Konkreteres Thema zur BA Nationalsozialismus

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von CarlaLos, 7. Dezember 2016.

  1. CarlaLos

    CarlaLos Gast

    Hallo ihr Geschichtler da draußen,

    ich recherchiere gerade intensiv für meine Bachelorarbeit in Geschichte. Meine grobe Thematik soll ein Vergleich der Attentate auf Heydrich 1942, das Stauffenberg-Attentat 1944 und ihre Rezeption in der (deutschen/ausländischen) Presse sein. Nun überlege ich schon wie verrückt, wo und wie ich einen Mehrwert noch miteinbringen könnte. Dass Repressionsmaßnahmen erfolgt sind, scheint klar zu sein und muss nicht noch einmal untersucht werden - da würde ich keine neuen Erkenntnisse bringen. Vielleicht fällt euch ja was ein? Mein Betreuer ist keine sonderlich große Hilfe, er verweist mich jedes Mal auf die Literaturrecherche und wechseln wäre Schwachsinn, da er der Experte für den Nationalsozialismus an meiner Uni ist.

    Vielen Dank schon im Voraus!
    Carla
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vielleicht hilft dir ein leicht verändertes Geschichtsverständnis weiter. Ich bin von der Ausbildung her Historiker und Philologe, sehe mich aber in erster Linie als Historiker. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Geschichtswissenschaft als Philologie, also als eine Sonderform der Sprach- und Literaturwissenschaften an. Anstatt also irgendwelche aus dem Ärmel geleierte und deswegen vielleicht fragwürdigen Überlegungen anzustellen, leiste doch einfach eine vergleichende sprachliche Analyse der Texte. Das kann, richtig aufgezogen, B.A.-Arbeit-füllend sein.
     
  3. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Hi Carla,

    auf den ersten Blick ein interessantes Thema, allerdings ist das strukturell etwas sehr Verschiedenes, Heydrich als Reichsprotektor Böhmen/Mähren, mit einem Attentat auf Hitler zu vergleichen...

    Ich weiß auch nicht, ob man diese beiden Attentate im Zusammenhang "Nationalsozialismus" untersuchen kann. In meinen Augen ist es einmal der Aufstand gegen den Kopf einer Okkupation, zum anderen der Versuch, eine Katastrophe abzuwenden.

    Auch die "Täter" waren sehr verschieden: Einmal tschechische Widerständler, einmal ein adliger Angehöriger des Offizierskorps. Einmal ein erfolgreiches, einmal ein erfolgloses Attentat.

    Rezeption in der Presse finde ich langweilig: Da wird in beiden Fällen herauskommen, dass die Nazis es auszuschlachten versuchten. Hm, ich würde mir überlegen, ob das sinnvoll zu vergleichen ist - oder ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

    Das ist aber nur meine Meinung.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    :winke:
    Da ließe sich eine mehr-ebige komparatistische Analyse draus machen.
    - Reaktion in der deutschen Presse
    - Reaktion in der Presse des verbündeten Auslands
    - Reaktion in der Presse des neutralen Auslands
    - Reaktion in der Exilpresse
    - Reaktion in der Presse des feindlichen Auslands
    - Reaktion in der Presse der Länder, die im Laufe des Krieges ihre Sympathien wechselten (Spanien, Argentinien, Chile...)
    ___
    - Wortwahl, Auftauchen bestimmer Schlagworte
    - Genese der Wortwahl, Radikalisierung?
    ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Dezember 2016
  5. Peterchensmond

    Peterchensmond Gesperrt

    Gähn, Geschi is nich Philo-logie. Gottseidank. Außerdem sind die beiden Attentate totgeackert, so dass man sich auf unwichtige Details konzentrieren müsste, um überhaupt was zu finden.

    Wenn schon Philo, dann richtig: Vergleich der Filme und Bücher zu den Attentaten. Das halte ich für spannender als Pressereaktionen, die abstandslos interessengeleitet daherkommen.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Als Hilfsmittel, Carla, mag dir die LTI* von Viktor Klemperer dienen. Klemperer, der von Haus aus Romanist war, bemerkte recht früh die Veränderung der Sprache nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten und notierte sich, was er an Sprachveränderung bemerkte, in seinen Tagebüchern. Irgendwann fing er an, daraus eine philologische Untersuchung zu machen, die er zunächst noch Lingua Tertii Imperii nannte, später aber nur noch abkürzte. Nachdem er - dank seiner "arischen" Frau - relativ lange in DD überlebt hatte und während der Angriffe auf DD im Februar 1945 das Chaos nutzte, um zu fliehen - den Deportationsbefehl hatte er schon erhalten - musste er zwar seine Aufzeichnungen zurücklassen, aber nach dem Krieg kehrte er nach DD zurück und veröffentlichte seine überarbeiteten Aufzeichungen 1947.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Der Vorschlag von El Quijote ist m.E. richtungsweisend für die Anlage Deiner BA-Arbeit.

    Bei der ausländischen Presse würde ich mich auf GB beschränken, um das Untersuchungsfeld nicht unkontrolliert zu erweitern. Und die Zugänglichkeit dürfte relativ einfach sein.

    Im Zentrum der Arbeit steht die Frage der Intentionen und der erwünschten Wirkungen von eigener bzw. der Feindpropaganda auf die eigene bzw. die "feindliche" Bevölkerung.

    - Somit solltest Du zunächst eine Darstellung leisten, welche Rolle die Propaganda im WW2 spielen sollte und welche sie gespielt hatte. Wie war sie organisiert und wie wurde sie kontrolliert. Literatursichtung und - Diskussion ist dafür wichtig!

    - Du könntest die Frage diskutieren, welches „Kommunikationsmodell“ und welche psychologische Überlegungen zum damaligen Zeitpunkt eine Rolle gespielt haben . Im Prinzip ging man damals von einem schlichten „S/R-Modell“ der Kommunikation aus. Literatursichtung wichtig!

    - Im nächsten Schritt wären die Leitmedien auszuwählen, die Du untersuchen möchtest. Es sollten die jeweils relevantesten Medien für das 3. Reich und GB verglichen werden. Möglicherweise je 2 pro Land über den Untersuchungszeitraum von ca. ein oder zwei Monate (keine Ahnung wie lange berichtet wurde)

    -Im vierten Schritt wäre zu entscheiden wie Du die komparative Analyse der Berichte über diese Attentate vornimmst. Ob eher als qualitative oder quantititative Inhaltsanalyse. Im Ergebnis sollten klare ideologische Aussagen vorhanden sein, die ein eindeutiges und plausibles Freund-Feindbild kommunizieren. Denn das wäre die zentrale Aufgabe der Propaganda.

    Es bieten sich dabei im Querschnitt die Vergleiche zwischen den Medien im GB und dem 3. Reich an und im Längsschnitt jeweils für die nationalen Medien. Dieses Ergebnis ließe sich dann natürlich wieder im Querschnitt vergleichen

    Ein derartiges Design ist anspruchsvoll und könnte duchaus zu neuen Erkenntnissen bei der Bewertung einzelner historischer Ereignisse durch die Medien im WW2 beitragen.
     
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