Luftangriffe im II.WK auf dt. Städte mit B-Waffen geplant?

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von HäuptlingOrm, 25. August 2020.

  1. HäuptlingOrm

    HäuptlingOrm Neues Mitglied

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Biologische_Waffe

    Ausgerechnet zu dieser Aussage liefert der verlinke Artikel keinen Einzelnachweis, daher meine Frage:
    Hat einer der Foristen konkrete Kenntnis darüber, ob es seitens der Alliierten tatsächlich geplant war das "morale bombing" gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung derart zu eskalieren wie beschrieben?

    Nach den angegebenen Schätzungen würde das etwa drei Millionen tote Zivilisten zur Folge gehabt haben.
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Und wie hoch hätte bei einer derartigen Bombardierung mit z.B. Milzbrand die Anzahl der schwer erkrankten und Toten unter der späteren alliierten Besatzungsarmee sein können.

    Wiki:
    "Die Sporen des Milzbranderregers sind hingegen außergewöhnlich unempfindlich. Durch Eintrocknen werden sie nicht vernichtet. Durch Sonneneinstrahlung werden sie innerhalb von vier Tagen abgetötet. Im Erdreich und vor Sonne geschützt bleiben sie über viele Jahrzehnte hinweg lebensfähig."

    Im Winter 1942 und Frühjahr 1943 hat Großbritannien auf der Insel Gruinard Island Milzbranderreger in Form von „Rinderkuchen“ an Schafen getestet (Operation Vegetarian), worauf die Insel fast fünfzig Jahre lang Sperrgebiet war. Die Insel wurde 1986 und 1987 mit insgesamt 280 Tonnen Formaldehyd entseucht und das Land 1990 an die Nachfahren der früheren Besitzer verkauft.[35]

    Die USA haben während des Zweiten Weltkrieges an Milzbrandbomben gearbeitet. So bat Winston Churchill US-Präsident Roosevelt um eine beschleunigte Lieferung von 500.000 „N-Bomben“, die zuvor auf dem Testgelände Dugway Proving Ground entwickelt und getestet wurden.[36][37]

    (vgl. Hinweise via Link)


    Nein, ein Einsatz wäre unwahrscheinlich gewesen. GB hatte Kenntnisse, dass Milzbrand ein sehr lange wirksamer, letaler Kampfstoff war. Und das hätte ein Einsatz lediglich als ultima Ratio der Kriegsführung gerechtfertigt. Aber sicherlich nicht als Angriffsoption auf Städte im Jahr 1944/45. Nicht zuletzt, da dieses mit Stalin hätte abgesprochen werden müssen, da es seine Optionen massiv berührte.

    Der Vergeltungsaspekt deutscher Angriffe auf London mit B- und C-Waffen war zudem für Churchill zu beachten. Und die Wehrmacht hatte ein sehr umfangreiches Arsenal, das für einen reaktiven "Vergeltungsangriff" hätte genutzt werden können.

    Ansonsten machen Militärplaner Pläne für alles (vgl. als Beispiel Churchills "Operation Unthinkable"). Sofern sie es nicht tun werden sie durch "innovative" Strategien ihrer Gegner überrascht. Das entspricht der Logik ihres "Worse Case" denken. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass es auch Pläne zur Bombardierung mit B-Waffen gab. Diese werden allerdings wohl - ausschließlich - die "Effektivität" untersucht haben, aber nicht die militärstrategischen oder politischen Konsequenzen für die Phase nach der Besetzung von NS-Deutschland.

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Milzbrand

    https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Unthinkable
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2020
  3. HäuptlingOrm

    HäuptlingOrm Neues Mitglied

    In dem Artikel ist die Rede von in Auftrag gegebenen einer Million Bomben zu diesem Zweck. Für meinen Geschmack klingt das schon ziemlich konkret. Geht das nicht über bloße Planspiele hinaus?

