Die Strecke war ein Erfolg und lieferte einen großen Teil des BIP Mauretaniens; infolgedessen wurde die Strecke 1974 verstaatlicht. Nach der Annexion der südlichen Westsahara durch Mauretanien im Jahr 1976 geriet die Linie unter ständigen Angriff der Polisario-Miliz, wodurch die Linie praktisch außer Betrieb gesetzt wurde und dadurch die Wirtschaft Mauretaniens lähmte. Dies spielte eine entscheidende Rolle dabei, dass die Armee 1978 den mauretanischen Präsidenten Moktar Ould Daddah stürzte, gefolgt von einem Rückzug aus der Westsahara im folgenden Jahr. Da die Strecke nun gesichert war, wurden Reparaturen durchgeführt und die Züge begannen Anfang der 1980er Jahre wieder, sie zu nutzen." (Wiki)

Beim Erstarken der Polisario könnte jedoch die Strecke im Niemandsland, wieder gefärlcih werden und der Tunnel müsste wieder in Stand gesetzt werden .
 
Zuletzt bearbeitet:
Nun waren beide Ja Alleirte Siegermächte,im Ifni-Krieg etwas Nördlicher davon also gehe ich davon aus ,dass die Spanier vorschlugen die kürzere Strecke nach Villa Cicneros zu bauen mit einem Anteil bei der Nutzung des Hafens oder eine Strecke quer durch den Rio de Oro, beteilit zu werden.
So mag es aus afrikanischer Perspektive aussehen, aus französischer und spanischer Perspektive gab es da aber natürlich die Realität der nicht unproblematischen französisch-spanischen Beziehungen seit den 1930er Jahren.

Du schreibst oben die Strecke wäre von den französischen Kolonialbehörden in den frühen 1960er Jahren geplant worden, aber das dürfte, wenn es darum ging, die Erzfelder Mauretaniens für den französischen Staat durch die Kolonialbehörden zu erschließen, ein Irrtum sein, da Mauretanien ja 1960 bereits seine Unabhängigkeit zurückerlangen konnte.
Wenn die Planung noch aus den französischen Kolonialbehörden kommen sollte, dann dürfte das Konzept eher in den 1950er Jahren entstanden sein.

Da war allerdings die Erinnerung an den spanischen Bürgerkrieg, und an den 2. Weltkrieg noch frisch, Frankreich kämpfte gerade um den Erhalt seiner Kolonien und seine Anerkennung als Groß- und Siegermacht des Weltkrieges, während in Spanien Franco herrschte und das Land eben wegen dieses halb oder vollständig faschistischen Regimes im Nachkriegseuropa weitgehend isoliert war.

Franco war ja seinerzeit noch von Hitler und Mussolini massiv unterstützt und in den Sattel gesetzt worden und während des 2. Weltkriegs war ja von Seiten des Franco-Regimes auch mal in Aussicht gestellt worden, sich Hitler-Deutschland anzuschließen, wenn denn Hitler weit genug entgegen käme, was neben wirtschaftlicher Unterstützung für Spanien auch die Überlassung französischer Kolonialgebiete in Afrika an Spanien meinte oder jedenfalls implizierte.

Nach dem 2. Weltkrieg hatte Frankreich selbst es ja zunächst schwer unter den anderen Siegermächten gleichberechtigte Anerkennung zu finden, weil es eben die Realität des Vichy-Regimes gegeben hatte, dass mit NS-Deutschland kollaboriert hatte.

Von dem her wird es wahrscheinlich für die französische Seite eine Überlegung gewesen sein, sich in keinem Fall in zu enge Zusammenarbeit mit Franco-Spanien einzulassen, um nicht auf britischer und amerikanischer Seite die alten Vorbehalte gegen Frankreich wieder neu zu befeuern.

