Lokale Eliten unter Alexander der Große

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von frunjo, 25. Juni 2011.

  1. frunjo

    frunjo Neues Mitglied

    Hallo,

    letztens fragte mich mein Bruder, der ein Referat für sein Geschichtsstudium vorbereiten musste, ob ich Ihn helfen könnte.
    Dies wollte ich natürlich tun und er nannte mir sein Thema: "Lokale Eliten unter Alexander der Große".

    Dies fand ich war eine ausserordentlich interessante Fragestellung.
    Ich nannte meinem Bruder erstmal die Namen von Antigonos, Hephaistion, Kleitos, Krateros, Nearchos, Parmenion, Perdikkas,Philotas, Ptolemaios und Seleukos.
    Trotzdem kam mir dann die Frage, sind das wirklich lokale Eliten im Alexanderreich und inwiefern ist der Begriff der "lokalen Eliten" dehnbar.

    Ich hoffe auf eine angeregte Diskussion.

    Gruß
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Fragestellung ist nicht ganz klar. Es gab Provinzen im Alexanderreich mit Statthaltern an der Spitze, es gab die Führungsschicht des Heeres und schließlich den Hofstaat Alexanders. Das alles sind aber keine lokalen sondern Reichseliten.

    Als lokale Eliten können nur die alten Führungseliten der von Alexander eroberten Staaten, Länder und Regionen gelten, wie z.B. diejenigen Ägyptens, Phönikiens, Lydiens, Armeniens, Babyloniens Mediens oder Baktriens. All diese Teile überwölbte allerdings das Perserreich, das diese Staaten und Länder im 6. und 5. Jh. erobert, allerdings deren regionale Eigenheiten nicht zerstört und deren Eliten nicht vernichtet hatte - vielleicht abgesehen von einigen strategisch wichtigen Positionen
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Möglich wäre auch, dass die Fürstenfamilien der ehemaligen Lokalfürstentümer gemeint sind, die in der Umgebung von Makedonien existierten, bis sie von Philipp II. unterworfen wurden, z. B. Lynkestis oder Orestis. Philipps eigene Mutter Eurydike war die Tochter des Fürsten von Lynkestis. Diese Fürstentümer waren teils makedonisch, teils illyrisch bevölkert, und standen zumindest nominell unter makedonischer Oberhoheit. Anscheinend behielten zumindest einige dieser Fürstentümer auch nach ihrer Unterwerfung eine gewisse Autonomie.
     
  4. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Die zitierten Persönlichkeiten waren makedonische Offiziere Alexanders in dessen Heer während des Asienfeldzuges. Es waren also vereinfacht "militärische Eliten", die allerdings auch zu Eliten in dessen Reichsverwaltung avancierten. Alexander zerstörte die Reichsverwaltung des persisch-achämenidischen Reichs nicht einfach, wie vielfach behauptet, sondern übernahm sie mit fortschreitender Eroberung. Das persisch-alexandrinische Reich war unterteilt in Provinzen (Satrapien) indenen er seine Gefolgsmänner als Statthalter einzusetzen pflegte, welche die Provinzen verwalten und gegebenenfalls militärisch zu verteidigen hatten.

    Der erste makedonische Statrap auf asiatischem Boden war Kallas, der im hellespontischen Phrygien eingesetzt worden war, nachdem dieses Gebiet nach der Schlacht am Granikos 334 v. Chr. von Alexander erobert wurde. Bedeutend war auch Antigonos (der Einäugige) der die Provinzen Zentralanatoliens (Phrygien) erhielt.

    Allerdings stützte Alexander seine Herrschaft nicht allein auf Makedonen oder Griechen. Nachdem er in Babylon eingezogen war ernannte er erstmals auch persische Männer zu Statthaltern die bereits unter Dareios III. gedient hatten, bekannt ist dabei vor allem Mazaios. In den Zentralasiatischen Provinzen beließ er mehrere persische Statthalter des Dareios III. in ihren Ämtern, sofern sie sich ihm rechtzeitig unterworfen hatten. Diese Persönlichkeiten stellten natürlich eine "lokale Elite" dar. Beispielsweise war die Familie der Fürstin Ada von Karien sowas wie eine erbliche Statthalterdynastie gewesen, der unter anderem auch der berühmte Maussolos (der mit dem Mausoleum) angehört hatte.

    Zu den Statrapen des Alexanderreichs siehe:
    Alexanderreich ? Wikipedia
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Den beibehaltenen persischen Satrapen wurde aber als Aufpasser ein Strategos zur Seite gestellt.
     
  6. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Nicht in jedem Fall. Spontan fallen mir dazu nur zwei Beispiele ein.
    Proexes dem der militärische "Aufpasser" (episkopos) Neiloxenos zur Seite gestellt wurde, und Tyriespis der von Nikanor überwacht wurde. ERGÄNZUNG: Die betreffende Provinz war Parapomisaden, welche den Hindukush mit umfasste, den strategisch wichtigen Übergang in das Industal. Alexander dürfte hier also ein besonderes Augenmerk in der Personalbesetzung gelegt und sich mehrfach abgesichert haben.

    Die persischen Statthalter unter Alexander besaßen in der Regel auch militärische Kompetenzen, wie beispielsweise Phrataphernes zeigt, der den rebellisch gewordenen Amtskollegen Autophradates im Auftrage Alexanders ausschaltete.

    Alexander hatte in allen strategisch wichtigen Städten Besatzungstruppen mit einem Kommandanten zurückgelassen, gleich ob die betreffende Provinz mit einem Makedonen oder Persern besetzt wurde.

    Proexes ? Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nikanor_(Gandhara)
    http://de.wikipedia.org/wiki/Autophradates_(Satrap)
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2011

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