    Wie hat sich das denn später in den Fällen Hisoshima und Nagasaki (verstrahlt) verhalten?
    Man hätte doch eine Besetzung der betroffenden Gebiete ausparen können, da diese gerade aufgrund der Verseuchung (praktische Unbetretbarkeit? ) zur Kontrolle des Raumes nicht unbedingt notwendig hätte gewesen sein müssen? Und direkte Übertragung im Sinne von Ansteckung scheint es bei dieser Art Milzbrand nicht wirklich gegeben zu haben.

    Ich denke dabei beispielsweise auch an die 1000-bomber-raids und überhaupt die Luftangriffe auf deutsche Städte: Es wurden nämlich auch dort Städte gezielt geschont, die einem bestimmten späteren Zweck zugedacht waren. So wie beispielsweise Heidelberg, wo die Amerikaner schon länger geplant hatten ihr Hauptquartier zu errichten.
    Man könnte also auch im Falle eines B-Waffen Angriffs amerikanischerseits gezielt Städte durch nicht-Angriff begünstigen um aus ihnen einen späteren Nutzen ziehen zu können, was sich aus meiner Sicht
    auch schon allein durch die Endlichkeit der Aufzählung der Ziele andeutet.

    Hier wird mir nicht ganz klar, wie deutlich die Westalliierten 44/45 sich für die Erhaltung von Stalins Optionen haben interessieren müssen. Kannst du mir das erläutern?
     
  4. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Nur damit ich es verstehe, bin ja nur Hobby-Historiker.

    Hier diskutiert man über eine Sache die während des II. Weltkrieges – nach meiner Kenntnis – weder von den Deutschen incl. Verbündeten noch von den Alliierten incl. UdSSR stattgefunden hat.

    Hätte aber stattfinden können, denn beide Seiten hätten wohl das sogenannte Know How dazu gehabt. Oder nicht?

    Vielleicht waren es internationale Verbote die sie daran gehindert haben, oder vielleicht auch hat man vor den Risiken zurückgeschreckt. Vielleicht hatte auch jeder der Beteiligten so seine eigenen Gründe.

    Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, bakteriologische Kriegsführung in der einen oder anderen Form gab es in der Historie, wäre also nicht Neues gewesen wenn auch unmoralisch usw..

    Das nun die Amerikaner – offensichtlich in der ersehnten Endphase dieses sinnlosen Krieges - Vorbereitung dazu getroffen hatten, erkläre ich mir nur so, Politiker und Generäle loten gern ihre Optionen aus und arbeiten an diesen.

    Die deutsche Führung unter A. Hitler sprach ja auch von einer „Wunderwaffe“ die sie bald haben. Gemeint war wohl die Atomwaffe. Die Amerikaner hatten sie dann.

    Mit den Stealthflieger der Gebr. Horten war man auch schon gut vorangekommen. Aber da kam dann im Mai 45 das Ende.

    Möglicherweise hätte man die amerikanische Atombombe auf eine Stadt von Deutschland geworfen. Hat man aber nicht. Im Mai 45 war ja endlich Schluss in Europa und ein Wurf der Atombombe auf Deutschland machte wohl keinen Sinn mehr. Und ich glaube auch, in den politischen Kreisen der Westalliierten sah man schon mit Sorge den Einfluss der Russen in der europäischen Nachkriegszeit.
    Mit Japan verhielt sich das ja anders.

    Manches Mal ist es ebenso.

    Die Zeit bringt es mit sich das es keinen Sinn mehr macht.
    Und es auch gefährlich sein könnte seine Pläne umzusetzen

    Das erinnert mich z.B. an die Stadt Erfurt in Thüringen.

    Der sogenannte „Final-Schlag“ (ähnlich Dresden) war komplett vorbereitet und abgeschlossen (April 1945). Und so wie ich weiß, man war auch schon auf den Weg in die Flugzeuge.

    Da kam das „Stop“.
    Das Stopp deshalb, weil die Verbände des General Patton schnell, sehr schnell vorangekommen waren.
    Die Historiker sprechen in diesen Fall für Erfurt von: „Größten Glücksfall der Stadtgeschichte“.
    Weil, ein „Finalschlag wäre wohl sicherlich gefährlich für die Verbände von General Patton geworden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. August 2020
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  5. Kukumatz1

    Kukumatz1 Neues Mitglied

    Hobbyhistoriker bin ich nicht, aber historisch interessiert.

