Literatur Gesellschaft WW1

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von kjd, 4. Januar 2021.

  1. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Hallo,
    Kennt vielleicht jemand Literatur zur gesellschaftlichen Ansicht des Ersten Weltkriegs? Konkret gesagt wie stand das Volk in Europa zum Thema Krieg in den Jahren 1914-1918. Wäre gut wenn die Literatur das Thema Panzer enthält. Ist jedoch nicht zwingend notwendig und alles andere wäre auch sehr nützlich. Danke im voraus.
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Wie definierst du denn "Volk"? Es gab Befürworter des 1.Weltkrieges mit Expansionsgelüsten (in Deutschland bspw. den Alldeutschen Verband) und es gab Pazifisten, die den Krieg möglichst schnell beenden wollten (z.B. in Deutschland ab 1916 die USPD) - beide sind Teil von "Volk". Ähnliches kann man auch für die anderen kriegsführenden Nationen sagen. In Russland setzte z.B. die Kerenski-Regierung den 1.WK fort, die Bolschewisten beendeten ihn dann - Unterstützung im "Volk" hatten beide.
     
  3. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Mit Volk meine ich das was sie genannt haben. Die breite Masse, als Bürger einer Nation. Hätte gerne Literatur die sich mit der Einstellung des Volkes beschäftigt.
     
  4. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Und wer ist die "breite Masse"? "Volk" ist eben keine "breite" oder homogene Masse. Da gibt es unterschiedlichste Ansichten.
    Rainer Marie Rilke drückt im Gedicht "Fünf Gesänge" die Kriegsbegeisterung von 1914 aus. Ernst Jüngers Roman "In Stahlgewittern" beschreibt die Brutalität des Krieges. 1914 noch kriegslustig und in der Weimarer Republik Freikorpsangehöriger mit Nähe zu Ludendorff und Hitler, soll er 1917 gesagt haben "Wann hat dieser Scheißkrieg ein Ende?" Bis hin zu Erich Maria Remarques "Im Westen nichts Neues" oder Ernst Friedrichs "Krieg dem Kriege" die ganz offene Anti-Kriegsbücher sind.
    Alles davon wurde gelesen, hat sich verkauft, ist Teil der breiten Masse und ist "Volk".
     
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  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Dann würde ich die Empfehlungen mal ernst nehmen und anfangen, sie zu lesen.

    Berger, Michael (2015): Für Kaiser, Reich und Vaterland. Jüdische Soldaten, eine Geschichte vom 19. Jahrhundert bis heute. Zürich: Orell Füssli Verlag.
    Chickering, Roger (2007): "War enthusiasm?" Public oppinion and the outbreak of war in 1914. In: Holger Afflerbach (Hg.): An improbable war. The outbreak of World War I and European political culture before 1914. New York, NY: Berghahn, S. 200–212.
    Horne, John (2012): Public Opinion and Politics. In: John Horne (Hg.): A companion to World War I. Chichester, U.K., Malden, Mass.: Wiley-Blackwell, S. 279–294.
    Verhey, Jeffrey (2000): Der "Geist von 1914" und die Erfindung der Volksgemeinschaft. 1. Aufl. Hamburg: Hamburger Edition HIS.
     
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  6. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Wer hat denn gesagt ich würde die empfehlungen nicht ernst nehmen und sie nicht lesen. ich habe nur meine Ansicht eines volkes erörtert und sonst nichts geschrieben... Aber auch ihnen vielen Dank für die Literatur.
     
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  7. kjd

    kjd Neues Mitglied

    falls sie auf meinen zweiten Post anspielen. der widmete sich ja einem anderen Thema also erwartete ich auch andere Empfehlungen.
     
  8. kjd

    kjd Neues Mitglied

    Ich habe mich etwas undeutlich ausgedrückt. ich benötige von Historikern verfasste Literatur. Volk können sie so definieren wie sie das für richtig halten. ,,Wir sind das Volk" schreit heutzutage ja eh jeder zweite auf einer Demo in Berlin. Mir geht es lediglich um die Allgemeine Kriegsbegeisterung in den jahren 1914-18 bezogen auf die einwohner der Länder DE und England. (Ich weiß das es dort Diskrepanzen gab), diese wollte ich nur in einem Buch konkret nachlesen können.
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    1. Literatur zum "Augusterlebnis" wurde bereit gestellt

    https://www.dhm.de/lemo/kapitel/erster-weltkrieg/innenpolitik/august-erlebnis.html

    2. Die Verwendung des Begriffs "Volk" ist unsinnig, da dieser Begriff die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Motivationen der historischen Akteure nicht analytisch begreifen kann.

