Ladungsliste mit Rätseln

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von G. Agricola, 12. Januar 2005.

  1. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Eine Bitte an alle Wissenden!

    Vor kurzer Zeit konnte ich für wenig Geld (7,50 Euro) ein kleines, interessantes Büchlein erwerben. Es handelt sich um einen originalgetreuen Fachsimiledruck mit dem Kurztitel:

    Hoffmann, Johann Christian: Ostindische Voyage (1671 - 1676)

    und einem relativ kurzen Nachwort von Günter E. Th. Bezzenberger.

    Im letzten Teil dieses Büchleins behandelt der Verfasser, ein calvinistischer Geistlicher, die Reise von zehn Schiffen der Niederländisch-Ostindischen Kompanie von Batavia nach Texel. Neben 1.329 Passagieren transportierten diese Schiffe eine Menge sogenannter Kolonialwaren. Die Schiffe verließen Batavia am 20. November 1675 und kamen nach einem dreiwöchigen Zwischenaufenthalt in Kapstadt in Texel am 9. Juli 1676 ohne den Verlust eines Schiffes an. (Hatten die Holländer damals schon ihren Kalender von julianisch nach gregorianisch umgestellt?)

    Die vier Seiten dieser Liste habe ich mit 150 bpi gescannt. Sie liegen als die Dateien "Teil_1.gif" bis Teil_4.gif" in der angehängten Datei "Ladeliste.zip" (94 kB) vor.

    In den einzelnen Spalten sind verzeichnet: Anzahl, Maßeinheit, Namen der Ware und Einkaufspreis.

    Viele Angaben in dieser Liste geben mir Rätsel auf. Da werden z.B. Textilien als Stück angegeben. Wie groß war denn damals ein "Stück" Stoff?

    In Teil 2 ist als Mengenangabe (2. Spalte, unterer Teil) ein Mengensymbol angegeben, das ich nicht kenne. Könnte es "Sack" oder "Faß" bedeuten?

    Bei Teil 3 handelt es sich um Angaben in Pfund (wohl damaliges holländisches Pfund). Und wie in Teil 1 heißt "Gesortieret" möglicherweise sortiert. Wieso aber wird Salpeter, den ja damals die Holländer und andere Fernkaufleute in Mengen nach Europa transportierten, als "Gesortiert" angegeben? Wurde er nach der Korngröße sortiert?

    Die Preise sind in holländischen Gulden, Stübern und Pfennigen angegeben.

    Der Gesamtwert der Ladung betrug 3.574.040 Gulden, 0 Stüber und 6 Pfennig.

    Mit Hilfe der URLs

    http://www.scc.rutgers.edu/memdb/generalpages/toplevel/databaseList.asp

    http://www.iisg.nl/

    http://www.economics.ox.ac.uk/

    http://www.economics.ox.ac.uk/Members/robert.allen/WagesPrices.htm

    kann man zumindest für einige Waren die jeweiligen Marktpreise in Europa finden und einigermaßen berechnen, was die Companie an diesen verdiente.

    Mir wäre es eine große Hilfe, wenn man mir bei der Entzifferung dieser Warenliste helfen würde. Und vielleicht würde es ja auch andere Leute hier interessieren?

    Grüße

    G. Agricola



     

    Anhänge:

  2. Suedwester

    Suedwester Gast

    Zu dem Zeichen in Teil 2: Ich lese dort ein "lb" = Unze. Scheint auch logisch. 163764 Ballen Seide à sagen wir mal 75 kg ... das wären etwas über 12000 Tonnen (!) Seide ... für 10 Schiffe (und damit etwa 1200 Tonnen Seide pro Ladung) doch eine ganze Menge, auch wenn die Ostindiensegler einiges wegbrachten. In Unzen wären es (bei 32 Gramm je Unze) etwa 5200 kg oder 520 kg (7 Ballen) je Ladung ... und das scheint mir wesentlich realistischer.

    Bye erstmal

    Suedwester
     
  3. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Danke, Suedwester,

    was Du schreibst, erscheint mir als sehr plausibel. Bei den Unzen handelt es sich vielleicht um Seidengarn bzw. um Unzen der anderen Waren.

    Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, daß wahrscheinlich größere Schiffe der NOC (Niederländischen Ostindischen Companie) im 17. Jahrhundert nicht mehr direkt nach Amsterdam segeln/fahren konnten. Vielleicht war der Wasserweg schon zu sehr verseicht. Das würde möglicherweise auch einige Sachverhalte klären, die mit den Seekriegen der Engländer und der Holländer zusammenhingen. Diesem Aspekt muß ich noch nachgehen.

    Grüße

    G. Agricola
     
  4. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Die Maße und Gewichte müßten in der Reihe "Handbuch der historischen Metrologie" (Band 2 oder 3) verzeichnet sein, das jedes gutsortierte historische Institut haben sollte. Vermutlich findest du dort auch etwas über den Geld/Umrechnungswert...

    Hier sind auch noch metrologische Seiten, die sich mit niederländiscgen Maßeinheiten beschäftigen (teilweise auf niederländisch, sollte aber kein großes Problem sein):
    http://www.genealogienetz.de/misc/units/
    http://members1.chello.nl/~t.vanderleij/html/conversie.html
    http://www.geocities.com/Paris/1634/homepage/eenheden.htm
     
  5. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Danke, Schini,

    Deine URLs kommen in meine Merkliste.

    Grüße aus Berlin-Kladow, zum nächsten historischen Institut ist es ein wenig weit für mich.

    G. Agricola
     
  6. Schini

    Schini Neues Mitglied

    Ohne mich jetzt in Berlin auszukennen: Ich meinte ja nur, falls es mal am Weg liegen sollte. Gottseidank wohnst du ja nicht hinter des sieben Bergen oder sonstwo am Ende der Welt. ;)
     
  7. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Ja, Schini, nicht am Ende der Welt. Und dann gibt es ja immer noch SUBITO. Diesen Service nehme ich in Anspruch.

    G. Agricola
     
  8. Suedwester

    Suedwester Gast

    Mir ist noch ein Gedanke gekommen - ist aber wie gesagt wirklich nur ein Gedanke ...

    Gerade in der Marine(artillerie) bezeichnete "Stück" ein Geschoß von 48 Pfund Gewicht. Ein Halbstück waren dann ein 24-Pfünder etc ... Zu spekulativ?

    Bye

    Suedwester
     
  9. G. Agricola

    G. Agricola Neues Mitglied

    Hm, Suedwester,

    das wären ja auf Liste 1 12.320 * 48 Pfund Gebleichte Dongry. :D

    Ist das nicht ein wenig zu viel?

    fragt

    G. Agricola
     
  10. Suedwester

    Suedwester Gast

    Solange ich nichtmal mit Sicherheit sagen kann, was das eigentlich ist (Google schweigt sich aus bzw. mein Japanisch reicht dazu nicht aus) kann ich auch nicht sagen, ob das wirklich viel ist ;) Läppische 300 Tonnen ... ;)
    Bye
    Suedwester
     

Diese Seite empfehlen