    Ob irgendeine Seite B-Waffen eingesetzt hätte, ist eine müßige Frage; sie wurden NICHT eingesetzt und zwar aus gutem Grunde:
    Beide Seiten hatten die Giftgasentwicklung vorangetrieben, aber mW kein Gas eingesetzt, weil es auch für die einsetzende Seite gefährlich gewesen wäre.
    Außerdem hatte Hitler eigene Erfahrungen im Gaskrieg WKI "gesammelt"!
    Das war ihm Abschreckung genug, diese Waffe nicht einzusetzen... oder liege ich da falsch?
     
  6. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Falls die Führung des DR einen strategischenVorteil an der Front gesehen hätte, hätte sie auch C-Waffen eingesetzt.
    Wobei sie ja mit Zyklon B ja schon C-Kampfstoffe gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat und die der besetzten Länder.
     
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  7. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Ich halte das für Unsinn. Die Alliierten wussten von ihrer produktionstechnischen und militärischen Überlegenheit. Weder hatte die deutsche Panzerwaffe und Luftwaffe 1940 in Frankreich überzeugt, Deutschland über Großbritannien die Luftüberlegenheit erreichen noch Russland 1942 niederringen können, 1943 war das italienisch/deutsche afrikanische Abenteuer mit völliger Niederlage beendet.
    Man brauchte kein Giftgas, man wollte kein Giftgas, und es war militärisch unsinnig.
    Zudem hätte man den Gegner Deutschland mit einer verpönten Waffe angegriffen die dieser in u.U. größeren Menge besaß und mit Fernwaffen hätte todbringend einsetzen können.
     
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  8. Shinigami

    Shinigami Aktives Mitglied

    Der 1. Weltkrieg hat vor allem gezeigt, dass es sich bei Giftgas um eine im Sinne des Grabenkrieges wenig sinnvolle Waffe handelte, weil der Durchbruch und die Eroberung feindlichen Terrains ja zum einen voraussetzte, anschließend eigene Truppen in oder durch Bereiche zu schicken, die man zuvor mit Gas beschossen hatte und zum anderen konnte natürlich auch jederzeit der Wind einfach drehen.

    Insofern nicht verwunderlich, dass man von dem Zeug, mindestens was den Umgang mit Kombattanten angeht, die Finger ließ.
    Als Mittel des Bombenkrieges, wären Gasangriffe sicher möglich gewesen, aber nur dann wirklich sinnvoll, wenn man es rein auf die Terrorisierung der Zivilbevölkerung abgesehen gehabt hätte, denn Fabriken etc. zerstört man mit Gasladungen offensichtlich nicht und wenn es um Maximierung der Zerstörung ging, dürften, gerade auch in den älteren Altstädten mit ihren Holzbauten, Brandbomben das weit effektivere Mittel gewesen sein.


    Was nun Hitler betrifft:

    Wo hätte es denn Sinn gemacht? Auf den Feldzügen in Europa, auf denen man selbst der Angreifer war, hätte man ja anschließend durch das kontaminierte Gelände selbst durch gemusst, da hätten sich die Truppen herzlich dafür bedankt.
    So lange man tatsächlich noch im größeren Stil Angriffe gegen GB fliegen konnte, konzentrierte man sich vor allem auf Produktionsstätten, Fliegerhorste der RAF und Hafenanlagen, um entweder die Grundlagen einer Invasion zu legen, oder die matitime Kriegsführung dabei so weit als möglich zu unterstützen, die Versorgungslage Großbritanniens zu unterminieren.
    Nicht, wofür man Gas wirklich gut hätte gebrauchen können.

    Durchaus interessant aber, dass man vor dem 2. Weltkrieg, wohl durchaus mit verstärktem Einsatz von Gas im Rahmen des Luftkrieges rechnete.
    Overy ("Bombenkrieg") zur Folge, soll wohl noch in der Zwischenkriegszeit in GB einiges an Anstrengungen unternommen worden sein, die Zivilbevölkerung aus potentielle Gasangriffe vorzubereiten und in weiten Teilen mit Gasmasken zu versehen.
     

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