Und dann dürften sicherlich auch innenpolitische Erwägungen eine Rolle gespielt haben.
Mit Vincent Auriol wurde von 1947-1954 ein Mann aus den Reihen der SFIO französischer Staatspräsident, das war jemand der schon in den 1930er Jahren der "Volksfront-Regierung" unter Leon Blum angehörte, die ein absoluter Gegner des Faschismus war und die während des spanischen Bürgerkrieges die Republikaner gern mit Waffen beliefert hätte, davon aber mit Rüchsicht auf die ablehnende öffentliche Meinung in Großbritannien absah.
Gleichzeitig, hatten die zunehmende Ablehung des Kolonialismus in Frankreich und die relativ starke Rolle kommunistischer Untergrundkämpfer in den Reihen der Resistance (während den Konservativen der Markel des Vichy-Regimes und der "Collaboration" anhaftete) Ende der 1940er und in den 1950er Jahren in Frankreich den PCF sehr populär und zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft gemacht.

Auch im Hinblick darauf, in Frankreich selbst die Kommunisten von der politischen Macht fernzuhalten, machte es aus Sicht der französischen Regierungen durchaus Sinn, sich nicht zu sehr mit dem Franco-Regime einzulassen.
Denn ausgedehnte Kooperation, hätte ja wunderbar die kommunistischen Narrative von der angeblichen Verwandtschaft der bürgerlich-kapitalistischen Ordnung mit dem Faschismus (auch vor der Problematik der schleppenden Aufarbeitung des Vichy-Regimes in Frankreich selbst), befeuert.

Wirtschaftlich mag es aus französischer Sicht dumm gewesen sein, sich auf entsprechende spanische Vorschläge nicht einzulassen, politisch war es möglicherweise geboten spanische Angebote abzulehnen.
 
So mag es aus afrikanischer Perspektive aussehen, aus französischer und spanischer Perspektive gab es da aber natürlich die Realität der nicht unproblematischen französisch-spanischen Beziehungen seit den 1930er Jahren.
Das mag wohl für Europa stimmen aber auf dem arfikanischen Kontinent war die Beziehung nicht durch politischer Ausrichtung geprägt sondern vielmehr durch das Kapital und die vermeintlichen wenigen Absatzmärkte und den grösseren Resourcen die man erschließen wollte.Auf frz. Seite die schon seit dem 11.jhrdt. bekannten Hemmatit Minen in Zouerat und auf sp. Seite zunächst die legende vom Rio oro zufällig aber durch den Fund von Phosphat in Bou Craa ersetzt.

Zudem konnten die Spanier von den Franzosen Zölle für etwaige Nutzung von Zugstrecken und Hafen fordern weil sie mit den "jemenitisch-berberischen Amir von Adrar" Vertrag schlossen das Land ausplündern zu dürfen und den Segen vom Papst haben sie auch noch festgehalten im Romanus Pontifex ,in dem das Gebiet südlich von Kap Bojador der spanischen Krone zugeteilt wurde.

In Realität war es also wieder mal (Im Hintergrund) das Kapital was den scheinbar absurden Bau durch einen Bergmassiv statt auf ebenen Boden entschied.
Du schreibst oben die Strecke wäre von den französischen Kolonialbehörden in den frühen 1960er Jahren geplant worden, aber das dürfte, wenn es darum ging, die Erzfelder Mauretaniens für den französischen Staat durch die Kolonialbehörden zu erschließen, ein Irrtum sein, da Mauretanien ja 1960 bereits seine Unabhängigkeit zurückerlangen konnte.
Wenn die Planung noch aus den französischen Kolonialbehörden kommen sollte, dann dürfte das Konzept eher in den 1950er Jahren entstanden sein.
Stimmt ,am Tunnel Eingang ist das Jahr ,des Baues mit 1962 angegeben. Das wird wohl mit der 600 Kilometer langen Strecke an sicherlich länger als zwei Jahre gedauert haben und beginnt mit den frz. Planung des Bergbaus"Zum Abbau der Eisenlagerstätten..wurde 1952 eine Aktiengesellschaft gegründet. 1958 erhielt die Société des mines de fer de Mauritanie (MIFERMA) die Abbaugenehmigung, der Abbau begann 1960..."(wiki)
 
Die Bahnstrecke nicht durch die spanische Westsahara zu führen, sondern sie zu umgehen, war nicht dumm, sondern ganz im Gegenteil.

In einer idealen Welt würden Grenzen keine Rollen spielen und alle Staaten harmonisch und uneigennützig zusammenarbeiten. Da wir aber in keiner idealen Welt leben, muss man einkalkulieren, dass es Konflikte gibt und Staaten das Maximum für sich herauszuholen suchen.