    Die Arbeiterschaft hat eine andere Art von Patriotismus gezeigt wie der preußiche Adel oder rheinische Industriebarone.

    2. Für die Phase des Niedergang der Kriegsgesellschaft wurden Dir auch Literaturhinweise gegeben, wie z.B. Kocka oder es ließe sich ergänzen durch Wehler (Deutsche Gesellschafts Geschichte, Bd. 4)

    Der Begriff der antagonistischen Zielvorstellungen wird im Jahr 1917/18 deutlich durch die zunehmende Streikbereitschaft einer Gesellschaft, die durch den Krieg massiv leiden mußte.
     
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  10. Opteryx

    Opteryx Aktives Mitglied

    Zur gesellschaftlichen Ansicht des Krieges gehört natürlich auch die Vorgeschichte. Bertha v. Suttner hatte mit ihrem Buch "Die Waffen nieder!" eine klare pazifistische Position bezogen. Und der gerade "im Volk" meistgelesene Karl May nahm dies zum Anlass, statt eines gewünschten hurrapatriotischen Werks über China das genaue Gegenteil zu schreiben. Beide haben allerdings den WKI nicht mehr erlebt.
     
  11. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Natürlich gehört die auch dazu. Und es gehört auch einer der einflussreichsten Sozialisten bzw. Pazifisten dazu, Jean Jaures. Der mäßigend hätte wirken können, wäre er nicht von extremistischen französischen Nationalisten kurz vor dem WW1 ermordet worden.

    Jean Jaurès – Wikipedia

    Die Welt vor dem WW1 war durchaus militaristisch geprägt, auch durch den "Militarismus des kleinen Mannes", in vielen Ländern. Aber es war auch die Zeit engagierter Pazifisten wie Suttner oder Jaures. Und es zeigt, dass neben der vorhandenen Kriegsbegeisterung auch pazifistische Strömungen vorhanden waren, die nicht wirksam wurden, weil alle Länder für sich das Recht auf "Vaterlandsverteidigung" reklamierten.

    Und dieses Recht akzeptieren auch große Teile der eher pazifistisch gesonnenen Sozialdemokratie bzw. der Sozialistischen Internationale, zu der auch Jaures gehörte.

    Internationaler Sozialistenkongress (1912) – Wikipedia
     
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  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kurt Flasch: Die geistige Mobilmachung. Die deutschen Intellektuellen und der Erste Weltkrieg. Ein Versuch. Berlin 2000.
     
  13. hatl

    hatl Premiummitglied

    Die Berta ist ein interessanter Fall, denn ihr Buch ist ja ein Roman.
    Sie schreibt vorher Frauenromane für Zeitschriften.
    Und dann "Die Waffen nieder!" auch ein Frauenroman. Geschrieben aus der Sicht einer Frau, die hingerissen vom Flair des Militärs, einen Gatten dieser Zunft nach dem anderen heiratet und verliert. Beschreibt was das für sie an Schmerz bedeutet und wie sehr sie mit ihrem jeweiligen Mann leidet, dessen schreckliches Schicksal sich in seinen Briefen offenbart.
    Ob literarisch überragend oder nicht, schlägt es doch ein, und die Bertha wird berühmt und erfüllt in bewundernswerter Weise die Rolle einer Vorkämpferin für den Frieden.

    Noch einen Roman will ich empfehlen: Gabriel Chevallier - Heldenangst (La Peur)
    Der französische Autor kämpfte im Grabenkrieg und beschreibt sehr gut das 'feeling' seiner Zeit, ob im Bombenhagel, im Matsch, auf dem Scheißhaus, im Lazarett, oder im Heimurlaub.

    (Auch Dichter(innen) geben Schlüssel zu Türen die sonst verschlossen blieben.)
     
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