Krönung Konrads I.?

Dieses Thema im Forum "Das Heilige Römische Reich" wurde erstellt von tela, 12. Mai 2014.

  1. tela

    tela Aktives Mitglied

    Ganz blöde Frage: Wurde Konrad I. nicht zum König gekrönt? Irgendwie finde ich weder im Wikipedia Eintrag zu ihm noch im LexMA eine entsprechende Info. In beiden wird nur die Wahl am 10.11.911 erwähnt.
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nach allem, was ich hier so in Lexika finde, wurde Konrad I. lediglich zum König gewählt. Von einer Krönung lese ich nichts - entweder gibt es dafür keinen Beleg, oder es gab tatsächlich keine formelle Krönung.

    Die Königsinsignien besaß Konrad nach einem Bericht Widukinds jedoch und übersandte sie seinem Nachfolger Heinrich I. Der verzichtete ausdrücklich auf Salbung und Krönung und ließ sich nur wählen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2014
  3. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    In Forchheim glaubt man, er sei dort auch gekrönt worden.
    Bilder aus Forchheim/Oberfranken und Fränkische Schweiz

    Aber:

     
  4. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    In meinen Büchern lese ich:
    „Nach Arnuls Tod 899 übernahm sein unmündiger Sohn Ludwig das Kind die Regierung. Neben Sachsen, wo sich bereits in den letzten Jahrzehnten des 9. Jh. ein Stammesherzogtum herausgebildet hatte, entstanden auch in anderen Gebieten des ostfränkisch-deutschen Feudalstaates rasch solche territoriale Einheiten, so in Bayern.
    In Franken und Schwaben entbrannten um die Herzogswürde heftige Kämpfe unter den mächtigsten Adelsgeschlechtern, wobei in Franken die Konradiner den Sieg davontragen konnten.

    Als Ludwig das Kind 911 als letzter Vertreter der ostfränkischen Karolinger 17jährig starb, kam es in Forchheim zur Erhebung des fränkischen Herzogs Konrad zum König.
    Konrad hatte bereits unter Ludwig dem Kind eine entscheidende Rolle am Königshof gespielt.

    Dennoch war seine Wahl zum König eine wichtige Zäsur im Entstehungsprozess des deutschen Feudalstaates, war man doch nun endgültig vom karolingischen Geschlecht abgegangen und hatte nicht analog zu den Ereignissen, die Karl III. 885 noch einmal die Regierung im gesamten Frankenreich gebracht hatten, dem westfälischen Herrscher aus karolingischem Geschlecht die Krone angeboten.

    Nur die Lothringer beteiligten sich nicht an der Wahl Konrads, sondern schlossen sich dem Westfrankenreich an.“
    „Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters“, Urania Verlag 1989.
     
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  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Dass Konrad zum König "erhoben" und "gewählt" wurde, daran besteht kein Zweifel. Von einer Krönung kann ich jedoch in der Fachliteratur nichts finden, auch wenn Konrad - nach Widukind - die Königsinsignien besaß. Ob er tatsächlich Heinrich I. "designierte", daran gibt es in der Forschung trotz eines diesbezüglichen Berichts von Widukund Zweifel. Darüber haben wir bereits hier ausführlich diskutiert: http://www.geschichtsforum.de/f37/sachsen-und-franken-43769/index3.html
     
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  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2014
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  7. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Gut recherchiert, Muspilli! :winke:

    Aber ist "Salbung" mit "Krönung" gleichzusetzen?
     
  8. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Gehörte die Salbung nicht zur Liturgie der Krönung? Und was ist mit Festkrönungen? Könnte es nicht sein, dass die Quellen lediglich die konstituierende Wirkung der Krönung nicht anerkennen.
     