Wenn Staat A in irgendeiner Weise von Staat B abhängig ist, sind Konflikte praktisch vorprogrammiert, weil immer die Gefahr besteht, dass Staat B das auszunutzen versucht (oder Staat A zumindest diesen Eindruck hat). Jedenfalls hat Staat B ein Druckmittel gegen Staat A in der Hand, während Staat A auf die Idee kommen könnte, die Lage gewaltsam so zu ändern, dass er nicht mehr von Staat B abhängig ist.

An derartigen Problemen entzündete sich etwa der blutige (wenngleich in den europäischen Medien kaum beachtete) Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea Ende der 90er ein paar Jahre nach der Unabhängigkeit Eritreas.

Ganz besonders heikel wird die Lage, wenn ein Staat auf einen anderen angewiesen ist, um Güter oder Rohstoffe exportieren zu können.

Man denke etwa daran, dass zwischen der Ukraine und Russland schon lange vor Ausbruch der offenen Feindseligkeiten der Transit russischen Erdgases durch die Ukraine ein Dauerkonfliktthema war (nicht nur, aber vor allem, wenn in Kiew eine nicht-moskautreue Regierung an der Macht war), vor allem wegen Transitgebühren und der Abnahme von Erdgas durch die Ukraine selbst. Deswegen auch die Versuche Russlands, den Transit durch andere Staaten zu vermeiden (Nord-Stream).

Auch zwischen Bolivien und Chile ist die Atmosphäre angespannt, seit Bolivien seinen Meereszugang an Chile verlor.

Selbst wenn die Beziehungen zwischen zwei Staaten aktuell harmonisch sind, gibt es keine Garantie, das sich das nicht ändern könnte. Im Fall von Mauretanien und Spanisch-Sahara war obendrein ohnehin nicht absehbar, was aus dem Nachbarn nach einem Ende der spanischen Kolonialherrschaft werden würde.

Wenn ein Binnenstaat auf den Transit durch einen Nachbarn angewiesen ist, um Zugang zum Meer zu erhalten, dann geht es eben nicht anders. Es wäre aber geradezu bescheuert, wenn ein Staat ohnehin über einen eigenen Meereszugang verfügt und sich nur wegen einer aktuellen Kostenersparnis dennoch vom Transit durch einen Nachbarn abhängig macht.

Die Zugverbindung nur durch Mauretanien zu leiten mag somit zwar aufwändig gewesen sein, langfristig ersparte man sich damit aber Erpressbarkeit, Kosten für den Transit und möglicherweise sogar Kriege.
 
In Realität war es also wieder mal (Im Hintergrund) das Kapital was den scheinbar absurden Bau durch einen Bergmassiv statt auf ebenen Boden entschied.
Wie gesagt, dass ist sicherlich schwieriger und kostenintensiver, ersparte oder jedenfalls ging man davon wohl aus, eben politische Probleme.

Ein vergleichsweise hoher Kostenaufwand, bei einer wirtschaftlich interessanten Bahnstrecke kalkulierte dann eben ein, dass es länger dauern würde, bis sich der Bau finanziell amortisiert.
Sofern die technischen Möglichkeiten und die finanziellen Mittel vorhanden sind, ist das eine Abwägung der finanziellen und politischen Folgekosten gegeneinander.
Wenn das Konzept aus der Kolonialverwaltung, nicht aus einem Privatunternehmen stammte, verwundert es nicht, wenn politisch-strategische Erwägungen priorisiert wurden, weil dann via staatlichen Anleihen und Garantien oder eben über Steuereinnahmen und Abgaben die Kapitalacquise ein relativ kleines Problem dargestellt haben dürfte, jedenfalls in Relation zu den Entscheidungsprozessen in einem Privatunternehmen.

Für sowas gibt es ja wie gesagt auch in Europa selbst genügend Beispiele.
Rein wirtschaftlich gesehen, war es wahrscheinlich auch z.B. nicht unbedingt nötig den Nord-Ostsee-Kanal anzulegen. Strategisch war es, auch wenn das Thema Sundzoll seit dem 19. Jahrhundert passé war durchaus sinnvoll um endgültig nicht mehr von Dänemark und Schweden abzuhängen, was den Gütertransit in die Ostsee und aus der Ostsee angeht.
 
