MA von 500-1500: Sozialgeschichtlicher Sinn?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von CocoValentine, 26. April 2013.

  1. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    naja, das Schwarzpulver wurde deutlich vor 1500 erfunden, die Konfessionskonflikte sind in England, Frankreich und im HRR zu unterschiedlichen Zeiten und der Große Konfessionskonflikt ist der 30 jährige Krieg, ~1650 , also deutlich später, Jan Hus aber deutlich früher.
    Natürlich kann man versuchen, irgendwelche Ereignisse um die beiden Jahreszahlen herum als so wichtig definieren, das man damit auch "das Mittelalter" definieren kann.
    Aber es gibt eben genausoviel, genauso wichtige Ereignisse zu anderen Zeiten.

    Das Mittelalter aber ist nun mal so definiert, wie es definiert ist. Und das ist nun mal das Ende des römischen Reichs/der Hunnen in Europa/Ende der "Völkerwanderung " bis Entdeckung Amerikas/Beginn der Überseekolonisierung.

    In anderen Regionen werden andere Ereignisse und Jahreszahlen verwandt (Nordeuropa, Osteeuropa, Japan usw)

    Und die Frage ist eben, ob die Jahreszahlen 500-1500 aus sozialgeschichtlicher Sicht Sinn machen....
    Sie machen genausoviel Sinn wie die Zahl 800 -1650 oder 778 -1798. Es gibt sicher noch einige andere Zahlenpaare, die aus sozialgeschichtlicher Sicht sinnvoller wären
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist ja auch von einer Übergangszeit die Rede und niemand hätte je behauptet, dass das MA am 31.12.1499 geendet hätte.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ich bin auch kein Freund von Epochen und Epochengrenzen, da sie erstens den Eindruck erwecken, die Epoche selbst wäre eine Art Einheitsbrei, in dem sich jahrhundertelang im Wesentlichen nichts verändert hat, ehe es dann an der Epochengrenze quasi über Nacht zu einem epochalen Umbruch kam, und zweitens meist nur regional passen. Da stimme ich Wilfried zu.
    Gerade das Schwarzpulver ist da auch ein schönes Beispiel: Feuerwaffen kamen bereits im 14. Jhdt. auf, wenngleich sie lange Zeit noch keine große Rolle spielten, andererseits hielt sich der Einsatz von Blankwaffen bis ins 20. Jhdt. hinein. Der Vormarsch der einen und der Rückgang der anderen war ein jahrhundertelanger Prozess, und lange Zeit wurden sie kombiniert eingesetzt, aber schon die Heere der Hussiten hatten kaum noch etwas mit dem Heer zu tun, das auf dem Lechfeld die Ungarn schlug, während die Kampfweise des Dreißigjährigen Krieges noch deutlich der der Kriege in Italien Ende des 15. / Anfang des 16. Jhdts. ähnelte.
    Anderes Beispiel: Eine selbstverwaltete Stadt des 13./14. Jhdts. hatte - gerade vom sozialen Aspekt her - wahrscheinlich mehr mit ihrer selbstverwalteten Version des 16. Jhdts. gemeinsam als mit ihrem Zustand zur Zeit der Merowinger.
    Das Lehenswesen wiederum hielt sich im HRR bis 1806, die Grundherrschaften noch länger, also beides Elemente, die gerne als typisch mittelalterlich betrachtet werden.
    Die zunehmende Öffnung Europas für Einflüsse von außen setzte auch nicht erst mit Kolumbus ein, sondern schon mit dem zunehmenden Levantehandel im Gefolge der Kreuzzüge.
    Konfessionskonflikte gab es auch fast das ganze Mittelalter hindurch (Paulikianer, Bogomilen, Katharer, John Wyclif, ...), waren also vom sozialen Aspekt her keine Neuigkeit der frühen Neuzeit. Der Unterschied liegt bloß im nachhaltigen Erfolg.
     

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