  9. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

  10. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Salbung war Bestandteil des Krönungsaktes und ging ihr rituell voraus.
    Die Krönung ist allerdings der abschließende Teil der Zeremonie und dazu scheint es bei Konrad I. nicht gekommen zu sein.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

  12. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Du weißt, mit Legitimationsfrage mache ich es mir nicht leicht:
    Ich habe es erst einmal so verstanden, daß die Salbung nicht gleichzusetzen ist, sondern Bestandteil der Krönung sein müßte, wie du schon bemerkst.
    Anscheinend ist die Salbungsfrage selbst - wie ich es immer gerne - durchaus kontrovers und bedingt vielleicht gewissen Implikationen für die Legimitationsfrage der Folgezeit, die wir schon einmal diskutierten, worauf du dankenswerter Weise hinweist. Das Problem scheint die Quellenlage zu sein, auch darauf weist du jetzt hin ...
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2014
  13. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    So ist es. Die "Salbung" ist zumindest umstritten (s. oben die Quelle vom Gisonen) und von einer "Krönung" ist nirgendwo die Rede. Die scheint wirklich nicht stattgefunden zu haben.
     
  14. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    Zuletzt bearbeitet: 12. Mai 2014
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  15. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Casper Ehlers (2013, S.313) gibt eine ohne Ort überlieferte Versammlung für Anfang November 911 an, bei dem es sich um Forchheim handeln könnte, wo Konrad zügig seine erste Urkunde ausstellte.
    Fraglich sei es (so in seiner Anm. 116 mit Hinweis auf Dümmler), ob hier überhaupt Wahl, Salbung & Krönung stattgefunden hätten.*

    Keller & Althoff (2008, § 5 a) argumentieren anscheinend genau auf der gleichen Basis: "Termin und Ort ergeben aus der am Sonntag, dem 10. November 911, ausgestellten ersten Urkunde des Königs." (S.69; sie weisen in der dazugehörigen Anm. auf St. Martin als "traditionellen Termin für Hoftage hin, der allerdings für den 11. Nov. angegeben wird.)**
    Ferner zweifeln sie nicht an der Salbung und verweisen auf Horst Fuhrmann & Franz-Reiner Erkens (2006).
    Online konnte ich nur von letzterem ein Arbeit finden: Herrschersakralität im Mittelalter: von den Anfängen bis zum Investiturstreit - Franz-Reiner Erkens - Google Books.
    Darin argumentiert Erkens merkwürdig widersprüchlich: Die Königssalbung wäre "als zusätzliches Legitimationsmittel östlich des Rheins wirklich erst mit Konrads I. Aufstieg zum Königtum notwendig geworden" (S.126); obzwar er nicht unbedingt behaupten will, daß Konrad tatsächlich gesalbt worden sei (vgl. S.128).
    Wikund von Corveys Bericht der Salbung Konrads hält er nicht für so unglaubwürdig wie Carlrichard Brühl; als Argument führt er die Bezeichnung Konrads als den Gesalbten des Herrn in den Akten der Hohenaltheimer Synode an (vgl. S.125). Die Rede vom "christus domini" könnte aber auch wiederum metaphorisch interpretiert werden.

    Meine kleiner Durchgang durch die Literatur hat also ergeben, daß man früher anscheinend selbstverständlich von einer Königssalbung Konrads I ausging (vgl. z. B. Goetz, 2006), was aber heute ziemlich strittig ist:
    eine kondensierte Zusammenfassung findet sich bereits bei W. Mohr (1999, S.365 f: Anhang V): "Beweisführung nicht ausreichend"

    Tja, und wie sieht das jetzt mit der Krönung nach seiner Wahl aus? Ich bin mit meinem Latein am Ende...:
    "Chunradus regnum accepit" so zit. Mohr (Anhang IV)
    "Chonrâdus [...] rex electus" (GEI-Digital - Die digitale Schulbuch-Bibliothek)

    Anm.:
    *Interessant ist, daß Ehlers (S.319) erwähnt, daß Heinrich übrigens auf die Salbung verzichtete; er sicherte anscheinend seine Legitimation "vertraglich" ab.
    ** Keller & Althoff bemerken hinsichtlich des Siegels Konrads die Betonung der Sakralität des Monogramms (S.73).
    Interessant fand ich auch noch bei meinen Recherchen, daß Konrad anscheinend gar kein Karolinger war (Jörg W. Bucsche: Die Herrschaften der Karolinger 714-911 - Jörg W. Busch - Google Books)


