Laufbahnen der Wehrmacht

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Zardosht, 6. November 2021.

  1. Zardosht

    Zardosht Neues Mitglied

    Hallo,

    ich hatte mich gefragt, wie es damals bei der Einberufung war, ob man z.b mit Abitur direkt in die Unter- oder gleich in die Offiziersränge einsteigen konnte. Konkret würde es mich interessieren, ob ein 1940 in die Wehrmacht eingezogen/ sich freiwillig gemeldet hätte, direkt zum Feldwebel werden konnte. Zu dem ganzen Thema habe ich leider nichts gefunden, über den Ablauf und Verfahren von Ausbildung, Truppengattungswahl etc. Über Informationen dazu wäre ich sehr dankbar.

    Zardosht
     
  2. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    ich habe zwar kein tieferes Wissen darüber, aber ich vermute, dass ein bis dahin Ungedienter als der berühmte "Schütze Arsch" anfängt. Als Offiziersanwärter bzw. Unteroffiziersanwärter wird er dann über die Laufbahn dann höhere Ränge nach Ableistung der entsprechenden Ausbildungsschritte und Beurteilungen erlangen. Zumindest ist (oder war es zumindest) bei der Bundeswehr so.

    Wieder einberufene Reservisten werden ihren alten Rang bekleidet haben.
     
  3. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Welche Reservisten eigentlich, anno 1940?
    Da man ja erst seit 1935 wieder zur allgemeinen Wehrpflicht übergangen war, hatte man, als es 1939 losging gerade einmal 4 Jahrgänge, die die Ausbildung einigermaßen vollständig durchlaufen konnten und alles was davor war, waren ja noch die "weißen" Jahrgänge, die man wegen der Bestimmungen des Versailler Vertrags noch gar nicht heranziehen konnte.
    Dazu vielleicht noch ein paar ausgeschiedene Berufssoldaten aus der alten Reichswehr.
    Aber alles, was man irgendwie an militärisch ausgebildeten Personen hatte und wobei es sich nicht gerade um Veteranen des vorherigen Weltkriegs handelte, wird man schon 1939 einberufen haben, sofern nicht in kriegswichtigen Industrien beschäftigt.

    Ich glaube kaum, dass da anno 1940 noch größeres Potential an Reservisten vorhanden war, das man noch hätte einberufen können, es sei denn den ein oder anderen Pechvogel, dessen militärische Ausbildung darin bestand, dass man ihn noch anno 1917/1918 mit 20 Jahren bis deutlich drunter an die Front komplementiert hatte.
     
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  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Guter Einwand - kurz nur aus der Wiki kopiert:

    Nach dem Ersten Weltkrieg waren dies in Deutschland die Jahrgänge 1901 bis 1913, da es zu Zeiten der Reichswehr von 1919 bis 1935 keine Wehrpflicht gab. Diese Männer waren für den Militärdienst im alten Heer bzw. der Marine bis 1918 zu jung, für den Wehrdienst in der (Friedens-)Wehrmacht bis 1939 bereits zu alt. Sie wurden allerdings ab 1934 zu einer Kurzausbildung einberufen.​

    Weißer Jahrgang – Wikipedia

    Die Mobilisierung der Reservisten erfolgte Juli und August 1939. Ende 1939 hatte die Wehrmacht 4,7 Millionen Männer einberufen, 1940 waren es mit nochmal 4,1 Millionen fast ebenso viele. Durch erschöpfte personelle Ressourcen halbierte sich die Zahl in den folgenden Jahren, bis sie 1944 nur mehr 1,3 Millionen erreichte. Insgesamt wurden 1939 bis 1945 über 17 Millionen Männer einberufen.[10]

    Wehrmacht – Wikipedia
     
  5. Lukullus

    Lukullus Aktives Mitglied

    Militärisches gehört nicht zu meinen Steckenpferden, ich kann aus der gesicherten Familiengeschichte dieses beitragen:
    Mein Großvater (Jahrgang 1901) gehörte zu den Weißen Jahrgängen nach dem 1. WK, und durchlief 1934 eine Kurzausbildung. Für ihn endete diese im Range eines Unteroffiziers der Reserve.
    Bei seiner Einberufung (Heer/Infanterie) zum Jahreswechsel 1939/40 wurde er, unter Überspringung des Ranges Unterfeldwebel, direkt zum Feldwebel befördert. Inwieweit Bildungsgrad (Abitur/Studium) oder anderes wie bspw. Vitamin B hierbei eine Rolle gespielt haben könnten, entzieht sich meiner Kenntnis.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. November 2021
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  6. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Im deutschen Kaiserreich hatten Wehrpflichtige, die einen höheren Schulabschluss (Abitur/Matura oder Mittlere Reife nachweisen konnten, die Möglichkeit einen verkürzten Wehrdienst in einem Truppenteil eigener Wahl zu absolvieren, mit der Möglichkeit, nach Ende der Grundausbildung Reserveoffizier zu werden.

    Nach preußischem Vorbild übernahmen Österreich-Ungarn, Italien, Frankreich und Russland ähnliche Regelungen. Soweit ich weiß, existiert im österreichischen Bundesheer heute noch die Möglichkeit, als Einjährig Freiwilliger Reserveoffizier zu werden.

    Wieweit aber diese Möglichkeit in der Weimarer Republik und im Nazireich weiterbestand, weiß ich leider nicht.
     
  7. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Wobei der Grundwehrdienst in Österreich in der Dauer heute nur noch 6 Monate beträgt:

    Wehrpflicht – Wikipedia

    Damit wäre der Einjährig-Freiwillige heute dann auch kein verkürzter Wehrdienst mehr, sondern hätte seinen Charakter zu einem verlängerten Wehrdienst geändert.
     
  8. Naresuan

    Naresuan Aktives Mitglied

    Das wäre mir auch neu. Die Laufbahn konnte mal schneller gehen, wenn Bedarf war, gewisse Dienstgrade wurden dabei manchmal übersprungen, aber sicher nicht alle bis zum Feldwebel.
    1940 ist für die Dienstgrade ein Spezialfall, weil bereits mit der Mobilmachung die Dienstgrade Fahnenjunker, Fähnrich und Oberfähnrich in der Offizierslaufbahn gestrichen wurden. Dies weil die Offiziersausbildung nicht mehr vorwiegend in einer Offiziersschule mit zeitweiligem Praktikum bei der Truppe gemacht wurde, sondern auch die Offiziersanwärter im Krieg waren und nur zu Lehrgängen in die Schule gingen.
    1939/1940 wurde für Offiziersanwärter noch das "Fahnenjunker" dem normalen Dienstgrad vorangestellt, also z.b. Fahnenjunker-Gefreiter, Fahnenjunker-Feldwebel, ab dann nur noch Gefreiter OA bzw. ROA, Unteroffizier OA/ROA etc.. 1943 wurden die alten Dienstgrade wieder eingeführt.
    Weiteres dazu in: https://d-nb.info/975984101/34

    Freiwillige konnten die Truppengattung meist wählen, bei den anderen richtete sich das nach dem Bedarf.
    Hier erzählt ein Zeitzeuge von einer Musterung 1939: Gerade auf LeMO gesehen: LeMO Zeitzeuge
     

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