Im Jahr 2010 wurde für 300 Mio Dollar ein Tunnel durch die Appalachen gegraben. Er dient zur geradlinigen Verbindung der beiden großen US-Börsen in New York und Chicago mittels Glasfaser. Wer den Kabelzugang mietet, kann, wenn sich in New York eine marktrelevante Information ergibt, drei Millisekunden schneller eine Kauf- oder Verkaufsorder nach Chicago schicken und so möglichen Konkurrenten zuvorkommen Durch den Tunnel ist die Informationsverarbeitung auf den amerikanischen Finanzmärkten noch zügiger geworden...
 
Das grundsätzlich positive Anliegen einer afrikanischen Perspektive kann leider auch zu Verirrungen führen: Afrozentrismus – Wikipedia
! hierbei muss es nicht gleich in Afrozentrismus abgleiten, sondern das grundsätzlich positive Anliegen kann sich auch in Halbwahrheiten, Verkürzungen und Klitterei verstricken, wie schon der von @El Quijote in #1 verlinkte Artikel zeigt, aus dem ich das zitiere:
Laut Mohutsiwa wurzelt das Problem tief in der Vergangenheit. "Als das Bildungswesen, wie wir es kennen, in Großbritannien in der Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt wurde, geschah das zur gleichen Zeit wie die koloniale Expansion. Die britische Bevölkerung musste davon überzeugt werden, dass es eine gute Idee ist, Menschen zu versklaven." Und diese Mentalität exportierten die europäischen Mächte auch in ihre Kolonien.
 
Die 50 Mio. Francs für den Tunnel war ein gesondertes Darlehen der franz. Regierung an die Miferma. Es musste mit 3% Zins bis Ende 1966 zurückbezahlt werden.
Gesamtinvestitionen Frankreichs in die Miferma 923 Mio.
https://archives.assemblee-nationale.fr/2/cri/1963-1964-ordinaire1/025.pdf (Seite 5834)

Die endgültige Festlegung der Grenze zwischen Spanien und Frankreich geschah mittels einer gemischten Kommission 1956 durch Setzung der Grenzsteine. Basierend auf den Verträgen von 1900 wurde der Grenzstein 17 genau auf 21°20'N und 13°W gesetzt und da steht er heute noch. Hätte man sich damals auf z.B. 13°03'W einigen können, wäre die Grenze nicht nur entlang diesem Längengrad gerade bis zum nächsten Stein (20) verlaufen, sondern der Tunnel nicht nötig geworden.

Angeblich soll der Tunnel diesen Grenzstein nicht östlich passieren, sondern schnitt schon damals ganz leicht die Grenze. Leute vor Ort berichten das und von oben mittels Satellitenbilder betrachtet, sieht es so aus.
Screenshot 2026-04-10 085920.png

Wer verhandelte 1991 mit wem die Umfahrung, die nun 4km durch das Gebiet der Westsahara führt?
 
Hätte man sich damals auf z.B. 13°03'W einigen können, wäre die Grenze nicht nur entlang diesem Längengrad gerade bis zum nächsten Stein (20) verlaufen, sondern der Tunnel nicht nötig geworden.
Das oder ein Gebietstausch wären sicher aus französischer Sicht die günstigsten Alternativen gewesen.

Aber warum hätte sich die spanische Seite aus ihrer Perspektive darauf einlassen sollen?
 
Aber warum hätte sich die spanische Seite aus ihrer Perspektive darauf einlassen sollen?
Der Vertrag von 1900 war in manchen Punkten unklar und es gab 1956-1958 in der Kommission sicherlich Einiges zu diskutieren, wo genau die Grenzsteine gesetzt werden mussten. Gebietsabtausch wäre da noch möglich gewesen.
Wurde eine Korrektur am 13. Längengrad von Frankreich überhaupt gefordert?

1956 war die "Marrokkanische Befreiungsarmee" bereits in der Westsahara tätig, was dann u.a. zum Ifni-Krieg führte, wo Spanien 1958 die militärische Unterstützung Frankreichs gebrauchen konnte.
 
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