Kriege von Spanien im 16. Jahrhundert

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von Inka, 15. Oktober 2009.

  1. Inka

    Inka Neues Mitglied

    Hallo alle zusammen,

    Wir brauchen für eine Schularbeit, die bis heute Abend fertig sein soll :D, dringend eure Hilfe. Wir müssen alle bzw. die größten Kriege Spaniens im 16. Jahrhundert (also vor allem gegen England, Frankreich und die Osmanen oder so) rausfinden sowie ihre Gründe und hauptsächlichen Folgen.
    Im Internet haben wir dazu leider nicht wirklich viel gefunden - Deshalb hoffen wir auf eure Hilfe :)

    Danke schomal im Voraus!
    Inka
     
  2. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

  3. Walter

    Walter Gast

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. Oktober 2009
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Fang doch mal mit deinem Nicknamen an, dann hast Du die Kriege gegen die Eingeborenen in Lateinamerika. Die wurden zwar mit verhältnismäßig wenig Aufwand geführt, hatten aber die am längsten andauernde Wirkung.
    Es wäre auch nicht schlecht, insbesondere für de Regierungszeit Karls V., sich die habsburgischen Kriege anzuschauen, da die Habsburger von 1516 an die spanischen Könige stellten und in Deutschland seit dem 14. Jahrhundert das bevorzugte Kaiserhaus waren.
    Osmanisches Reich: Zunächst Stellvertreterkriege gegen die nordafrikanischen Piraten, später dann die direkte Konfrontation (z.B. Seeschlacht von Lepanto); auf dem Balkan und dem von Spanien beherrschten Süditalien begann die direkte Konfrontation schon eher, mindestens haben spansiche Truppen für das Dt. Reich in Ungarn gekämpft, recherchiere auch zur Belagerung Wiens von 1529.
    England: Zunächst gibt es enge dynastische Beziehungen Catalina (Katharina) de Aragón heiratete Henry VIII., der sich aber letztlich von der römische Kirche löste und die anglikanische Kirche gründete, um sich scheiden lassen zu können (etwas vereinfacht). Neben dem religiösen Affront war das natürlich auch ein direkter Affront gegen Habsburg.
    (um die Sache etwas zu verkomplizieren: Catalina war keine Habsburg, aber sie war die Tante von Karl und Ferdinand von Habsburg, Karl hatte Spanien durch ihre ältere Schwester, seine Mutter Johanna die Wahnsinnige geerbt) Später dann wollten Henrys Tochter Mary (Catalinas Tochter), die England rekatholisieren wollte, und Felipe II. heiraten, was aber scheiterte. Nach ihrem Tod, unter Elisabeth I. kam es dann zur offenen Konfrontation zwischen der Weltmacht Spanien und der aufstrebenden Seemacht England. Was vorher eher durch Privatinitiativen von Piraten und Interlopern von England ausging, wurde zum Kriegszustand. Die berühmte spanische Armada die 1588 vor der englischen Küste unterging, markiert das bekannteste Ereignis dieses Krieges, der allerdings weitgehend als Kolonialkrieg v.a. in der Karibik geführt wurde.
    Frankreich: Hier ging es einerseits um die Vormachtstellung in Italien, mit wechselnder Unterstützung der Päpste für die eine oder andere Seite - was unter anderem dazu führte, dass es zum Sacco die Roma kam, der allerdings nicht von Spaniern sondern von deutschen Landsknechten ausging - andererseits fühlte sich Frankreich vom Haus Habsburg, das ja in Spanien und in Deutschland regierte, unter Karl auch noch in Personalunion, bedroht. Nicht zuletzt waren aber auch hier wieder dynastische Befindlichkeiten wichtig. Nachdem Phillip der Schöne von Habsburg, der Vater von Karl und Ferdinand, von seiner Mutter die burgundischen Besitzungen geerbt hatte (zum damaligen Zeitpunkt ungefähr die heutigen Staaten BeNeLux), war dieses Gebiet habsburgische Hausmacht, die Grenzen allerdings waren mit Frankreich umstritten. Die burgundischen Besitzungen gingen dann, nach der Reichsteilung bei Karls Abdankung (sein Bruder Ferdinand, der schon zu Karls Regierungszeiten deutscher König wurde, wurde dt. Kaiser, Karls Sohn Felipe spanischer König) 1556, an den spanischen Teil der Familie, gehörten aber nach wie vor zum Heiligen Römischen Reich.
    Letztlich war es aber das Unabhängigkeitsstreben der im Verlauf des 16. Jahrhunderts zu Protestanten werdenden Niederländer, welches Spanien dann den achtzigjährigen Krieg bescherte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Oktober 2009
  5. Inka

    Inka Neues Mitglied

    Danke!