    Ehlers, Die Integrations Sachsens in das fränkische Reich. Göttingen: Vandenhoeck & Rubrecht, 2013
    Ernst Dümmler, Geschichte des Ostfränkischen Reichs (vollständige Lit.-angabe von jschmidt http://www.geschichtsforum.de/512782-post4.html)
    Hagen Keller & Gerd Althoff, Die Zeit der späten Karolinger und der Ottonen: Krisen und Konsolidierungen, 888–1024 (=10. völlig überarbeitete Ausgabe von Gebhardt, Handbuch der deutschen Geschichte). Stuttgart: Klett-Cotta, 2008.
    Fuhrmann (1987) zur Synode von Hohenaltheim (Lit.-angabe im Link von Beitrag #14)
    Erkens (2006): RI OPAC
    ders. (2006a), Herrschersakralität im Mittelalter. Stuttgart: Kohlhammer, 2006
    Hans-Werner Goetz, Konrad I: Konrad I.: auf dem Weg zum "Deutschen Reich"? - Google Books
    Mohr, Studien zur Geistes- und Herrschaftsgeschichte des MA. Stuttgart: Steiner, 1999 (Link in Beitrag #6)
     
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  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Quellenlage ist dermaßen dürftig, dass keine eindeutige Aussage zu einer Krönung Konrads I. gemacht werden kann. Das ist der Grund, warum alle oben genannten Historiker Hypothesen oder Theorien von sich geben.

    Die Frage bleibt also ungeklärt.
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Königssalbung, dies nur zur Ergänzung dazu, dass sie eigentlich dazu gehörte, hat Karl der Große, sich am Beispiel der Bibel (Salbung Davids) orientierend wieder eingeführt. Konrad, als Nachfolger der Karolinger sollte daher gesalbt worden sein. Es wäre zu erwarten. Gibt es Quellen, die ausdrücklich gegen eine Salbung sprechen?
     
  18. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Die Sache ist wohl, daß sie nicht gängige Praxis war; sie kam vor, aber irgendwie nicht kontinuierlich. Hinsichtlich der Karolinger fnde ich die Beobachtung eigentlich auch irritierend; Ludwig das Kind soll beispielsweise nur gekrönt, nicht gesalbt worden sein, so Erkens Angabe (Herschersakralität S.126) und wohl auch Ludwig der Deutsche (S.127) - das ist schon irgendwie kompliziert mit den Karolingern und ihrer Legitimation ... Anscheinend nennen manche Quelle bei den einen die Salbung explizit, bei anderen eben nicht ...
     
  19. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Schon Pippin hat die Salbung eingeführt und lies sich und seine Söhne am 28.07.754 in Saint-Denis von Papst Stephan II. salben. Dies geschah nach traditioneller Deutung, um das fehlende Königsheil der Merowinger zu ersetzen.

    Ich habe immer das Gefühl, dass die Quellen in dieser Sache einfach nicht genau sind, die fraglichen Herrscher also gesalbt und gekrönt wurden. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, dass es von König zu König unterschiedlich gehandhabt wurde. Wir reden hier doch von einer Zeit, in der dem Ritual eine große Bedeutung zukam.

    Allenfalls kann man vermuten, dass sich das Ritual in dieser Zeit weiterentwickelte. Dann hätte vielleicht die Schilderung der Krönung Ottos II. bei Widukind von Corvey die Bedeutung eines Endpunktes.

    Aber hat nicht Percy Ernst Schramm auch den Bereich der Krönungen untersucht? (Herrschaftszeichen und Staatssymbolik?) Ist zwar schon älter, aber aus dem Nachlass erschien in den 70ern ein Nachtragsband und aufgrund der grundlegenden Bedeutung und des Umfangs ist doch sicher immer noch davon auszugehen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2014
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Da kann man geteilter Meinung sein. Widukind z.B. weist ausdrücklich darauf hin, dass Heinrich I. die ihm vom Mainzer Erzbischof Heriger angebotene Salbung und Krönung ausgeschlagen habe. Ich denke, wenn es eine Krönung gab, so wurde die auch von den Chronisten erwähnt. Spätestens dann, wenn über die Wahl eines Königs berichtet wurde, wie das bei Konrad I. der Fall war.

    Wir werden das Rätsel bei König Konrad angesichts der ungünstigen Quellenlage nicht mehr lösen können. Schon bei der Salbung sind sich die Historiker uneins (vgl. die oben angeführten Quellen).
     

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