Mandäer, Samaritaner und Manichäismus

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von KiHi, 20. März 2012.

Schlagworte:
  1. KiHi

    KiHi Gast

    Ich habe eine Frage, welche Beziehung bestand zwischen den Gruppen der Mandäer, Samaritaner und Manichäer? Gab es gemeinsamkeiten? Haben ihre Theologen sich ausgetauscht?
    Mandäer ? Wikipedia
    Manichäismus ? Wikipedia

    Wie ist es ihnen unter der gemeinsamen Herrschaft des Islam ergangen?
     
  2. KiHi

    KiHi Gast

    Da man mir bisher nicht geantwortet hat, gehe ich davon aus, dass man von mir erwartet, kurz zusammenzufassen, was ich bisher weiß (was praktisch nichts ist, ganz sokratisch).

    Nach einiger Recherche bin ich auf folgende Stelle in einem Buch gestoßen:
    Quelle: Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra: eine ... - Josef van Ess - Google Bücher

    Daraus entnehme ich, dass es Manichäer im islamischen Kulturkreis wohl noch relativ lange gegeben hat, da dort keine Zwangskonvertierungen durchgeführt wurden. Die Zoroastrier wären als Religionsgemeinschaft zwar auch interessant, aber erstens gibt es über sie bereits genügend Threads hier und zweitens mW auch genügend Literatur. Lediglich das weitere Schicksal der "sprichwörtlichen" Manichäer bleibt verschlossen.
    Und dabei scheint dieser Kult die "intellektuelle Strahlkraft" gehabt zu haben, sich von den Kulturregionen der römischen Welt über den Nahen Osten und Indien bis hin nach China zu verbreiten!
    Im Wikipedia-Artikel gibt es ja gewisse Spekulationen darüber, dass selbst die sog. "Ketzer" durch die Lehren der Manichäer beeinflusst gewesen sein sollen. ;)

    Desweiteren findet sich in genau den Buch auch eine interessante Stelle, die auf eine "intellektuelle Kultur" (in der Hoffnung, hier keinen bekannten Terminus umgedeutet zu haben, gemeint ist die Einstellung der Intellektuellen) hindeutet, die auf eine argumentative Auseinandersetzung mit anderen Religionen hindeutet:
    Theologie und Gesellschaft im 2. und 3. Jahrhundert Hidschra: eine ... - Josef van Ess - Google Bücher

    Bei den Mandäern ist der Fall insofern interessant, als dass dieser Kult recht offenbar schon relativ früh mit den Christentum konfrontiert gewesen sein muss.
    In fast allen Evangelien finden sich Berichte über Johannes den Täufer. Allerdings wird er dort eindeutig als einen Vorläufer Christie bezeichnet, der ihn zwar tauft, ihn aber nicht im Rang gleichkommt. (In den Evangelien wird um ihn regelrecht ein Mythos gesponnen.) Auffällig ist dabei, dass der Name Johannes im neuen Testament relativ oft vorkommt: Johannes der Täufer; das Evangelium nach Johannes; Johannes, der Jünger, den Jesus besonders mochte und von dem es unter den Jüngern sogar die Meinung gab, er werde niemals sterben (Johannes 21,23) und den letzten Johannes, den wir die Geheime Offenbarung mit ihrer recht poetischen Bildersprache verdanken (die die Fantasie nicht umsonst bis heute anzuregen scheint). Das mag nun bloß Zufall sein.

    Auch der Koran kommt nicht darum herum, die Weisheit und Besonderheit von Johannes den Täufer zu unterstreichen: Johannes der Täufer ? Wikipedia

    Ich weiß, das Wikipedia keine glaubwürdige Quelle ist, aber dieser Abschnitt scheint mir hier recht gut ins Bild zu passen:
    "Die Zugehörigkeit zur mandäischen Religionsgemeinschaft ist heute ethnisch begründet, Konvertiten werden nicht aufgenommen. Dies ist jedoch nach den Quellen in vorislamischer Zeit anders gewesen.[...]."
    Mandäer ? Wikipedia

    Es scheint also so zu sein, dass die frühen Christen, aber auch die Moslems, wohl mit den Gedankengebäude dieser Religionsgemeinschaft konfrontiert gewesen sein müssen. Und sich somit teilweise genötigt sahen, sich von ihr abzugrenzen. Da sich aber das Christentum nicht direkt auf Johannes den Täufer bezieht (auch wenn sie sein Andenken natürlich teilt), scheint dies merkwürdig, wenn man annimmt, das der Täufer immer schon eher eine "Nebenfigur" (ohne seine Bedeutung schmälern zu wollen!) war und die Gemeinschaft seiner Anhänger niemals missionierte.

    Demnach muss diese Gemeinschaft wohl einmal missioniert haben. Zumindest aber muss sie ein so ernstzunehmender Konkurrent gewesen sein (warum auch immer), dass man ihnen in fast allen heiligen Überlieferungen einen gewissen Raum einräumen musste.

    Wieso sollten sie also in der beginnenden Spätantike/den Frühmittelalter plötzlich aufhören, zu missionieren? Das würde mich sehr interessieren.

    Ich hoffe, dieses Posting stellt die Leser zufrieden und ermuntert sie zu eigenen Antworten!
     
  3. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    Auf die Gefahr hin, dir bereits bekanntes zu sagen, Augustinus war eine kurze Zeit Manichäer. In dem Sinne hat sich das frühe Christentum intensiv mit Mani auseinandergesetzt.

    BKV

    oder hier

    http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/4/#1
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. März 2012

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