    Super, vielen Dank! Die Wikipedia-Seiten hatten bereits davor angeschaut, sind daraus aber nicht wirklich schlau geworden, weil wir sie sehr unübersichtlich finden und uns der "größere Zusammenhang" fehlt. Aber El Quijote, dein Beitrag ist wirklich sehr informativ, danke dass du dir die Zeit genommen hast!

    Nun hätten wir noch eine Frage: Wie würdet ihr die Folgen all dieser Kriege ganz allgemein beschreiben, für Spanien und für Europa? Und inwiefern habenn sie etwas mit dem Untergang Spaniens als Weltmacht zu tun bzw. welche anderen Faktoren außer den verlorenen Kriegen spielten noch mit hinein?

    Liebe Grüße
    Inka:)
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Grundsätzlich würde ich sagen, dass Spanien bis weit ins 17.Jh. hinein eine Weltmacht blieb.

    Wenn Du Dir die Liste im Link von Floxx anschaust, wird Dir auffallen wie mannigfaltig die Kriegsherde für Spanien waren. Du kannst Dir wahrscheinlich auch vorstellen wie kostspielig die Unterhaltung von Armeen war, wenn man an vielen Orten der Welt Krieg führen wollte/musste. Spanien hatte mit seinen niederländischen Besitzungen und dem Burgunder Erbe Gebiete dazu gewonnen, welche von mehreren Seiten von Gegnern bedroht und schwer zu verteidigen waren, wozu dann noch die Chance für die rebellierenden Niederlande kam, sich mit Frankreich oder anderen spanienfeindlichen Mächten zu verbünden. El Quijote wird es besser beschreiben können, aber ich würde annehmen, dass sich Spanien durch die vielen Konflikte verzettelte.
     
  7. Walter

    Walter Gast

    Wobei hier die Seemacht eine sehr große Rolle spielte und ab dem 16. Jahrhundert sich gerade Krisenherde entwickelten, zwischen Spanien und der aufstrebenden Seemacht, England.
    Im Mittelpunkt dieser Interessenskonflikte steht im 16. Jahrhundert der Unabhängigkeitskampf der Holländer von Spanien.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. Oktober 2009
  8. Megas

    Megas Neues Mitglied

    Die Faktoren für den langsamen Niedergang Spaniens als Weltmacht sind mannigfaltig. Zurecht wurden hier die zahlreichen Kriege der Monarquía Católica an mehreren Fronten betont. Es wird diesbezüglich sehr gerne von einer "imperialen Überdehnung" Spaniens gesprochen. Ich denke, das trifft es sehr gut.

    Neben diesen militärischen und politischen Hintergründen muss man unbedingt noch die ökonomische Komponente im Auge behalten. Allein in der Regentschaft Philipps II. (1556-1598) gab es drei Staatsbankrotte: 1557, 1575, 1596. Ein Grundfehler mag darin zu sehen sein, dass das Silber aus der Neuen Welt, vor allem aus der riesigen, bolivianischen Silbermine Potosí, nicht in die Binnenwirtschaft Spaniens investiert wurde (vlt auch nicht konnte). Man sieht hier sehr gut, dass der Krieg diese Misswirtschaft mitbedingte, denn die riesigen Söldnerheere, vor allem das in den Niederlanden befindliche, mussten bezahlt werden. Geschah dies nicht, musste die Spanische Monarchie mit Meuterei rechnen, so geschehen 1576 in Antwerpen (Spanische Furie). Ökonomisch negativ wirkten sich auch die Ausweisungen der Juden und Morisken in Spanien aus, die beutende Wirtschaftsfaktoren waren.

    Alles in allem, würde ich aber Brissotin zustimmen, dass Spanien bis ins 17. Jahrhundert hinein als Weltmacht oder wenigstens als europäische Hegemonialmacht anzusehen ist. Von einigen Historikern wird der Niedergang schon mit der Regentschaft Philipps II. bzw. seinem Tod eingeleitet. Dem würde ich nichtzustimmen wollen, was aber hauptsächlich daran liegt, dass ich diesem König gewisse Sympathie entgegenbringen kann :) . Jedenfalls wird nicht ohne Grund der Zeitraum zwischen dem Frieden von Câteau-Cambrésis (1559) und dem Pyrenäenfrieden (1659) als "Spanisches Jahrhundert" bezeichnet. Erst dann übernahm Frankreich die dominierende Position im europäischen Mächtesystem.
     
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  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

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