Machiavellis Fürst

Dieses Thema im Forum "Krisenzeiten und Renaissance (14. - 15. Jhd.)" wurde erstellt von Nergal, 21. September 2012.

  1. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Habe vor einiger Zeit eine, wie ich finde, interessante Theorie zu der Fürst gelesen.
    Machiavelli war ja in seinem "früheren Leben" ein Anhänger der Republik und eher für das Gegenteil jener Vorgehensweisen die er in der Fürst empfiehlt und errörtert, könnte es sein dass "der Fürst" eine Abrechnung mit den von Machiavelli gehassten Medici etc. ist also praktisch ein als Handbuch getarnte Kritik die die ethischen und moralischen Mängel seiner Gegner nennt und sie dazu bringt sich selbst zu belasten da sie es als Ratgeber sehen und annehmen?
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Machiavelli hat die Medici nicht gehasst und Il Principe ist auch keine getarnte Kritik* sondern ein Werk, mit dem sich der, bei den in Florenz regierenden Medici in Ungnade gefallene Niccolò Machiavelli wieder rehabilitieren wollte. Nur gebracht hat es nichts, weil das Buch den Medici nicht gefallen hat und Machiavelli noch ein paar Jahre weiter im Exil leben musste. Wenn du Il Principe mal selbst liest, wird dir auch schnell auffallen, dass es gar keine Schmähschrift sein kann. In Anbetracht des Zeitgeistes der Renaissance gelesen, ist Il Principe schlicht eine politisch-philosophische Veröffentlichung (in der man übrigens überraschend wenig von den Umdeutungen und Interpretationen des Machiavellismus wiederfindet).
     
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  3. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Nergal

    Lies Il Principe selbst und bilde Dir eine Meinung, da geht es nicht um Kritik oder Abrechnung sondern m.E. um eine philosophische Sublimierung der politischen Zustände Italiens im späten 15. und frühen 16. Jh. Il Principe ist bedeutend in seiner Rezeptionsgeschiche.

    Mein Tip, lies den Urtext und überspringe die kommentierende Einleitung:

    http://www.gutenberg.org/files/39816/39816-pdf.pdf

    M.
     
  4. Nergal

    Nergal Neues Mitglied

    Ich habe es bereits gelesen (leider nicht in der originalversion da ich die Sprache nicht spreche), ich dachte aber nicht an eine direkte Kritik, oder Satire sondern an etwas viel subtileres.
    (Ich müßte mal den Artikel dazu herausfinden).
    Wenn etwa erörtert wird ob es besser ist gefürchtet oder geliebt zu werden und dann ersteres favorisiert wird wegen der aufgezählten Mängel der Menschen, dann klingt dass ein wenig nach "das ist deine verkommene Welt, und auch alles womit Du zu arbeiten in der Lage bist".
     
  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ich denke das hängt mit der zugrunde liegenden Anthropologie zusammen, die auch den anderen Werken enthalten sein dürfte; so heißt es etwa in den Diskursen, daß die Menschen nur aus Not etwas Gutes tun [...]" oder "daß alle, die zu großem Reichtum und zu großer Macht gelangen, durch Gewalt oder Betrug dazu gelangten" (zit. nach Horkheimer [1930], Anfänge der bürgerlichen Geschichtsphilsophie, Abschnitt 1) Horkheimer arbeitet im übrigen heraus, daß ein zentraler Gedanke Machiavellis vor allem derjenige eines starken (zentralistischen) Staates sei, wobei dessen konkrete Staatsform (z. B. Monarchie oder Republik) dabei eher zweitrangig sei, da sich diese stets und je nach gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen - nach Machiavelli in einer gewissen zyklischen Abfolge - verändern.
     
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